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Kapitel 2: Tut mir leid

Author: Cat Ink
last update publish date: 2026-09-15 01:28:50

POV: Catherine

Die erste Nacht ist die Hölle.

Ich kann nicht schlafen. Ich kann unmöglich schlafen. Jede Minute zieht sich wie eine Stunde. Das Bett ist zu groß, zu weich und riecht fremd. Nach Waschmittel und nach jemand anderem. Ich liege da und starre an die Decke und höre jeden kleinen Ton in diesem Haus. Das Knacken des Holzes. Das leise Brummen der Heizung. Schritte irgendwo weit weg.

Aufzustehen und im Haus herumzulaufen kommt nicht infrage. Es ist viel zu furchteinflößend, dieses Zimmer zu verlassen. Was, wenn ich einem von ihnen auf dem Flur begegne? Was, wenn Damon wiederkommt? Also bleibe ich hier. Gefangen zwischen diesen vier Wänden, mit einem vergitterten Fenster als einzigem Ausweg.

Um mich abzulenken, stehe ich irgendwann auf und setze mich auf das Fensterbrett. Draußen ist es dunkel. Der Mond ist fast voll und die Sterne sind klar zu sehen, weil wir so weit weg von der Stadt sind. Hier gibt es kein Streulicht. Nur Wald und dieser künstliche See, der im Mondlicht schwarz glänzt. Ich sehe ihn an und träume. Ich träume, dass morgen alles anders ist. Dass ich aufwache und das hier nur ein böser Traum war. Dass ich wieder in unserer kleinen, lauten Wohnung bin und Mama in der Küche schreit, weil Papa wieder zu spät kommt.

Wie wunderbar wäre es, wenn das alles nur ein Traum wäre.

Aber am Morgen zerplatzen meine friedlichen Träume. Hart und brutal. Die Realität ist so einfach und so schrecklich perfide: Mein Vater hat mich verkauft. Für einen Moment des Vergnügens, für schnelles Geld, für eine Illusion. Er hat mich verkauft, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, ob seine eigene Tochter diese erste Nacht hier überhaupt überleben würde.

Ein Klopfen an der Tür reißt mich aus meinen Gedanken.

Zum Frühstück werde ich zu Cooper gebracht. Davor haben sie mich gezwungen, mich gründlich zu waschen und die Kleidung anzuziehen, die sie mir gebracht haben. Ein schlichtes, cremefarbenes Kleid, das viel zu teuer aussieht und nicht mir gehört. Die beiden Männer, die mich am Abend zuvor hereingebracht haben, sind nicht mehr da. Sie wurden weggeschickt. Ich habe es kaum geschafft, das Recht zu erstreiten, wenigstens allein duschen zu dürfen, ohne dass sie im Badezimmer stehen und mich beobachten.

Das Esszimmer ist riesig und von Licht durchflutet. Alles ist hell. Weiße Wände, heller Marmorboden, ein großer Glastisch. Es wirkt unglaublich steril, fast wie in einem Museum. Als wäre es verboten, irgendetwas anzufassen, als würde man sofort alles schmutzig machen. Der einzige dunkle Fleck in diesem perfekten Bild ist Damon.

Er sitzt am Kopfende des Tisches, gekleidet in ein einfaches weißes T-Shirt und eine graue Jeans, die Haare noch feucht von seiner Dusche. Er sieht so normal aus, dass es fast absurd ist. Er lächelt, als er mich sieht. Ein ruhiges, besitzergreifendes Lächeln.

Seine Wachen rücken mir einen Stuhl zurecht, ein paar Meter von ihrem Chef entfernt, und sorgen dafür, dass ich mich genau so hinsetze, wie sie es wollen. Kerzengerade, die Hände auf dem Schoß. Die ganze Zeit beobachtet Cooper mich. Intensiv. Aufmerksam. Als würde er jede meiner Bewegungen katalogisieren. Als ich endlich Platz nehme, wird ein Teller vor mir abgestellt: gebratenes Fleisch, zwei Spiegeleier, etwas Salat und ein Glas frisch gepresster Orangensaft. Ich habe keinen Hunger. Überhaupt keinen.

„Es gibt Regeln, die du lernen musst, Catherine“, beginnt er ruhig, als würde er über das Wetter sprechen. „Erstens: Du gehörst mir. Du identifizierst dich nicht mehr als Person, sondern nur noch als meine Sache. Zweitens: Du hast nicht das Recht, andere Männer außer mir und den beiden hier zu kontaktieren.“ Er zeigt lässig auf seine beiden Diener, die wie Statuen an der Wand stehen. „Und drittens: Du benimmst dich immer gut und führst alle meine Befehle aus. Verstanden?“

Eine Welle der Wut steigt in mir auf. Heiß und bitter. Ich will schreien, ich will ihm den Teller ins Gesicht werfen. Ich halte mich gerade noch zurück, nicht zu explodieren.

