LOGINAlex Kane ist seit fünfzehn Jahren auf der Flucht. Als er mit neun Jahren zum Waisen wurde, nachdem seine Mutter in einer regennassen Gasse ermordet worden war, schlägt er sich in den Straßen von Vespera mit Graffiti durchs Leben. Doch alles ändert sich, als er eine Backsteinmauer berührt und ein Flüstern aus der Vergangenheit vernimmt – die Stimme einer toten Frau. Dieses Flüstern erweckt den Echo-Schleier, eine Macht, die es ihm ermöglicht, in Stein gefangene Erinnerungen zu hören. Alex entdeckt, dass er das Ur-Echo in sich trägt, den ersten Klang, der jemals von den Mauern der Stadt aufgezeichnet wurde. Doch die Macht zehrt ihn langsam aus; er hat nur noch drei Jahre zu leben. Schlimmer noch: Ein gefährlicher Mann namens Silas Vane jagt ihn seit Jahrzehnten. Silas führt das Kollektiv an, eine Gruppe, die alle Echos für immer auslöschen will. Er konsumiert Echos und absorbiert sie in seinen Körper, um die einzige Stimme zu werden, die der Welt noch bleibt. Gemeinsam mit Elara Voss, Silas’ Schwester, und Rina, deren Bruder von Silas getötet wurde, sammelt Alex Verbündete. Sie entdecken eine Schwachstelle in der Echokammer: eine Resonanz, die die silbernen Wände zersplittern und die gestohlenen Echos freisetzen kann. Im finalen Kampf schlägt Alex die Stimmgabel gegen die Wand und entfesselt so die Echos. Silas bricht zusammen und stirbt in den Armen seiner Mutter. Die Stadt beginnt sich zu erholen. Alex muss die Gemeinschaft der Echoisten wiederaufbauen und einen Weg finden, das Urecho zu beherrschen. Das Buch endet hoffnungsvoll: Die Stadt erklingt wieder, und Alex ist bereit für alles, was kommen mag.
View MoreAlex rannte so schnell er konnte durch die enge Gasse, während der Regen heftig auf die Straßen von Vespera prasselte. Zwei große Männer verfolgten ihn, alles, was sie wollten, war die Tasche auf seiner Schulter.
„Halt, Junge!“, rief der größere Mann. „Gib uns die Tasche, sonst tun wir dir weh!“ „Gib uns einfach die Tasche und verschwinde, dann siehst du uns nicht mehr!“, rief der zweite Mann. Alex presste seinen Rücken gegen die nasse Wand. Sein Herz raste. Er war erst vierundzwanzig Jahre alt und lebte auf der Straße. Er sprühte Graffiti, um zu überleben, und nahm Gelegenheitsjobs an. Er hatte niemanden, der ihm gehörte. „Ich habe nichts Wertvolles“, sagte Alex. „Nur etwas Farbe und Essen. Lasst mich bitte in Ruhe.“ Die Männer kamen näher. Einer von ihnen zog ein Messer, dessen Klinge im Neonlicht der Straße glänzte. In diesem Moment hörte Alex etwas Seltsames. Ein Flüstern drang aus der Gassenwand. „…er kommt… Messer im Dunkeln… Blut an den Ziegeln…“ Die Stimme gehörte nicht den Männern. Er hatte keine Ahnung, woher sie kam, aber sie schien aus der Wand selbst zu kommen. Alex berührte die kalten Ziegel, und plötzlich fühlten sich seine Finger warm an. Da wusste er, woher die Stimme kam. Der größere Mann griff an, und Alex reagierte blitzschnell. Er stieß den Mann weg und rannte tiefer in die Gasse. Doch das Flüstern verstummte nicht, sondern wurde in seinem Kopf immer lauter, was ihn noch unwohler und verwirrter machte. Er erreichte eine Sackgasse, aus der es keinen Ausweg gab. Seine Angst wuchs, und man sah ihr die Furcht in seinem Gesicht an. Die Männer lächelten und kamen näher. Alex legte erneut die Hand an die Wand. Etwas in ihm erwachte, und Kraft durchströmte seine Finger. Er riss an dem Flüstern. Ein scharfer, lauter Schrei aus der Vergangenheit drang aus den Ziegeln. Die beiden Männer hielten sich die Ohren zu und wichen zurück. Alex sah alte Bilder vor sich: eine rennende Frau, ein Messer in der Hand. Er verstand nicht, was vor sich ging, doch er nutzte die Erinnerung. Aus Geräuschen und Schatten formte er eine Klinge. Sie fühlte sich echt in seiner Hand an. Er schlug den großen Mann damit. Dieser schrie auf und sank zu Boden, während der andere flüchtete. Alex stand da und atmete schwer. Plötzlich war die Klinge verschwunden, und seine Hände zitterten. „Was geschieht mit mir?“, fragte er leise. Sein Handy klingelte. Es war eine unbekannte Nummer, und er nahm ohne zu zögern ab. „Alex Kane“, sagte eine Frauenstimme. „Du hast gerade etwas Wichtiges geweckt. Triff mich in einer Stunde in der Midnight Stack Library. Komm allein, denn man jagt dich schon.