Mag-log in„Hannah ist hier.“
Die Worte trafen mich wie Eiswasser.
Lucas Körper verkrampfte sich an meinem, und jede Spur von Hitze wich augenblicklich aus seinem Gesicht. Für den Bruchteil einer Sekunde rührte sich keiner von uns. Die Musik unten wummerte ahnungslos weiter. Mein Herz hämmerte so fest, dass ich dachte, es würde mich verraten.
„Was?“, flüsterte ich und rappelte mich panisch auf.
„Sie ist an der Tür“, sagte er leise, und sein Blick schnellte zur Klinke, als könnte sie jeden Moment explodieren. „Versteck dich. Jetzt.“
Ich fragte nicht wohin. Ich dachte nicht nach. Die Panik übernahm vollkommen die Kontrolle.
Ich schnappte mir mein Kleid; meine Hände zitterten so stark, dass ich zwei Versuche brauchte, um es mir über den Kopf zu ziehen. Luca öffnete den Kleiderschrank und drückte mich sanft hinein. Es roch nach frischer Wäsche und seinem Rasierwasser – zu vertraut, zu intim. Er legte einen Finger auf seine Lippen.
„Keinen Mucks“, formte er lautlos mit den Lippen.
Die Tür schloss sich.
Die Dunkelheit verschlang mich vollkommen.
Ich presste meine Hand auf den Mund und versuchte, meinen Atem zu beruhigen, als an der Türklinke gerüttelt wurde.
„Luca?“, drang Hannahs Stimme herein, fröhlich und angetrunken. „Warum ist deine Tür abgeschlossen?“
Ich hörte ihn sich räuspern. „Was willst du, Han?“
„Ich suche Emma. Sie ist einfach verschwunden.“
Mein Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen.
„Oh. Ja“, sagte er, viel zu beiläufig. „Sie ist nach Hause gegangen.“
„Was?“, spottete Hannah. „Auf keinen Fall. Sie würde nicht einfach so gehen.“
„Sie meinte, sie müsste morgen früh irgendwas erledigen. So eine… Sache.“ Er zögerte einen winzigen Bruchteil zu lange.
Ich presste die Augen zusammen.
„Das ist komisch“, sagte Hannah. „Mir hat sie nichts gesagt.“
„Vielleicht hat sie es vergessen“, erwiderte Luca. „Du weißt doch, wie sie ist, wenn sie was trinkt.“
Das Schweigen dehnte sich aus. Ich konnte hören, wie Hannah unruhig von einem Fuß auf den anderen trat, wahrscheinlich die Stirn runzelnd.
„Alles okay bei dir?“, fragte sie. „Du klingst komisch.“
„Mir geht’s gut“, blaffte er, jetzt schärfer. „Ich habe geschlafen.“
„Auf einer Party?“, neckte sie ihn.
„Geh weg, Hannah.“
Eine weitere Pause.
„Wow“, murmelte sie. „Okay. Unhöflich. Ich suche sie selbst.“
Ihre Schritte entfernten sich. Die Tür öffnete sich. Schloss sich.
Ich sackte gegen die Schrankwand, meine Beine zitterten so stark, dass ich in die Hocke gehen musste.
Ein paar Sekunden vergingen.
Dann vibrierte mein Handy.
Laut.
Der Klingelton klang wie eine Sirene in dem kleinen, stillen Raum.
„Oh mein Gott—“, ich hechtete danach und brachte es mit hektischen Fingertipps zum Schweigen, während mir das Herz bis zum Hals schlug.
Zu spät.
Wieder Schritte. Diesmal schneller.
Es rüttelte an der Tür.
„Ich schwöre, ich habe gerade Emmas Klingelton gehört“, sagte Hannah, ihr Misstrauen war jetzt deutlich scharf. „Luca.“
„Verdammt noch mal“, blaffte er. „Nein, hast du nicht. Hör auf, dir Dinge einzubilden, und lass mich verdammt noch mal in Ruhe.“
Seine Stimme hatte eine Schärfe, die ich noch nie an ihm gehört hatte – hart, endgültig.
Stille.
Dann, zögerlich, entfernten sich die Schritte wieder.
Ich atmete erst auf, als die Tür zum zweiten Mal ins Schloss fiel.
Luca öffnete den Schrank.
Wir starrten uns an.
Ich hatte sein Gesicht noch nie so gesehen – angespannt, gezeichnet, all die Weichheit von vorhin war verflogen. Die Realität war bei uns beiden gleichzeitig eingeschlagen.
„Ich sollte ihr schreiben“, flüsterte ich.
„Mach das“, sagte er. „Jetzt.“
Meine Finger flogen über das Display.
