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KAPITEL 21: DER STURZ

Auteur: Whitefield
last update Date de publication: 2026-10-01 21:13:35

ROWANS SICHT

Der Aufprall schleuderte mich zu Boden.

Mein Kopf schlug hart auf dem Boden auf, und die Welt kippte zur Seite. Schmerz explodierte in meinem Schädel, scharf und blendend. Für einen Moment wusste ich nicht, wo oben und unten war.

Ich hörte wieder jemanden schreien, gefolgt vom Klirren zerbrechenden Glases in meiner Nähe. Die Musik dröhnte weiter, völlig unbeeindruckt von dem Chaos um sie herum.

Ich versuchte, den Kopf zu heben, aber die Bewegung jagte eine weitere Schmerzwelle durch meinen Schädel. Mein Kiefer pochte dort, wo Derek mich getroffen hatte, und etwas Warmes breitete sich über meine Unterlippe aus.

Stimmen verschwammen um mich herum. Laut. Verzerrt. Als wäre ich unter Wasser.

„Rowan!“

Marcus. Seine Stimme schnitt panisch durch den Lärm.

Ich versuchte zu antworten, aber meine Brust war viel zu eng. Ich konnte nicht atmen. Nicht sprechen. Nichts tun, außer dort zu liegen und wie ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft zu schnappen.

Die Luft wollte einfach nicht richtig in meine Lungen gelangen. Jeder Atemzug blieb auf halbem Weg stecken und ließ mich verzweifelt nach dem nächsten ringen. Ich wusste, was passierte. Ich hatte es schon einmal erlebt, in diesen schrecklichen Momenten, in denen es sich anfühlte, als würden sich meine Lungen um mich zusammenziehen.

Marcus war innerhalb einer Sekunde neben mir. Seine Hände lagen auf meinen Schultern, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von meinem entfernt.

„Rowan! Kannst du mich hören? Rowan!“

Ich öffnete den Mund. Kein Laut kam heraus.

Sein Blick wanderte über mein Gesicht und blieb an meinem geschwollenen Kiefer und dem Blut an meiner Lippe hängen. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Die Panik in seinen Augen wurde noch stärker.

„Scheiße, scheiße, scheiße.“ Seine Stimme zitterte. „Wo ist dein Inhalator? Rowan, wo ist er?“

Mein Inhalator. Richtig. Ich brauchte meinen Inhalator.

Ich versuchte, nach meiner Hosentasche zu greifen, aber meine Arme gehorchten mir nicht. Sie fühlten sich schwer an. Nutzlos. Meine Finger zuckten, aber mehr schaffte ich nicht.

„Rowan, sieh mich an.“ Marcus beugte sich näher zu mir. „Kannst du mir sagen, wo er ist?“

Ich zwang meine Lippen, sich zu bewegen.

„Ich kann nicht—“, keuchte ich. „Kann nicht—“

„Versuch nicht zu reden. Bleib einfach bei mir.“

Er begann, meine Taschen abzusuchen, erst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Seine Hände zitterten so stark, dass er Mühe hatte, richtig nachzusehen.

„Komm schon, komm schon. Wo ist er?“

Ich wollte ihm helfen. Ich wollte ihm sagen, dass er in meiner Jackentasche war. Aber meine Gedanken waren völlig durcheinander und meine Lungen brannten. Alles, was ich tun konnte, war, ihn anzustarren und zu versuchen, genug Luft zu bekommen.

„Jemand soll Hilfe holen!“, rief Marcus, ohne den Blick von mir abzuwenden. „Und stellt diese verdammte Musik ab!“

Für einen Moment schien der ganze Raum stillzustehen.

Dann lachte jemand.

Ich hörte Gelächter.

„Seht ihn euch an.“ Dereks Stimme, laut und spöttisch. „Erbärmlich. Kann nicht mal einen einzigen Schlag einstecken.“

Noch mehr Gelächter folgte.

Ich hatte gewusst, dass Derek versuchen würde, mich zu demütigen. Ich hatte mit Beleidigungen gerechnet, vielleicht mit einer weiteren Drohung. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, auf dem Boden zu liegen, während die Leute dabei zusahen, wie ich um Luft kämpfte.

Jemand in der Nähe der Tür flüsterte: „Geht es ihm gut?“

Eine andere Stimme antwortete: „Er muss sich wahrscheinlich einfach beruhigen.“

Beruhigen.

