LOGINNach sieben Ehejahren wusste Laura Neumann, dass ihr Mann Julian Koch eine erste Liebe hatte. Mit ihr hatte er einst eine leidenschaftliche Beziehung geführt, und alle munkelten, die alte Liebe würde wieder aufleben. Sogar ihr Sohn bevorzugte sie: „Frau Schuster, wenn nur alle Ihre Krankheiten auf Mama übergehen könnten“, hatte er gesagt. Als Laura daher ein weiteres Mal sah, wie ihr Mann und ihr Sohn sie umsorgten, erlosch endgültig jede Hoffnung in ihr . Dieses Mal machte sie keine Szene. Stattdessen kaufte sie still ein Flugticket nach Bremen, hinterließ die Scheidungspapiere und eine Verzichtserklärung auf Sorgerecht. Den lieblosen Sohn und den gleichgültigen Ehemann ließ sie hinter sich und überließ sie der ersten Liebe. Sie wollte ihnen beiden – und ihrer ersten Liebe – den Weg freimachen. Doch ein Jahr später, als sie sich in der Branche einen Namen mit Hypnose und psychologischer Beratung gemacht hatte, standen zwei Patienten vor ihr – ein Erwachsener und ein Kind. Der Mann hatte rote Augen und klammerte sich verzweifelt an ihr Handgelenk. „Laura, verlass uns nicht.“ An seiner Seite krallte sich ein kleiner Knirps in ihren Jackenstoff und flehte leise: „Mama, komm nach Hause, ja? Ich will nur dich als Mama.“
View MoreFabian hatte Friedas Hand weggeschoben. Nun konnte er die Tränen nicht länger zurückhalten, und sie rollten über seine Wangen. „Papa, will Mama mich nicht mehr?“Genau wie den Kuschelzucker.Julian stockte der Atem. Fabians Schluchzen fühlte sich an wie ein Messerstich in sein eigenes Herz. „Nein, nein, das wird sie nicht. Ich habe Herrn Werner schon losgeschickt, um Mama zu suchen. Dann entschuldigen wir uns zusammen bei ihr und holen sie zurück, ja?“, versprach er, den Jungen fest in den Armen haltend. Seine tiefe Stimme klang, als wolle er sich selbst davon überzeugen.Die Atmosphäre in der Villa war erdrückend.Fabian weinte noch lange, bis er vor Erschöpfung einschlief. Julian trug ihn dann vorsichtig ins Kinderzimmer und bettete ihn dort. Dann ging er wieder nach unten.Frieda, die nun nacheinander abgewiesen worden war, gab noch immer nicht auf. Sie zeigte absichtlich den roten Abdruck von Fabians Händchen auf ihrem Handrücken und setzte ein weinerliches Gesicht auf.
Julian starrte noch lange auf die Dinge, bis ihm fast die Luft wegblieb. Dann kehrte er ins Wohnzimmer zurück und ließ sich kraftlos aufs Sofa fallen.Die große Villa war unheimlich still. Früher hatte er diese Stille nie als Kälte empfunden, doch jetzt war sie unerträglich quälend.Und unzählige Tage und Nächte in der Vergangenheit hatte Laura genau so hier gesessen – allein, wartend auf ihn und Fabian.Unbemerkt wich die Nacht. Der erste Streifen Morgensonne fiel ins Zimmer.Julians Augen waren blutunterlaufen. Er hatte die ganze Nacht durchwacht, ohne es zu merken. Der Aschenbecher war überfüllt mit kalten Kippen.Plötzlich durchbrach ein Geräusch aus der Eingangstür die Totenstille im Haus.„Julian? Um Himmels willen, was ist mit dir passiert?“Frieda hatte die Tür geöffnet und blieb wie angewurzelt stehen, als sie den völlig mitgenommenen Mann sah.Ihr Blick glitt unauffällig durch den Raum, stellte die ungewöhnliche Leere und vor allem Lauras Abwesenheit fest. Sie verstan
„Sie hat gesagt, sie hat etwas für dich hinterlassen. Schau selbst nach. Und komm mir nicht mehr auf die Nerven.“„Was man hat, schätzt man nicht. Erst der Verlust bringt die Reue.“Zack! Die Tür schlug zu.Die Nacht war tief. Ein kalter Wind fuhr ihm um die Ohren, peitschte gegen ihn, doch er spürte nichts. Nur starr stand er vor der Tür.Laura hatte etwas für ihn hinterlassen?Das Bild der Kartons schoss ihm durch den Kopf. Sekundenschnell kam Julian zu sich, raste nach Hause und stürmte die Treppe hoch in ihr gemeinsames Schlafzimmer.Eigentlich hätte er den Inhalt schon vor Tagen sehen müssen. Doch durch alle möglichen Umstände hatte er den Karton erst jetzt geöffnet.Zuerst fiel sein Blick auf ein Blatt Papier.Die Überschrift traf ihn wie ein Messerstich mitten ins Herz.Scheidungsantrag.Julians Pupillen verengten sich schockartig. Sein Blick war eine Mischung aus blankem Entsetzen und Unglauben.Sie wollte sich von ihm scheiden lassen?Er war doch immer davon ausg
Julians Gedanken waren wie leergefegt. Er wusste buchstäblich nicht, wo er anfangen sollte, sie zu suchen.Plötzlich blitzte ein Name in seinem Kopf auf.Marie – Lauras beste Freundin. Sie musste Bescheid wissen.Julian sprang auf, ohne darauf zu achten, dass Asche auf sein Hemd rieselte, und stürmte aus dem Haus.Seine Hände umklammerten das Lenkrad. Er trat das Gaspedal bis aufs Ende und raste, seinem Gedächtnis vertrauend, direkt zu Maries Wohnung.Eine halbe Stunde später.Ding-dong!Das Klingeln ertönte.Marie, die den Lieferservice vermutete, öffnete die Tür und erstarrte für einen Moment beim Anblick des Besuchers.So hatte sie Julian noch nie gesehen.Seine Haare waren zerzaust, die Augen blutunterlaufen, an seiner Kleidung klebte Asche – insgesamt wirkte er völlig ramponiert.Julian schob sie einfach beiseite und trat mit großen Schritten ein. „Laura“, sagte er mit rauer Stimme, „ich weiß, dass du hier bist.“„Du magst Katzen? Wir können eine zu Hause halten. Du ma





