Se connecterEin Jahr lang hat Harvey die Demütigungen ertragen, die man dem nutzlosen Ehemann von Jane Ross zufügte, der brillanten Milliardärin und CEO von Harvax Inc. Ihre reiche Familie verachtet ihn, weil sie glaubt, er sei nichts weiter als ein wertloser Mann, der vom Erfolg seiner Frau lebt. Selbst an ihrem ersten Hochzeitstag verspotten sie sein Geschenk und verlangen, dass Jane sich von ihm scheiden lässt. Doch sie ahnen nicht, mit wem sie es zu tun haben. Hinter Harveys unscheinbarem Äußeren verbirgt sich der Verstand eines legendären Cybersicherheitsgenies und Gründers eines mächtigen Imperiums, das ihm durch Verrat gestohlen wurde. Hereingelegt, ruiniert und zum Untertauchen gezwungen, opferte Harvey seine Identität, um die Frau zu schützen, die er liebte. Die ganze Zeit über verteidigte er heimlich ihr Unternehmen gegen Cyberangriffe und überließ einem hinterlistigen Manager die Lorbeeren. Als ein verheerender Angriff Harvax zu zerstören droht, tritt Harvey endlich aus dem Schatten. Er rettet das Unternehmen, deckt die ersten Risse in einer Verschwörung auf und wird zur Zielscheibe von Feinden, die geglaubt hatten, ihn für immer begraben zu haben. Nun sind seine früheren Verräter zurück. Ein skrupelloser Konkurrenzkonzern will seine Technologie. Eine durchtriebene Frau aus seiner Vergangenheit ist fest entschlossen, zu Ende zu bringen, was sie begonnen hat. Und mächtige Gestalten schrecken vor nichts zurück, um die Wahrheit zu begraben. Während gefälschte Beweise seine Freiheit bedrohen und seine Ehe am Abgrund steht, muss Harvey an allen Fronten einen Krieg führen: geschäftlich, privat und digital. Doch je tiefer er gräbt, desto klarer wird ihm, dass die Verschwörung, die sein Imperium zerstört hat, weit über die Geschäftswelt hinausreicht. Während das Unternehmen seiner Frau am Rande des Zusammenbruchs steht und die Feinde immer näher rücken, steht Harvey vor einer unmöglichen Entscheidung: die Frau zu schützen, die er liebt, oder das Imperium zurückzuerobern, das man ihm gestohlen hat.
Voir plus„Alles Gute zum Jahrestag, mein Schatz."
Harveys Stimme klang sanft und warm, als er das Wohnzimmer betrat und sie erblickte.
Jane saß neben ihrer Mutter Eleanor. Sobald ihr Blick ihn fand, erblühte ein Lächeln auf ihrem Gesicht.
„Oh, mein Liebling", hauchte sie und erhob sich bereits. Doch Eleanors Hand schloss sich um ihr Handgelenk und zog sie energisch wieder nach unten.
Jane runzelte die Stirn und wandte sich ihrer Mutter zu. „Was ist los?"
Eleanor ignorierte die Frage. Stattdessen wandte sie sich an Harvey, ihre Stimme kalt und knapp. „Wenn Sie meine Tochter ansprechen wollen, müssen Sie näher kommen. Machen Sie sich nicht zum Clown –"
„Oh, Mutter", fiel Jane ihr sofort ins Wort und seufzte genervt. „Harvey und ich sind jetzt schon ein Jahr verheiratet. Warum machst du das immer noch?"
„Was mache ich denn?", entgegnete Eleanor. „Kennst du deinen Platz nicht? Als Geschäftsführerin des bekanntesten IT-Unternehmens von New York solltest du dir sehr wohl bewusst sein, dass dein Status weit über dem dieses bedauernswerten Mannes steht, den du geheiratet hast. Er ist nichts als eine Last für dich und die Familie."
