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Kapitel 3: Brüder

last update Veröffentlichungsdatum: 15.09.2026 01:29:45

POV: Catherine

Damian verschwindet hinter Coopers Rücken. Er geht einfach. Die Tür des Esszimmers fällt hinter ihm ins Schloss, und er lässt mich in einer bedrückenden, fast greifbaren Stille zurück. Zumindest glaube ich das im ersten Moment. Ich glaube, es ist vorbei. Aber als ich zu Damon blicke, sehe ich sofort, dass es nicht vorbei ist. Überhaupt nicht. Sein Gesicht hat sich verändert. Das amüsierte Lächeln ist weg.

„Hat er dir gefallen?“, fragt er mit einer trügerisch ruhigen Stimme. Zu ruhig.

Ich zucke zusammen. Die Frage trifft mich wie ein Schlag.

„Nein“, unterbreche ich ihn sofort, fast panisch. Ich erinnere mich sofort an die Regeln, die er vor wenigen Minuten verkündet hat. Keine anderen Männer. Niemals. Nur er. „Nein, überhaupt nicht.“

„Gut so“, schnurrt der Mann mit einer sanften, fast liebevollen Stimme, die im völligen Gegensatz zu seinen Augen steht. „Denn mein Bruder ist noch viel schlimmer als ich.“

Ich versuche krampfhaft, nicht auf die neue Information zu reagieren. Brüder? Sie sind Brüder? Sie sind so verschieden wie Osten und Westen, wie Tag und Nacht. Wie Feuer und Eis. Damon ist kontrollierte, arrogante Hitze. Damian ist eisige, unberechenbare Kälte. Wie können zwei so unterschiedliche Menschen aus derselben Familie kommen? Ich senke schnell den Blick, ich will nicht, dass er sieht, wie schockiert ich bin. Die Angst schnürt mir die Kehle zu und droht, mich zu ersticken.

„Na komm, komm her“, sagt er dann, und seine Stimme wird wieder weich, fast lockend.

Ich hebe überrascht den Blick zu ihm. Seine Augen glänzen vor purer Überlegenheit. Er weiß ganz genau, dass er mir befehlen kann, was immer er will. Dass ich keine Wahl habe. Dass er nur mit den Fingern schnippen muss.

„War ich nicht klar genug?“, fragt er und hebt eine Augenbraue. Eine kleine Bewegung, aber sie lässt mein Blut gefrieren.

Damon steht auf. Sein Stuhl kratzt über den Marmorboden. Einer seiner Wachen tritt hinter mich, packt meine Stuhllehne und schiebt mich mit dem Stuhl so ruppig zurück, dass ich fast das Gleichgewicht verliere. Er zwingt mich aufzustehen. Meine Beine sind wie Wackelpudding, sie geben fast nach. Sie tragen mich kaum. Damon geht nicht zum Ausgang. Er geht in Richtung des Flurs, in Richtung des Zimmers, in dem ich die Nacht verbracht habe. Und man zerrt mich hinter ihm her. Ich stolpere, ich versuche Schritt zu halten.

Einmal im Zimmer angekommen, werde ich unsanft hineingestoßen. Ich taumele ein paar Schritte nach vorne, bis zum Bett. Ich höre sofort, wie die Tür hinter mir verriegelt wird. Das vertraute, schreckliche Klicken des Schlosses. Wir sind allein.

„Stell mich nicht auf die Probe, Catherine“, sagt er leise, aber seine Stimme ist voller Drohung. „Tu einfach, was ich dir sage. Dann wird alles viel einfacher für dich.“

Meine Hände zittern so stark, dass ich sie hinter meinem Rücken verstecken muss. Ich weiche zurück, bis meine Knie die Bettkante berühren. Mehr kann ich nicht zurück. Die Tränen steigen mir in die Augen, sie brennen, aber ich weine nicht. Ich will nicht vor ihm weinen. Ich will ihm diese Genugtuung nicht geben.

„Catherine“, bellt er plötzlich scharf. Sein Ton hat sich komplett verändert.

Ich zucke heftig zusammen. Mein ganzer Körper fröstelt.

Unter seinem Blick atme ich schnell und heftig, stoßweise. Die Angst überflutet mich, sie lähmt jede meiner Bewegungen. Cooper mustert mich von oben bis unten. Langsam. Gründlich. Als würde er seinen Besitz begutachten. Sein Blick bleibt an meinen Beinen hängen, an dem Kleid, das viel zu kurz ist, an meinem Hals.

„Wie alt bist du, Catherine?“, fragt er plötzlich. Seine Stimme ist wieder ruhig, fast neugierig.

„Neunzehn“, flüstere ich.

„Neunzehn“, wiederholt er und ein langsames Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. „Und du warst noch nie mit jemandem zusammen?“

Die Frage ist so direkt, so intim, dass mir die Luft wegbleibt. Ich spüre, wie mein Gesicht rot wird. Vor Scham, vor Angst, vor Wut.

„Niemals“, sage ich, und meine Stimme zittert so sehr, dass das Wort fast unhörbar ist.

Plötzlich huscht ein zufriedenes, fast triumphierendes Lächeln über Coopers Gesicht. Seine Augen leuchten auf. Das ist es, was er hören wollte. Das ist genau die Antwort, auf die er gewartet hat. Die Erkenntnis trifft mich wie ein Eimer Eiswasser.

Die Angst lähmt mich vollständig. Ich kann mich nicht mehr bewegen. Ich starre ihn nur an, unfähig zu atmen, unfähig zu denken.

Und dann höre ich es. Ein dumpfer Schlag gegen die Tür. Hart und wütend. Bumm.

Meine Angst vervielfacht sich sofort. Mein Herz setzt einen Schlag aus. Kommt noch jemand? Was wollen sie jetzt von mir?

Die Tür fliegt auf. Sie wird praktisch aus den Angeln gerissen.

Und zu meiner absoluten Überraschung stürmt Damian ins Zimmer.

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