LOGINDer eisige Wind heulte durch die schneebedeckten Gipfel des nördlichen Territoriums und peitschte den Schnee über das uralte steinerne Amphitheater, das tief im Herzen des Bergmassivs verborgen lag.Inmitten der vereisten Ruinen stand der Meister. Eine hochgewachsene, imposante Gestalt in dunkler, maßgeschneiderter Kampfrobe. Über einem steinernen Altar hielt er den leuchtenden Silberherz-Kern in die Höhe. Schwarzes Feuer knisterte um seine Hände, während er versuchte, die rohe, örtlich gebundene Kraft des Ahnenrelikts abzuziehen, um das regionale Bannsystem gewaltsam neu zu schreiben und das nördliche Territorium von innen heraus zu zerstören.„Ihr kommt zu spät, Donstilion!“, donnerte die Stimme des Meisters und hallte von den eisigen Steinwänden wider. „Der Kern ist entsiegelt! Die Macht der Silberkamm-Linie gehört mir!“„Sie stand dir niemals zu.“Eine klare, durchdringende Stimme durchschnitt das Tosen des Sturms.Der Meister riss den Kopf herum und blickte zum Eingang des Amphit
Der Privatjet raste mit maximalem Schub durch die dunklen Wolken über den Alpen. Die Triebwerke heulten auf, während die Maschine mit Überschallgeschwindigkeit auf das nördliche Territorium zuhielt.In der Besprechungskabine war von dem luxuriösen Ambiente aus weichem Leder und warmem Mahagoni nichts mehr übrig. Stattdessen herrschte die düstere Anspannung eines fliegenden taktischen Kommandopostens. Digitale Konsolen und holografische Karten des Donstilion-Anwesens schwebten über dem Tisch und blinkten hektisch rot, während Notrufsignale vom nördlichen Perimeter das Kommunikationsnetz überfluteten.„Wir verlieren das Signal zu Außenposten Vier“, berichtete Oliver. Seine Finger flogen über die taktische Konsole, während er versuchte, die abgerissenen Funksprüche zusammenzufügen. „Die Belagerung ist kein einfacher Überraschungsangriff, Liam. Das ist eine Offensive in vollem Umfang, von drei Seiten gleichzeitig. Sie haben schwere gepanzerte Transporter, elektromagnetische Störsender und
Das ohrenbetäubende Heulen der Alarmsirenen hallte von der vergoldeten Gewölbedecke wider und übertönte die panischen Schreie der Delegierten aus den höchsten Kreisen.Die schweren eisernen Schotts krachten auf den Marmorboden und versiegelten jeden der prächtigen Ausgänge. Hunderte Adlige, Rudelälteste und Diplomaten saßen im großen Ballsaal fest. Rauch begann durch die Lüftungsschächte zu dringen, während die Lichter flackerten und den Saal in ein unheimliches, bernsteinfarbenes Notlicht tauchten.Mitten im Chaos machte Lord Vane seinen Zug.Er wirbelte auf dem Absatz herum und gab seinen vier bewaffneten Leibwächtern hektische Zeichen, während er versuchte, im Schatten hinter dem erhöhten Podium zu verschwinden.„Nicht so schnell, Vane!“Olivers donnernde Stimme durchschnitt das Chaos.Oliver und Zeina sprangen über die unteren Stufen des Podiums und versperrten den hinteren Versorgungskorridor. Oliver zog zwei Kampfklingen, seine Augen leuchteten bernsteinfarben, während Zeina ihr
Freyas Finger krallten sich in den Stoff von Liams Revers. Ihr Atem ging schnell und flach. Das Nachbild der Vision brannte noch immer auf ihren Netzhäuten, das feuchte Mauerwerk, der Glanz polierten Stahls und die tödliche Spitze eines silberbeschichteten Bolzens, der genau zwischen Liams Schulterblättern ausgerichtet war.„Freya, rede mit mir“, befahl Liam sanft. Sein Körper bewegte sich instinktiv so, dass er sie an seiner Brust abschirmte und sie vor den neugierigen Blicken der Delegierten in der Nähe schützte.„Die unteren Ebenen“, keuchte Freya und zwang ihren Puls zur Ruhe, während ihr analytischer Verstand wieder auf Hochtouren lief. „Unter dem Ostflügel des Palazzo. Alte Ziegelbögen, von denen Wasser tropft, ein versteckter Versorgungseingang, der als steinerne Nische getarnt ist. Dort unten richtet gerade ein Scharfschützenteam eine pneumatische Armbrustvorrichtung ein. Sie zielen durch das eiserne Abflussgitter direkt über dem Gartenbalkon.“Liams Augen verengten sich zu zw
Vierundzwanzig Stunden später herrschte im privaten Hangar auf der Donstilion-Landebahn vollkommene Stille, abgesehen vom tiefen, donnernden Brummen der aufwärmenden Düsentriebwerke.Liam stand an der Einstiegstreppe. Er trug einen maßgeschneiderten obsidianfarbenen Anzug, die breiten Schultern gerade aufgerichtet, und sein linker Arm bewegte sich ohne jede Spur von Steifheit. Das Silbergift war vollständig aus seinem Körper verschwunden. Seine übernatürliche Heilung hatte lediglich eine schwache, blasse Linie entlang seines Schlüsselbeins zurückgelassen.Neben ihm betrat Freya das Rollfeld.Sie trug einen auffälligen, dunklen maßgeschneiderten Blazermantel über einem hochgeschlossenen Kleid in Anthrazit. Elegant, autoritär und königlich.Keine Wachen liefen vor ihr her, um ihr den Weg freizumachen. Liam führte sie auch nicht am Ellbogen wie eine Eskorte. Sie gingen Seite an Seite, vollkommen im gleichen Rhythmus, und ihre gemeinsame Präsenz zog die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Mar
Die Luft in der gewaltigen Master-Suite war so dicht vor Spannung, dass sie beinahe schwer genug war, um daran zu ersticken. Der schwache, scharfe Geruch von Ozon und getrocknetem Blut hing an Liams zerrissener taktischer Ausrüstung und prallte brutal auf die stille, noch immer in der Luft liegende Wärme des Zimmers, das sie erst vor wenigen Stunden geteilt hatten.Freya schrie nicht. Sie warf kein Glas gegen die steinernen Wände, und ihre Stimme zitterte auch nicht vor Tränen.Stattdessen brannten ihre dunklen Augen mit einer eisigen, erschreckenden Beherrschung, die weitaus gefährlicher war. Sie stand vollkommen still in der Mitte des Raumes, die Hände locker an den Seiten, während ihr dunkles, welliges Haar wie Seide über ihre Schultern fiel. Das silberne Feuer in ihrem Blut brach nicht in wilden, zerstörerischen Funken hervor. Es sammelte sich unter ihrer Haut und spannte ihren Körper zu etwas an, das aus massivem Marmor gemeißelt schien.„Du hast meinen Tee unter Drogen gesetzt“,







