Sie lieben sie, wenn sie geht

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By:  LolaUpdated just now
Language: Deutsch
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Nach sieben Ehejahren wusste Laura Neumann, dass ihr Mann Julian Koch eine erste Liebe hatte. Mit ihr hatte er einst eine leidenschaftliche Beziehung geführt, und alle munkelten, die alte Liebe würde wieder aufleben. Sogar ihr Sohn bevorzugte sie: „Frau Schuster, wenn nur alle Ihre Krankheiten auf Mama übergehen könnten“, hatte er gesagt. Als Laura daher ein weiteres Mal sah, wie ihr Mann und ihr Sohn sie umsorgten, erlosch endgültig jede Hoffnung in ihr . Dieses Mal machte sie keine Szene. Stattdessen kaufte sie still ein Flugticket nach Bremen, hinterließ die Scheidungspapiere und eine Verzichtserklärung auf Sorgerecht. Den lieblosen Sohn und den gleichgültigen Ehemann ließ sie hinter sich und überließ sie der ersten Liebe. Sie wollte ihnen beiden – und ihrer ersten Liebe – den Weg freimachen. Doch ein Jahr später, als sie sich in der Branche einen Namen mit Hypnose und psychologischer Beratung gemacht hatte, standen zwei Patienten vor ihr – ein Erwachsener und ein Kind. Der Mann hatte rote Augen und klammerte sich verzweifelt an ihr Handgelenk. „Laura, verlass uns nicht.“ An seiner Seite krallte sich ein kleiner Knirps in ihren Jackenstoff und flehte leise: „Mama, komm nach Hause, ja? Ich will nur dich als Mama.“

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Chapter 1

Kapitel 1

„Herr Hofmann, ich bin bereit, nach Bremen zu kommen und als Therapeutin für Ihre Schwester zu arbeiten.“

Lauras Stimme klang gefasst.

Am anderen Ende der Leitung war die Stimme des Mannes tief und klang leicht überrascht.

„Frau Neumann, ich habe gehört, dass Sie verheiratet sind. Falls Ihnen der Abschied von Ihrer Familie schwerfällt, kann ich für Ihren Mann und Ihr Kind entsprechende Vorkehrungen treffen.“

Mann und Kind?

Laura senkte den Blick. Nicht weit von ihr floss die Milch über den Boden, die sie vorhin versehentlich umgestoßen hatte.

Plötzlich erinnerte sie sich an den angewiderten Ausdruck in den Augen ihres Sohnes am Morgen, als sie die Milch verschüttet hatte.

„Mama, warum kannst du nicht einmal so eine einfache Sache richtig machen? Frau Schuster hätte das bestimmt nicht vergeigt. Du bist einfach nicht so gut wie sie.“

Die von Fabian erwähnte Frau Schuster war Julians erste Liebe, Frieda Schuster, eine berühmte Balletttänzerin. Die kleinen Schwäne aus „Schwanensee“ tanzte sie so traumhaft, dass selbst ihr Sohn davon fasziniert war.

Damals hatte Julian die Worte seines Sohnes nicht gerügt. Stattdessen hatte er sie nur kalt und hämisch angesehen. „Wie könnte sie es mit Frau Schuster aufnehmen? Hätte deine Mutter damals nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt, hätte ich sie nie geheiratet...“

Sie war nun seit sieben Jahren mit Julian verheiratet und hatte ihn bereits seit sieben Jahren heimlich geliebt.

Später waren die beiden aufgrund eines ungeplanten Vorfalls miteinander geschlafen, und erst als sie ein Kind erwartete, hatten sie standesamtlich geheiratet.

Die Familie Koch war eine traditionelle, wohlhabende Familie. Nach der Heirat mit Julian hatte die Familie von ihr verlangt, ihre Arbeit aufzugeben und sich ganz ihrer Rolle als Frau Koch zu widmen – sich ganz in die Rolle der Ehefrau und Mutter zu fügen und ihren Sohn Fabian Koch zu erziehen.

Um ihres Sohnes willen hatte Laura schließlich eingewilligt. Sie legte den Beruf nieder, wurde Hausfrau und kümmerte sich gewissenhaft um ihren Mann und ihren Sohn.

