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Kapitel 4

Penulis: Schnee in Sicht
Um uns herum erhob sich lautes Gejohle.

Verlegen saß ich da, die Hände unter dem Tisch fest ineinander verschränkt.

Ich wollte sie nicht in Verlegenheit bringen und war gerade dabei, die Sache zu erklären.

Doch Lena saß mit versteinertem Gesicht da. Ihre Stimme klang schroff und kalt.

„Redet keinen Unsinn. Unsere Familien sind einfach eng befreundet.“

„Er hat eine Sehschwäche, und meine Eltern haben mich gebeten, ein bisschen auf ihn aufzupassen.“

Sie sagte das so beiläufig.

Doch ihre Worte trafen mein Herz wie ein schwerer, eiskalter Stein.

All das Herzklopfen und die Hoffnungen, die ich tief in meinem Herzen verborgen hatte.

Von Anfang bis Ende.

Ich allein hatte mir etwas vorgemacht.

Ich hielt es nicht länger aus, stand auf und ging zur Toilette.

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich gefasst hatte. Doch als ich herauskam, hörte ich Stimmen aus der Damentoilette gegenüber.

„Lena, wenn du ständig mit Jonas zusammenhängst, wie willst du dann jemals einen Freund finden?“

„Er ist halb blind, und du musst dich ständig um ihn kümmern. Soll er dir etwa ein Leben lang am Hals hängen?“

„Adrian steht doch auf dich! Wenn du wegen dieses halben Krüppels den Mädchenschwarm unserer Schule verpasst, wirst du das noch bitter bereuen!“

„Denk mal darüber nach. Du kannst ihn nicht ständig in Schutz nehmen, sonst verbaust du dir noch deine eigene Zukunft.“

Was Lena darauf antwortete,

hörte ich schon gar nicht mehr.

Ich war also nicht nur eine Last für sie.

Ich stand auch noch zwischen ihr und Adrian.

Dann sollte dieser Stolperstein wohl besser von selbst verschwinden.

Ich wartete vor dem Nebenraum des Restaurants auf sie.

Ich wollte ihr sagen, dass ich schon gehen würde.

Doch als ich ihr das sagte, verfinsterte sich ihr Gesicht.

Ihre Stimme wurde schrill und klang ausgesprochen genervt.

„Jonas, musst du eigentlich immer allen die Stimmung verderben?“

„Wenn du jetzt gehen willst, muss ich dich begleiten! Ich habe auch andere Freunde und jede Menge Dinge, die ich gerne machen möchte!“

„Weißt du eigentlich, wie unglaublich nervig du bist? Ständig schiebst du deine Sehschwäche vor, damit ich mich um dich kümmere! Ich bin nicht deine Mutter und auch nicht dazu verpflichtet!“

„Kannst du mich nicht endlich in Ruhe lassen, damit ich auch mal durchatmen kann?“

Als sie diese letzten Worte ausgesprochen hatte, erstarrte ich.

In diesem Augenblick wurde meine gesamte Selbstachtung zermalmt.

Was sie am Tag unseres Abschlussfotos gesagt hatte,

war also genau das, was sie wirklich dachte.

Und ich hatte sie, ohne es zu merken, so sehr unter Druck gesetzt.

Ich kämpfte gegen die Tränen an und murmelte leise: „Mhm.“

„Verstanden.“

„Danke für alles, was du all die Jahre für mich getan hast.“

„Ich werde dich in Zukunft nicht mehr nerven.“

Zum Glück war es in dieser Gegend noch einigermaßen hell.

Und zum Glück wartete direkt vor dem Eingang ein Taxi.

Nur so konnte ich mir vor ihr wenigstens den letzten Rest meiner Würde bewahren.

Als die Abiturergebnisse bekannt gegeben wurden, stellte sich heraus, dass Lena und ich beide sehr gut abgeschnitten hatten.

Deshalb verabredeten sich unsere Eltern, um gemeinsam zu feiern.

Beim Essen kamen wir auf unsere Studienwünsche zu sprechen.

Frau Zimmermann legte mir ein Rippchen auf den Teller.

„Joni, hast du dich schon nach Universitäten umgesehen?“

„Ich erinnere mich, dass ihr beide doch früher zusammen an die Universität Falkenstadt gehen wolltet.“

„Es wäre doch schön, wenn ihr beide dort studieren würdet. Dann könntet ihr euch gegenseitig unterstützen.“

„Nicht wahr, Leni?“

Lena hielt mit ihren Essstäbchen mitten in der Bewegung inne.

Sie senkte den Kopf und sagte leise:

„... Ich habe mich noch nicht entschieden.“

Ihre Mutter seufzte und wollte sie gerade tadeln.

Doch meine Mutter sprang hastig ein, um die Situation zu entschärfen.

„Nur keine Eile. Die Kinder sind inzwischen groß und haben ihre eigenen Vorstellungen. Es ist doch gut, wenn sie noch etwas darüber nachdenken.“

Meine Mutter wechselte das Thema.

Erst da wurde die Stimmung am Tisch wieder entspannter.

Auf dem Heimweg fragte mich meine Mutter plötzlich:

„Hast du dich mit Leni gestritten?“

Meine Veränderung konnte meiner Mutter unmöglich verborgen bleiben.

Also stritt ich es nicht ab.

„Ich finde einfach, dass ich mich nicht immer auf sie verlassen sollte.“

„Schließlich kann Lena sich nicht mein ganzes Leben lang um mich kümmern. Dazu ist sie auch nicht verpflichtet.“

Meine Mutter strich mir mitfühlend über den Kopf.

„Mama wird sich dein ganzes Leben lang um dich kümmern.“

Plötzlich machte sie einen Vorschlag.

„Wenn du deine Studienwünsche eingereicht hast, machen wir als Familie eine Reise.“

Nachdem ich meine Studienwünsche eingereicht hatte, war ich die ganzen Ferien über unterwegs.

Erst kurz vor Semesterbeginn kehrte ich nach Hause zurück.

Ich packte hastig meine Sachen und machte mich auf den Weg in die Nachbarstadt.

Kurz vor Semesterbeginn kam Lena zu uns nach Hause, um mich zu besuchen.

„Frau Lehmann, ist Jonas zu Hause? Ich würde gerne mit ihm besprechen, wann wir losfahren.“

Meine Mutter sah sie verwundert an.

„Jonis Semester beginnt früher. Er ist doch schon abgereist!“

Lena erstarrte. Doch an der Universität Falkenstadt hatte das Semester noch gar nicht begonnen.

„Wohin ist er denn gegangen?“

„An die Universität Lindenstadt.“

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