“ Das Gespräch war beendet, und Alex stand wie gelähmt und verwirrt da. Er fragte sich, woher sie seinen Namen kannte. Sollte er hingehen oder nicht? Die Frau war ihm fremd, und er fragte sich, woher sie ihn kannte. Nach langem Überlegen beschloss er, sie zu treffen, doch diesmal würde er wachsamer und vorsichtiger sein. Alex betrachtete die Tasche in seiner Hand, die sich schwerer anfühlte als zuvor. Sie wurde immer schwerer, bis er sie schließlich nicht mehr tragen konnte. Die Stadt um ihn herum wirkte verändert, alles erschien ihm fremd. Die Wände, die Schatten, einfach alles schien ihn zu beobachten. Er ahnte es noch nicht, aber sein Leben hatte sich für immer verändert. Die Macht in ihm war der Echo-Schleier, und dies war erst der Anfang. ******Das Versteck wurde im Laufe der Nacht still, und einer nach dem anderen suchte sich jeder im Raum einen Platz zum Ausruhen. Vera gab Alex eine Decke und deutete auf eine Ecke am Fenster. Durch das zerbrochene Glas drang kalte Luft, doch das Mondlicht reichte aus, um hindurchzusehen. Alex breitete die Decke auf dem Boden aus und legte sich hin, aber der Schlaf wollte ihm nicht kommen.Sein Kopf war voller Erinnerungen, voller Gedanken an alles, was in den letzten Tagen geschehen war. Die Gasse, in der seine Kräfte erwacht waren, die Bibliothek, in der er Elara begegnet war, die Unterführungen, in denen er das verlorene Kind gehört hatte, der Markt, auf dem er Silas zum ersten Mal gegenübergestanden hatte, und nun dieses Versteck in den Unteren Straßen, mit einem Gemälde seiner singenden Mutter an der gegenüberliegenden Wand. Sein Leben hatte sich so grundlegend verändert, dass er sich selbst kaum wiedererkannte, als er in den zerbrochenen Spiegel an der Wand blickte.Elara saß mit
***Sie erreichten die Unteren Runden im Sonnenuntergang.Alex' Beine schmerzten, sein Kopf dröhnte noch immer von der Echokrankheit, doch er ging weiter, einen Fuß vor den anderen. Die Tunnel waren dunkel und kalt gewesen, aber jetzt waren sie wieder über der Erde. Die Luft roch nach Essen von Straßenständen und Rauch aus alten Schornsteinen.Die Unteren Runden unterschieden sich vom Rest von Vespera. Die Gebäude hier waren niedriger, die Straßen enger, Wäsche hing aus den Fenstern, Kinder spielten mit kaputtem Spielzeug, alte Männer saßen auf Treppenabsätzen und rauchten billige Zigarren.„Hier bin ich aufgewachsen“, sagte Alex. „Nach dem Tod meiner Mutter habe ich hier in Hauseingängen geschlafen und auf dem Markt Essen gestohlen.“„Du hast überlebt“, sagte Elara. „Das ist es, was zählt.“Rina zeigte auf eine Mauer am Ende einer Straße. Es war eine lange Mauer, vielleicht zehn Meter breit, aus alten Ziegeln und mit verblassten Graffiti bedeckt.„Die Wand wurde seit Jahren nicht meh
***Die Türen über ihnen flogen auf.Schwere Stiefel hämmerten auf den Boden der Lobby, Stimmen brüllten Befehle, Maschinen summten in der Stille.„Sie sind hier“, flüsterte Rina mit zitterndem Körper. „Silas’ Jäger, sie haben uns gefunden.“Elara zog ihren silbernen Dolch. Tränen rannen ihr über das Gesicht, doch ihr Blick war hart. „Wie viele?“, fragte sie.„Ich weiß es nicht“, sagte Rina. „Mindestens sechs, vielleicht mehr.“Alex blickte in die Spiegel. Die Gesichter waren verschwunden, das Flüstern verstummt. Der Raum war vollkommen still – nicht auf eine angenehme, sondern auf eine totenstille Art.„Die Echos verstecken sich“, sagte Alex. „Sie haben Angst.“„Wir auch“, sagte Elara. „Aber wir können nicht hierbleiben. Wenn die Jäger mit ihren Waffen der Stille die Treppe herunterkommen, verlieren wir unsere Kraft und werden leer.“Alex sah sich in der Garderobe um. Es gab nur eine Tür, die Treppe, von der sie gekommen waren. Keine Fenster, keine anderen Ausgänge – sie saßen fest.
***Der Rostgürtel roch nach altem Metall und Regen.Alex ging zwischen verfallenen Gebäuden und Autowracks hindurch. Der Nebel war hier dünner, die Sonne ging auf, doch die Gebäude versperrten ihr fast das gesamte Licht. Die Straßen waren nass und rissig, Unkraut wucherte durch den Beton.„Das Theater ist gleich um die Ecke“, sagte Rina. Sie ging vor Alex und Elara her. Ihre Augen huschten über jedes Fenster, jede Tür, jeden Schatten.„Woher kennst du diesen Teil der Stadt?“, fragte Elara.„Ich bin hier aufgewachsen“, sagte Rina. „Vor dem Kollektiv, vor allem. Meine Mutter arbeitete in einer Fabrik, und mein Vater trank sich zu Tode. Das hier war mein Zuhause.“Alex betrachtete die Gebäude. Die meisten hatten zerbrochene Fenster. Manche Mauern waren eingestürzt. Graffiti bedeckten fast jede Fläche, manche waren wunderschön, die meisten bestanden nur aus Namen und Flüchen.„Früher habe ich hier gemalt“, sagte Alex. „Vor Jahren, bevor ich in die Lower Rounds gezogen bin.“„Dann weißt d
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