Janes Gesicht färbte sich vor Wut rot. Sie stand abrupt auf, die Worte zu Harveys Verteidigung lagen ihr bereits auf der Zunge.
„Schon gut", warf Harvey ruhig ein. Er trat näher und lachte leise, die Augen nur auf Jane gerichtet. „Es macht mir wirklich nichts aus, was die anderen sagen. Ich bin bis über beide Ohren in dich verliebt, und das ist alles, was zählt."
Jane drehte sich langsam zu ihrem Mann um. Im nächsten Atemzug lag sie in seinen Armen. Sie hielten einander eine ganze Weile, bis Eleanor sich auf eine bewusst schneidende Art räusperte und sie so auseinandertrieb.
„Es ist ja immerhin euer Jahrestag", sagte Eleanor, den Spott in ihrem Ton kaum verhüllt. „Sag mir: Welches Geschenk hat Harvey seiner innig geliebten Frau mitgebracht?"
Jane wandte sich bereits wieder ihrer Mutter zu, als Harvey sprach. „Ich habe etwas Besonderes für sie."
Sie sah ihn erneut an. „Oh, Harvey. Das wäre doch nicht nötig gewesen."
Er schüttelte den Kopf. „Doch, mein Schatz. Ich tue alles für dich."
Er öffnete die Tasche, die er bei sich trug, und zog eine kleine Schachtel heraus. Eleanor erhob sich, die Augen weit aufgerissen, auf der Suche nach der nächsten Gelegenheit, ihn zu verspotten.
Harvey öffnete die Schachtel und hob vorsichtig eine zarte Silberkette heraus, deren schlanke Glieder das Licht um einen funkelnden Anhänger einfingen.
„Die habe ich für dich."
Janes Lächeln wurde weicher. „Sie ist … oh mein Gott. Sie ist wunderschön."
Harvey lächelte. „Gefällt sie dir?"
„Ich liebe sie", antwortete sie und drehte sich um. „Schnell. Leg sie mir an –"
Eleanors Lachen brach plötzlich los und schnitt Jane das Wort ab. Es war schrill, laut und äußerst irritierend.
Genau in diesem Moment öffnete sich die Tür. Janes Vater, Mr. James, und ihr Bruder Kyle kamen von ihrem morgendlichen Lauf zurück. Sie betraten das Wohnzimmer und fanden Eleanor immer noch lachend vor.
Sie verlor keine Zeit.
„Seht euch das an", sagte sie zu ihnen. „Harvey hat Jane zum Jahrestag eine billig aussehende Kette gekauft."
Vater und Sohn wechselten einen Blick und stimmten dann in den Spott ein.
„Weiß Gott, ich habe diese Scheinehe nie gutgeheißen", sagte James mit strenger Stimme und schüttelte langsam den Kopf.
Kyle schüttelte ebenfalls den Kopf, die Lippen verächtlich gekräuselt. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass Jane sich so weit herablassen konnte."
„Und jetzt bring diese rostige Kette dorthin zurück, wo du sie her hast", befahl James kalt und zeigte mit starrem Finger auf Harvey.
Harvey schwieg. Keiner von ihnen wusste, dass die Steine in der Kette Diamanten waren. Er machte sich nicht die Mühe, sie zu korrigieren, stand nur still da und hörte sich ihre verletzenden Worte an. Seine gesamte Aufmerksamkeit galt seiner Frau, der Einzigen, die zählte.
Auch Janes Blick wich nicht von seinem. Sie wollte ihn gerade aus dem lauten Wohnzimmer führen, als ihr Telefon klingelte.
Es war Jonathan, der Chief Operating Officer von Harvax Inc.
Sie nahm den Anruf entgegen. „Hallo, Jona–"
„Du musst sofort in die Firma kommen", unterbrach Jonathan sie, die Worte schnell und angespannt.
Das Lachen und der Spott verebbten allmählich, als die Familie die Anspannung des Anrufs spürte.
