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Kapitel 6

Author: Blütenkranz
Mitten in einem Wirbel aus Himmel und Erde stürzte Clara schwer die Treppe hinunter.

Ein stechender Schmerz erfasste augenblicklich ihren ganzen Körper. Warme Flüssigkeit rann ihr von der Stirn herab und verschleierte ihren Blick.

Die beiden Kinder standen oben an der Treppe, boshaftes Lächeln auf ihren Gesichtern.

„Geschieht dir recht!“, rief Marie und klatschte in die Hände.

„Selbst schuld, dass du uns keinen Kuchen gegeben hast!“, verzog Jonas das Gesicht zu einer Grimasse.

Clara stützte sich mühsam auf. Blut tropfte an ihrem Kinn entlang auf den Boden.

Sie sah diese beiden kleinen Teufel vor sich an und konnte sie beim besten Willen nicht mit jenen Kindern verbinden, die sie damals im Kreißsaal unter Einsatz ihres Lebens zur Welt gebracht hatte, als sie selbst schon am Rande des Todes gewesen war.

Plötzlich wurde die Haustür aufgestoßen.

„Was ist hier los?“

Alexanders tiefe Stimme drang herein. Hinter ihm kam Mara. Als die drei die Szene sahen, erstarrten sie.

„Papa!“

Die beiden Kinder wechselten sofort den Ausdruck, brachen in Tränen aus und stürzten auf ihn zu.

„Mama hat den Kuchen weggeworfen und uns nichts davon gegeben. Sie hat sogar gesagt, sie wolle uns nicht mehr, buhu!“

Alexanders Blick fiel auf den Kuchen im Mülleimer, dann auf Clara, die von Blut bedeckt war. Seine Brauen zogen sich finster zusammen.

„Clara Winter, warum musst du dich unbedingt mit zwei Kindern anlegen?“

Seine Stimme war kalt wie Eis.

„Wie kannst du zu deinen eigenen Kindern so etwas sagen? Bist du überhaupt würdig, Mutter zu sein?“

Clara stützte sich an der Wand ab und richtete sich langsam auf. Blut färbte ihren Kragen rot.

Sie sah Alexander an und lachte plötzlich.

„Wann war ich in deinen Augen je würdig?“ Ihre Stimme war heiser. „Hast du mich nicht immer nur als Werkzeug gesehen, um deine Blutlinie fortzusetzen?“

Alexanders Pupillen verengten sich kaum merklich.

„Wenn die Ehefrau, die du wirklich willst, Mara Schubert ist“, sagte Clara und wischte sich das Blut aus dem Gesicht, „und wenn auch die beiden Kinder nur sie als Mutter wollen, dann trete ich zurück und mache euer Glück zu viert vollkommen.“

Die Luft erstarrte in einem Augenblick.

Alexanders Gesicht wurde unerträglich dunkel. Er starrte Clara an, als sähe er sie zum ersten Mal wirklich.

„Clara Winter, vergiss nicht“, sagte er mit tiefer, frostiger Stimme, „die Familien Falkenberg und Winter sind damals eine arrangierte Geschäftsehe eingegangen. Gefühle gab es dabei von Anfang an nicht.“

„Was willst du von mir? Liebe?“ Er lachte kalt. „Tut mir leid. Die kann ich dir nicht geben.“

Clara musste lachen. Doch während sie lachte, liefen ihr die Tränen über das Gesicht.

Ja. Er hatte recht.

Sie war dumm gewesen. Unfassbar dumm. Sie hatte tatsächlich geglaubt, eine Gottheit von ihrem Altar herunterziehen zu können.

Alexander Falkenberg war tatsächlich einmal von diesem Altar herabgestiegen.

Nur war die Person, für die er das getan hatte, nicht sie gewesen.

Das hätte sie längst wissen müssen.

„Alexander, genug ...“, sagte Mara im genau richtigen Moment und fasste ihn am Arm. „Die Kinder sind ganz verstört. Lass uns sie erst einmal nach oben bringen.“

Alexander sah Clara noch einmal tief an. Am Ende drehte er sich um, nahm je eines der Kinder auf den Arm und ging mit Mara davon.

Clara sah ihnen nach. Blut tropfte noch immer zu Boden.

In diesem Moment bereute sie es unendlich. Sie bereute, Alexander Falkenberg geheiratet zu haben. Sie bereute, diese beiden Kinder geboren zu haben.

In diesem zweiten Leben würde sie denselben Fehler niemals wiederholen.

Von nun an würde sie nur noch für sich selbst leben.

Drei Tage später war Jonas' Geburtstag.

Das Fest fand im luxuriösesten Hotel im Stadtzentrum statt. Kristallleuchter brachen funkelndes Licht, der Champagnerturm glänzte in der Mitte des Ballsaals. Wie immer hatte Alexander eine ganze Etage reserviert, um Jonas ein prachtvolles Geburtstagsfest auszurichten.

Clara stand in einer Ecke und sah zu, wie Jonas und Marie links und rechts Maras Hände hielten und wie zwei fröhliche Vögel um sie herum flatterten.

Die beiden Kinder klebten den ganzen Abend an Mara und ließen Clara, ihre leibliche Mutter, absichtlich allein stehen.

Alexander stand nicht weit entfernt. Seine schlanken Finger hielten ein Champagnerglas, und sein Blick glitt immer wieder zu Mara. In seinen Augen lag jene Zartheit, die Clara nie erhalten hatte.

„Herr Falkenberg ist wirklich ein treuer Mann. Nach all den Jahren sieht er immer noch nur Fräulein Schubert.“

„Allerdings. Die beiden Kinder kommen ganz nach ihm. Auch sie haben nur Mara Schubert im Blick.“

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