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DU GEHÖRST MIR
DU GEHÖRST MIR
Author: Grownup barbie

Kapitel 1

last update publish date: 2026-08-06 22:28:30

Ezras POV

Ezras Augen öffneten sich, bevor sein Wecker klingelte, so wie es an jedem Schultag geschah, als würde ein Teil von ihm extra dafür früh aufwachen.

Er bewegte sich nicht sofort. Er lag einen Moment da und blinzelte zur Decke, während er sich sagte, dass er es heute nicht tun würde. Er würde aufstehen, sich anziehen und aus der Tür gehen wie ein normaler Mensch, der seine Morgen nicht damit verbrachte, aus dem Fenster auf einen Jungen zu starren, der kaum wusste, dass er existierte.

Er tat es trotzdem.

Die Vorhänge waren noch von letzter Nacht offen, seine eigene Schuld, er schloss sie nie ganz, und auf der anderen Straßenseite, durch die Lücke in Rylands Jalousien, konnte Ezra direkt in Jaces Zimmer sehen.

Jace stand an seiner Kommode, oberkörperfrei, und zog sich ein frisches Shirt über den Kopf, ohne besondere Eile, als hätte er alle Zeit der Welt und wüsste es. Dunkles Haar noch feucht von der Dusche. Schultern, die bei einem Siebzehnjährigen absolut keinen Sinn ergaben. Scharfe Kieferpartie und lange Linien und eine Leichtigkeit in seinen Bewegungen, die Ezra nie geschafft hatte zu hassen, egal wie sehr er es versuchte.

Ezra hasste, dass er diese Kieferpartie kannte. Hasste, dass er die Form dieser Schultern gut genug kannte, um sie aus dem Gedächtnis zu zeichnen. Hasste vor allem, dass er um sieben Uhr morgens völlig still in seinem eigenen Bett lag und dabei zusah, wie der Junge, der drei Jahre lang sein Leben zum öffentlichen Witz gemacht hatte, sich anzog, als wäre es nichts.

Ihre Häuser standen einander gegenüber, so lange Ezra sich erinnern konnte. Ihre Väter hassten sich noch länger, Senator Monroe und Senator Ryland, gefangen im selben brutalen Rennen um denselben Senatssitz, ihre Fehde ein laufender Witz auf jedem lokalen Nachrichtensender im Staat. Ezra hatte es früher lustig gefunden, zwei erwachsene Männer in Anzügen, die sich im Fernsehen gegenseitig anstichelten, während ihre Söhne dieselbe Schule besuchten und zwei Reihen voneinander entfernt im Klassenzimmer saßen.

Es hörte auf, lustig zu sein, ungefähr im ersten Jahr der Highschool, als Jace herausfand, wie viel Material Ezras Körper ihm bot, und nie damit aufhörte.

Auf der anderen Straßenseite zog Jace sein Shirt herunter, fuhr sich mit der Hand durchs Haar und blickte zu seinem Fenster.

Ezras Herz schlug ihm bis zum Hals. Er ließ sich so schnell flach auf sein Kissen fallen, dass ihm schwindelig wurde, sicher, absolut sicher, dass dies der Tag war, an dem Jace ihn endlich erwischte.

Er zählte bis zehn. Dann bis zwanzig. Sein Puls weigerte sich, langsamer zu werden.

*Erbärmlich.* Das war das Wort dafür. Für das alles. Drei Jahre lang von jemandem gedemütigt worden zu sein und trotzdem, trotzdem jeden Morgen im Bett zu liegen und auf einen weiteren Blick auf ihn zu hoffen, bevor die Schule sie zurück in ihre zugewiesenen Rollen zwang, Tyrann und Witzfigur, goldener Junge und Pointe.

Ezra hatte es nie jemandem erzählt. Nicht Sophie. Nicht seiner Mutter. Manche Geheimnisse begrub man so tief, dass sie zum Teil des Fundaments wurden, tragende Wände, die alles andere hielten, und man lernte, um ihre Form herum zu leben, statt sie jemals auszugraben.

„Ezra!" Die Stimme seiner Mutter drang die Treppe hinauf, scharf genug, um ihn aufschrecken zu lassen. „Du kommst wieder zu spät!"

