LOGINNastya Schulz braucht zehntausend Euro und verkauft dafür vier Nächte im Club Noir Étoile. Als Skye läuft sie über den Laufsteg und plant, danach für immer zu verschwinden. In der dritten Reihe sitzt Quentin Lorenzen, der stille Mann aus dem Café – und ein mächtiger Regierungsberater. Er erkennt sie. Er will gehen. Stattdessen überbietet er jeden anderen Bieter. Nacht für Nacht kehrt er als Mr. Silver zurück. Er fragt nicht, warum sie das tut. Er hält sie für käuflich. Er irrt sich. Nastya nimmt das Geld und baut sich ein Leben ohne ihn auf. Sechs Jahre später ist sie Anwältin und wird dem Vizekanzler zugeteilt. Doch dann taucht seine Exfrau als Mandantin bei ihr auf. Während der Kanzler ins Wanken gerät und ein unsichtbarer Gegner den Kreis immer enger zieht, wird Nastyas Vergangenheit im Noir Étoile zur Waffe gegen ihre Karriere – und gegen seine Regierung. Sie weigert sich, sein Geheimnis zu bleiben. Quentin hat sie einmal verloren, weil er glaubte, sie durchschaut zu haben. Diesmal muss er vor ihr knien.
View MoreNASTYAIn einem Augenblick drückte mich das Gewicht eines Mannes so fest, dass mir der Atem stockte. Im nächsten war da überhaupt nichts mehr. Ich schnappte nach Luft und rollte mich zusammen. Durch das Klingeln in meinen Ohren hörte ich, wie ein Körper gegen die Wand prallte, und eine Stimme, die ich überall erkannt hätte – dunkel und vor Wut zitternd. Als ich endlich die Augen aufriss, stand Quentin Lorenzen zwischen mir und dem Mann, der mir wehgetan hatte. Eine Faust hatte sich in den Kragen des Mannes gekrallt. Quentins Gesichtsausdruck war mörderisch. Zum ersten Mal in dieser Nacht wurde mir klar, dass niemand außer ihm gekommen war, um mir zu helfen. „Sie hat ‚Hör auf‘ gesagt“, fauchte Quentin. „Hast du sie nicht gehört?“ Der Mann taumelte rückwärts und versuchte, seine Kleidung zu glätten. „Sie wollte das. Sie kennt mich. Sie –“ „Verpiss dich von ihr.“ Quentin stieß ihn gegen die Wand. Inzwischen hatten sich bereits Leute versammelt. Stimmen erklangen aus allen Richtung
NASTYA„Herzlichen Glückwunsch, Herr Silver, dass Sie Pia heute Abend für sich haben.“ Meine Hand rutschte ab. Ich wäre fast gestürzt, hätte die Stange mich nicht gehalten. Für einen Moment hatte ich mir eingebildet, er hätte seine Meinung geändert und wäre zu mir zurückgekommen. Er hätte mir gehören sollen. Wie konnte er sich nur für Pia entscheiden? Quentin fuhr sich mit der Zunge über die Zähne, das Kinn zur Decke gerichtet, als würde er einen Sieg auskosten. Kitty strahlte ihn an. „Herr Silver, Sie sind heute Abend ein glücklicher Mann.“ Er nahm Pias Hand und führte sie von der Bühne, ohne auch nur einen Blick zurückzuwerfen. Ich senkte den Kopf und ließ mein Haar wie einen Vorhang herabfallen. Es konnte das Brennen hinter meinen Augen nicht verbergen. Was zum Teufel war gerade passiert? „Und darf ich Ihnen Skye vorstellen!“, erklang Kittys Stimme wieder, fröhlich und ohne jede Ahnung von dem Riss, der gerade meine Welt durchzog. „Es ist erst ihre zweite Schicht, meine Herren,
NASTYANotiz an mich selbst: Wenn dich das nächste Mal ein heißer, reicher Mann für Sex bezahlt und dich dann einfach stehen lässt, solltest du die folgende Woche vielleicht nicht damit verbringen, die Szene immer wieder abzuspielen, als wäre es dein Lieblingsfilm.Wem wollte ich hier etwas vormachen? Genau das hatte ich heute schon zweimal getan.Am Morgen im Hörsaal flüsterte Lars: „Du siehst innerlich tot aus.“ Er schob mir ungefragt die Hälfte seines Sandwichs über den Tisch. Typisch Lars. Er bemerkte, wenn es mir schlecht ging, und bot mir etwas zu essen an, ohne jemals nachzufragen. Ich wünschte mir, ich könnte in diesem Moment dasselbe von irgendjemand anderem in meinem Leben sagen.Später, im Hinterzimmer des Cafés, wusch ich mir die Hände und starrte ins Spiegelbild: müde Augen, verschmierte Wimperntusche und einen Pferdeschwanz, der langsam den Kampf aufgab. Ich zog die Schürze zurecht, während sich Angst in meinem Magen zusammenballte. Die Spätschicht im Club stand bevor. Z
NASTYA„Wenn Sie durch diese Tür gehen, Herr Lorenzen, verlassen Sie diesen Club ein für alle Mal.“ Ihr Lächeln blieb unbewegt. Es war das Furchterregendste, was ich je gesehen hatte. „Ein Kunde lehnt eine Étoile nicht ab. Nicht hier. Niemals.“ „Drohen Sie mir?“ „Das würde ich nicht wagen.“ Sie neigte den Kopf. „Sie sind ein Mann, der Regeln respektiert, Herr Lorenzen. Das sind unsere.“ Sein Kiefer zuckte. Er kam auf mich zu, bis nur noch wenige Zentimeter zwischen uns lagen. Hinter uns rief jemand „Einhundertdreißig!“, doch keiner von uns zuckte mit der Wimper. Die Wut zwischen uns war still und elektrisierend. Es ging nicht um die Auktion. Es ging darum, dass er hier war – und dass ich einst geglaubt hatte, er sei jemand Besonderes. Ich hob eine Augenbraue. Er unterbrach den Blickkontakt nicht. Dann streckte er mir die Hand entgegen, still und bedächtig. Ich ergriff sie. Eine Ablehnung hätte bedeutet, zuzugeben, dass es mir etwas bedeutete. „Hier entlang“, murmelte er. „Bring

















