LOGINUnwillkürlich sah Sebastian wieder zu Klara zurück. Sie stützte sich auf den Fensterrahmen und betrachtete die beiden noch immer lächelnd.Moment mal. Waren das nicht die Puppen, die sie per Kurier in Sebastians Büro schickte? Charlotte nahm sie also an sich?„Hallo!“, rief Klara aus dem Wagen. „Ich bin auch noch da! Sprich ruhig direkt mit mir. Er muss nicht den Vermittler spielen.“Als Charlotte sie entdeckte, erstarrte sie. Dass Klara auch noch lächelte, verblüffte sie umso mehr. Gleichzeitig geriet sie in Panik. Was, wenn Klara nach dieser Szene die Anzeige doch nicht mehr zurückziehen wollte?„Klara ...“ Sofort setzte Charlotte ihre Vorstellung vor ihr fort. „Es tut mir leid. Bitte ... bitte verzeih mir. Ich kann mich von diesen Puppen einfach nicht trennen. Luxusartikel, eine große Wohnung, Uhren, Schmuck, Geld, auf all das kann ich verzichten. Aber diese Puppen liegen mir wirklich am Herzen. Sebastian hat sie über Jahre hinweg überall auf der Welt gesammelt. Vielleicht sind si
Auf Sebastians Fähigkeit, Dinge zu regeln, war Verlass. Wenn er das sagte, gab es keinen Grund mehr zur Sorge.Nun ging es um die Angelegenheit zwischen ihnen beiden.„Klara, ich habe alles erledigt, was du verlangt hast. Die Wohnung ist verkauft. Ihre Taschen und Geschenke habe ich zurückgeholt und ebenfalls verkauft. Du bekommst das Geld.“Er nahm sein Handy heraus und überwies ihr den Betrag.Klara überschlug die Summe. Das kam ungefähr hin.„Damit du siehst, dass ich es ernst meine, fahre ich jetzt mit dir hin. Die Wohnung hat tatsächlich einen neuen Eigentümer. Der Käufer bereitet schon die Renovierung vor.“ Sebastian fuhr los. „Danach hältst du dich bitte auch an dein Versprechen und kommst mit zur Polizei.“Klaras Hände waren noch verbunden. Auch die Wunde am Kopf verheilte gerade erst.Offenbar fiel ihm das ebenfalls auf, denn er seufzte tief. „Ich weiß, es ist nicht besonders rücksichtsvoll, dich ausgerechnet jetzt unter Druck zu setzen. Aber irgendwann muss die Sache e
„Nichts Schlimmes? An den Fingern tut doch jede kleine Verletzung höllisch weh!“Ihre Großmutter hielt Klaras Hände behutsam in ihren. Der Anblick brach ihr das Herz.„Es ist wirklich nichts Schlimmes.“Klara lächelte. So empfindlich die Finger auch waren, verglichen mit den Schmerzen nach dem damaligen Autounfall war das hier kaum der Rede wert.Sebastians Miene blieb jedoch düster.Klara vermutete, dass auch er an den Unfall dachte. Für ihn war es ein dunkles Kapitel, vielleicht sogar eine Wunde, die nie ganz verheilte. Wegen dieses Unfalls gab er damals seine Ehe als Gegenleistung. Damit begann sein Unglück in dieser Beziehung.Sie lächelte erneut. Schon gut. Bald waren sie beide frei.Sebastian brachte sie schweigend ins nahe gelegene Krankenhaus, wo ihre Hände versorgt und verbunden wurden. Danach wandte er sich an ihre Großmutter. „Oma, fahr doch erst einmal zu uns. Klara und ich müssen noch etwas erledigen. Danach bringen wir dich gemeinsam nach Hause.“„Nein, schon gut“, e
Klara verstand nicht, warum ihre Familie solche Angst vor Sebastian hatte. Er war doch auch nur ein gewöhnlicher Mensch. Er kletterte weder über Hausdächer noch beseitigte er heimlich Menschen, ohne Spuren zu hinterlassen.Er hatte einfach nur Geld.Manche Menschen traten nach unten und buckelten nach oben. Gegenüber Schwächeren spielten sie sich auf, doch sobald jemand mit Geld oder Macht vor ihnen stand, machten sie sich augenblicklich klein.Ein wenig mehr Achtung verdiente ihr Vater erst, wenn er Sebastian genauso entschlossen entgegentrat wie gerade ihr und ihrer Oma.Ihr Vater, ihr Bruder und ihre Mutter waren zu dritt. Mit vereinten Kräften konnten sie Sebastian doch durchaus überwältigen.Aber kaum tauchte er auf, knickten sie ein.Solche Menschen trauten sich nur an Schwächere heran.Widerlich!Mit Sebastians Ankunft änderten sich die Verhältnisse im Haus grundlegend.Er legte einen Arm um Klara und den anderen um ihre Großmutter. Unmissverständlich stellte er sich sch
Hans beugte sich noch näher zu seiner Mutter. „Mama, gib mir das Haus, dann lasse ich die Sache mit dem Geld auf sich beruhen. Ansonsten gibst du mir zehn Millionen Euro!“„Dann bring mich doch gleich um!“, schrie sie und schlug ihm ins Gesicht. „Was willst du aus meinen alten Knochen noch herauspressen? Meinst du, da kommen auch nur tausend Euro zusammen?“„Mama, so kommen wir nicht weiter!“Hans schnaubte verächtlich. Er benahm sich wie ein gewöhnlicher Schläger. „Wenn du mir das Haus nicht geben willst, suche ich eben selbst nach deinen Ersparnissen!“Ein Blick von ihm genügte, und Monika und Lukas stürmten mit ihm auf das Schlafzimmer der Großmutter zu.„In der mittleren Schublade! Brecht das Schloss auf!“, rief Hans im Laufen.Klara half ihrer Oma auf einen Stuhl und eilte zur Schlafzimmertür. Dort stellte sie sich ihnen in den Weg. „Wagt es ja nicht, da hineinzugehen!“Hans grinste. „Meine liebe Tochter, mit deinem kaputten Bein willst du uns drei aufhalten? Du bist ein Krüp
Während Hans sprach, versetzte er Lukas einen kräftigen Tritt, um ihm einen Wink zu geben.Widerwillig trat Lukas näher und zog ein jämmerliches Gesicht. „Oma, als ich klein war, war ich doch dein Liebling. Jetzt hast du nur noch Klara lieb. Liegt das daran, dass aus mir nichts geworden ist und ich nicht so viel Geld habe wie sie? Verachtest du mich deshalb?“„So ein Unsinn!“Ihre Großmutter zitterte vor Wut. „Wen hier interessiert denn dieses ganze Geld? Außer euch dreien niemanden!“„Aber warum hast du mich dann nicht mehr lieb, Oma? Allein der Gedanke daran macht mich so traurig ...“ Lukas brachte es tatsächlich fertig, beinahe in Tränen auszubrechen.Gegenüber ihrem Enkel brachte die alte Dame keine harten Worte über die Lippen. Ihre Augen röteten sich, und ihr war deutlich anzusehen, wie weh ihr das alles tat.Klara dagegen fuhr ihn voller Zorn an. „Oma hat dich nicht lieb? Lukas, wie kannst du nur so undankbar sein? Als du klein warst, hatten deine Eltern nur Essen, Trinken u