Emma: Ey Süße, sorry! Bin kurz nach Hause, um ein paar Sachen zu holen. Bin bald wieder da 😘
Fast augenblicklich erschienen drei Punkte.
Hannah: Du hast mir Angst gemacht. Beeil dich.
Mein Magen drehte sich um.
„Erledigt“, sagte ich.
Luca nickte einmal. „Warte kurz. Lass sich alles erst mal beruhigen.“
Also taten wir es.
Wir berührten uns nicht.
Wir sprachen nicht.
Das Schweigen fühlte sich schwerer an als die Lügen.
Während die Minuten verstrichen, wich das Adrenalin aus meinem Körper und hinterließ etwas Kaltes, Hohles. Mein Körper fing an, an Stellen zu schmerzen, an die ich nicht denken wollte. Die Last dessen, was ich getan hatte, begann schwer auf meine Brust zu drücken, langsam und erstickend.
Ich hatte gerade mit dem Bruder meiner besten Freundin geschlafen.
In seinem Zimmer.
Während sie unten war.
Die Erkenntnis traf mich jetzt härter als zuvor. Vorher war alles nur Hitze, Instinkt und Verlangen gewesen. Jetzt gab es kein Entkommen mehr davor.
Mir war schlecht.
„Ich muss gehen“, sagte ich leise.
Luca sah mich an. Für einen Moment sah es so aus, als wollte er widersprechen. Dann atmete er tief aus und nickte.
„Ja“, sagte er. „Das ist wahrscheinlich das Beste.“
Ich zog mich schnell an, meine Hände waren jetzt ruhiger, aber meine Bewegungen wirkten mechanisch, als würde ich mich selbst von außerhalb meines Körpers beobachten. Als ich fertig war, stand ich unbeholfen da, unfähig zu wissen, wohin mit meinen Händen, meinen Blicken, meiner Schuld.
„Emma…“, begann er.
„Lass es“, sagte ich ein bisschen zu schnell. „Bitte. Nicht jetzt.“
Er hielt inne.
Ich schlüpfte aus seinem Zimmer, das Herz hämmerte mir erneut in der Brust, während ich den Flur entlangschlich. Gelächter drang von unten herauf. Die Party war immer noch in vollem Gange, ahnungslos, dass oben bereits etwas zerbrochen war.
Ich schaffte es aus der Haustür, ohne gesehen zu werden.
Die Nachtluft schlug mir ins Gesicht, kalt und ernüchternd. Ich ging schnell, dann schneller, als würde das Haus Jagd auf mich machen, wenn ich langsamer würde.
Auf halbem Weg die Straße hinunter lief ich Mia in die Arme.
Sie war partytauglich gekleidet – enges Top, glänzende Lippen, die Vorfreude stand ihr ins Gesicht geschrieben.
„Emma?“, sagte sie überrascht. „Was machst du denn hier draußen?“
Mein Gehirn arbeitete fieberhaft.
„Ich… äh… habe zu Hause was vergessen“, log ich flüssig, viel zu flüssig. „Ich geh nur kurz zurück, um es zu holen. Bin gleich wieder da.“
Mia zog eine Augenbraue hoch. „Alles klar bei dir? Du siehst so… erhitzt aus.“
„Tequila“, sagte ich schnell. „Keine gute Idee.“
Sie lachte. „Wem sagst du das. Na gut, trödel nicht rum. Hannah meinte, die Nacht geht gerade erst los.“
„Ja“, sagte ich und zwang mich zu einem Lächeln. „Mach ich nicht.“
Sie ging weiter in Richtung Haus.
Ich drehte mich in die entgegengesetzte Richtung um.
Während ich allein nach Hause ging, schloss sich die Stille um mich herum. Jeder Schritt fühlte sich schwerer an als der letzte. Scham fraß sich in meinen Magen, scharf und hartnäckig.
Was hatte ich getan?
Und noch schlimmer —
Was hatte ich da gerade angefangen?
Hinter mir pulsierte die Musik weiter, fern und gleichgültig. Vor mir lagen mein Bett, mein Handy und der unvermeidliche Moment, in dem diese Nacht aufhören würde, ein Geheimnis zu sein.
Ich wusste nicht, was mir mehr Angst machte.
Der Heimweg fühlte sich länger an als sonst.
Jeder Schritt hallte von demselben Gedanken wider, der sich in einer unerbittlichen Endlosschleife drehte – ich habe mit Luca geschlafen.
Ich hatte mit ihm geschlafen. Er hatte mich entjungfert.
