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Kapitel Zwei: Der Pakt des Alphas

Penulis: Freya Wilde
last update Tanggal publikasi: 2026-10-30 08:06:21

Ravenna Vale hatte sich auf dem Weg zu dieser Festung auf alles vorbereitet. Einen Kampf. Eine Prügel. Betteln auf den Knien, bis ihre Stimme versagte.

Sie hatte nicht darauf vorbereitet, dass der Alpha-König ihr direkt in die Augen sah und zwei Worte sagte.

„Heirate mich.“

Ravenna starrte ihn an. Die Stille dehnte sich, dann entkam ihr ein kurzes, atemloses Lachen.

„Ich habe gefragt, was du versteckst. Ich habe nicht nach einem Witz gefragt.“

„Es ist kein Witz.“

„Du hast mich unter einem Blutmond zurückgewiesen, Kael. Und jetzt willst du, dass ich deine Frau werde?“

„Ich will, dass du meine Luna wirst.“ Seine Stimme blieb eben. „Für ein Jahr. In der Öffentlichkeit, vor dem Rat, vor dem Rudel. Im Gegenzug erhält Elias das Elixier. Jede Dosis, die er braucht.“

„Warum sollte das funktionieren?“

„Weil der Rat das Elixier niemals an eine herumstreunende Frau mit einem verfluchten Bruder freigeben wird. Aber sie können der Luna des Alpha-Königs nichts verweigern.“

Ravennas Hände ballten sich zu Fäusten. „Also ist das Politik.“

„Ja.“

„Es gibt andere Wege. Eine Bestechung. Eine Schuld. Ein Gefallen.“

„Eine Schuld ist ein Gefallen, und der Rat spuckt auf Gefallen. Der Anspruch einer Luna ist Gesetz. Ihr Recht, königliche Vorräte für ihre Sippe zu nehmen, ist älter als der Rat selbst.“

„Dann stehle ich es.“

„Das Gewölbe ist von der Mondgöttin versiegelt. Es öffnet sich nur für das Blut des Throns und die Unterschrift einer Luna. Nichts anderes.“

„Und die Vereinbarung, die ich heute unterschreibe?“

„Öffnet das Siegel für einen Arzt und eine Dosis. Der vollständige Vertrag, vor dem Rat besiegelt, sichert alles danach.“

„Und was bekommst du davon?“

„Eine Luna. Der Rat hat mir ein Jahr lang Lady Seraphine aufgedrängt. Eine Frau meiner eigenen Wahl beendet das. Es stabilisiert das Rudel und bringt die Lords zum Schweigen, die sagen, ich könne den Thron nicht allein halten.“

„Dein Rudel kennt mich nicht.“

„Sie werden dich kennenlernen.“

„Warum ich?“ Ihre Stimme brach. „Von allen Frauen in diesem Königreich – warum ich?“

„Weil du die Einzige bist, die nicht so tun wird, als würde sie mich lieben.“

Die Worte trafen sie härter, als sie erwartet hatte. Sie drehte sich weg und ging zum hohen Fenster, die Arme um die eigene Taille geschlungen. Unten im Hof hoben Männer eine schlaffe Gestalt aus einer Kutsche.

Elias.

Sie drückte die Handfläche gegen das Glas.

Hinter ihr öffneten sich die schweren Türen. Hauptmann Dorans Stiefel hallten über den Stein.

„Mein Herr. Der Junge ist im östlichen Krankenflügel. Der Arzt sagt, er lebt.“ Eine Pause. „Aber er schwindet.“

Ravenna schloss die Augen. „Schwindet.“

„Ravenna.“ Kaels Stimme kam direkt hinter ihr, jetzt leiser. „Du hast ‚alles‘ gesagt.“

„Ich habe gesagt: alles, was meinen Bruder nicht berührt.“

„Das berührt ihn nicht. Es rettet ihn.“

Sie drehte sich um. Er stand näher, als sie erwartet hatte, nah genug, dass sie die Schatten unter seinen Augen sehen konnte. Ihr Puls stolperte, und sie hasste es.

