ログインROWANS SICHT
Dereks Arm schloss sich wie ein Schraubstock um meine Schultern.
Seine Finger gruben sich in meine Haut, und ich kämpfte darum, mein Gesicht ruhig zu halten. Die Musik dröhnte noch immer um uns herum, aber die Leute in unserer Nähe hatten angefangen, aufmerksam zu werden. Gespräche verstummten, während sich immer mehr Köpfe in unsere Richtung drehten.
„Alle herhören!“, rief er laut. Seine Stimme schnitt durch die Musik. „Das hier ist Rowan. Wir waren zusammen auf der Schule.“
Ein paar Köpfe drehten sich um. Dann noch mehr. Die Menge begann sich zu sammeln, angelockt von dem Tumult.
Mein Magen verkrampfte sich.
Ich erkannte einige der Gesichter, die mich beobachteten. Ein paar kannte ich aus der Schule, während die anderen Fremde waren, die offenbar Spaß an der plötzlichen Szene hatten. Jemand in der Nähe der Treppe hob sein Handy.
Derek bemerkte die Aufmerksamkeit und grinste noch breiter.
„Er war unser Lieblings-Boxsack“, fuhr er grinsend fort. „Aber ich bin mir sicher, einige von euch wissen das bereits.“
Gelächter ging durch die Menge.
Das Geräusch traf mich härter, als ich erwartet hatte. Mein Gesicht brannte, und ich versuchte, mich loszureißen, aber Dereks Griff war wie aus Eisen.
„Lass mich los.“
„Ach, komm schon. Sei nicht so.“ Er zog mich näher an sich. „Wir holen doch nur die alten Zeiten nach. Erinnerst du dich an all die schönen Momente?“
Sein Atem roch nach Alkohol. Ich drehte mein Gesicht weg und versuchte, nicht zu würgen.
„Es gab keine schönen Momente“, murmelte ich.
Dereks Lächeln verschwand für einen Moment.
„Was hast du gesagt?“
Ich schluckte und sah nach unten.
„Nichts.“
„Das dachte ich mir.“
Er zog seinen Arm noch fester um mich und presste mich gegen seine Seite. Meine Schulter schmerzte, aber ich weigerte mich, ihm zu zeigen, wie sehr.
Marcus trat vor.
„Derek, nimm deine Hände von ihm.“
Derek sah ihn an und lachte.
„Entspann dich, Mann. Wir feiern hier ein Wiedersehen.“
„Niemand hat nach einem Wiedersehen gefragt.“
Ein paar Leute lachten über Marcus' Antwort, aber Derek fand sie nicht lustig. Seine Augen verengten sich, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf mich richtete.
„Ich erinnere mich an ein Mal“, sagte er laut genug, dass jeder es hören konnte. „Wir haben ihn drei Stunden lang im Putzschrank eingesperrt. Als wir ihn rausgelassen haben, hat er geheult.“
Noch mehr Gelächter.
Mein Gesicht wurde noch heißer.
Ich erinnerte mich ebenfalls viel zu genau an diesen Tag. An die Dunkelheit in dem Schrank. Den Geruch nach Reinigungsmitteln. Daran, wie ich gegen die Tür gehämmert hatte, bis meine Hände schmerzten.
Ich hatte panische Angst gehabt, dass mich niemand finden würde.
Und als sie die Tür schließlich geöffnet hatten, hatten Derek und die anderen über die Tränen in meinem Gesicht gelacht.
„Ich habe nicht geheult“, murmelte ich.
Derek beugte sich näher zu mir, sein heißer Atem strich über mein Ohr.
„Was war das?“
Ich sagte nichts.
Er kicherte.
„Weinst du dich immer noch in den Schlaf, Nerd?“
Meine Brust zog sich zusammen.
Der Raum schien kleiner zu werden, und die Geräusche um mich herum wurden dumpf. Ich versuchte, tief einzuatmen, aber es fühlte sich nicht so an, als würde die Luft meine Lungen erreichen.
Nicht jetzt.
Bitte, nicht jetzt.
Ich kannte die Warnzeichen. Das Engegefühl in meiner Brust. Die plötzliche Atemnot. Die Panik, die alles nur noch schlimmer machte.
Ich bewegte mich und versuchte, Dereks Arm zu lockern.
„Bitte lass mich los.“
Derek sah auf mich hinunter.
„Was ist los? Bekommst du Angst?“
„Lass ihn los.“
Marcus.
Seine Stimme war scharf und wütend.
Derek sah auf.
„Oh, sieh an. Der Leibwächter ist wieder da.“
„Ich habe gesagt, lass ihn los.“
„Oder was?“ Dereks Grinsen wurde breiter. „Willst du mich etwa verprügeln? Vor all diesen Leuten?“
Marcus trat näher.