Als ich mein Zimmer erreichte, waren meine Hände kalt und mein Kopf dröhnte. Ich schloss die Tür hinter mir ab, lehnte die Stirn dagegen und blieb länger dort stehen, als ich sollte, einfach nur atmend. Mein Körper fühlte sich immer noch so… wach an. Empfindsam. Als wäre er noch nicht im Hier und Jetzt angekommen.
Ich glitt nach unten, bis ich auf dem Boden saß.
Und genau in diesem Moment setzten die Erinnerungen ein.
Ungebeten. Lebendig. Unbarmherzig.
Nicht nur das Schlafzimmer. Nicht nur seine Stimme, seine Hände, die Art, wie er mich angesehen hatte, als wäre ich etwas Kostbares und Gefährliches zugleich.
Sondern alles, was vor dieser Nacht gewesen war.
Emmas SichtDie Morgensonne filterte durch die transparenten Vorhänge unseres Penthouses in Manhattan und tauchte das Schlafzimmer in warme Goldtöne. Ich streckte mich auf den Seidenlaken, während sich ein langsames Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitete, als Lucas Arm sich enger um meine Taille schloss und mich zurück an seine Brust zog.„Guten Morgen, Mrs. Carter“, murmelte er in meinen Nacken, seine Stimme rau vom Schlaf. „Du siehst rundum zufrieden aus.“„Das liegt daran, dass mein Ehemann weiß, wie man einen Nummer-eins-Bestseller feiert“, feilte ich, drehte mich in seinen Armen um und küsste seine Kieferpartie.„Immer“, lachte Luca leise, während seine dunkelgrünen Augen die meinen fixierten. „Und jetzt steh auf, Herzschlag. Wir haben einen Flug zurück nach Malibu. Dein Geburtstag ist in zwei Tagen, und wenn ich dich nicht nach Hause bringe, reißen deine Geschwister womöglich noch das Haus ab beim Versuch, die Party vorzubereiten.“Achtundvierzig Stunden später war unser Anwesen
Emmas SichtDie Sonne stand noch nicht einmal vollständig über dem Horizont von Malibu, als mein Telefon so stark auf dem Marmornachttisch zu vibrieren begann, dass es sich beinahe selbst auf den Boden geschüttelt hätte.Ich stöhnte und vergrub mein Gesicht tiefer in Lucas nackter Brust. Seine starken Arme schlossen sich sofort enger um meine Taille und zogen mich dicht an seinen warmen Körper, während seine Lippen einen trägen, schläfrigen Kuss auf mein Haar drückten.„Ignorier es, Herzschlag“, brummte Luca mit verschlafener Stimme, während seine Hand unter den Seidenlaken die Wölbung meiner Hüfte nachfuhr. „Es ist kaum sechs Uhr morgens.“„Es hört nicht auf, Luca“, murmelte ich und griff blind umher, bis meine Finger das Telefon zu fassen bekamen.Der Bildschirm war eine blendende Wand aus Benachrichtigungen. Über vierzig Anrufe in Abwesenheit. Zweihundert Textnachrichten. Und mittendrin klingelte zum dritten Mal in Folge ein hektischer Gruppen-Videoanruf von Mia und Hannah.Ich tip
Emmas SichtDas Leuchten meines Laptop-Bildschirms war die einzige Lichtquelle in unserem Arbeitszimmer mit Blick auf den Ozean.Draußen im Dunkeln krachten die Wellen des Pazifiks sanft gegen die Klippen von Malibu, doch drinnen flogen meine Finger über die Tastatur, als stünden sie in Flammen. Zum ersten Mal seit drei Tagen war die erdrückende Last auf meiner Brust verschwunden. Die Angst, die Schlagzeilen, die giftigen Kommentare – all das verschmolz in dem leeren Dokument vor mir zu Nichts.Ich schrieb keine defensive Pressemitteilung. Ich schrieb keine tränenreiche Entschuldigung, um blutrünstige Internet-Trolle zufriedenzustellen.Ich schrieb unsere Geschichte.„Du bist nicht ins Bett gekommen, Herzschlag.“Eine tiefe, vertraute Stimme unterbrach die Stille des Raumes. Ich drehte den Kopf und sah Luca im Türrahmen stehen. Er trug nur eine dunkelgraue Jogginghose, sein Oberkörper war nackt, sein dunkles Haar vom Schlaf zerzaust. Er überquerte den Hartholzboden mit leisen, barfüßi
