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kapitel 3

Author: Collyn
last update publish date: 2026-08-04 13:40:55

Kapitel 3

Aus Milos Perspektive

Wenn die große Halle schon riesig war, dann war es, als würde man, sobald man nach draußen trat, in ein langes, verwirrendes Labyrinth geraten.

Ich hatte nicht die Muße gehabt, die Umgebung zu bewundern, als ich hereingeführt wurde – nicht einmal, als mir der grimmige Mann im Nacken saß.

Lange, gewundene Gänge kreuzten und verzweigten sich wie in einem Labyrinth. Ich atmete schwer vor lauter Adrenalin, das immer noch durch meinen Körper strömte.

Ich wusste nicht, was für ein verdrehtes Spiel das war, aber eines war klar.

Ich wollte so ein Spiel nicht mitspielen. Nicht, wenn das Rudel angegriffen wurde und mein Leben buchstäblich in Gefahr war.

Was, wenn mich hier ein Feind sieht? Ganz allein und hilflos.

Ich holte tief Luft und betete dann zu derselben Göttin, die wohl nichts Besseres zu tun hatte, als mir so etwas Seltsames anzutun – und es für klug hielt, mich zu dem zu erschaffen, was ich bin.

Ich entschied mich für einen Weg.

Ich lief und lief.

Doch nachdem ich stundenlang an vielen bekannten Türen vorbeigekommen war, die ich schon einmal gesehen hatte, gab ich schließlich auf und lehnte mich an die polierten Wände.

Ich war offiziell am Arsch.

Die wenigen Leute, die ich unterwegs sah, waren Bedienstete, die zu viel Angst hatten, mir auch nur in die Augen zu schauen, geschweige denn, mir den Weg zu weisen.

Außer den Bediensteten gab es niemanden in diesem riesigen Gebäude.

Ich konnte mir kaum das wütende Gesicht meines Vaters vorstellen, wenn die Nachricht von meinem Tod sie erreichen würde – schon Stunden, bevor ich das Haus verlassen hatte.

Ein bitteres Lachen entfuhr mir fast.

Was, wenn der Mafia-König merkte, dass ich nicht sie war?

Was, wenn sie nach all dem immer noch hinter meiner Schwester her waren?

Würde mein Opfer dann nichts bedeuten?

Meine Schwester war schwer krank. Es war ganz plötzlich passiert, gerade als die Nachricht vom Mafiakönig uns erreichte. Meine Schwester war am Boden zerstört, und sie hatte eine großartige Zukunft vor sich. Sie war bereits die stärkste Kämpferin in meinem Rudel und hatte noch viel ungenutztes Potenzial.

Aber ich … ich war nur Abschaum, eine Platzverschwendung, eine Schande. Ich hatte ihrer Bitte zugestimmt. Ich konnte nicht zulassen, dass sie als minderwertiges Haustier mitgenommen wurde.

Ich meldete mich freiwillig, zu ihr zu gehen.

Das Einzige, was ich einmal in meinem Leben richtig machen konnte. Ich habe es nicht gut hinbekommen.

Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen, die Worte des Mafiakönigs hingen wie ein Messer über meinem Hals.

„Wer ist dieser nichtsnutzige Trottel, der mir den Weg versperrt?“

Eine raue Stimme riss mich aus meinen Gedanken.

Ich blickte auf

Und erstarrte

Sie war nicht nur schön,

Nein … sie war umwerfend … und ihre Ausstrahlung erfüllte die Luft.

Sie war locker 6,0 groß und strahlte eine Eleganz aus, die ihresgleichen suchte. Alles an ihr schien perfekt, bis auf den missmutigen Ausdruck, der ihr Gesicht prägte. Und hinter ihr war eine Gruppe ihrer Begleiter, die ihr folgte.

An ihrer Kleidung konnte ich schon erkennen, dass sie eine Person in einer hohen Position war.

Doch kaum hatte sich Bewunderung in meinem Gesicht breitgemacht, verschwand sie auch schon wieder – mir wurde klar, wie voreilig ich geurteilt hatte. Ein tiefes Ekelgefühl machte sich in meinem Magen breit. Ihre Schönheit war nur eine Maske.

„Es … es tut mir leid“, sagte ich und versuchte, mich zu bewegen.

