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Kapitel 4: Unterschreiben oder untergehen

작가: Jacinta
last update 게시일: 2026-06-16 04:31:13

Der Juwelierladen war eine Kathedrale aus Licht und Glas.

Aria stand vor einem langen Tisch aus poliertem Mahagoni, auf dem sich Dutzende von Samtkissen reihten. Jedes trug einen Ring Diamanten in allen Größen, Farben und Schliffen. Sie blinzelte gegen das grelle Licht der Deckenstrahler an.

Damien Blackthorn saß ihr gegenüber, die Arme lässig auf der Lehne seines Stuhls. Er trug einen dunkelblauen Anzug, das Jackett offen, das weiße Hemd am Kragen leicht geöffnet. Seine Haltung war entspannt, aber seine Augen verfolgten jede ihrer Bewegungen.

„Gefällt Ihnen etwas?", fragte er. Seine Stimme klang gelangweilt.

Aria schluckte. Sie hatte noch nie einen echten Diamanten in der Hand gehalten. Die Ringe vor ihr kosteten mehr, als ihr Vater in seinem gesamten Leben verdient hatte.

„Ich … ich weiß nicht, was ich wählen soll", gestand sie.

„Dann lassen Sie mich Ihnen helfen." Damien stand auf und kam um den Tisch herum. Er blieb direkt neben ihr stehen so nah, dass sie den Duft seines Rasierwassers roch. Zedernholz. Und etwas, das an frischen Regen erinnerte.

Er griff nach einem Ring in der Mitte der Reihe. Ein schlichter Solitär ein einzelner Diamant auf einem Platinband. Nichts Extravagantes. Fast bescheiden.

„Dieser", sagte er. Er nahm ihre Hand, ohne zu fragen. Seine Finger waren kühl, aber sein Griff war fest.

Aria hielt den Atem an, als er den Ring über ihren Finger schob.

Er passte perfekt.

„Sehen Sie?", sagte er leise. „Manchmal ist die einfachste Wahl die richtige."

Sie sah auf ihre Hand hinunter. Der Diamant fing das Licht ein und warf tausend kleine Blitze an die Wand. Es war schön. Viel zu schön für eine Lüge.

„Er ist wunderschön", flüsterte sie.

„Dann ist es beschlossen." Damien ließ ihre Hand los und wandte sich an den Verkäufer. „Wir nehmen diesen."

Der Verkäufer nickte eifrig und verschwand im Hinterzimmer.

Aria stand reglos da, den Ring noch immer an ihrem Finger. Er fühlte sich schwer an schwerer, als er aussah. Als würde er sie nach unten ziehen.

„Sie sehen aus, als hätten Sie vergessen, wie man atmet", bemerkte Damien.

Sie riss sich zusammen. „Ich habe noch nie einen echten Diamanten getragen."

„Gewöhnen Sie sich daran. Sie werden viele davon tragen." Er lehnte sich gegen den Tisch, die Hände in den Taschen. „Ab morgen sind Sie die Verlobte von Damien Blackthorn. Die Presse wird Sie jagen. Die Society wird Sie analysieren. Jeder Schritt, den Sie tun, wird beobachtet."

Aria schluckte. „Und wenn ich einen Fehler mache?"

„Dann machen Sie keinen." Seine Stimme war schneidend. „Ich habe Sie ausgewählt, weil Sie intelligent sind, nicht weil Sie hübsch sind. Zeigen Sie mir, dass ich Recht hatte."

Bevor sie antworten konnte, kehrte der Verkäufer zurück. Er hielt ein kleines, schwarzes Etui in den Händen. „Ihr Ring, Mr. Blackthorn. In der Geschenkbox verpackt, wie gewünscht."

Damien nahm das Etui entgegen, ohne es zu öffnen. „Danke. Schicken Sie die Rechnung an mein Büro."

Er drehte sich zu Aria um. „Kommen Sie. Wir haben noch etwas zu erledigen."

Sie verließen den Laden. Damiens schwarzer Wagen wartete am Straßenrand. Er hielt ihr die Tür auf – eine Geste, die höflich wirkte, aber keine Wärme enthielt.

„Wohin fahren wir?", fragte sie, als er neben ihr einstieg.

„Zu meinem Anwalt."

Aria erstarrte. „Warum?"

„Der Vertrag muss notariell beglaubigt werden." Er sah sie nicht an. „Und ich möchte sicherstellen, dass Sie keine Zweitkopien anfertigen."

Seine Worte trafen sie wie ein Schlag.

„Sie vertrauen mir nicht", stellte sie fest.

„Nein." Er drehte den Kopf und sah sie an. „Und Sie vertrauen mir auch nicht. Das ist die Grundlage unserer Beziehung. Ehrliche Feindseligkeit."

Aria schwieg. Er hatte Recht.

Der Wagen glitt durch den Abendverkehr. Die Lichter der Stadt zogen an ihnen vorbei. Aria sah aus dem Fenster, aber sie sah nichts. Ihre Gedanken kreisten.

Was tust du hier? Du hast einen Pakt mit dem Mann geschlossen, der deinen Vater zerstört hat. Du trägst seinen Ring. Du fährst in seinem Auto.

Aber eine andere Stimme flüsterte: Er weiß etwas über deinen Vater. Etwas, das die Wahrheit ans Licht bringen könnte. Wenn du gehst, erfährst du es nie.

Der Wagen hielt vor einem Hochhaus aus Glas und Stahl.

„Wir sind da", sagte Damien.

Sie stiegen aus. Der Wind war kalt. Aria zog ihre Jacke enger um sich.