„Ich komme!" rief er zurück, seine Stimme brach leicht, und er hasste sich dafür, wie seine Augen noch einmal zum Fenster auf der anderen Straßenseite huschten, bevor er sich zwang aufzustehen.

Er zog sich schnell an, so wie immer, schlichtes Shirt, nichts Enganliegendes, nichts, das jemandem eine leichte Zielscheibe bot, bevor er überhaupt das Haus verlassen hatte. Manche Morgen stand er länger vor dem Spiegel, als er wollte, drehte sich zur Seite, hielt den Atem an, als könnte das tatsächlich etwas ändern. Heute erlaubte er sich das nicht. Heute griff er einfach nach seiner Tasche und ging nach unten, wo seine Mutter bereits ein Stück Toast über die Theke schob, ohne von ihrem Kaffee aufzublicken.

„Großer Tag?" fragte sie.

„Wie immer."

Sie warf ihm einen Blick zu, den er kannte, den, der bedeutete, dass sie ihm nicht ganz glaubte, aber für jetzt beschlossen hatte, nicht nachzuhaken. „Einen schönen Tag noch, Schatz."

Ezra nahm den Toast und ging zur Tür, warf automatisch noch einen Blick auf das Haus gegenüber. Leere Einfahrt. Jace war wahrscheinlich schon weg, stieg wahrscheinlich schon in das Auto eines Teamkollegen, lachte wahrscheinlich schon über etwas, das überhaupt nichts mit Ezra zu tun hatte.

Er sagte sich, dass das keine Rolle spielte.

Er sagte sich an den meisten Morgen viele Dinge, die nicht wahr waren.

Als Ezra die Ashford Academy erreichte, hatte sich der Schmerz in seiner Brust bereits an seinem üblichen Platz eingerichtet, vertraut, überschaubar, die Art von Schmerz, die er gelernt hatte zu tragen, ohne ihn sein Gesicht zeigen zu lassen. Er kam gut durch die erste Stunde. Zweite Stunde auch gut. Es war die Mittagspause, die ihn immer aus der Fassung brachte.

Die Cafeteria funktionierte nach einer unausgesprochenen Karte, die niemand je gezeichnet hatte, die aber irgendwie jeder verstand. Sportler beanspruchten die mittleren Tische, breiteten sich aus, als würden sie Hof halten. Cheerleaderinnen beanspruchten die Plätze an den Fenstern, immer perfekt zum Licht ausgerichtet. Die Theaterkids drängten sich in der Nähe der Bühnentüren zusammen, laut und theatralisch, selbst wenn niemand zusah.

Ezra hatte auch einen Tisch. Niemand hatte ihm den je angeboten. Es war einfach der, den alle anderen mieden.

„Habt ihr ihn heute im Sportunterricht gesehen?"

„Ich schwöre, sein Shirt sah aus, als würde es um sein Leben kämpfen."

Ein paar Schüler kicherten.

Ezra stach seine Gabel in einen Haufen Reis, den er nicht vorhatte zu essen, und sagte nichts. Drei Jahre Übung hatten ihn gelehrt, dass Schweigen schneller verpuffte als eine Reaktion. Meistens.

Dann schlugen die Türen auf, und der ganze Raum verschob sich wie eine Gezeit, die sich vor einer Welle zurückzieht.

Jace Ryland kam herein, als gehörte ihm bereits das Gebäude, Teamkollegen folgten ihm in einem lockeren, lachenden Knäuel, die Aufmerksamkeit der halben Cafeteria drehte sich zu ihm um, ohne dass jemand bewusst beschlossen hätte hinzusehen. Derselbe Junge vom Fenster an diesem Morgen, nur jetzt vollständig angezogen, vollständig gepanzert, nichts Weiches mehr in seinem Ausdruck.

Ezra hielt den Blick gesenkt. Es half nichts.

„Sieh mal einer an."

Ein Schatten fiel über sein Tablett. Ezra blickte auf in Jaces Gesicht, scharfe Kieferpartie und selbstgefällige Belustigung, drei seiner Freunde drängten sich hinter ihm zusammen wie ein Publikum, das seine Plätze einnahm.