Doch nach sieben Jahren waren die Gedanken ihres Sohnes und ihres Mannes ständig bei einer anderen Frau.

Sie dachte an die Worte, die Fabian so oft im Mund führte: „Mama, warum zankst du dich immer mit Papa? Du kannst doch nichts. Es ist ganz normal, dass Papa dich nicht mag. Wäre doch toll, wenn Frau Schuster meine Mama sein könnte.“

Laura wandte ihren Blick ab. Ihre Stimme war so leise, dass sie beinahe zitterte. „Herr Hofmann, das ist nicht nötig.“

Wenn sie beide doch so sehr wollten, dass Frieda ihre Ehefrau und Mutter würde.

Dann würde sie es ihnen gewähren.

Den Ehemann und den Sohn – auf beides verzichtete sie.

Laura vereinbarte mit Patrick Hofmann, in zwei Wochen aufzubrechen.

Patrick war der reichste Mann Bremens. Seine Schwester litt an schweren psychischen Erkrankungen, insbesondere an Depressionen.

Als er Herrn Dr. Vogt um Hilfe bat, empfahl dieser Laura. Sie war einst seine begabteste Studentin gewesen und hatte außergewöhnliches Talent für Hypnose und Psychologie gezeigt.

Später hatte sie Julian geheiratet, war aus dem Beruf ausgeschieden und Hausfrau geworden – etwas, das Herr Dr. Vogt zutiefst bedauert hatte.

„Laura, selbst als Frau sollten Sie sich nicht von der Familie Koch in Wohnzimmer und Küche einsperren lassen. Sie haben eine starke, freie Seele und sollten Ihr Talent voll entfalten.“

So hatte Herr Dr. Vogt es ihr einmal gesagt.

Doch damals hatte sie sich der Familie Koch gebeugt.

Jetzt im Rückblick sah sie klar, was der Außenstehende damals schon erkannt hatte.

Alles, was sie für Julian und seinen Sohn getan hatte, war reine Selbsttäuschung gewesen. In ihren Augen konnte sie, das einstige Psychologie-Genie, nicht mit der tanzenden, grazilen ersten Liebe und ihrem Schwan mithalten.

Kaum hatte Laura aufgelegt, poppte zufällig eine Sprachnachricht von Julian auf: „Fabian und ich essen heute auswärts. Mach dir nichts zum Abendessen.“

Sein Tonfall war beiläufig, nicht wie eine Absprache mit der Ehefrau, sondern eher wie eine Instruktion an das Hausmädchen.

In all den Jahren ihres geschäftigen Alltags glich sie tatsächlich fast einer unbezahlten Haushaltshilfe.

Laura wollte ihm gerade antworten, als sie im Hintergrund Friedas und die Stimme ihres Sohnes hörte.

„Frau Schuster, Mama ist wie eine alte Hexe. Sie kann nicht nur nichts, sondern mischt sich auch überall ein. Sie lässt mich das nicht essen. Du bist viel besser, du lässt mir immer meinen Willen. Ich hab dich am allerliebsten, Frau Schuster!“

Die Worte ihres Sohnes klangen kindlich-naiv.

Hätte es sich wie sonst um sie gehandelt, wäre Laura wohl tieftraurig gewesen.

Doch in diesem Moment war ihr Herz unerwartet ruhig.

Wegen seiner Frühgeburt war Fabians Gesundheit etwas angegriffen. Sie hatte sich all die Jahre so sorgsam um ihn gekümmert, besonders bei der Ernährung hatte sie sich große Mühe gegeben.

Sie machte sich Sorgen um seinen Zustand und wollte nicht, dass er ständig auswärts aß.

Doch in den Augen ihres Sohnes war sie zur alten Hexe geworden.

Laura erwiderte nichts Weiteres, sondern antwortete nur kurz mit einem „Gut“.

Die Blutsbande, sein schwächlicher kleiner Körper – nichts davon interessierte sie jetzt mehr.

