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Kapitel 5: Der Name, den sie hasst

Author: Jacinta
last update publish date: 2026-06-16 04:33:07

Die Wohnung war still.

Aria saß auf dem abgenutzten Sofa, den Ring in der Hand. Das Licht der einzelnen Lampe fiel auf den Diamanten und ließ ihn funkeln – ein funkelndes Versprechen einer Lüge.

Sie hatte die Wohnung vor drei Jahren bezogen, als sie ihr Studium beendet hatte. Zwei Zimmer. Kleine Küche. Ein Bad mit undichten Wasserhähnen. Es roch nach altem Holz und Einsamkeit.

Ihr Vater hatte hier nie gelebt.

Er war im Gefängnis.

Aria schloss die Augen. Die Bilder kamen zurück – wie immer, wenn sie schwach wurde.

*Vor sieben Jahren.*

Sie war siebzehn. Der Sommer war heiß gewesen. Sie saß im Garten hinterm Haus, ein Buch auf den Knien, als die Polizei kam. Drei Wagen. Acht Beamte. Ihr Vater kam mit erhobenen Händen aus der Tür.

„Es ist ein Missverständnis", hatte er gesagt. Seine Stimme zitterte.

Aber es war kein Missverständnis.

Die Nachrichten zeigten sein Gesicht wochenlang. Bauunternehmer Bennett in Milliardenbetrug verwickelt. Die Firma wurde beschlagnahmt. Das Haus verkauft. Ihre Mutter weinte jede Nacht.

Und dann tauchte sein Name auf.

Damien Blackthorn.

Der Mann, der die Anzeige erstattet hatte. Der Mann, der die Beweise geliefert hatte. Der Mann, der vor Gericht ausgesagt hatte.

„Die Blackthorn Corporation hat keinerlei Verbindung zu diesem Betrug. Wir haben lediglich die Unregelmäßigkeiten gemeldet, die uns aufgefallen sind."

So hatte er es gesagt. Lächelnd. Vor laufenden Kameras.

Aria öffnete die Augen. Das Zimmer war wieder da. Das abgenutzte Sofa. Der Ring in ihrer Hand.

Du trägst seinen Ring, Aria. Du hast seinen Vertrag unterschrieben. Du wirst bald vor der Presse stehen und so tun, als würdest du ihn lieben.

Sie stand auf. Der Ring fiel zu Boden. Sie hob ihn nicht auf.

Sie ging ins Bad. Das Licht flackerte. Im Spiegel sah sie ein Gesicht, das sie kaum wiedererkannte müde Augen, eingefallene Wangen.

Sieben Jahre. Sieben Jahre lang hast du gearbeitet, um hierherzukommen. Um ihm nah zu sein. Um die Wahrheit zu finden.

Und jetzt war sie da. In seiner Firma. Mit seinem Ring. Mit seinem Vertrag.

Aber du hast nicht damit gerechnet, dass er dich durchschaut.

Damien wusste, wer sie war. Er hatte ihre Akte gelesen. Er wusste von ihrem Vater. Und trotzdem hatte er sie nicht gefeuert. Stattdessen hatte er sie noch enger an sich gebunden.

Warum?

Die Frage brannte in ihr.

Sie ging zurück ins Wohnzimmer. Der Ring lag noch immer auf dem Boden. Sie hob ihn auf. Er fühlte sich schwer an – schwer wie eine Kette.

Ihr Handy vibrierte. Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

Morgen um 8:30 Uhr. Pressekonferenz. Kommen Sie pünktlich. D.B.

Keine Grüße. Keine Höflichkeit.

Aria starrte auf das Display. Sie hasste diesen Mann. Sie hasste seine Kälte. Seine Berechnung. Seine Art, Menschen wie Schachfiguren zu bewegen.

Aber sie brauchte ihn.

Seine Nähe. Seine Geheimnisse. Seine Verbindungen.

Wenn sie die Wahrheit über ihren Vater erfahren wollte, musste sie ihm nahe sein. Musste ihn täuschen. Ihm vorgaukeln, sie sei brav, fügsam – eine ideale Verlobte.

Ich kann das schaffen, sagte sie sich. Ich muss es schaffen.

Sie legte den Ring auf den Nachttisch. Dann zog sie eine alte Schachtel unter dem Bett hervor.

Fotos. Alte, vergilbte Fotos.

Ihr Vater. Ihre Mutter. Sie als Kind, lachend im Garten.

Und eines das letzte Foto, das sie von ihm hatte. Er stand vor seinem alten Büro, das Firmenschild im Hintergrund. Bennett Bau GmbH. Sein Stolz. Sein Lebenswerk.

Aria streichelte das Bild mit dem Finger.

„Ich werde es dir zurückbringen, Papa. Ich werde beweisen, dass du unschuldig bist."

Ihre Stimme war leise. Ein Versprechen im Dunkeln.

Sie schob die Schachtel zurück unter das Bett.

Dann legte sie sich hin. Der Ring glitzerte auf dem Nachttisch. Es würde keine ruhige Nacht werden.

Am nächsten Morgen stand Aria um sechs Uhr auf.

Sie zog das einzige Kleid an, das sie besaß schwarz, schlicht, knielang. Es war nicht teuer, aber es saß gut. Sie band sich die Haare hoch und trug ein wenig Make-up auf. Genug, um professionell auszusehen. Nicht genug, um wie eine Schauspielerin zu wirken.

Der Ring steckte in ihrer Handtasche. Noch nicht am Finger.

Sie nahm die U-Bahn zur Blackthorn Tower. Der Himmel war grau. Regen lag in der Luft.

Im Foyer erwartete sie bereits Victoria Lane, die Assistentin.

„Gut, Sie sind da." Victoria lächelte, aber es war geschäftsmäßig. „Mr. Blackthorn wartet oben. Wir haben noch eine halbe Stunde bis zur Pressekonferenz."

Aria folgte ihr zum Aufzug.

Diesmal fuhren sie nicht zur neununddreißigsten Etage.

Sondern in den fünften Stock, wo ein großer Konferenzsaal lag. Dutzende von Stühlen waren aufgereiht. Kameras standen bereit. Reporter flüsterten in kleinen Gruppen.

Aria blieb kurz stehen, als sie die Menschenmenge sah. Ihr Herz klopfte schneller.

Das ist es. Kein Zurück mehr.

„Fräulein Bennett." Damiens Stimme hinter ihr.

Sie drehte sich um.

Er stand im Türrahmen, makellos wie immer. Dunkler Anzug, weißes Hemd, die Krawatte perfekt gebunden. Seine grauen Augen musterten sie.

„Sie sehen nervös aus."

„Das bin ich auch", gab sie zu.

„Gut. Nervosität wirkt authentisch." Er trat näher. Seine Hand berührte ihre Armbeuge. „Erinnern Sie sich an Ihre Rolle?"

„Ich bin Ihre Verlobte. Ich liebe Sie. Wir sind glücklich."

„Perfekt." Er lächelte – ein kaltes, berechnendes Lächeln. „Dann zeigen wir es ihnen."

Er nahm ihre Hand.

Aria spürte seine Finger um ihre warm, fest, fordernd.

Ich spiele dein Spiel, dachte sie. Aber eines Tages wirst du bezahlen.

Sie lächelte zurück.

Und gemeinsam traten sie vor die Kameras.

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