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Kapitel 5

Author: Blütenkranz
Der Schmerz riss ihr beinahe das Herz aus der Brust. Die Tränen flossen unaufhaltsam. Clara Winter presste die Hand auf ihr Herz und brauchte eine ganze Weile, bis sie sich wieder gefangen hatte.

Gleich darauf klingelte plötzlich ihr Handy. Es war ein Anruf der Fluggesellschaft, um die Angaben zu ihrem Ticket zu bestätigen.

„Frau Winter, Ihr gebuchtes One-Way-Ticket nach Wolkenstadt ist ausgestellt. Möchten Sie einen Sitzplatz auswählen?“

„Am Fenster, danke.“ Clara wischte hastig ihre Tränen fort. Ihre Stimme war so leise, dass man sie kaum hören konnte.

Kaum hatte sie aufgelegt, wurde die Tür des Krankenzimmers geöffnet.

Alexander Falkenberg trat mit ruhigen, festen Schritten ein. Sein Anzug saß makellos, selbst die Manschetten waren tadellos geordnet.

„Mit wem hast du telefoniert?“, fragte er gleichgültig.

Clara legte das Handy beiseite. „Mit einer Freundin.“

Alexander fragte nicht weiter nach. Er blieb nur am Bett stehen und sah von oben auf sie herab. „Was beim letzten Mal passiert ist, war ein Irrtum. Mara hat ihnen den Mangosaft gegeben.“

Sein Ton war so ruhig, als spreche er über das Wetter. „Aber sie wusste es nicht. Diese Sache ist damit vorbei.“

Claras Herz fühlte sich an, als würde eine unsichtbare Hand es brutal zusammendrücken. Der Schmerz nahm ihr beinahe den Atem.

Als er glaubte, sie sei es gewesen, hätte er sie am liebsten getötet. Doch sobald es Mara war, wurde daraus ein beiläufiges „sie wusste es nicht“.

Clara öffnete den Mund. Sie wollte ihn zur Rede stellen, wollte schreien, wollte all ihre Kränkung und all ihren Unwillen herauslassen.

Doch als die Worte an ihre Lippen kamen, blieb nur ein kaum hörbares „Hm“ übrig.

Es war, als hätte man ihr alle Kraft aus dem Körper gezogen. Sie war so müde. So müde, dass sie nicht einmal mehr den Wunsch hatte, zu streiten.

All die Kränkungen, die sie früher schlaflos gemacht hatten, all die Bitterkeit, die sich Tag und Nacht angesammelt hatte, verwandelten sich in diesem Moment in ein selbstironisches, bitteres Lächeln an ihren Lippen.

So einfach war also der Unterschied zwischen geliebt und nicht geliebt.

Alexander schien von ihrer Reaktion etwas überrascht. Nach einer kurzen Pause sagte er: „Nächste Woche fahren die Kinder ins Sommercamp. Mara und ich begleiten sie. Du fährst allein zurück.“

Er wartete darauf, dass sie wie sonst flehte oder weinte und tobte.

Doch Clara nickte nur ruhig. „Ich weiß.“

Alexander runzelte die Stirn. Ihre Reaktion kam ihm ungewöhnlich vor. Doch genau in diesem Moment klingelte sein Handy. Er sah auf die Anruferanzeige. „In der Firma gibt es etwas zu tun. Ich gehe zuerst.“

Nachdem die Tür sich geschlossen hatte, löste Clara endlich ihre fest geballte Faust.

In ihrer Handfläche zeichneten sich deutlich vier halbmondförmige blutige Spuren ab.

In den nächsten Tagen begann Claras Handy immer wieder zu vibrieren.

Es waren ausschließlich Nachrichten von Mara.

Eine ganze Reihe von Fotos und Videos hielt die fröhliche Zeit im Sommercamp fest.

In einem Video stellten Jonas und Marie ihren Mitschülern Mara voller Stolz vor. „Das ist unsere Mama!“

Die neidischen Ausrufe der Kinder kamen von allen Seiten.