Janes Blick huschte zum Gesicht ihres Vaters. „Jonathan … was ist los?"
„Ich fürchte, ich muss dir das sagen, aber es scheint einen weiteren Cyberangriff auf Harvax Inc. gegeben zu haben", antwortete Jonathan.
Jane schlug sich an die Stirn. „Was?"
„Diesmal ist es nicht wie beim letzten Angriff, der nur einen Teil der Firma getroffen hat", fuhr Jonathan fort. „Jedes digitale System im Unternehmen ist ausgefallen. Komplett."
Jane konnte nicht glauben, was sie gerade gehört hatte. Die Farbe wich aus ihrem Gesicht.
„Was ist passiert?", fragte Eleanor beinahe flüsternd und trat näher. James, Kyle und Harvey stellten dieselbe Frage, ihre Stimmen überlagerten sich.
Jane sah nur einmal in die Runde, dann machte sie auf dem Absatz kehrt. „Ich fahre jetzt zu Harvax."
„Aber es ist Sams–", begann Eleanor, doch Jane war bereits ohne ein weiteres Wort aus dem Wohnzimmer gestürmt.
Während Harvey ihr nachsah, murmelte er vor sich hin: „Es gab einen weiteren Cyberangriff. Verdammt."
Kyles Kopf fuhr zu ihm herum. „Was? Woher zum Teufel weißt du das?"
Harvey ignorierte ihn. Sein Blick blieb auf den Weg gerichtet, den Jane genommen hatte.
„Ich muss mit ihr gehen", sagte er leise, mehr zu sich selbst.
„Oh nein, nein, nein", mischte sich James ein, durchquerte den Raum mit großen Schritten und stellte sich Harvey in den Weg. „Das kommt nicht infrage, Freundchen."
Harvey sah zu seinem Schwiegervater auf, als der Mann kalt hinzufügte: „Du hast dieses Unglück über die Firma unserer Tochter gebracht. Die Cyberangriffe haben erst angefangen, nachdem ihr beide diesen verdammten Bund geschlossen habt."
Harvey runzelte die Stirn über die Lüge, denn in Wahrheit war er derjenige gewesen, der jeden einzelnen früheren Cyberangriff rückgängig gemacht hatte. Danach hatte er seine Identität stets verborgen gehalten und Jonathan den Ruhm überlassen.
Seine Lippen öffneten sich gerade, um zu sprechen, als James einen Finger hob, um ihn zu stoppen.
„Du bleibst in diesem Haus sitzen, bis das Problem gelöst ist", fuhr James fort und schnitt ihm das Wort ab. „Danach besprechen wir eine saubere Scheidung."
Kyle lachte plötzlich auf. „Oh Dad, du sagst das, als wärst du derjenige, der sich von Harv–"
„Halt verdammt noch mal den Mund!", brüllte James und warf seinem Sohn einen scharfen Blick zu.