„Wenn es sein muss.“
Die Menge verstummte. Jetzt sahen wirklich alle zu. Ich konnte Handys sehen, die hochgehalten wurden. Leute filmten.
Für sie war das alles nur Unterhaltung.
Jemand neben der Couch flüsterte: „Das wird gleich richtig interessant.“
Mein Magen drehte sich um.
Ich wollte verschwinden. Ich wollte, dass sich der Boden unter mir öffnete und mich einfach verschluckte. Stattdessen stand ich mitten in einem überfüllten Raum, während Derek mich wie eine Trophäe präsentierte.
Derek sah sich unter den Zuschauern um.
„Habt ihr das gehört?“, fragte er. „Unser kleiner Held will gegen mich kämpfen.“
Tyler lachte hinter ihm.
„Sei vorsichtig, Marcus. Du könntest noch seine Gefühle verletzen.“
Cole fügte hinzu: „Oder vielleicht fängt Rowan wieder an zu weinen.“
Die Menge lachte.
Ich schloss für einen Moment die Augen.
„Marcus“, sagte ich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Tu es nicht.“
Er drehte den Kopf leicht in meine Richtung.
„Rowan, bleib hinter mir.“
„Ich will nicht, dass du gegen ihn kämpfst.“
„Dann sag ihm, dass er dich loslassen soll.“
Derek schüttelte mich grob.
„Was ist das? Du brauchst deinen Freund, damit er für dich spricht?“
Ich biss die Zähne zusammen.
„Hör auf.“
Die Worte kamen schwach heraus, aber Derek hatte sie gehört.
Er beugte sich zu mir hinunter, bis sein Gesicht ganz nah an meinem war.
„Dann bring mich dazu.“
Marcus' Gesicht verhärtete sich.
„Derek, das ist deine letzte Warnung.“
Derek lachte.
„Letzte Warnung? Was willst du machen, einen Lehrer rufen?“
„Wir sind nicht mehr auf der Highschool.“
„Genau.“ Derek sah sich im Raum um. „Hier wird dich niemand retten.“
Mein Herz schlug noch schneller.
Ich versuchte erneut, mich loszureißen, aber Derek hielt mich fest. Sein Arm drückte gegen meine Brust und machte das Atmen noch schwieriger.
„Bitte“, flüsterte ich.
Derek grinste.
„Was war das? Sprich lauter.“
Marcus trat näher.
„Lass. Ihn. Los.“
Jedes Wort kam langsam und bewusst.
Dereks Lächeln verschwand.
Für einen Moment dachte ich, er würde es tatsächlich tun. Sein Blick wanderte von Marcus zur Menge, als würde er überlegen, wie weit er gehen konnte, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Dann wurde sein Griff fester und er zog mich noch näher zu sich.
„Dann bring mich dazu.“
Marcus bewegte sich.
Er stieß Derek so heftig weg, dass dieser nach hinten taumelte.
Die Menge schnappte nach Luft.
Derek prallte gegen einen nahe stehenden Tisch und stieß dabei Becher und Flaschen um. Ein Getränk ergoss sich über die Tischfläche und tropfte auf den Boden. Jemand sprang erschrocken zur Seite und rief auf, als eine Flasche unter die Couch rollte.
Für einen Moment bewegte sich niemand.
Ich stand wie erstarrt da. Meine Schulter war plötzlich frei, aber meine Lungen kämpften immer noch um Luft.
Marcus stellte sich vor mich.
„Fass ihn nie wieder an.“
Derek richtete sich langsam auf.
Sein Gesicht hatte sich verändert. Der amüsierte Ausdruck war verschwunden und einer wütenden Miene gewichen, die mir den Magen zusammenzog.
Tyler ging auf ihn zu.
„Derek, alles okay?“
Derek stieß seine Hand weg.
„Fass mich nicht an.“
Er sah Marcus direkt an.
„Das wirst du bereuen.“
Marcus wich nicht zurück.
„Halt dich von ihm fern.“
Derek wischte sich mit dem Handrücken über den Mund.
„Du glaubst, du bist hart, nur weil du mich geschubst hast?“
„Nein. Ich glaube, du bist ein Feigling, weil du drei Leute brauchst, um jemanden zu schikanieren, der sich nicht wehren wird.“
Ein paar Leute in der Menge gaben überraschte Laute von sich.
Dereks Gesicht verdunkelte sich.
„Pass auf, was du sagst.“
Marcus veränderte seine Haltung.
„Oder was?“
Meine Atmung wurde immer schwieriger.
Ich packte Marcus' Ärmel.
„Bitte“, sagte ich. „Lass uns einfach gehen.“
Er sah über die Schulter zu mir.
„Bleib hinter mir.“
Dereks Blick fiel auf meine Hand an Marcus' Arm. Sein Gesicht verzog sich zu einem weiteren Lächeln, aber nichts daran war freundlich.