Laura sah sich im unordentlichen Wohnzimmer um. Sie wischte die verschüttete Milch nicht selbst auf, sondern rief eine Reinigungskraft.

Julian mochte keine Fremden im Haus, und so hatte Laura all die Jahre selbst geputzt und aufgeräumt. Immer hatte sie sich unbeholfen nach Julians Vorlieben und Abneigungen gerichtet.

Doch jetzt war es Laura klar.

Sie würde gehen. Ob es Julian passte oder nicht, war unwichtig.

Während die Reinigungskraft das Zimmer in Ordnung brachte, ging Laura in ihr Zimmer, unterschrieb die Scheidungspapiere und richtete einen geplanten Postversand ein.

In zwei Wochen würden diese Papiere pünktlich bei ihrem Ehemann eintreffen.

Sie dachte, das wäre wahrscheinlich das letzte Geschenk, das sie Julian machen würde.

Am Abend kehrten Julian und ihr Sohn endlich zurück.

Kaum betraten sie das Haus, ertönte die aufgeregte Stimme des Jungen: „Papa, wenn Frau Schuster tanzt, ist das wie Magie! Es ist so glitzernd! Kann ich sie zur Aufführung in der Schule übermorgen einladen?“

Fabian ging in eine elite Privatschule.

Übermorgen gab es dort eine Veranstaltung, zu der die Eltern eingeladen waren. Doch er schien sich immer für seine Mutter geschämt zu haben, denn er hatte nie mit ihr darüber gesprochen.

Er wollte also, dass Frieda ihn begleitete?

Fabians freudig erregtes Gesicht erstarrte, als er das Haus betrat.

Als er sie sah, verzog sich sein Mund, und er runzelte stark die Stirn.

Julian, der ihn an der Hand hielt, musterte das Zimmer und runzelte ebenfalls die Stirn. „War jemand im Haus?“

„Ja“, sagte Laura beiläufig. „Ich habe ein paar nicht mehr benötigte Sachen aussortieren und spenden lassen.“

Dinge wie die Krawatten und Manschettenknöpfe, die sie für ihren Mann gekauft und die er nie getragen hatte. Oder die Spielzeuge für ihren Sohn, die gleich wieder beiseitegelegt worden waren.

Sie würde gehen. Diese alten Dinge waren besser schnell aussortiert. So bereitete sie gewissermaßen das Zuhause für die neue Herrin des Hauses, Frieda, vor.

Julian spürte, dass etwas nicht stimmte.

Er beachtete selten die Veränderungen im Kleiderschrank und wusste daher nicht, was fehlte.

Doch er runzelte nur die Stirn und sagte kühl: „Fabian ist nicht robust und gegen vieles allergisch.

Lass in Zukunft besser weniger Leute ins Haus. Den Unrat hätte man wegwerfen können, der Familie Koch fehlt es nicht an Geld.“

Ja.

Die sorgsam ausgesuchten Überraschungen, die sie für Mann und Sohn vorbereitet hatte, waren stets entbehrlich gewesen.

Laura geriet nicht wie sonst in Rage und erklärte auch nicht, dass sie Fabians Allergene besser kannte als jeder andere. Sie sah nur ihren kalt-distanzierten, attraktiven Ehemann an und nickte. „Ich weiß.“

Laura erinnerte sich an Fabians Worte beim Nachhausekommen und sagte plötzlich: „Ich habe morgen etwas zu erledigen. Könntest du mit Frau Schuster zu Fabians Schulveranstaltung gehen?“

Fabian neben ihr strahlte bei diesen Worten auf und fragte hoffnungsvoll: „Wirklich? Darf sie wirklich mitkommen, Mama?“

Laura sah das aufgeregte, glückliche Gesicht ihres Sohnes und lächelte plötzlich.

Sie nickte. „Wirklich.“

Doch Julian runzelte die Stirn, deutete ihre Reaktion als Trotz, und sein Gesicht wurde sofort eisig. Ungeduldig sagte er: „Laura, was hast du jetzt schon wieder? Fabian ist noch klein, es ist normal, dass er Frieda mag. Das war nur so dahingesagt. Willst du dich jetzt mit einem Kind ärgern?“

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