„Ryland." Ezra hielt seine Stimme flach.

Die Jungs hinter Jace lachten sofort.

Einer von ihnen stieß einen anderen an.

„Ach, er kennt deinen Namen."

Weiteres Gelächter folgte.

Ezra sah weg.

Jace ließ sich unaufgefordert auf den Stuhl gegenüber fallen, kippte ihn auf zwei Beinen zurück, verschränkte die Arme, als würde er sich für etwas einrichten. „Isst wieder allein, Monroe?"

„Brillante Beobachtung."

„Ist irgendwie traurig."

„Dann geh."

Die Worte kamen schärfer heraus, als Ezra beabsichtigt hatte, und für eine halbe Sekunde wurde der Tisch tatsächlich still. Niemand widersprach Jace. Er sah, wie Überraschung über Jaces Gesicht flackerte, echte Überraschung, fast sofort wieder verschwunden, ersetzt durch dasselbe lässige Grinsen, das zurückrutschte wie eine Maske, die einrastet.

„Da ist er ja." Jace zeigte auf ihn, als hätte er etwas Vergrabenes gefunden. „Die Persönlichkeit."

„Urkomisch."

„Ich fing schon an zu denken, jemand hätte dich gegen einen Pappaufsteller ausgetauscht."

Der Tisch brach aus. Ein paar Schüler am nächsten Tisch drehten sich jetzt richtig um, um zuzusehen, Handys halb erhoben.

„Ernsthaft, wie viele Mittagessen isst du am Tag?" Jace neigte den Kopf, gespielte Neugier. „Ich frage aus Forschungsgründen."

Ezras Kiefer verkrampfte sich. Derselbe Witz, ein anderer Tag, und er traf trotzdem jedes Mal wie ein Faustschlag in die Rippen. Er starrte auf sein Tablett und sagte nichts, der Appetit vollständig verschwunden, dasselbe kalte Ding setzte sich in seiner Brust fest.

„Bist du fertig?" fragte Ezra leise.

Jace blinzelte. „Was?"

„Bist. Du. Fertig."

Die Cafeteria wurde tatsächlich still bei diesen Worten. Ezra stand auf, griff nach seiner Tasche auf dem Boden.

„Alle denken, du bist lustig." Er hielt seine Stimme ruhig, obwohl sein Puls raste. „Ich finde das nur nicht."

Stille. Volle drei Sekunden davon.

Dann bellte Logan ein Lachen. „Verdammt, Monroe hat Biss."

„Er hat wohl endlich Rückgrat entwickelt."

Der Raum brach wieder in Gelächter aus, und Ezra hätte einfach gehen sollen. Stattdessen machte er den Fehler, Jace noch einmal direkt anzusehen.

Ihre Blicke trafen sich.

Für eine dumme Sekunde ging etwas zwischen ihnen vor, das kein Witz war und auch keine Grausamkeit, etwas Unlesbares, verschwunden, bevor Ezra es benennen konnte.

Jace lehnte sich zurück, sein Grinsen wurde schärfer. „Vorsicht, Monroe." Eine Pause, perfekt getimt für den Raum. „Verdammt. Ich dachte fast, du wärst interessant."

Das darauffolgende Gelächter traf härter als alles davor. Ezra drehte sich um und ging ohne ein weiteres Wort hinaus, das Gelächter verfolgte ihn den ganzen Weg bis zu den Türen, und hörte erst auf, als sie hinter ihm zuschwangen und der Lärm endlich abbrach.

Seine Brust schmerzte. Nicht wegen der Witze, die konnte er mittlerweile im Schlaf überstehen.

Sie schmerzte, weil er morgen aufwachen würde, und das Erste, was er tun würde, dasselbe wie jeden Morgen, wäre, aus seinem Fenster auf den Jungen zu blicken, der ihn nie ein einziges Mal auf dieselbe Weise angesehen hatte.

Er würde immer noch in ihn verliebt sein.

Er hasste, wie leicht es war, das jetzt zuzugeben, sich selbst zu belügen, schon abgestanden vor lauter Wiederholung.

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