FAZER LOGINKAPITEL 20: WAS ER ISTDer erste Schuss traf den Wagen.Er schlug mit einem flachen Knall ins Heckfenster, und das Glas wurde zu einem weißen Spinnennetz. Marco fluchte, riss das Lenkrad herum, und die Limousine schleuderte hinter den steinernen Torpfosten, die Reifen kreischten. Ein zweiter Schuss durchschlug die Tür neben meinem Kopf.„Runter!" Lorenzos Hand packte meinen Nacken und drückte mich auf den Boden. „Isabella. *Bleib unten.*"Er war schon draußen. Die Tür schwang zu, ich hörte seine Schuhe auf dem Kies, und dann nichts mehr außer Schüssen.Ich lag mit der Wange am Leder auf dem Wagenboden und zählte. Ich war gut im Zählen. Bei zehn hörte ich auf. Es waren zu viele Waffen, und keine davon hatte einen Rhythmus.Dann war auch Marco fort, auf der anderen Seite hinaus, und ich war allein mit dem Geruch nach Pulverdampf und meinem eigenen Atem.*Bleib unten.*Ich hob den Kopf.Das Fenster über mir war eine Ruine, aber eine Ecke davon hatte gehalten. Ich presste das Auge an die
KAPITEL 19: SCHÖNE DINGESie ließen im selben Moment los, als wäre ein Signal zwischen ihnen ergangen, das ich nicht gehört hatte.Adrian bewegte einmal träge die Finger. Lorenzos Hand sank an seine Seite, ein weißer Abdruck von Knöcheln verblasste bereits auf seiner Haut.Dann wandten sich Adrians Augen mir zu. Sie waren braun und warm, mit Fältchen in den Winkeln, und sie ließen sich Zeit, die smaragdgrüne Seide hinab und wieder hinauf zum Gold an meinen Ohren. Nichts Unhöfliches lag darin, nur das gemächliche Vergnügen eines Mannes, der ein Gemälde bewundert, von dem er bereits einen Druck besitzt.„Ah. Isabella." Er sagte meinen Namen wie ein Wort, das er geübt hatte. „Immer so schön."*Immer.*Ich hatte diesen Mann noch nie in meinem Leben gesehen. Aber der Raum war voller Augen, und eine Donna runzelt bei einem Kompliment nicht die Stirn, also schenkte ich ihm das Lächeln, das ich Vittoria geschenkt hatte.„Sie sind sehr freundlich."„Keineswegs. Ich bin zutreffend."---Die Hal
KAPITEL 18: ADRIAN„Wir fahren um acht", sagte Lorenzo und ging hinaus, bevor ich antworten konnte.Das war die ganze Anweisung. Kein Tonfall, kein Blick, nichts, was mir verraten hätte, was er erwartete. *Es ist Zeit, die Arbeit einer Donna zu tun*, und dann eine geschlossene Tür.Um fünf Uhr stand ich mit verschränkten Armen vor meinem Kleiderschrank und begriff, dass ich nichts dafür besaß. Alles, was ich in dieses Haus mitgebracht hatte, war für ein Mädchen ausgesucht worden, das sich in Ecken versteckte. Die cremefarbene Bluse. Der graue Rock. Ein schwarzes Kleid, das ich zur Beerdigung meiner Mutter getragen hatte. Ich zog drei Bügel heraus, warf sie aufs Bett und setzte mich daneben.Ein Klopfen. Caterina steckte den Kopf herein, ein wenig atemlos.„Signora, verzeihen Sie. Die Signora Maria bittet Sie, zu ihr zu kommen. Jetzt gleich, wenn Sie können."---Marias Zimmer roch nach Lavendel und warmem Eisen. An der Oberkante ihrer Schranktür hing ein Kleid, in Seidenpapier gehüllt
KAPITEL 17: MEINE DONNABeatrice kam hinkend.Ich hörte sie, bevor ich sie sah. Das Klicken eines Absatzes, dann ein weicheres, ungleichmäßiges Schleifen, dann wieder das Klicken. Sie durchquerte den Flur wie eine Frau, die über Glasscherben geht und versucht, es wie einen Spaziergang aussehen zu lassen.Lorenzo hatte sich nicht von seinem Platz hinter dem Schreibtisch gerührt. Er saß im hochlehnigen Ledersessel wie ein Richter, der auf einen Bittsteller wartet. Die zersplitterte Schublade lag offen vor ihm, die schwarze Mappe obenauf. Er hatte sie nicht angerührt, seit er Sofia fortgeschickt hatte. Er hatte überhaupt nichts angerührt. Eine verbundene Hand lag flach auf dem Holz.Ich stand am kalten Kamin, die Arme verschränkt. Er hatte mich nicht gebeten zu gehen, und ich hatte es nicht angeboten.Die Tür öffnete sich.Beatrice trat mit ihrem süßesten Gesicht ein, der besorgten Falte zwischen den Brauen, die Hände an die Brust gefaltet. Sofia hielt sich hinter ihr, blass wie Milch, u
KAPITEL 16: LASS SIE GLAUBENIch drehte mich nicht um.Ich stand mit dem Papier in den Händen da und lauschte dem Klicken des Schlosses. Er hatte die Tür hinter sich geschlossen und den Schlüssel gedreht. Ich hörte es, und ich hörte ihn atmen, langsam und gleichmäßig, der Atem eines Mannes, der längst entschieden hatte, wie das hier ablaufen würde.„Wie viel hast du gelesen?"Nicht *was tust du da*. Nicht *wie kannst du es wagen*. Er fragte nicht, ob ich es gelesen hatte. Er fragte, wie viel ich wusste.Ich drehte mich um.Er lehnte an der Tür, die Arme an den Seiten, im selben schwarzen Hemd, mit derselben verbundenen Hand. Sein Gesicht verriet mir nichts. Es war das Gesicht aus der Halle am Abend der Teegesellschaft, still wie ein See im Winter.„Alles", sagte ich. Meine Stimme war vollkommen ruhig. Darauf war ich stolz, etwa eine Sekunde lang. „Die Abtretung. Lucas Unterschrift. Marcos." Ich hob die zweite Seite. „Und das hier."Sein Blick fiel darauf. Etwas flackerte, zu schnell,
KAPITEL 15: DIE VERSCHLOSSENE SCHUBLADEMarcos Limousine hatte kaum das Tor passiert, da fing ich an zu zählen.Lorenzo war um neun mit ihm aufgebrochen. Er war in der Tür stehen geblieben, hatte „Verlass nicht das Gelände" gesagt, ohne mich anzusehen, und war gegangen. Das gab mir, so meine beste Schätzung, fünf Stunden und ein Haus voller Augen.Ich begann mit dem Leichten. Ich frühstückte sehr sichtbar. Ich fragte Sofia nach den Rosen. Ich ließ Beatrices Zofe sehen, wie ich gähnte und verkündete, ich würde den ganzen Vormittag in meinem Zimmer lesen, eine Lüge so langweilig, dass kein Mensch bei Verstand sie überprüfen würde.Um zehn schloss ich meine Tür ab, steckte mir das Haar mit zwei Nadeln hoch und kletterte aus meinem eigenen Leben.Der Ostflur war leer. Die Tür des Arbeitszimmers lag an seinem Ende, dunkle Eiche und Messing, die Art Tür, die *Nein* sagte, bevor man sie berührte. Ich legte die Hand auf die Klinke.Abgeschlossen. Natürlich.Ich kniete mich hin und zog eine de