Ich wollte sie anschreien. Ich wollte ihnen sagen, dass ich nicht atmen konnte, dass meine Brust schmerzte und dass ich Hilfe brauchte. Aber mein Mund wollte mir einfach nicht gehorchen.

Meine Sicht verschwamm. Die Deckenlampen wurden zu weißen Streifen. Die Gesichter um mich herum verschmolzen miteinander, und die Musik schien immer lauter zu werden und gegen meine Ohren zu drücken.

Ich spürte, wie ich langsam wegrutschte, als würde ich in etwas Dunkles und Schweres sinken.

„Rowan, bleib bei mir.“ Marcus' Stimme klang jetzt weiter entfernt. „Bitte, Mann. Komm schon.“

Endlich fand er den Inhalator.

„Hab ihn.“

Erleichterung blitzte über sein Gesicht, verschwand aber sofort wieder, als er mir helfen wollte, ihn zu benutzen. Meine Hände konnten ihn nicht halten, und ich schien meine Atmung nicht koordinieren zu können.

„Okay, okay. Ich hab dich.“ Er positionierte den Inhalator für mich. „Versuch einzuatmen, wenn ich es dir sage.“

Ich versuchte es.

Der Atemzug kam kaum.

Marcus sah über seine Schulter. „Hat jemand Hilfe gerufen?“

Niemand antwortete.

„Ist das euer Ernst?“, schrie er. „Ruft jemanden!“

Ein Schatten fiel über mich.

Zuerst dachte ich, es wäre Marcus, der sich bewegte, doch dann hörte ich hinter ihm plötzlich ein Gerangel. Jemand stieß Derek. Hart.

Derek taumelte zurück, seine Schuhe scharrten über den Boden.

„Was zum Teufel—“

„Halt dich zurück.“

Die Stimme war kalt. Gefährlich. Vertraut.

Jace.

Ich blinzelte und versuchte, mich zu konzentrieren. Meine Sicht war immer noch verschwommen, aber ich kannte diese Stimme. Ich hatte sie in der Küche gehört, auf dem Flur und in unzähligen Momenten, in denen er mit mir gesprochen hatte, als wäre ich nichts.

Aber diesmal klang sie anders.

„Aber wir sind noch nicht fertig“, protestierte Derek.

„Ich sagte, halt dich zurück.“

„Er hat angefangen—“

„Das ist mir egal.“

Jaces Stimme war eiskalt.

Der Raum schien um uns herum stiller zu werden. Selbst die Musik klang plötzlich weit entfernt, als hätte jemand sie leiser gedreht.

„Fass ihn noch einmal an, und du wirst es bereuen.“

Derek stieß ein kurzes, ungläubiges Lachen aus. „Was? Stellst du dich jetzt auf seine Seite?“

Jace antwortete nicht sofort.

Marcus hatte es geschafft, mir ein paar Sprühstöße des Inhalators in den Mund zu geben. Ich versuchte, den Kopf zu ihm zu drehen, aber der Schmerz zwang mich, wieder stillzuhalten. Durch meine verschwommene Sicht konnte ich seine Schuhe neben mir erkennen. Dann sah ich die dunkle Farbe seiner Jeans, als er sich zwischen mich und Derek stellte.

„Geh“, sagte Jace.

„Er ist dein—“

„Geh.“

Etwas in seiner Stimme brachte Derek zum Schweigen.

Ich hörte einige unsichere Stimmen aus der Menge. Jemand trat zurück. Eine andere Person murmelte, dass die Party langsam außer Kontrolle geriet.

Marcus war immer noch neben mir. Eine Hand hielt den Inhalator, die andere stabilisierte meine Schulter.

„Jace“, sagte er angespannt. „Er braucht Hilfe.“

„Ich weiß.“

Jaces Antwort kam sofort. Er klang nicht unsicher. Er klang nicht so, als würde er fragen, was zu tun war.

Er klang wütend.

Ich blinzelte zu ihm hoch und konnte durch meine verschwommene Sicht kaum sein Gesicht erkennen. Er stand über mir, sein Körper zwischen mir und Derek, die Hände an den Seiten zu Fäusten geballt.

Er sah mich nicht an. Er starrte Derek mit einem Ausdruck an, den ich noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte.

Kalt. Wütend. Beschützend.

Für einen Moment vergaß ich die Menge. Ich vergaß den Schmerz in meinem Kiefer und die schreckliche Enge in meiner Brust.

Alles, was ich sehen konnte, war Jace, der dort stand.

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