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3: „Alter, das ist, als würde dich ein Promi bemerken.“

Autor: Frevina
last update Fecha de publicación: 2026-06-09 22:32:30

Freya's POV

Mein Mitbewohner ist ein Mensch, was eine große Erleichterung ist. Das merke ich sofort, als ich das Zimmer betrete – kein übernatürlicher Geruch, keine scharfe Wahrnehmung, nur ein ganz normaler Typ, der nicht spüren kann, dass ich etwas verstecke.

„Du musst Freddie sein“, sagt er, schaut von einem Lehrbuch auf und liegt ausgestreckt auf seinem Bett, lange Arme und Beine nehmen viel Platz ein, strohblonde Haare fallen ihm in die Augen. „Ich bin Tyler, Tyler Chen.“

„Freut mich“, sage ich, stelle meine Ausrüstung neben dem leeren Bett ab – das muss meins sein. Zwei Betten, zwei Schreibtische, zwei Kommoden und ein Fenster mit Blick auf den Innenhof. Ein ganz normales Wohnheimzimmer, in dem ich als jemand anderes leben muss.

„Was bringt dich mitten im Semester nach Crescent Moon?“, fragt Tyler, klappt sein Buch zu – ein dickes Biochemie-Lehrbuch – und fährt fort: „Die meisten fangen im Herbst an.“

Ich habe diese Lüge hundertmal geübt, deshalb sage ich glatt: „Meine Familie ist wegen des Jobs meines Vaters umgezogen, und ich musste das Semester an meiner alten Schule erst zu Ende bringen.“

Die Worte kommen mir jetzt schon viel zu leicht über die Lippen.

„Das ist scheiße“, sagt er, nickt dann zu meiner Ausrüstungstasche. „Welche Sportart?“

„Hockey“, antworte ich und deute auf die Tasche. „Hoffentlich.“

Tyler grinst. „Alter, du bist entweder mutig oder dumm, denn das Hockeyteam hier ist quasi Königshaus. Die halbe Schule schaut zu ihnen auf, die andere Hälfte hält Abstand.“

Mein Magen zieht sich zusammen. „Hält Abstand?“

„Nicht wortwörtlich, meistens jedenfalls“, sagt er lachend über meinen Gesichtsausdruck. „Sie sind keine schlechten Kerle, aber sie sind alle Alphas oder zukünftige Alphas aus großen Rudeln, mit ihrer eigenen Hierarchie, die wir Menschen nicht wirklich verstehen. Und sie sind verdammt gut im Hockey – richtig unheimlich gut.“

„Du weißt ziemlich viel über das Team?“, frage ich und halte meine Stimme ruhig, während ich anfange auszupacken.

„Wahrscheinlich mehr, als ich sollte“, sagt er, setzt sich auf, jetzt sichtlich aufgeregter. „Meine Freundin Emma liebt Hockey, schleppt mich zu jedem Spiel mit. Es gibt drei Co-Captains: Logan Pierce, der schon von Profi-Teams gescoutet wird, Sebastian Knox, der harte Typ, und Zane Cross, so eine Art Hockey-Wunderkind. Die großen Drei des Teams.“

Drei Namen. Drei Alphas. Meine Hände halten auf meinen Klamotten inne, denn das sind genau die Jungs, die ich überzeugen muss, dass ich zu ihnen gehöre – diejenigen, die dieses Team führen, als würde ihnen der ganze Campus gehören.

„Kommen die drei miteinander aus?“, frage ich und versuche, nicht zu interessiert zu klingen.

Tyler schnaubt. „Das ist das Komische daran. Logan und Sebastian können sich nicht leiden, reden außerhalb der Spiele kaum miteinander. Aber sie sind beide Co-Captains, also müssen sie klarkommen. Emma sagt, das macht die Spiele extrem spannend.“

Sie kommen nicht miteinander aus. Das könnte nützlich sein, wenn ich herausfinde warum. „Und der Dritte, Zane?“

„Der ist noch relativ neu im Team, aber alle sagen, er sei unglaublich. Er hält wohl den Frieden zwischen den beiden“, erklärt Tyler und lässt sich wieder aufs Bett fallen. „Ehrlich, die drei sind deine größte Konkurrenz, wenn du ins Team willst. Beeindrucke sie, und du bist drin. Wenn nicht…“

Er lässt den Satz unvollendet, aber ich verstehe auch so. Ich packe weiter aus, während mir der Kopf schwirrt – drei Co-Captains, die sich nicht alle verstehen, ein Team voller Alphas aus mächtigen Familien und David irgendwo da draußen, der so tun muss, als wären wir Fremde.

In was habe ich mich da nur reingeritten?