Das Büro des Anwalts lag im zwanzigsten Stock. Ein freundlicher Empfangsbereich, aber keine Freundlichkeiten – nur sterile Effizienz. Ein Mann in einem dunklen Anzug erwartete sie bereits.

„Mr. Blackthorn. Fräulein Bennett." Er deutete auf eine offene Tür. „Bitte. Ich habe die Dokumente vorbereitet."

Sie betraten ein Konferenzzimmer. Auf dem Tisch lagen mehrere Ordner, nebeneinander aufgereiht wie Soldaten.

„Setzen Sie sich", sagte Damien.

Aria nahm Platz. Der Anwalt reichte ihr einen Stapel Papier.

„Dies ist die endgültige Vertraulichkeitsvereinbarung", erklärte er. „Sie verpflichtet sich, über alles Stillschweigen zu bewahren, was Sie in den Räumlichkeiten der Blackthorn Corporation gesehen oder gehört haben. Verstöße werden mit einer Vertragsstrafe von fünf Millionen Dollar geahndet."

Aria sah auf das Papier. Der Text war juristisch, unleserlich. „Fünf Millionen?", wiederholte sie. „Das ist mehr, als ich in meinem ganzen Leben verdienen werde."

„Deshalb rate ich Ihnen, den Mund zu halten." Damiens Stimme war ruhig.

Ihre Finger zitterten, als sie den Stift nahm.

Unterschreib. Du hast keine Wahl. Wenn du gehst, verlierst du alles. Wenn du bleibst, hast du eine Chance.

Sie setzte den Stift an.

„Halt."

Damien hielt sie auf. „Lesen Sie zuerst die letzte Seite."

Aria runzelte die Stirn, blätterte ans Ende des Dokuments.

Da stand ein Absatz. Er war kurz. Aber die Worte trafen sie wie ein Schlag.

*Die Unterzeichnende erklärt sich damit einverstanden, dass sie ab dem heutigen Datum keinerlei romantische oder sexuelle Beziehung zu Dritten eingeht. Diese Klausel gilt bis zur Auflösung des Vertrags. Darunter in kursiv: *Zuwiderhandlung führt zur sofortigen Kündigung und zur vollständigen Zahlung der Vertragsstrafe.

Aria hob den Kopf. „Das stand nicht in der ersten Version."

„Nein", gab Damien zu. „Aber ich habe es für notwendig erachtet."

„Warum?"

„Weil ich keine Skandale riskieren kann." Er beugte sich vor. „Sie sind jetzt mein öffentliches Bild. Wenn Sie sich mit einem anderen Mann zeigen, ruinieren Sie alles, was ich aufgebaut habe."

Aria starrte ihn an. „Das ist Erpressung."

„Nein. Das ist Vorsorge." Er lächelte kalt. „Unterschreiben Sie, oder die Tür steht Ihnen offen. Aber dann werde ich die Anzeige aufgeben."

Sie sah auf das Papier. Ihre Hand zitterte.

Er hatte sie in der Falle.

Unterschreiben und gefangen sein. Oder gehen und alles verlieren, was du dir aufgebaut hast.

Sie dachte an ihren Vater. An seine zitternden Hände, als die Polizei ihn abführte. An ihre Mutter, die vor Kummer fast gestorben wäre. An die Jahre des Hungerns, des Kämpfens, des Überlebens.

Ich kann nicht aufgeben. Nicht jetzt.

Sie setzte den Stift auf das Papier.

„Einen Moment noch", sagte Damien.

Sie sah auf.

Er zog ein zweites Blatt aus seiner Jackentasche. Es war handgeschrieben.

„Unterschreiben Sie auch das."

Aria nahm es. Es war eine kurze Notiz:

Ich, Aria Bennett, erkläre mich freiwillig bereit, für die Dauer von sechs Monaten die Rolle der Verlobten von Damien Blackthorn zu übernehmen. Ich verzichte auf jegliche finanzielle Forderungen über die vereinbarte Summe hinaus. Diese Erklärung ist unwiderruflich.

„Das ist … eine Pistole auf meiner Brust", flüsterte sie.

„Nein." Damien kam näher. „Es ist meine Art sicherzustellen, dass Sie nicht plötzlich das Spiel ändern."

Sie sah ihm in die Augen. Für einen Moment glaubte sie, etwas zu sehen – nicht Kälte, sondern etwas anderes. Angst? Vielleicht. Oder Verzweiflung.

Aber es verschwand so schnell, wie es gekommen war.

Sie unterschrieb.

Zweimal.

Als der Stift das Papier verließ, fühlte sie sich, als hätte sie einen Teil ihrer Seele verkauft.

Damien nahm die Dokumente an sich. Er überflog sie kurz, dann nickte er.

„Perfekt." Er steckte sie in seine Aktentasche. „Willkommen in der Familie, Aria."

Es klang wie eine Drohung.

Sie stand auf, ihre Beine zitterten. „Kann ich jetzt gehen?"

„Natürlich." Er machte eine einladende Geste. „Ich lasse Sie nach Hause fahren. Morgen früh um acht erwarte ich Sie in meinem Büro. Wir haben ein Interview mit der Presse."

Aria nickte stumm. Sie drehte sich um und ging zur Tür.

„Aria."

Sie hielt inne. Drehte sich nicht um.

„Der Ring steht Ihnen", sagte er leise. „Lügen stehen Ihnen genauso gut."

Sie sagte nichts. Sie verließ das Zimmer mit pochendem Herzen.

Als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, lehnte sie sich einen Moment gegen die Wand.

Was hast du getan, Aria? Du hast deine Freiheit verkauft. Für die Chance auf Rache.

Aber vielleicht war der Preis genau richtig.

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