„Seht ihn euch an. Er versteckt sich immer hinter jemand anderem.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Hör auf.“
„Was ist los, Rowan? Kannst du ein bisschen Aufmerksamkeit nicht vertragen?“
Mein Blick verschwamm an den Rändern.
Die Musik schien jetzt noch lauter zu sein. Die Menge drängte näher, und die Luft fühlte sich dick an. Ich hörte die Leute flüstern, konnte aber nicht verstehen, was sie sagten.
Jemand rief: „Kämpft!“
Eine andere Person lachte.
Ich versuchte, einen Schritt zurückzugehen, aber meine Beine fühlten sich wackelig an.
Marcus bemerkte es.
„Rowan?“
„Mir geht's gut“, flüsterte ich.
Das stimmte nicht.
Derek rollte mit den Schultern und trat vom Tisch weg.
„Du wirst bereuen, dass du hierhergekommen bist“, sagte er.
Marcus hob leicht die Hände.
„Komm nicht näher.“
Derek ignorierte ihn.
Ich konnte die Wut in seinem Gesicht sehen. Ich konnte sehen, wie sich seine Hand an seiner Seite zur Faust ballte.
Alles schien langsamer zu werden.
Ich erinnerte mich an seine Stimme vor dem Supermarkt.
Wir wissen jetzt, wo du wohnst.
Ich erinnerte mich daran, wie er gelacht hatte, als ich ihm nicht antworten konnte.
Ich erinnerte mich an jedes Mal, als ich geschwiegen hatte, weil alles nur schlimmer wurde, wenn ich mich wehrte.
Marcus stand zwischen uns, aber ich wusste, dass Derek nicht mehr mich ansah.
Er sah ihn an.
Er schlug zu.
Ich dachte nicht nach. Ich bewegte mich einfach.
Ich stellte mich vor Marcus, und Dereks Faust traf meinen Kiefer.
Ein brennender Schmerz explodierte in meinem Gesicht. Meine Sicht wurde weiß. Ich hörte jemanden schreien, als ich zu Boden fiel.
Dann wurde alles dunkel.
ROWANS SICHTDereks Arm schloss sich wie ein Schraubstock um meine Schultern.Seine Finger gruben sich in meine Haut, und ich kämpfte darum, mein Gesicht ruhig zu halten. Die Musik dröhnte noch immer um uns herum, aber die Leute in unserer Nähe hatten angefangen, aufmerksam zu werden. Gespräche verstummten, während sich immer mehr Köpfe in unsere Richtung drehten.„Alle herhören!“, rief er laut. Seine Stimme schnitt durch die Musik. „Das hier ist Rowan. Wir waren zusammen auf der Schule.“Ein paar Köpfe drehten sich um. Dann noch mehr. Die Menge begann sich zu sammeln, angelockt von dem Tumult.Mein Magen verkrampfte sich.Ich erkannte einige der Gesichter, die mich beobachteten. Ein paar kannte ich aus der Schule, während die anderen Fremde waren, die offenbar Spaß an der plötzlichen Szene hatten. Jemand in der Nähe der Treppe hob sein Handy.Derek bemerkte die Aufmerksamkeit und grinste noch breiter.„Er war unser Lieblings-Boxsack“, fuhr er grinsend fort. „Aber ich bin mir sicher,
JACES SICHT„—und dann fing sie einfach an zu schreien. Mitten im Restaurant. Alle haben sie angestarrt.“Ich lachte und lehnte den Kopf gegen die Couch. Lily lag auf meinem Schoß, ihre Finger spielten mit dem Kragen meines Shirts, während ihre Lippen dieses zufriedene Lächeln umspielten, das sie immer trug, wenn sie meine Aufmerksamkeit hatte.„Hat sie nicht“, sagte ich.„Hat sie doch.“ Lily grinste. „Ich war noch nie in meinem Leben so peinlich berührt.“„Was hast du überhaupt gemacht?“„Ich habe ihr gesagt, sie soll sich beruhigen.“Ich hob eine Augenbraue. „Du hast einer schreienden Frau gesagt, sie soll sich beruhigen?“„Ich wollte ihr doch nur helfen.“„Wahrscheinlich hat sie deshalb noch lauter geschrien.“Lily schlug mir lachend auf die Brust. „Du bist so nervig.“„Aber du magst mich.“„Leider.“Sie lehnte sich wieder an mich und legte den Kopf in die Nähe meiner Schulter. Um uns herum pulsierte die Party. Auf den Sofas in der Nähe lagen Pärchen eng aneinander, küssten sich un
