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KAPITEL 7

Author: Princessa
last update publish date: 2026-09-23 19:33:43

„Du hast mich gehört.“

„Aber sie—“

„Entschuldige dich bei Chloe!“, schrie sie.

Ich starrte sie an. „Entschuldigen? Sie hat meinen Brief verbrannt. Sie—“ Rose kam näher, so nah, dass ich den scharfen Duft ihres Parfums riechen konnte.

„Du wirst dich bei Chloe entschuldigen, dafür, dass du ihr Zimmer betreten hast, dafür, dass du dir genommen hast, was dir nicht gehörte, und dafür, dass du sie geschlagen hast. Oder du verbringst die Nacht im Keller und denkst darüber nach, wie du mit den Menschen sprichst, die dich seit vier Jahren ernährt und beherbergt haben, weil deine eigenen Eltern es offensichtlich nicht können.“

Die Luft im Zimmer fühlte sich dünn an. Chloe stand leicht hinter ihrer Mutter, mit einem kleinen, zufriedenen Lächeln in den Mundwinkeln. Sie hatte gewonnen. Wieder.

Ich spürte, wie mir Tränen über die Wangen liefen. Ich sah zwischen den beiden hin und her. Mutter und Tochter, Schulter an Schulter. Beide sahen mich an, als wäre ich die Einzige, die etwas falsch gemacht hatte. Die Wahrheit spielte hier keine Rolle. Das hatte sie nie.

Meine Kehle brannte. „Es tut mir leid“, presste ich hervor. Die Worte schmeckten so bitter.

Roses Augen verengten sich. „Sag es richtig. Sieh sie an.“

Ich wandte mich zu Chloe. Meine Stimme klang flach und leer. „Es tut mir leid, dass ich in dein Zimmer gegangen bin. Es tut mir leid, dass ich den Brief genommen habe. Es tut mir leid, dass ich dich geschlagen habe.“

Chloes Lächeln wurde eine Spur breiter. „Angenommen.“

Die Art, wie sie es sagte, machte mich nur noch wütender.

Rose zeigte in Richtung Treppe. „Keller. Sofort. Kein Abendessen. Und wenn ich vor dem Morgen auch nur einen Laut von dir höre, wird es länger als eine Nacht.“

Mein Magen zog sich zusammen.

„Der Keller?“

„Ja.“

„Bitte, Tante Rose—“

„Beweg dich“, blaffte sie.

Ich verließ das Zimmer mit zitternden Beinen und ging die schmale Treppe hinunter in den kalten, unfertigen Bereich unter dem Haus. Eine nackte Glühbirne flackerte, und der Betonboden fühlte sich hart und kalt unter meinen bloßen Füßen an. Die Tür fiel mit einem schweren Klicken hinter mir ins Schloss.

Ich sank an der feuchten Wand hinunter und zog die Knie an die Brust.

Lange Zeit saß ich einfach nur da, zitternd, während die Spur von Chloes Fingernägeln noch immer auf meinem Handgelenk brannte und die Erinnerung an ihre Hand in meinem Haar noch immer über meine Kopfhaut kroch.

Ich weinte heftiger, als ich es seit Jahren getan hatte, leise, wütende Tränen, die meine Brust schmerzen ließen. Dann starrte ich auf das winzige Stück Papier in meiner Hand. Ich weinte noch heftiger.

Nicht, weil Chloe mich an den Haaren gezogen hatte. Nicht, weil meine Schulter wehtat, und ganz sicher nicht, weil ich gezwungen worden war, mich dafür zu entschuldigen, dass ich mich verteidigt hatte.

Ich weinte, weil ich endlich etwas verstanden hatte.

In diesem Haus zählte die Wahrheit nicht. Nicht, wenn Chloe involviert war.

Sie konnte etwas kaputt machen, und ich würde dafür beschuldigt werden, es angefasst zu haben.

Sie konnte mich verletzen, und ich würde dafür bestraft werden, mich gewehrt zu haben.

Und egal, was geschah, ich würde immer das Mädchen bleiben, das sie aufgenommen hatten, das Mädchen, das ihnen alles schuldete, und das Mädchen, dem es nie erlaubt war, sich etwas Eigenes zu wünschen.

Ich drückte den verbrannten Brief gegen meine Brust.

Welcher Abend auch immer es gewesen wäre, welche Gelegenheit auch immer auf mich gewartet hatte, sie war bereits vorüber.

Bis zum Morgen würde ich wieder nach oben gehen, kochen, putzen, Wäsche waschen und lächeln, wenn man es von mir verlangte. Und so tun, als wäre nichts davon geschehen. Denn genau das hatte ich gelernt zu tun. Still zu überleben.

Ich faltete, was von dem Brief übrig war, zu einem kleinen, sorgfältigen Quadrat und steckte es in die Tasche meines Kleides.

Morgen würde ich es unter der dünnen Matratze in dem kleinen Abstellraum verstecken, der als mein Zimmer diente.

Aber etwas in mir hatte sich verschoben. Der Brief war der Beweis dafür, dass ein anderes Leben nach mir gegriffen hatte. Und selbst wenn sie den größten Teil davon verbrannt hatten, selbst wenn sie mich im Dunkeln eingesperrt hatten, weil ich es gewagt hatte, mich zu wehren, betete und hoffte ich, dass dieses Leben mich noch finden würde.

——

FÜNF Tage vergingen still, einfach so, bis ich eines Nachmittags oben in der Flurgarderobe Handtücher faltete, als ich unten das Telefon klingeln hörte.

Tante Rose war zum Salon gegangen, und Chloe saß in ihrem Zimmer und plauderte und lachte mit weiß Gott wem.

Ich eilte die Treppe hinunter und nahm ab. Mein Herz schlug bereits etwas schneller, aus einem Grund, den ich mir nicht erklären konnte.

„Whitmore-Residenz“, sagte ich.

„Guten Tag, hier spricht das Veranstaltungsbüro, ich möchte gerne Miss Elise Moreau sprechen“, sagte eine unbekannte Stimme am anderen Ende. „Wir haben vor einigen Tagen ein Bestätigungsschreiben geschickt und nie eine Antwort erhalten. Wir müssen heute wissen, ob Miss Moreau die heutige Veranstaltung noch übernehmen möchte, oder ob wir die Position an jemand anderen auf unserer Liste vergeben sollen.“

Mir stockte der Atem irgendwo in der Brust. „Hier ist Miss Moreau“, sagte ich schnell, bevor ich mich zurückhalten konnte. „Ich habe den Brief nie erhalten. Aber ja, ich möchte die Position. Ich werde da sein.“

„Wunderbar“, sagte die Stimme, hörbar erleichtert, als wäre es das Letzte gewesen, was sich an diesem Nachmittag noch jemand gewünscht hätte, eine Mitarbeiterin kurzfristig ersetzen zu müssen.

„Seien Sie bis sechs Uhr am Personaleingang. Der Mitarbeitertransport fährt um halb sechs vom Depot ab, falls Sie ihn benötigen. Nennen Sie am Tor den Namen Miss Moreau, man wird Sie erwarten.“

Die Leitung war tot, bevor ich noch etwas sagen konnte, und ich stand einen langen Moment lang da, den Hörer fest umklammert, mein Herz pochte vor etwas, das gefährlich nah an Hoffnung heranreichte. Dann blickte ich zum Himmel auf, und Tränen füllten meine Augen.

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