LOGINSienna saß auf der Veranda der vorübergehenden Unterkunft und beobachtete einige Kinder, die im Hof Seilspringen spielten, als ihr Mobiltelefon vibrierte. Sie sah den Namen Julian auf dem Display und nahm das Gespräch nach kurzem Zögern an.„Hallo, Julian?“, sprach Sienna, sobald das Mobiltelefon ihr Ohr berührte.„Sienna.“ Julians Stimme klang am anderen Ende der Leitung erleichtert. „Wie geht es dir? Und den Kindern im Waisenhaus, geht es ihnen gut?“„Uns allen geht es gut“, antwortete Sienna, während ihr Blick weiterhin auf den fröhlich lachenden Kindern ruhte. „Die Kinder haben sich bereits etwas beruhigt, auch wenn ihr Zuhause natürlich von Grund auf neu aufgebaut werden muss.“„Es tut mir leid, dass ich nicht persönlich kommen kann“, sagte Julian; sein Tonfall klang am anderen Ende bedrückt. „Ich hatte Angst, dass die Gerüchte, die sich gerade erst zu legen beginnen, wieder hochkochen würden, wenn ich jetzt auftauche. Ich wollte deine Situation nicht noch schlimmer machen.“„Ic
Am Mittag.Sienna fuhr zu der vorübergehenden Unterkunft der Kinder. Kaum hatte sie den Hof betreten, wurde sie von lautem Lachen einiger Kinder begrüßt, die auf dem Freigelände mit einem kleinen Ball spielten—weit entfernt von dem Trauma, das sie vor einigen Tagen noch überschattet hatte.„Schwester Sienna!“, rief eines der Kinder und lief mit breitem Lächeln auf sie zu.Sienna ging in die Knie und schloss das Kind für einen Moment in ihre Arme.„Spielt erst einmal weiter. Schwester geht kurz hinein“, sagte Sienna und wischte dem kleinen Kind den Schweiß von der Stirn.Sobald das Kind genickt hatte, trat Sienna ein und suchte nach Naomi, die zu dieser Mittagsstunde wie gewohnt in der Küche beschäftigt war.Und tatsächlich fand sie Naomi am Esstisch sitzen; ihr Mobiltelefon befand sich in der Hand, während ihr Gesicht ernst wirkte, als sie etwas las.„Naomi“, grüßte Sienna und setzte sich auf den gegenüberliegenden Stuhl. „Kochst du etwa nicht?“, fragte Sienna.Naomi hob den Blick un
Im Hauptanwesen der Blackwells.Beatrice saß im Wohnzimmer und schlürfte äußerst gelassen ihren Morgentee. Bis Elenas Schritte so laut und hastig erklangen, dass sie für einen kurzen Moment die Augen schloss.Elena kam mit einem Tablet in der Hand herbei, ihr Gesicht war angespannt.„Ma, sieh dir das an“, sagte Elena und reichte ihr den Bildschirm, der die Nachricht über Vivians Festnahme zeigte.Beatrice stellte ihre Tasse ab und riss beim Lesen der Schlagzeile die Augen auf. „Sie ist wirklich verhaftet worden?“„Ja, Ma. Versuchte Brandstiftung, Gefährdung von Kinderleben“, antwortete Elena, während ihre Stimme noch immer Unglauben verriet.Beatrice schwieg ziemlich lange und starrte auf das Foto von Vivian in Handschellen auf dem Bildschirm. Ein Schreckensgefühl breitete sich in ihrer Brust aus, doch seltsamerweise spürte sie nicht das Bedürfnis, diese Frau länger zu verteidigen. All das Vertrauen, das sie einst geschenkt hatte, war verbraucht, seit Vivian im Flur von Damians Büro e
Damian holte das Mobiltelefon aus seiner Hosentasche, kaum dass Vivian gegangen war. Mit einem einzigen Tastendruck stellte er eine Verbindung zu seinem Telefon her.„Hallo, Sir.“„Vivian war gerade bei mir zu Hause. Sie scheint fliehen zu wollen, schnappt sie euch!“, befahl Damian mit eiskalter Stimme.An einem anderen Ort.Vivians Wagen raste dahin und durchschnitt die Straßen der Stadt, die sich allmählich mit den Lichtern der Nacht füllten. Ihre Hände umklammerten das Lenkrad fest; ihre Gedanken waren verwirrt auf der Suche nach einem Ausweg, den es längst nicht mehr gab.Der Flughafen. Sie konnte ins Ausland gehen, verschwinden, bis sich all das beruhigte. Sie hatte noch genug Geld auf ihrem Konto, um an einem Ort, der sie nicht kannte, ein neues Leben zu beginnen.Vivian lenkte ihren Wagen in Richtung des Flughafens; ihre Geschwindigkeit nahm immer weiter zu, während sie mehrere Verkehrszeichen missachtete, ohne sich darum zu scheren.Doch kaum hatte sie den Flughafenparkplatz b
Vivian stand immer noch wie erstarrt im Wohnzimmer und verarbeitete die Worte ihres Vaters, die sie hart getroffen hatten. Stelle dich selbst. Diese zwei Worte kreisten unaufhörlich in ihrem Kopf und weigerten sich, sie einfach so hinzunehmen.„Ich brauche Zeit“, sprach Vivian schließlich, ihre Stimme zitterte, doch in ihren Augen begann ein Funke von Kalkül aufzuflackern. „Gib mir Zeit bis heute Abend, Papa. Ich schwöre, ich werde das selbst regeln.“Ihr Vater musterte sie misstrauisch. „Wie willst du das regeln?“„Ich werde mit Damian sprechen“, antwortete Vivian schnell und ordnete ihren Atem, um gefasst zu klingen. „Vielleicht gibt es noch einen Weg, damit diese Sache nicht vor Gericht landet. Und Papas Unternehmen wird ebenfalls nicht bedroht sein“, versuchte Vivian ihn zu überzeugen.Mr. Bennett schwieg lange und stieß dann einen schweren Seufzer aus. „Du hast Zeit bis sieben Uhr abends. Danach werde ich dich eigenhändig zur Polizeiwache bringen.“Kaum war ihr Vater fort, griff
In Vivians Apartment.Vivian saß unruhig auf dem Sofa ihres Apartments; ihr Mobiltelefon in der Hand scrollte unaufhörlich, während sie versuchte, zum wiederholten Male dieselbe Nummer anzurufen.Doch das Ergebnis blieb dasselbe. Nicht erreichbar.Sie klopfte mit ihren langen Fingernägeln gegen den Bildschirm, ihre Stirn lag tief in Falten. Seit gestern war dieser Mann überhaupt nicht mehr zu erreichen. Die Nachricht wurde nicht zugestellt, der Anruf ging sofort in die Voicemail.„Warum ist er nicht erreichbar?“, murmelte sie, ihre Stimme begann zu zittern.Schlechte Gedanken schlichen sich in ihren Kopf. Konnte er etwa gefasst worden sein? Doch Vivian hatte teuer bezahlt und eine klare Drohung ausgesprochen—sollte er erwischt werden, durfte dieser Mann unter keinen Umständen den Mund aufmachen. Die Belohnung, die sie gegeben hatte, reichte aus, um jeden zum Schweigen zu bringen, sollte eigentlich ausreichen, um diesen Mann seinem Versprechen treu zu halten.Vivian atmete aus, gefang