ROWANS SICHTDas Haus war ein Monster.Drei Stockwerke aus Glas und Stein, beleuchtet wie ein Club. Die Musik war so laut, dass ich sie in meiner Brust spüren konnte, noch bevor wir die Haustür erreichten. Menschen strömten auf den Rasen hinaus, rote Becher in den Händen, während sie lachten und sich über den Bass hinweg anschrieen. Einige standen in kleinen Gruppen neben der Einfahrt, während andere unter Lichterketten in verschiedenen Farben tanzten.Ein Paar stolperte lachend an uns vorbei. Jemand rief von einem Balkon im Obergeschoss herunter, und eine Gruppe antwortete mit Jubel.Ich blieb am Rand der Einfahrt stehen.„Ich kann das nicht.“Marcus, der neben mir gegangen war, drehte sich sofort zu mir um.„Doch, kannst du.“Ich schüttelte den Kopf und starrte das Haus an. Mein Magen fühlte sich an, als würde er sich zu einem Knoten zusammenziehen.„Marcus—“„Du kannst es.“ Er sah mich ruhig und ernst an. „Ich bin hier. Ich gehe nirgendwohin.“Ich sah zu den Leuten, die sich drauße
ROWANS SICHTIch rief Marcus an.„Bist du verrückt?“, zischte ich und lief in meinem Zimmer auf und ab. „Dereks Party? Diese Typen werden mich bei lebendigem Leib auffressen. Du hast doch gesehen, was im Laden passiert ist, oder?“Marcus' Stimme klang am anderen Ende ruhig. „Genau deshalb solltest du hingehen. Zeig ihnen, dass du keine Angst hast.“Ich blieb stehen. „Ich habe Angst. Genau das ist das Problem.“„Ich weiß.“ Er seufzte. „Aber dich zu verstecken, wird es nicht besser machen. Es wird sie nur noch dreister machen.“Ich rieb mir über die Stirn und warf einen Blick auf meine Zimmertür. Ich hatte sie geschlossen, senkte aber trotzdem meine Stimme.„Marcus, sie wissen jetzt, wo ich wohne. Derek hat es praktisch direkt vor dem Laden angekündigt. Was, wenn sie beschließen, mir nach der Party nach Hause zu folgen? Was, wenn sie draußen auf mich warten?“„Dann sorgen wir dafür, dass du nicht allein nach Hause gehst.“„Darum geht es nicht.“„Worum geht es dann?“Ich öffnete den Mund
ROWANS SICHTIch ging durch die Haustür und blieb stehen.Jace lag ausgestreckt auf dem Sofa und scrollte auf seinem Handy, als hätte er nicht die geringste Sorge auf der Welt. Der Fernseher lief, war aber stummgeschaltet. Eine halb leere Wasserflasche stand auf dem Couchtisch, und eines der Kissen war auf den Boden gefallen.Er sah nicht auf.„Am Freitag ist eine Party“, sagte er.Ich erstarrte. „Was?“„Bei Derek. Alle aus der Schule werden da sein.“Mein Magen sackte ab.Dereks Party.Sofort kehrte ich gedanklich zu dem kleinen Laden zurück. Derek, der mir den Weg versperrte. Tyler, der lachte. Cole, der mich mit diesem vertrauten, grausamen Gesichtsausdruck beobachtete.Dann hallten Dereks letzte Worte in meinem Kopf wider.Wir wissen jetzt, wo du wohnst.Ich schloss meine Finger fester um meine Schlüssel.„Ich gehe nicht hin“, sagte ich.Endlich sah Jace auf. Seine kalten blauen Augen trafen meine für einen halben Moment, bevor sein Blick wieder zur Seite glitt.„Ich habe nicht ge
ROWANS SICHT„Zweimal an einem Tag. Ich schätze, heute ist unser Glückstag“, sagte Derek in dem Moment, in dem er uns in dem kleinen Laden entdeckte, in den wir gekommen waren, um etwas zu kaufen.Marcus packte mich am Handgelenk und zog mich zum Ausgang.„Komm. Wir gehen.“Ich stolperte hinter ihm her. Mein Herz raste, während mein Blick immer wieder zu Derek und seinen Freunden wanderte. Sie standen einfach nur da und beobachteten uns mit diesen widerlichen Grinsen.Ich konnte die Anspannung in meiner Brust von dem, was draußen passiert war, immer noch spüren. Meine Hände zitterten, und ich hasste den Gedanken, dass Derek es wahrscheinlich sehen konnte.„Schon wieder weg?“, rief Derek uns hinterher. „Aber ihr seid doch gerade erst gekommen.“Marcus blieb nicht stehen. Er zog mich weiter zur Tür.Ich warf einen Blick über meine Schulter.Derek stieß sich von der Wand ab.Mein Magen zog sich zusammen.„Marcus“, flüsterte ich.„Ich weiß.“Derek stellte sich uns in den Weg, noch bevor w