„Hey“, sagt Tyler plötzlich. „Hast du Lust, mit mir essen zu gehen? Ich zeig dir die Mensa und stell dich ein paar Leuten vor.“

Der Gedanke, in einem vollen Saal zu sitzen, meine Rolle durchzuhalten und mit Fremden zu reden, schnürt mir den Magen zu. Aber ich muss anfangen, Freddie Sterling zu sein. Also sage ich: „Klar, klingt gut.“

Die Mensa ist riesig und laut, vollgestopft mit Schülern, die durcheinanderreden. Tyler führt mich durch die Reihen von Tischen und zeigt auf verschiedene Gruppen. „Athleten sitzen da drüben“, sagt er und nickt in eine Ecke, wo Tische zusammengeschoben sind. „Aber die Hockeyspieler haben ihren eigenen Bereich. Siehst du sie?“

Ich schaue hin, und mir stockt der Atem. Da sitzt Sebastian am Kopf eines langen Tisches, gestikuliert und erzählt eine Geschichte, bei der alle lachen. Er beherrscht den Raum, selbst aus der Entfernung. Neben ihm sitzt ein Typ mit dunklen Haaren – das muss Logan sein. Er lacht nicht, beobachtet nur den Saal, als würde er jeden im Blick behalten. Als sein Blick in unsere Richtung schweift, schaue ich schnell weg. Am anderen Ende sitzt ein Typ mit hellbraunen Haaren und einem lockeren Lächeln – wahrscheinlich Zane –, der Sebastian zuhört, aber immer wieder zu Logan schaut, bereit einzugreifen, falls es hitzig wird.

„Die drei halten zusammen“, sagt Tyler, „aber wenn man genau hinschaut, erkennt man, wie es funktioniert. Logan ist der Anführer, Sebastian der Muskelprotz, Zane der Friedensstifter.“

Sebastians Kopf dreht sich, und unsere Blicke treffen sich quer durch den Saal. Ein Ruck geht durch mich hindurch wie zuvor. Er zieht leicht die Augenbrauen hoch, bevor er sich wieder seinen Teamkollegen zuwendet.

„Hat er dich gerade angeschaut?“, fragt Tyler beeindruckt. „Alter, das ist, als würde dich ein Promi bemerken.“

„Wir haben uns vorhin schon getroffen“, murmele ich und starre auf mein Essen. „Er scheint ganz okay zu sein.“

„Okay“, lacht Tyler. „Das ist eine Art, es zu sagen. Emma meint, die halbe Schule steht auf ihn, aber er datet nicht viel. Zu sehr auf Hockey und Rudel-Sachen konzentriert.“

Rudel-Sachen. Klar. Weil er nicht nur Hockeyspieler ist, sondern ein Werwolf aus einer großen Familie. Und ich stehe hier und tue so, als wäre ich ein Junge, um in seinem Team zu spielen. Das ist so absurd, dass ich fast lachen muss.

„Alles gut bei dir?“, fragt Tyler. „Du siehst aus, als müsstest du gleich kotzen.“

„Nur müde“, lüge ich. „Langer Tag.“

„Verstehe“, sagt er. „Wollen wir zurück?“

Ich nicke erleichtert. Als wir aufstehen, entdecke ich David an einem kleinen Tisch in der Ecke, ein Lehrbuch neben seinem Teller. Er schaut nicht zu mir, aber seine Schultern sind angespannt. Ich würde am liebsten zu ihm gehen, mit jemandem reden, der mich wirklich kennt. Stattdessen folge ich Tyler nach draußen und lasse meinen Bruder zurück, als wäre er nur irgendein Gesicht.

Zurück im Zimmer vertieft sich Tyler wieder in sein Buch. Ich schreibe Mum und Lily eine kurze, positive Nachricht – alles gut, Schule ist schön, schon einen Freund gefunden. Lügen, damit sie sich nicht noch mehr Sorgen machen. Ich will mich gerade bettfertig machen, als mein Handy mit einer Nachricht von einer unbekannten Nummer vibriert.

„Hey Freddie, Sebastian hier. Hab deine Nummer aus dem Studentenverzeichnis. Lust, morgen vor dem Unterricht ein bisschen zu skaten? Nur ein paar von uns, 6 Uhr morgens am Eis“, steht da.

Meine Hände zittern, als ich auf die Nachricht starre. 6 Uhr morgen früh. Mit Sebastian und wahrscheinlich seinen Co-Captains. Keine Einladung – ein Test. Das weiß ich genau.

Ich antworte kurz: „Klingt gut, danke für die Einladung.“

Seine Antwort kommt sofort: „Bring dein Bestes mit. Das Eis zeigt alles.“

Ich lege das Handy weg und starre an die Decke. In weniger als zwölf Stunden werde ich mit einigen der besten jungen Spieler des Landes auf dem Eis stehen – und sie werden jede Bewegung, jeden Schuss beobachten und nach Fehlern suchen. Und das alles, während ich verberge, wer ich wirklich bin.

Tylers Atem wird ruhiger, als er über seinem Buch einschläft. Ich liege noch stundenlang wach, mein Kopf rast durch alles, was schiefgehen könnte. Was, wenn ich nicht gut genug bin? Was, wenn sie mich durchschauen? Was, wenn Sebastian nochmal nach David fragt? Was, wenn der ganze Plan zusammenbricht, bevor er richtig begonnen hat?

Aber unter der Nervosität ist noch etwas anderes – ein Funke Aufregung. Der Gedanke, wieder aufs Eis zu kommen und das Spiel zu spielen, das ich liebe, auf einem Level, das ich noch nie versucht habe.

Morgen finde ich heraus, ob Freddie Sterling mit den Besten mithalten kann. Ob Freya das alles hinbekommt.

Morgen beginnt alles.

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