Klatsche!

Eine harte Ohrfeige kam aus dem Nichts und hallte durch die Gänge. Ein scharfer Schmerz breitete sich über meine ohnehin schon empfindlichen Wangen aus.

„Weißt du eigentlich, mit wem du da sprichst, du niedere Sklavin?“, fragte sie mit verächtlicher Stimme.

Meine erste Reaktion war Schock, doch als mir bewusst wurde, dass ich gerade geohrfeigt worden war, begann eine tiefe, dunkle Wut, wie ich sie seit meiner Geburt nicht mehr gespürt hatte, in meiner Brust zu brodeln – wie ein Ungeheuer, das darum kämpfte, herausgelassen zu werden.

Warum behandelten mich alle wie Dreck?

Ich hatte mein ganzes Leben lang genug Demütigungen ertragen, Schande, schlimmer als alles, was man sich vorstellen kann.

Aber das ließ ich mir nicht noch einmal gefallen.

Ich weiß nicht, ob es das Adrenalin war, das noch in mir strömte, oder der Gedanke, dass ich ohnehin schon tot war. Ich ballte meine Fäuste. Plötzlich überkam mich der Drang, loszuschimpfen.

Mein Mund bewegte sich, noch bevor mein Verstand reagieren konnte…

„Schlampe“

Nach meinem Ausbruch herrschte überall Stille.

Ein kollektives Aufschrecken ging durch den Flur. Die Bediensteten taumelten zurück, starrten mich mit weit aufgerissenen Augen an, als hätte ich gerade mein Todesurteil unterschrieben. Vielleicht hatte ich das ja gerade getan.

Ein Gefühl der Angst überkam mich, als mir etwas zu spät klar wurde, was ich gesagt hatte.

Aber was geschehen ist, ist geschehen.

„Hast du mich gerade beleidigt…“, das Gesicht der schönen Dame verzerrte sich zu etwas Hässlichem.

Jetzt war ich total am Arsch.

Doch bevor die böse Schlampe sich auf mich stürzen konnte, durchbrach eine Stimme die angespannte Stimmung und hielt sie im richtigen Moment auf.

„Genug, Lady Catherine“

Eine neue Gestalt betrat den Flur.

Ich drehte mich sofort um, mein Gesicht voller Dankbarkeit.

Eine Frau mittleren Alters, die aussah, als wäre sie Ende vierzig, stand da und starrte die schöne Dame finster an.

Doch zu meiner Enttäuschung trug sie die typische Kleidung, die normalerweise nur Dienstboten tragen, aber die Art, wie sie sich bewegte – beherrscht, gefasst, gebieterisch –, machte deutlich, dass sie nicht irgendeine Dienstbotin war, oder dass sie einfach jemand wie ich war, der eigentlich den Tod suchte.

Lady Catherine schnaubte verächtlich, als sie die ziemlich ruhige Frau ansah, und verschränkte die Arme. „Was machst du hier überhaupt?“, fragte sie. „Soweit ich weiß, bist du nichts weiter als eine einfache Haushälterin.“

Hinter ihr ertönte Gelächter von ihren Leuten.

Die ältere Frau, die Delphine hieß, lächelte. Ein kleines, wissendes Grinsen, das ihre Augen nicht ganz erreichte.

„Und doch bin ich es, die hier die Befehle erteilt.“

Catherines Gesicht verzerrte sich vor kaum unterdrückter Wut. „Du würdest es nicht wagen, dich einzumischen, wie ich mit einem elenden Köter umgehe, der seinen Platz nicht kennt.“

Ich zuckte bei ihren Worten zusammen.

Was sie sagte, stimmte – die ältere Frau hat kein Recht, sich einzumischen, selbst wenn sie es wollte. Schließlich bin ich nur ein niederes Haustier.

„Ich wage es doch, Catherine“, sagte die Frau mittleren Alters mit sanfter Stimme, doch ihr Blick wurde scharf. „Das kannst du am besten, Caroline: die Wehrlosen schikanieren.“

Catherines Nasenflügel bebten.

Die Spannung zwischen ihnen war so greifbar, dass man sie mit einem Messer hätte schneiden können. Einen Moment lang starrten sich beide Frauen hasserfüllt an.

