登入Offiziell totDer Regen begann kurz nachdem Damien Blackthorn die neununddreißigste Etage erreicht hatte.Aria bemerkte es durch die Glaswand des Sicherheitsraums.Die Stadt unter ihnen verschwamm hinter Regentropfen, als würde jemand die gesamte Skyline ausradieren wollen.Vielleicht passte es.Denn genau das hatte jemand mit Celeste Blackthorn getan.Aus den Aufzeichnungen.Aus der Öffentlichkeit.Aus dem Leben aller Menschen, die sie gekannt hatten.Sie war einfach verschwunden.Oder genauer:Sie war gestorben.Zumindest laut der Welt.Aria stand neben Damien, während Sicherheitsmitarbeiter die Kameras überprüften.Niemand sprach.Die Atmosphäre war angespannt.Ungewöhnlich angespannt.Nicht wie bei einer Unternehmenskrise.Nicht wie bei einem finanziellen Problem.Sondern wie bei etwas Persönlichem.
Die Frau auf dem FotoAria hatte eine gefährliche Eigenschaft.Sie gab nicht auf.Nicht, wenn etwas keinen Sinn ergab.Nicht, wenn Menschen versuchten, ihr eine halbe Wahrheit als ganze Geschichte zu verkaufen.Und ganz besonders nicht, wenn Damien Blackthorn dabei seine Finger im Spiel hatte.Seit ihrem Gespräch in seinem Büro war ein Gedanke in ihrem Kopf hängen geblieben.Seien Sie vorsichtig.Nicht: Verlassen Sie die Firma.Nicht: Halten Sie sich von mir fern.Sondern vorsichtig.Als hätte Damien Blackthorn, der Mann, den sie für den größten Feind ihrer Familie hielt, sie vor etwas warnen wollen.Das passte nicht zu ihm.Und genau deshalb machte es sie misstrauisch.Drei Tage lang hatte Aria versucht, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren.Erfolglos.Immer wieder kehrte sie gedanklich zu der geheimen Etage zurück.
Der erste RissAria hatte gelernt, dass Macht nicht immer laut sein musste.Manchmal schrie sie.Manchmal drohte sie.Und manchmal saß sie einfach am Kopf eines Konferenztisches, sah einen Raum voller mächtiger Menschen an und ließ alle anderen verstummen.Damien Blackthorn gehörte zur dritten Sorte.Und genau das machte ihn gefährlich.Seit der Vorstandssitzung am Morgen konnte Aria an nichts anderes denken.Nicht an die Zahlen, die sie später für ihr Architektenteam überprüfen musste.Nicht an die Entwürfe, die auf ihrem Schreibtisch warteten.Nicht einmal an die geheimnisvolle Frau auf der neununddreißigsten Etage.Immer wieder sah sie denselben Moment vor sich.Richard Holloway, der überzeugt gewesen war, Damien in die Enge gedrängt zu haben.Und Damien, der mit wenigen Worten die gesamte Situation umgedreht hatte.Er hatte nicht gewonnen, weil
Der Krieg im Vorstandszimmer Aria hatte erwartet, dass ihr zweiter Tag bei der Blackthorn Corporation sich um Architekturzeichnungen drehen würde. Stattdessen stand sie mit einem Tablet in der Hand vor dem Vorstandssaal im fünfzigsten Stockwerk, während ihr Puls mit jeder Sekunde schneller wurde. „Das ist lächerlich.“ Die Worte rutschten ihr heraus, bevor sie sie zurückhalten konnte. Neben ihr richtete Vanessa Reeves den Ärmel ihres Designer-Blazers und hob eine Augenbraue. „Was denn?“ „Ich bin eine Junior-Architektin.“ Vanessa sah amüsiert aus. „Und?“ „Und Junior-Architekten gehören nicht in die Nähe von Vorstandssitzungen.“ „Nein.“ Vanessa schmunzelte. „Aber offenbar findet Damien Blackthorn, dass du dort hingehörst.“ Diese Antwort machte Aria nur noch misstrauischer. Seit dem Vorfall auf der neununddreißigsten Etage hatte Damien kaum noch mit ihr gesprochen. Sie hatte seine brutale Verschwiegenheitserklärung unterschrieben. Er hatte ihre Zukunft bedroht. Dann war e
Aria konnte sich kaum daran erinnern, wie sie die neununddreißigste Etage verlassen hatte.Die Fahrt mit dem Aufzug nach unten existierte nur noch in Bruchstücken.Silberne Wände.Das Summen der Maschinen.Das Spiegelbild ihres eigenen blassen Gesichts.Und Damien Blackthorns Augen.Diese Augen weigerten sich, sie in Ruhe zu lassen.Selbst jetzt.Stunden später.Sie saß in einer Ecknische eines kleinen Cafés drei Blocks vom Blackthorn Tower entfernt. Der unberührte Kaffee vor ihr war längst kalt geworden.Regenspuren liefen über die Fenster.Draußen schob sich der Abendverkehr langsam durch die Stadt.Drinnen roch alles nach gerösteten Kaffeebohnen und frischem Brot.Normalerweise mochte sie solche Orte.Ruhige Orte.Vorhersehbare Orte.Orte, an denen mächtige Männer nicht mit einer einzigen Unterschrift ganze Leben zerstören konnten.Heute Abend half nichts davon.Ihre Gedanken kehrten immer wieder zu der Frau in Zimmer 39 zurück.Celeste Blackthorn.Eine Frau, die offiziell tot war.
Bennett.Der Raum schien sich um dieses eine Wort zusammenzuziehen.Aria saß vollkommen reglos da.Jahrelange Übung rettete sie.Jahre, in denen sie gelernt hatte, jede Emotion zu verbergen, bevor die Welt sie gegen sie verwenden konnte.Doch innerlich hämmerte ihr Puls.Damien Blackthorn erinnerte sich.Nicht an sie.An ihren Vater.Und irgendwie tat das noch mehr weh.Sieben Jahre lang hatte sie seinen Namen wie eine Narbe getragen.Sieben Jahre lang hatten Fremde zuerst den Namen erkannt und erst danach sie.Nicht weil Robert Bennett etwas Außergewöhnliches geschaffen hatte.Nicht weil er respektiert worden war.Sondern weil er zu einer Schlagzeile geworden war.Zu einem Skandal.Zu einem warnenden Beispiel.Zu einem Mann, von dem die Welt glaubte, er habe jeden verraten, der ihm vertraut hatte.Damien musterte sie aufmerksam.Ohne zu sprechen.Ohne sich zu bewegen.Sein Gesicht verriet fast nichts.Fast.Aria bemerkte ein kurzes Aufflackern.Reue.Die Möglichkeit verschwand so sch