Jonathan blieb nichts anderes übrig. Er trat beiseite, die Kiefer angespannt.Jane ging an ihm vorbei und stieg die letzten Stufen hinauf, bis sie direkt vor Harvey stand.„Was ist da drinnen passiert?", fragte sie ihn mit leiser, aber leicht drängender Stimme.Harvey erwiderte ihren Blick, ohne zu zucken.„Ich habe es repariert", sagte er. „Aber jeder Beweis, den ich zutage gefördert habe, deutet auf ihn. Jonathan steckt hinter jedem Cyberangriff, den diese Firma von Anfang an erlitten hat."Janes Gesicht erstarrte, und sie wandte sich langsam zu Jonathan um. „Was?"Jonathan stieß ein kurzes, ungläubiges Lachen aus und breitete die Hände aus.„Das ist ja geradezu zum Totlachen. Du willst ernsthaft sein Wort über meines stellen? Ich bin seit Jahren bei dir, Jane. Jahre! Komm schon, ich habe das verdammte Ding gerade erst repariert –"„Noch eine Lüge von dir, und es wird noch viel ungemütlicher", fiel Harvey ihm ins Wort und trat mit geballten Fäusten einen Schritt auf ihn zu.Jonathan
Jonathans Gesicht verzerrte sich, seine Stimme zerriss die Lobby.„Er macht es nur noch schlimmer!", schrie er und deutete auf das Treppenhaus, das Harvey genommen hatte. „Dieser Mann sabotiert jedes System, das uns noch geblieben ist. Hält er das für einen Witz? Ist Harvax für ihn ein Spielplatz für seine Amateurspielchen?"Er fuhr zu den nächsten Sicherheitsleuten herum. „Geht da rauf. Zerrt ihn raus, bevor er zerstört, was noch übrig ist!"„Nein", Janes Stimme durchschnitt seinen Befehl, als sie vortrat. „Ich gehe selbst."Jonathan wandte sich ihr zu und lachte leise, überbrückte die Distanz zwischen ihnen in drei Schritten. Dann schüttelte er den Kopf, die falsche Ruhe bröckelte bereits.„Er wird dir nur Unsinn darüber erzählen, dass er es repariert, und du wirst ihm am Ende noch glauben –"„Jonathan –"„Weil er dein Mann ist."Jane schüttelte den Kopf. „Nein, Jonathan. Überlass das mir –"„Du hast keine Ahnung von Cybersicherheit!", platzte Jonathan plötzlich heraus, so laut, das
Im Chaos war Harvax Inc. vollständig versunken.In der Lobby hallten eilige Schritte und sich überlagernde Stimmen wider. Die Bildschirme, die sonst Börsenkurse und Sicherheitsfeeds anzeigten, waren schwarz und tot. Techniker drängten sich um erloschene Terminals, ihre Finger flogen über Tastaturen, die nichts als weitere Fehlertöne hervorbrachten.Es war wirklich schlimm, der schwerste Sturm, den Harvax bisher erlebt hatte.Jane bewegte sich durch das Durcheinander wie jemand, der über ein Seil balanciert, unter dem sich ein Abgrund von unbekannter Tiefe auftut. Zum gefühlt zwanzigsten Mal an diesem Morgen betrat sie Jonathans Büro.Jonathan saß hinter seinem Schreibtisch, die Ärmel hochgekrempelt, das Telefon am Ohr. Er beendete das Gespräch, sobald sie eintrat, und schenkte ihr dasselbe gelassene Lächeln wie den ganzen Morgen über.„Gibt es etwas Neues?", fragte Jane.Er seufzte und erhob sich langsam. „Jane, beruhige dich. Bald läuft alles wieder."„Aber es hat noch nie so lange g
James wandte sich wieder Harvey zu, das Gesicht zu derselben kalten Maske erstarrt, die er immer trug, wenn er mit dem Mann sprach, den seine Tochter liebte.„Geh nach oben", befahl er, die Stimme leise und unumstößlich. „Setz dich dort hin und rühr dich keinen Zentimeter. Ruf sie nicht an, und denk nicht einmal daran, dieses Haus zu verlassen, bis die Sache in der Firma gelöst ist."Er sprach in dem Ton, in dem man mit jemandem redet, der nie die Stimme erhoben hatte und es auch nie tun würde.Ein ganzes Jahr lang hatte Harvey jede Beleidigung, jeden abfälligen Blick und jede öffentliche Erinnerung daran, dass er der weitaus unbedeutendere Partner in dieser Ehe war, einfach hingenommen. Er war nie aufgebraust und hatte nie zurückgeschlagen. Kein einziges Mal.James hatte sich an Harveys stille, marionettenhafte Fügsamkeit gewöhnt. Er erwartete sie inzwischen so selbstverständlich, wie er erwartete, dass die Sonne jeden Morgen aufging.Doch heute war es anders.Harvey wusste mit schme