Ich verstand nicht, was da vor sich ging, aber eines war klar: Die Frau mittleren Alters hatte keine Angst vor ihr.

Catherine ballte wütend die Fäuste. Doch zu meiner Überraschung sagte sie kein Wort mehr und stritt sich auch nicht weiter mit der Frau. Stattdessen drehte sie sich auf dem Absatz um und stürmte davon, während ihre Gefolgschaft ihr hinterherlief.

Ich atmete aus – ohne zu merken, dass ich den Atem angehalten hatte.

Erst als sie schon ein Stück entfernt war, wandte sich die Frau mittleren Alters mir zu.

„Komm.“

Sie wartete nicht auf meine Antwort, packte mich am Handgelenk und zog mich mit sich den Flur entlang.

Ich stolperte ihr hinterher, während mir noch immer der Kopf schwirrte.

Wir bogen um zahlreiche Flure und Gänge, bevor ihr Griff etwas nachließ und sie mit tiefer, fester Stimme sprach.

„Ich habe dich gesucht.“

Ich runzelte die Stirn. Ja, ja, als ob du mich wirklich gesucht hättest.

Ihre Lippen pressten sich zu einer schmalen Linie zusammen. „Du solltest nicht herumirren. Dein Platz wurde bereits zugewiesen.“

„Zugewiesen?“ Mir drehte sich der Magen um. „Was meinst du damit?“

Sie antwortete mir nicht.

Bevor ich mich versah, blieben wir vor einer großen, imposanten Tür stehen, und als sie sie aufstieß, stockte mir der Atem.

Der Raum war riesig und prächtig. Und genau wie die Halle war er mit Abstand der schönste Raum, den ich je gesehen hatte. Und obendrein stand in der Mitte ein Kingsize-Bett.

Meine Augen weiteten sich – alles an diesem Zimmer strahlte Macht und Reichtum aus.

Doch bevor ich vor Freude in die Luft springen konnte, musste ich eines wissen …

„Wem gehört dieses Zimmer?“, fragte ich vorsichtig.

Die Frau mittleren Alters drehte sich zu mir um, ein kleines Lächeln auf den Lippen.

„Dem Meister …“

Mein Lächeln verschwand. Ein Schauer lief mir den Rücken hinunter.

Doch bevor mein Gehirn verarbeiten konnte, was sie gerade gesagt hatte, schob sie mich hinein. „Dein Bad ist bereit. Ich komme gleich wieder, um deine Kleidung zu holen“, sagte sie hastig, bevor sie mich mit verwirrtem Gesichtsausdruck allein in dem prächtigen Raum stehen ließ.

Was war nur los mit den Leuten hier und ihrer Art, Dinge zu erklären?

Nachdem ich eine Weile fassungslos dagestanden hatte, beschloss ich, den Raum langsam zu erkunden. Er war so groß und bis zur Perfektion ordentlich eingerichtet, dass ich vor Staunen nach Luft schnappte wie ein kleines Mädchen, dem man Süßigkeiten zeigt.

Ich war immer noch von der Pracht des Raums beeindruckt, als ich es sah.

Und mir stockte der Atem, als ich mit weit aufgerissenen Augen voller Entsetzen auf die dunkle Ecke des prächtigen Raums starrte. Eine Sache stach hervor wie ein grausamer Scherz.

Verschiedene Folterwerkzeuge und -geräte hingen ordentlich in einer abgeschirmten Ecke des Raums. Sie waren so gut vor den Blicken der Öffentlichkeit versteckt.

Ich schnappte nach Luft, tiefe Angst machte sich in meinem Bauch breit. Unwillkürlich stolperte ich rückwärts.

Worauf habe ich mich da nur eingelassen?

Etwas stieß gegen meinen Oberschenkel,

ein Käfig.

Ich schnappte zum zweiten Mal nach Luft, meine Hände flogen an meinen Mund, als wollten sie den Schrei unterdrücken, der sich aus meinem Mund reißen wollte.

Er war groß genug für ein kleines Kind.

Aber das war noch nicht das Schlimmste …

Am Käfig hing ein Schild, auf dem ein Name stand.

Mein Körper wurde plötzlich eiskalt.

„Millen“

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