LOGINDer Nebel im Tiefland hing wie eine Wand aus warmer, fauliger Wolle zwischen den Stämmen. Ryu regulierte seinen Atemfluss mit mühsamer, fast mechanischer Präzision, doch die feuchte Schwüle des Tals legte sich wie ein schmutziger Film in seine Lungen.
Jedes Einatmen schmeckte nach stehendem Sumpf und moderndem Laub.
Einzig die trockene, sture Glut i
Die Schritte auf dem rituellen Pflaster des oberen Rings wogen schwerer als jeder Fußmarsch im Tiefland. Der ewige Schnee hatte sie wieder, doch die Reinheit der Gipfelluft brachte Kael keine Erleichterung. Seine Unterarme waren bis zu den Ellbogen dunkelred angelaufen. Die Haut spannte sich so unerträglich über den blockierten Phreem-Bahnen, dass jede kleinste Bewegung der Finger einen brennenden Impuls bis in seine Schultern jagte.In der dämmrigen Kammer der Waffenmeister roch es nach getrocknetem Salbei und kaltem Stein. Meister Nogusa stand vor ihm, die hageren Finger in einer Schale mit klarem Gegenöl. Er wartete, bis Kael die Arme auf die hölzerne Arbeitsfläche legte.„Du hast die Zähne zusammengebissen“, stellte Nogusa fest, ohne aufzusehen. Er begann, da
Das erste Licht des Morgens brachte keine Helligkeit, sondern sickerte als schmutziges Grau durch den Nebel. Ryu stand reglos unter dem verfallenen Dach. Die Kälte des Morgentaus sammelte sich an den rußgeschwärzten Balken, ehe sie in schweren, unregelmäßigen Tropfen auf seine Schultern klatschte und den klammen Stoff seiner Tunika durchnässte. Schlaf war in dieser Nacht ausgeblieben. Jedes Mal, wenn er die Lider geschlossen hatte, verwandelte sich das stille Wasser der Pfützen im Geist zu einem roten Strom. Das Erbe seines Clans weigerte sich, zu ruhen. Die Dunkelheit saß tief in seinen Gelenken, lähmte seine Sehnen wie kriechendes Blei und machte jede Bewegung zu einem zähen Kampf gegen eine unsichtbare Strömung.Neben ihm verzurrte Kael die Riemen seines Packens. Der sonst so ungestüme Rothaarige bewegte sich mit einer unnatürlichen, fast trotzigen Stummheit. Dennoch strömte die lästige Hitze seines Körpers ungebrochen aus und biss sich mit der nasskalten Luft der Lichtung. Ryu
Ein blasser, grauer Streifen des ersten Morgenlichts zeichnete sich auf dem kalten Felsboden ab, als Ryu die Lider hob.Das Laken neben ihm wies bereits wieder die Kälte des umgebenden Steins auf. Kael hatte die Kammer längst verlassen, noch vor dem ersten hohlen Klappern der Heilschalen auf dem Gang. Einzig die zerwühlte Wolldecke und der herbe Dunst von verbranntem Holz auf dem Kissen kündeten von dessen nächtlicher Präsenz. Und eine kriechende, hartnäckige Wärme an Ryus Hals, die sich jedem Frösteln widersetzte. Mit stillem Zorn verbuchte Ryu das verräterische Pochen in seiner Brust als bloßen Tribut der Erschöpfung.Die ätzenden Kräutersalben von Meisterin Lin brannten stundenlang auf seiner Haut. Erst im Zenit der Mittagssonne wich der letzte Rest des gegnerischen Frosts aus seinen Muskeln. Das zerschnittene Fleisch an seiner Flanke schloss sich unter den rituellen Griffen der Heilerin, hinterließ jedoch eine straffe, spannende Taubheit bei jedem Atemzug. Das silberblaue Phree
Das weiße Leinen der frischen Verbände schabte wie Schleifpapier auf der verbrannten Haut seiner Unterarme. Jeder Herzschlag hämmerte mit dumpfem Schmerz gegen seine versengten Handgelenke. Der weiße Marmorboden kühlte seine nackten Sohlen aus, während er vollkommen starr im schattigen Audienzraum der Kanoniker verharrte. Er hielt den Blick geradeaus, die Arme dicht an den Seiten, die Zähne so fest aufeinandergepresst, dass der Schmerz in seinem Kiefer das Dröhnen in den Ohren übertönte. Ein künstlicher, süßlicher Duft nach Jasmin ging von Nogusas makelloser, grauer Seidenrobe aus, als der schlanke Meister aus dem Schatten der Säulen trat. Seine dunklen Augen fixierten den Jungen mit eisiger Präzision.„Die unterirdischen Schleusentore bleiben blockiert, Kael. Du hast die alten Glyphen versengt“, sprach Nogusa trocken. „Ein Krieger der Phalanx führt sein Phreem wie eine feine Nadel. Du dagegen wütetest wie ein Steppenbrand. Der klebrige Ruß deines Ausbruchs verstopft die Zuleitung
Die Hallen der Waffenmeister rochen nach kaltem Eisen, gegerbtem Leder und dem herben Öl, das die Klingen vor Rost schützte. Kael wahrte ein unbewegtes Gesicht, während er die Riemen seines Reisepacks festzurrte. Seine Füße steckten in den brandneuen, unnachgiebigen Stiefeln des Kämmerers, deren steifes Leder sich bei jeder Gewichtsverlagerung schmerzhaft in seine Knöchel grub. Das grobe Leinen schnitt tief in die frisch geschlossenen Wunden seiner Handgelenke, doch er überging den stummen Protest seines Körpers. An seiner Seite verharrte Ryu. Dessen Haltung blieb vollkommen tadellos, das tiefe Blau seines Zopfs exakt auf die Mitte des Rückens ausgerichtet. Das Genie beherrschte die Positionen mit der Gelassenheit eines Spaziergängers im Tempelgarten, weit e
Der Nebel im Tiefland hing wie eine Wand aus warmer, fauliger Wolle zwischen den Stämmen. Ryu regulierte seinen Atemfluss mit mühsamer, fast mechanischer Präzision, doch die feuchte Schwüle des Tals legte sich wie ein schmutziger Film in seine Lungen. Jedes Einatmen schmeckte nach stehendem Sumpf und moderndem Laub. Einzig die trockene, sture Glut in seinem Rücken hielt ihn aufrecht. Kael folgte ihm wie ein stummes, unbeugsames Leuchtfeuer, dessen Hitze sich verbissen gegen die nasse Luft wehrte. Dennoch drückte die blockierte Gezeit in Ryus Inneren schmerzhaft gegen sein Sonnengeflecht. Seit dem Giftangriff in der Schleuse verharrte sein Phreem in zäher Trägheit und gehorchte seinem Willen nur unter Widerstand.Er vermisste die




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