LOGINSebastian schwieg. Die Feindseligkeit, mit der er Julian zuvor begegnet war, war restlos verschwunden. Mit unendlichem Schmerz und voller Sehnsucht sah er zu Klara im Wagen.Klara drehte sich nicht um. Doch sie hatte Julians Worte gehört. War es nicht längst zur Gewohnheit geworden, dass Sebastian sie für etwas anderes stehen ließ?Früher hatte ihr Herz unter jedem dieser Momente gelitten. Jetzt spürte sie überhaupt nichts mehr.„Julian, verschwende keine Worte mehr an ihn. Fahren wir“, drängte sie aus dem Wagen.Julian konnte sich ungefähr denken, worum es ging. Er lächelte nur und sagte spöttisch zu Sebastian: „Viel Glück, Herr Wolf.“Sebastian verstand nicht, was er damit meinte. Regungslos sah er zu, wie auch Julian einstieg und der Wagen davonfuhr.Warum vermittelte Julian ihm ständig das Gefühl, über alles Bescheid zu wissen? Was wusste er diesmal, dass er ihm so etwas sagte?Als Alex bemerkte, dass Julians Wagen abfuhr, eilte er aufgeregt nach draußen. Doch er erhaschte nur noch
„Sebastian, ich sehe wirklich nichts mehr, was es zwischen uns zu besprechen gibt. Du willst der Scheidung nicht zustimmen? Gut, dann gehe ich vor Gericht. Du bist mit der Vermögensaufteilung nicht einverstanden? Gut, dann entscheidet das Gericht. Es ist alles geklärt. Was gibt es da noch zu sagen?“ Klara sah den Mann vor sich an. Wieder kam er ihr vollkommen fremd vor.Wo war der Sebastian geblieben, der ihr stets kühl und unnahbar begegnet war? Der sie kritisch gemustert und sich dann auf die Seite anderer gestellt hatte?„Wie kannst du sagen, es gibt nichts mehr zu besprechen?“ Sebastian sah sie mit gerunzelter Stirn an. In seinen Augen drängten sich die Gefühle. „Du allein hast die Scheidung beschlossen. Mir bleibt die ganze Zeit nichts anderes übrig, als es hinzunehmen. Du hast dir nie angehört, was ich darüber denke.“Plötzlich fühlte Klara sich unendlich müde. „Sebastian, wann hast du dir in unseren 5 Ehejahren angehört, was ich denke? Deine Kälte hast du mir doch auch aufgezwun
„Nein, nein, ich bin nur ein Laie“, beeilte Alex sich zu sagen. „Sebastian und Justin verstehen viel mehr von Wein als ich. Ich trinke ihn einfach nur. Die beiden wissen ihn wirklich zu genießen. Gerade bei Riesling können sie süßen Versuchungen kaum widerstehen ...“Kaum hatte er das gesagt, merkte er, wie das klang.Unwillkürlich sah er zu Sophie.Sie hatte in letzter Zeit so oft über Charlottes angeblich süße, unschuldige Art geschimpft, dass er bei solchen Formulierungen inzwischen sofort zusammenzuckte.„Also ...“, fügte er ernst hinzu. „Ich rede von Wein. Wirklich nur von Wein ...“Sophie lachte kalt auf. Alex verstummte sofort.Julian nahm einen kleinen Schluck und lächelte. „Mit solchen deutschen Redewendungen kenne ich mich nicht besonders gut aus. Hat ‚süße Versuchung‘ noch eine besondere Bedeutung?“Alex warf Sebastian unwillkürlich einen Blick zu. Dessen Miene verfinsterte sich zusehends.„Ach? Herr Wolf kennt sich damit besser aus?“, fragte Julian lächelnd.Sebastian lacht
„Das ist der Sohn von Herrn Wagner“, erklärte Nora lächelnd. „Wie seid ihr eigentlich auf dieses Weingut gekommen?“ Hatte Sophie es ihnen empfohlen? Danach sah es nicht aus.Klara warf Julian einen Blick zu und lächelte. „Durch meinen Cousin. Er behauptet, er hat ein Auge für Qualität. Die großen Marken interessieren ihn nicht. Er will lieber persönlich die kleinen Betriebe abklappern.“„Dann seid ihr hier genau richtig“, sagte Nora. „Herr Wagner steckt wirklich sein ganzes Herz in seine Weine. Er arbeitet ehrlich und mit größter Sorgfalt. Das schmeckt man. Nur bekannt ist das Weingut kaum. Hier wird alles in traditioneller Handarbeit gemacht, und die Werbung ist genauso altmodisch. Deshalb kennen es nicht viele.“Während sie sprach, fuhr ein weiterer Wagen auf den Hof. Als Nora sah, wer ausstieg, erstarrte sie. „Was ist denn heute bloß los?“, murmelte sie.Bald waren sie ja alle versammelt ...Aus dem Wagen stiegen 3 Personen: Sophie, Alex und ... Sebastian.Auch Klara hatte ganz und
„Mama!“ Leon kam den schmalen Weg den Hang hinaufgelaufen.Nora wischte sich unauffällig die Tränenspuren aus den Augenwinkeln, ging in die Hocke und nahm ihn in die Arme. „Leon, was machst du denn hier?“„Ich will dir helfen, Mama. Ich kann auch arbeiten.“ Mit seinen warmen, weichen Händchen wischte er ihr über die Augen. „Nicht weinen, Mama. Ich werde ganz schnell groß.“Seine verständnisvollen Worte lösten eine Welle schmerzhafter Rührung in ihr aus. Mühsam beherrschte sie sich, damit er ihre Traurigkeit nicht bemerkte, und rang sich ein Lächeln ab. „Mama weint nicht. Mir ist nur gerade etwas Staub ins Auge gekommen.“„Ich puste ihn dir weg, Mama.“ Leon nahm ihr Gesicht in die Hände und spitzte die Lippen.Sein warmer Atem strich über ihre Augen. Sofort stiegen ihr erneut Tränen auf.Sie ließ sich nicht unterkriegen. Sie zog diese Scheidung durch. Und sie baute sich ein besseres Leben auf.Für diese Stelle auf dem Weingut war sie Sophie unendlich dankbar.Vom Weinbau und der Weinher
Sebastian schüttelte seufzend den Kopf. „Such lieber nach Nora und finde heraus, wo sie ist. Sonst geht es dir am Ende wie mir, und du bereust alles, wenn es längst zu spät ist.“„Ganz bestimmt nicht!“ Justin winkte ab. „Dann gehe ich eben allein! Mit dir ist nichts mehr anzufangen!“Zusammen mit ein paar Männern mittleren Alters stürzte Justin sich ins Nachtleben. Er feierte ausgelassen, ließ das Geld fließen und hatte an jeder Seite eine Frau im Arm. Als er schließlich herauskam, klingelte sein Handy. Erst jetzt bemerkte er, dass seine Mutter bereits mehr als 10-mal angerufen hatte.Er nahm ab. Sie erzählte ihm, dass es ihr gesundheitlich nicht gut ging und sie am nächsten Tag nach Hamburg kommen wollte, um sich untersuchen zu lassen.Betrunken wie er war, sagte Justin nur beiläufig zu.Erst am nächsten Morgen fiel ihm ein: Seine Mutter kam, aber Nora war nicht zu Hause.Er musste sie zurückholen.Ohne weiter nachzudenken, rief er sie an.Nora nahm ab. Wieder meldete sie sich nur mit







