LOGINDie schwere Schieferplatte kratzte mit einem dumpfen, ohrenbetäubenden Knirschen über das verrottete Wurzelwerk, als Kael sie mit der flachen Schulter zur Seite wuchtete. Fahles, graues Sumpflicht sickerte in den Schacht. Die toxischen Gase der Obsidianer hatten sich verflüchtigt, geschluckt von der endlosen, klammen Weite des Moores.
Als Kael sich aus dem Gewölbe in den zertrümmerten Innenh
Der Dampf, der aus den Fugen des frisch verlegten Bodes stieg, roch nicht mehr nach dem stechenden Schwefel der alten Schmelztiegel oder nach dem verbrannten Talg der klerikalen Tempelkessel. Er roch nach feuchter Erde, nach geschnittenem Bergkiefernholz und dem klaren, kühlen Quellwasser, das Ryu durch die unterirdischen Kanäle von Aschfeld geleitet hatte.Kael saß auf einer massiven, grob behauenen Schieferbank im Zentrum des neu gezimmerten Ratshauses. Die Hütte war die bisher größte Struktur der Siedlung – ihr Dach ruhte auf mächtigen Stämmen aus Uraltkiefern, die Ren und seine Bautrupps unter schweißtreibender Arbeit aus dem schroffen Nordhang geschlagen hatten.Die breiten Fensteröffnungen waren noch nicht mit Glasscheiben verschlossen; zerrissene Wollplanen hielten den gröbsten Wind ab. Doch die tödliche Kälte der Grenzlande hatte in diesem Raum keine Macht. Das flüssige Gold, das Kael mit ruhigem, stetigem Atem durch die tiefen Fundamentadern zirkulieren ließ, hielt ein wohlig
Der Wind, der über die Felsrücken im Norden streifte, brachte in dieser Nacht keine Asche mehr mit sich, sondern die schneidende, unbarmherzige Kälte des tiefen Westens.Kael erwachte, als der Reif an den matten Rohglasscheiben leise zu knacksen begann. Die hölzerne Hütte, die er gemeinsam mit Ryu und Ren in den vergangenen Wochen aus den Trümmern der alten Dorfruine gestampft hatte, hielt Stand, doch die Kälte kroch unaufhaltsam durch die feinsten Spalten im Mörtel des Fundaments. Draußen heulte der Schnee über die ungeschützte Senke von Aschfeld. Es war der erste schwere Wintersturm, seit sie die brennenden Kuppeln des Tempels hinter sich gelassen hatten.Kael rührte sich zunächst nicht. Die Dämmerung im Raum war tief, nur erhellt vom sterbenden Glimmen der Holzscheite im Kamin. Ryu lag dicht an seine Brust gepresst, das lange, tiefe blaue Haar wie ein seidiger Schatten über Kaels nackter Schulter verteilt. Der Vaelen atmete tief, ruhig und gleichmäßig. Ohne die schreckliche Last de
Der erste Frost war über die Hügelkuppen gezogen, doch die Senke von Aschfeld blieb von der weißen Kälte verschont.Ryu stand am Fenster der frisch verputzten Hütte und blickte hinaus auf den Dorfplatz. Die Scheiben aus dickem, mattem Rohglas, die Ren aus einer alten Glashütte im Süden beschafft hatte, hielten den schneidenden Wind draußen. Aus dem Kamin stieg ein stetiger, ruhiger Faden blauen Rauches auf. Unten am Bachlauf schaufelten zwei der jungen Bauern aus dem Ostdorf die Ablaufrinnen frei, während weiter östlich das gleichmäßige Hämmern der Schmiede durch die kühle Morgenluft schallte.Es war eine Symphonie aus Arbeit, Leben und Alltag.Ryu strich mit den Fingerspitzen über das kühle Glas der Scheibe. Seine Hand zitterte nicht. Die pechschwarzen, verätzten Siegel der Tinte, die einst seine Adern wie verfluchte Wurzeln durchzogen hatten, waren vollkommen verblasst. Seine Haut war blass, aber gesünder und wärmer als je zuvor in seinem Leben.Er dachte an Marderstein zurück. An d
Die Senke roch nicht mehr nur nach dem kühlen, feuchten Tau der Grenzlande.Über den niedrigen Firsten der ersten drei fertigen Hütten stieg der blaue, dichte Rauch von Eichenfeuern auf. Es roch nach gebratenem Wurzelgemüse, nach frischem Sägemehl, nach nassem Lehm und nach dem süßlichen Schweiß von vierzig Paar Händen, die seit Anbruch der Dämmerung Steine schleppten, Holz fügten und Gräben zogen.Aschfeld war kein verlassener Schuttberg mehr. Die Ruine hatte aufgehört, eine Leiche zu sein.Kael stand auf der flachen Basaltterrasse oberhalb des Baches, wo einst die Wände der alten Kornkammer gestanden hatten. Die Ärmel seiner groben Leinentunika hatte er weit über die Ellbogen hochgekrempelt. Seine Unterarme, auf denen die dichten Muster alter Brandnarben im späten Vormittagslicht wie verblasste Kupferspuren schimmerten, waren von feinem, trockenem Kalkstaub überzogen. In seiner Rechten hielt er einen schweren Holzhammer. Sein Atem ging flach, stetig und tief.In seiner Brust schlug
Das Knirschen von zermalmtem Granit war das einzige Geräusch, das den Lärm des kalten Ostwinds überdeckte.Ren stand am Rand der oberen Basaltbrüche. Seine schwieligen, riefigen Hände ruhten auf dem Knauf seines massiven Brechmeißels. Der Ruß in den tiefen Narben seines Gesichts war mit Schweiß und graustaubigem Steinmehl verkrustet. Unter ihm schufteten zwei Dutzend Männer und Frauen. Sie klopften Quader aus den zerklüfteten Felswänden, trugen Trümmer fort und versuchten, den eingestürzten Pass freizulegen.Aber das Problem waren nicht die Steine. Das Problem waren die Schattengestalten in den sauberen, weichen Mänteln.Am Rand des Lagers standen zwei ehemalige Offiziere der Phalanx. Sie trugen noch immer die bleichgrauen Topen des Klerus, auch wenn die goldenen Schulterspangen vom Ascheregen des Tempels schwarz verrußt waren. Der Ältere von ihnen – ein Mann namens Vane, der unter dem Hohen Rat für die Disziplinarmassnahmen in Marderstein zuständig gewesen war – hielt eine Pergamentr
Das Erste, was Kael wahrnahm, war nicht die Kälte der Grenzlande. Es war die schwere, stetige Wärme, die direkt an seiner rechten Rippenseite lag.Die Morgensonne schoss durch die schmalen Ritzen der frischen Weidenschindeln auf dem Dach. Ein breites Band aus goldenem, staubdurchsetztem Licht schnitt durch die Dämmerung des Rohbaus und traf direkt das Bett aus trockenem Farn und den schweren Wollmänteln.Ryu schlief noch.Er lag halb auf Kaels Brust, den Kopf fest in der Mulde zwischen Kaels Hals und Schulter vergraben. Sein langes, tiefblaues Haar lag wie ein dunkler, seidiger Fluss über Kaels nackter Haut. Kein Schatten-Phreem ließ das Gewebe seiner Muskeln zucken; keine klerikale Doktrin zwang seinen Atem in jenen flachen, künstlichen Takt, den Kael in den Kassetten von Marderstein so gehasst hatte. Ryus Brust hob und senkte sich tief, ruhig und vollkommen gelöst. Die pechschwarzen Adern der Tinte an seinen Händen waren verblasst, hinterließen nur blassrosafarbene, ehrliche Haut.K


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