„Wow! Deine Mama ist so schön!“

„Der Papa sieht gut aus und die Mama ist hübsch. Ihr seid wirklich glücklich!“

„Und wer holt euch sonst immer von der Schule ab und bringt euch hin?“, fragte ein Kind neugierig.

Im Bild erstarrten Jonas und Marie für einen Augenblick.

„Ach, das ist ... die Frau, die sich um uns kümmert.“

Claras Hand zitterte. Das Wasserglas fiel ihr aus den Fingern und zerschellte auf dem Boden.

Langsam ging sie in die Hocke, sah auf die Scherben und lachte plötzlich.

Also war sie in all diesen Jahren nur ein kostenloses Kindermädchen gewesen.

Aber das machte nichts.

Dieses Kindermädchen würde sehr bald kündigen.

Von nun an sollte doch ihre geliebte „Mama“ sich um sie kümmern.

Eine Woche später brachte der Butler Jonas und Marie zurück in die Villa.

Kaum hatten die beiden Kinder die Tür betreten, liefen sie direkt in die Küche. Auf ihren Gesichtern lag ein unverhohlener Triumph.

„Mama!“, rief Marie mit schriller Stimme. „Weißt du was? Tante Mara hat sich beim Eltern-Kind-Sportfest den Fuß verstaucht. Papa war so besorgt um sie!“

Jonas ergänzte ungeduldig: „Papa hat gleich das ganze Krankenhaus für Tante Mara reserviert, damit sie behandelt wird. Er hat sogar Firmenbesprechungen abgesagt und ist die ganze Zeit an ihrer Seite geblieben!“

Clara stand vor dem Ofen und hörte den Kindern schweigend beim Prahlen zu. Ruhig zog sie sich hitzefeste Handschuhe über die Finger.

„Mama, hörst du überhaupt zu?“ Marie stampfte unzufrieden mit dem Fuß auf. „Papa ist so gut zu Tante Mara, viel besser als zu dir ...“

Das „Ding“ des Ofens unterbrach ihr unaufhörliches Geplapper.

Ein süßer Duft breitete sich augenblicklich in der ganzen Küche aus.

Die Augen der beiden Kinder leuchteten auf. Sofort kamen sie näher.

„Kuchen!“ Jonas stellte sich auf die Zehenspitzen. „Ich will essen!“

Clara nahm das Blech heraus. Der Rand des Kuchens war ein wenig angebrannt.

Sie runzelte die Stirn und kippte ihn direkt in den Mülleimer.

„Ah!“ Marie schrie auf. „Warum wirfst du ihn weg?“

„Er ist angebrannt. Man kann ihn nicht essen“, sagte Clara ruhig.

„Du lügst!“ Jonas trat wütend gegen den Mülleimer. „Du machst das absichtlich! Nur weil du wegen der Sache von neulich immer noch sauer auf uns bist, willst du uns nichts geben. Böse Mama!“

Maries kleines Gesicht wurde knallrot. „Wir haben keine Mama wie dich!“

Clara zog die hitzefesten Handschuhe aus. Ihr Herz fühlte sich an, als würde eine unsichtbare Hand es brutal zusammendrücken.

Sie betrachtete die beiden Kinder vor sich, die sie unter Einsatz ihres Lebens geboren hatte, und plötzlich kamen sie ihr unendlich fremd vor.

„Das passt gut“, sagte sie leise. „Ich habe auch keine Kinder wie euch.“

„Von jetzt an geht ihr eben zu Mara Schubert.“

Nachdem sie das gesagt hatte, drehte sie sich um und ging zur Treppe.

Hinter ihr erklangen die hysterischen Schreie der beiden Kinder.

„Wir hassen dich! Wir werden dich für immer hassen!“

Clara hielt kurz inne, drehte sich aber nicht um.

Gerade als sie die dritte Stufe betrat, wurde sie plötzlich heftig von hinten gestoßen.

„Stirb doch!“

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