„Ein Jahr“, sagte sie langsam. „Drei Tage gegen dreihundertfünfundsechzig. Ich weiß, welche Zahl ich mir leisten kann.“

„Ein Jahr.“

„Und am Ende?“

„Der Vertrag endet. Du gehst als freie Frau, dein Bruder ist heil. Ich werde dich nicht aufhalten.“

„Frei.“ Das Wort schmeckte bitter. „Du hast mir vor fünf Jahren auch gesagt, ich sei frei.“

Etwas huschte über sein Gesicht und war wieder verschwunden. „Diesmal wird es schriftlich festgehalten.“

Was über sein Gesicht huschte, war Scham. Er hatte ihr einmal zuvor die Freiheit geschenkt – in einem einzigen grausamen Satz –, und er wusste genau, was es sie gekostet hatte.

„Schriftlich von einem Mann, der lügt.“

„Von einem König, der seinen Namen darunter setzt.“ Er hielt ihren Blick. „Lies es, bevor du unterschreibst. Jedes Wort.“

Doran trat vor mit einem einzelnen Blatt Pergament und einer in Tinte getauchten Feder. Ravenna nahm die Seite und las. Es war kurz. Kalt. Ein Jahr als Luna in der Öffentlichkeit. Elias’ Behandlung für die Dauer des Fluchs garantiert. Nirgendwo ein Wort von Liebe.

„Das ist nur eine vorläufige Vereinbarung“, sagte Kael. „Der vollständige Vertrag wird morgen aufgesetzt, und wir werden dann jeden Punkt besprechen. Aber das Gewölbe öffnet sich für den Arzt erst, wenn dies unterschrieben ist.“

„Du hältst mir das Leben meines Bruders über den Kopf.“

„Ich gebe dir einen Weg, es zu retten.“

Sie starrte ihn an. Er sah nicht weg.

„Gut“, sagte sie. „Aber verstehe eines. Ich tue das nicht für dich. Ich vertraue dir nicht. Und werde es nie.“

„Ich bitte nicht um Vertrauen.“ Er hielt ihr die Feder hin. „Ich bitte um eine Unterschrift.“

Ihre Finger schlossen sich darum, und seine Hand streifte die ihre. Die Berührung war kurz, aber Hitze schoss ihren Arm hinauf. Sie riss die Hand zurück.

„Nicht.“

„Ich habe nicht…“

„Du bist zu nah gestanden.“

Er trat sofort zurück. „Verzeih mir.“

Die Stille verdichtete sich. Ravenna tauchte die Feder. Ihre Hand zitterte. Sie drückte die Spitze auf das Pergament und schrieb ihren Namen.

Kael beobachtete, wie die Federspitze das Pergament berührte. Er wusste, was ihr Name auf dieser Seite in Gang setzen würde. Er hätte sie mit einem einzigen Wort aufhalten können. Er sagte nichts.

Ravenna Vale.

In dem Moment, als der letzte Buchstabe fertig war, schnitt ein scharfes Zischen durch die Halle.

Kael taumelte. Seine rechte Hand klammerte sich um sein linkes Handgelenk. Schwarze Linien breiteten sich unter seinem Manschettenrand aus, krochen über seine Haut und stiegen zu den Knöcheln hinauf.

Ravennas Atem stockte. „Was ist das?“

„Nichts.“

„Das ist nicht nichts!“

„Es ist nichts, was dich…“ Er zog den Ärmel herunter, aber nicht schnell genug. Sie hatte sie bereits gesehen. Schwarze Linien, die sie schon einmal gesehen hatte. Am Arm ihres Bruders.

„Kael. Das sind dieselben…“

Die Türen krachten auf. Ein junger Heiler rannte herein, totenbleich, die Hände zitternd.

„Mein Herr!“ Er keuchte nach Luft. „Der Junge. Er hat aufgehört zu atmen!“

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