Emmas Sicht„Macht den Weg frei! Zur Seite!“Lucas Stimme donnerte über das ohrenbetäubende Gebrüll der Menge hinweg, während sein schwerer Arm sich wie ein eisernes Band um meine Taille legte.Er antwortete keinem einzigen Reporter. Er würdigte die blitzenden Kameras und die Dutzenden von Mikrofonen, die uns ins Gesicht gedrückt wurden, keines einzigen Wortes. Er schirmte meinen Kopf einfach mit einer seiner breiten Hände an seiner Brust ab, bahnte uns gewaltsam einen Weg durch die Mauer aus Paparazzi und zog mich direkt auf die Rückbank des Maybachs.Die schwere Tür fiel ins Schloss und sperrte die blendenden Lichter und schreienden Reporter aus, doch die Stille im Wageninneren war zehnmal schwerer.Draußen wehrte sich Daniel immer noch gegen den Streifenwagen und schrie in den Nachthimmel hinein, aber der Schaden war bereits angerichtet. Die Worte waren vor den Augen unzähliger Live-Kameras ausgesprochen worden.Innerhalb von drei Stunden explodierte das Internet vollkommen.Drei q
Emmas SichtLuca nahm mir das Telefon aus den zitternden Händen.Seine dunkelgrünen Augen überflogen den Bildschirm einmal. Zweimal. Die Stille in unserer Hauptsuite spannte sich so sehr an, dass es wirkte, als könnten die Glaswände jeden Moment zerspringen. Sein Gesicht verzog sich weder vor Wut noch vor Zweifel. Es wurde völlig starr, emotionslos und tödlich.„Daniel Vance“, brachte ich hervor und wischte mir eine verirrte Träne von der Wange. „Luca, ich schwöre dir—“„Pscht“, grollte Luca, trat näher und zog mich fest an seine Brust. Eine seiner breiten Hände umfasste meinen Nacken und hielt mich fest an der warmen, festen Wand seines Oberkörpers. „Du musst mir gar nichts schwören, Herzschlag. Ich weiß genau, wer meine Frau ist.“„Er war nur ein Mitschüler“, flüsterte ich in sein Hemd, meine Stimme zitterte. „Er schlich im letzten Schuljahr immer um mich herum und versuchte, meine Aufmerksamkeit zu erregen. Wir waren nie zusammen. Er erfindet das alles nur!“„Ich weiß“, sagte Luca
Emmas SichtDas warme, türkisfarbene Wasser des Infinity-Pools umhüllte uns und kaskadierte über den Rand der Klippe, während Luca mich eng an seine Brust zog.„Keine Presse. Keine Telefone. Kein Stress“, wiederholte ich und stützte meine Unterarme auf seinen breiten, nassen Schultern ab, während die Mittelmeersonne auf uns herabbrennte. „Bist du sicher, dass du wirklich zehn ganze Tage Frieden aushalten kannst, VP Carter?“Luca ließ ein tiefes, leises Grollen in seiner Brust ertönen, während seine dunkelgrünen Augen sich mit einer Intensität in meine brannten, die mir den Atem raubte. „Herzschlag, mit dir und Aurelia hier könnte ich für den Rest meines Lebens auf dieser Insel bleiben und mich nie wieder umdrehen.“„Neck mich nicht“, giggelte ich und fuhr die nasse Tinte der Tätowierungen nach, die sich seinen Hals hinabzogen. „Du würdest in einem Monat ohne einen Tagungsraum, den du leiten kannst, den Verstand verlieren.“„Versuch’s doch“, raunte er, glitt mit den Händen meinen Rücke
Emmas SichtDie Musik von unten pulsierte unter meinen Füßen, ein ferner Herzschlag, der sich dumpf durch den Boden zog. Hier oben, in Lucas Schlafzimmer, das schwach nach Zeder und etwas abgestandenem Rasierwasser roch, war die Welt auf den Raum zwischen unseren Körpern zusammengeschrumpft.Hannah
Emmas SichtIch wachte am nächsten Morgen noch vor meinem Wecker auf, und mein Herz raste bereits, als hätte es im Schlaf einen Marathon absolviert.Einige Sekunden lang starrte ich an die Decke meines Schlafzimmers und versuchte, mich zu erden. Das blasse Morgenlicht fiel durch die Vorhänge und er
Emmas SichtDer Tag, an dem ich Luca dabei erwischt hatte, wie er ein Mädchen auf der Küchentheke vögelte, war das erste Mal, dass ich Sex live gesehen hatte.Und seitdem…Zurück auf meinem SchlafzimmerbodenDas Holz der Tür drückte hart gegen meine Wirbelsäule, aber ich bewegte mich nicht. Ich kon
Emmas SichtVor ein paar Monaten war ich für eine Übernachtung bei Hannah.Das Haus war dunkel und still. Ich hörte das leise Murmeln einer Stimme.Nicht Hannahs.Ein Frauenlachen, leise und kehlig, drang aus der Küche herauf. Ich hielt auf der letzten Stufe inne, meine Hand erstarrte auf dem kühle






