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Kapitel 2

Penulis: Schnee in Sicht
Als ich abends im Bett lag, dachte ich an das, was die anderen gesagt hatten.

Heute hatte Adrian Graf Geburtstag, Lenas Geburtstag war dagegen erst übermorgen.

Nicht nur der Duft, der an ihnen haftete, war ähnlich.

Auch ihre Geburtstage lagen so nah beieinander.

Am nächsten Tag ging ich zu Lena nach Hause.

Frau Zimmermann öffnete die Tür.

„Joni, da bist du ja!“

Lena antwortete kurz aus ihrem Zimmer, kam aber nicht heraus.

„Ich verstehe eure Schule wirklich nicht. Warum habt ihr so kurz vor dem Abitur noch frei? Da denkt doch keiner mehr ans Lernen!“

„Und die da drin zockt schon den ganzen Vormittag!“

Sie holte Obst aus dem Kühlschrank.

„Joni, geh ruhig zu Leni. Sag mir, was du heute Abend essen möchtest, dann koche ich es für dich.“

Als Frau Zimmermann einkaufen ging, klopfte ich an Lenas Zimmertür.

Sie spielte gerade ein Videospiel und trug dabei ein Headset.

Sie warf mir einen Blick aus dem Augenwinkel zu und winkte mich herein.

Ich setzte mich hinter sie und sah ihr beim Spielen zu.

Aber ich verstand nicht, was da vor sich ging.

Auch von ihren Gesprächen mit den anderen über das Headset verstand ich kein Wort.

Erst als die Runde vorbei war, drehte sie sich zu mir um.

„Warum gehst du bei dieser grellen Sonne überhaupt raus?“

Ich reichte ihr die Geschenkschachtel, die ich in der Hand hielt.

„Leni, alles Gute zum Geburtstag.“

„Danke.“

Sie nahm das Geschenk entgegen und legte es achtlos beiseite.

Genau in diesem Moment klingelte ihr Handy, das neben ihr lag.

Sie warf einen Blick auf das Display und nahm den Anruf entgegen.

„Lena, komm schnell in die Lobby!“

„Adrian hat gesagt, er hilft uns beim Spielen! Wir haben den ganzen Vormittag eine Niederlage nach der anderen kassiert. Jetzt können wir endlich den Spieß umdrehen!“

Sie stimmte zu und setzte ihr Headset wieder auf.

Dann fiel ihr offenbar ein, dass ich noch im Zimmer war, und sie wandte sich noch einmal zu mir um.

„Im Bücherregal stehen ein paar Bücher, die ich neu gekauft habe. Nimm dir ruhig eins davon.“

Sie sah wieder auf den Computerbildschirm und drehte sich nicht mehr um.

Ich saß noch eine Weile schweigend da.

Ich sah ihr zu, wie sie lachend mit den anderen sprach.

Zum ersten Mal wurde mir etwas bewusst.

Lena und ich lebten wirklich in völlig verschiedenen Welten.

„Ich gehe dann mal.“

Ich dachte, sie hätte mich nicht gehört.

Doch als ich schon an der Tür war, rief sie mich plötzlich zurück.

„Du willst doch immer noch an die Universität Falkenstadt, oder?“

Die Universität Falkenstadt war ihre Wunschuniversität, und wir hatten früher vereinbart, gemeinsam dort zu studieren.

Ich nickte und fragte zurück.

„Und du?“

„Okay, dann weiß ich Bescheid.“

Ich wollte sie fragen, was sie damit meinte.

Doch sie hatte sich bereits wieder ihrem Spiel zugewandt.

Ich blickte auf das Geschenk, das sie achtlos ins Bücherregal gestellt hatte, wo es ihr nicht mehr im Weg war.

Es war eine längst vergriffene Vinylplatte, von der sie schon seit Ewigkeiten geschwärmt hatte.

Ich hatte mehr als ein Dutzend alte Straßen abgeklappert und mich mühsam durch einen Plattenladen nach dem anderen gesucht.

Erst nach einem halben Monat hatte ich sie gefunden. Dann musste ich lange auf den Ladenbesitzer einreden, bis er sie mir endlich verkaufte.

Jetzt stand sie still in einer Ecke.

Niemand beachtete sie.

Genau so fühlte ich mich in diesem Moment.

Als ich an der Wohnungstür meine Schuhe anzog, hörte ich wieder ihre Stimme.

Jemand aus ihrer Spielrunde schien sie etwas gefragt zu haben.

„Universität Falkenstadt? Nein, da will ich nicht hin. Ich mag die Stadt nicht, dort ist es viel zu trocken.“

„Ich entscheide das, wenn die Prüfungsergebnisse da sind.“

Meine Hand am Türgriff zitterte leicht.

Warum hatte sie mich dann überhaupt gefragt, ob ich an die Universität Falkenstadt gehen wollte?

Wollte sie mir aus dem Weg gehen, weil ich ihr lästig war?

Plötzlich wurde die Tür von der anderen Seite geöffnet.

Frau Zimmermann kam mit Einkaufstüten herein.

„Joni, du willst schon gehen? Bleib doch noch zum Essen!“

Ich zwang mich zu einem Lächeln.

„Nein, danke, Frau Zimmermann. Ich will zu Hause noch ein bisschen für die Prüfungen lernen.“

Sie drängte mich nicht weiter zum Bleiben, sondern wandte sich Lena zu, um mit ihr zu schimpfen.

„Lena, spielst du immer noch? Komm doch wenigstens raus und verabschiede Joni!“

Ich trat aus dem Treppenhaus.

Draußen wärmte mich die Sonne.

Doch in meinem Herzen war nichts als Leere.

Unser einstiger Wunsch, gemeinsam an der Universität Falkenstadt zu studieren.

Er bedeutete ihr offenbar schon lange nichts mehr.

Dann musste wohl auch ich mich nicht länger an unser Versprechen halten.

Am Tag vor dem Abitur bekam ich eine SMS von Lena.

„Morgen hole ich dich ab.“

Eine Weile starrte ich gedankenverloren auf mein Handy.

Dann tippte ich langsam eine Zeile.

„Nicht nötig. Morgen bringt mich jemand aus meiner Familie zur Schule.“

Am nächsten Tag betrat ich allein das Schulgelände.

Zum ersten Mal bei einem so wichtigen Ereignis in meinem Leben.

Lena war nicht an meiner Seite.

Ich fand meinen Prüfungsraum auf dem Raumplan und wollte gerade weitergehen.

Da stieß mir jemand heftig von hinten gegen den Rücken.

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