„Natürlich“, presse ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Perfekt“, sagt er zufrieden. „Iss.“

Ich tue, was er sagt. Ich nehme die Gabel in die Hand. Sie zittert leicht. Cooper beobachtet mich dabei mit einer Zufriedenheit, die mich krank macht.

In diesem Moment kommen zwei von Coopers Handlangern zurück ins Esszimmer und murmeln etwas von einer Ankunft. Sie wollen Dam ankündigen, aber ihre Worte werden sofort von lauten, selbstbewussten Schritten im Flur übertönt. Mein Herz macht einen schmerzhaften Sprung und bleibt mir fast in der Kehle stecken. Damon schnaubt nur amüsiert und rührt sich nicht vom Fleck. Er wusste, dass er kommt.

Und dann betritt er den Raum.

Ein Mann von vielleicht Anfang zwanzig. Und er ist unglaublich schön. Nicht auf die gleiche Art wie Damon. Viel kälter. Wie aus einem Gemälde entsprungen. Ein paar Strähnen seiner schwarzen Haare schimmern in der Sonne dunkelbraun. Sein Blick ist ein gleichgültiges, eisiges Blau, das mit einer schnellen, fast gelangweilten Bewegung über mich gleitet. Sein Gesicht ist angespannt, jeder Zug atmet Kälte und absolute Beherrschung aus. Er trägt ein dunkelgraues Poloshirt, das seine athletische, breite Statur perfekt betont.

„Du musst nicht so hereinplatzen“, sagt Cooper in einem mürrischen, genervten Ton.

Dam – ist das ein Vorname, ein Spitzname? Ich weiß es nicht – nimmt sich völlig gleichgültig einen Stuhl, dreht dem Besitzer des Hauses demonstrativ den Rücken zu und setzt sich breitbeinig hin. Eine pure Provokation.

„Du hast meinen Vertrag gebrochen“, sagt er wütend. Seine Stimme ist tief und ruhig, aber voller unterdrückter Wut. „Ich habe sechs Monate an diesem Abschluss gearbeitet.“

Cooper versucht sich zu verteidigen, er redet von Gründen und Vereinbarungen. Die Männer haben mich in diesem Moment völlig vergessen. Ich existiere für sie nicht mehr.

„Du hättest meine Freundin nicht verführen sollen, Damian“, schnurrt Damon mit einem zufriedenen, fast spöttischen Grinsen.

Also doch Damian. Dam ist nur die Abkürzung. Interessant. Nein, nicht interessant. Was denke ich da überhaupt? Ich bin hier eine Gefangene. Das sollte mich nicht interessieren.

„Sie gehört mir“, erwidert Dam, und das Blau seiner Augen blitzt mit offensichtlicher Überlegenheit und Abscheu.

„Wirklich?“ Damon streckt lässig die Hand nach seinem Glas Orangensaft aus und nimmt einen Schluck.

„Ich habe diese Vereinbarung gebraucht“, beharrt Dam. Man hört, wie wichtig ihm das ist.

„Und jetzt gehört sie mir.“ Damon sagt es leichthin, als würde er über ein Auto oder ein Haus sprechen.

Dam kneift die Augen zusammen, sein Kiefer ist so angespannt, dass man die Muskeln zucken sieht, während Damon vollkommen entspannt und zufrieden in seinem Stuhl lehnt. Sie starren einander an, als würden sie sich jeden Moment gegenseitig an die Kehle gehen. Die Spannung im Esszimmer ist so greifbar, so dick, dass man das Gefühl hat, die Luft würde gleich explodieren.

Plötzlich reißt Dam seinen Blick von Damon los und sieht mich direkt an. Ich erschrecke, aber ich wende den Blick nicht ab. Ich halte ihm stand und antworte mit einem sturen, trotzigen Ausdruck. Wenn ich hier schon eine Sache bin, dann bin ich wenigstens eine trotzige Sache.

Dam mustert mich einen Moment lang. Dann verzieht sich sein Mund zu einem spöttischen, fast amüsierten Lächeln und er zwinkert mir zu. Einfach so.

„Ich habe so lange ausgehalten, wie ich konnte“, sagt er dann, steht abrupt auf und schiebt den Stuhl mit einem lauten Kratzen zurück an seinen Platz. Er sieht Damon ein letztes Mal an, kalt und voller Versprechen. „Aber jetzt wird alles, was dir gehört, mir gehören.“

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