MasukSie sahen den Rauch, bevor sie die Hügel sahen.Er stieg von der Grenze zu Ashwood in dicken schwarzen Säulen auf, und der Wind trug den Geruch brennender Mondblumen den ganzen Weg bis zur Straße. Süß und bitter zugleich. Ravenna schmeckte ihn auf der Zunge.„Schneller“, sagte Kael.Fünfzig Reiter trieben ihre Pferde härter. Doran ritt zur Linken des Königs, Seraphine zu seiner Rechten, der grüne Umhang flatterte hinter ihr. Ravenna ritt einen Schritt hinter ihnen auf einer geliehenen grauen Stute, eine Hand an den Zügeln, die andere am Messer an ihrem Gürtel.Elias war zurückgeblieben. Er hatte eine Stunde lang gestritten. Dorans beste Männer bewachten jetzt seine Tür, und Orrin hatte versprochen, an seiner Seite zu sitzen, bis sie zurückkehrte.„Bleib in meiner Nähe“, rief Kael über die Schulter.„Ich bleibe, wo ich will.“„Ich weiß.“ Er drehte sich nicht um. „Ich bitte trotzdem.“Sie sagte nichts. Sie fiel auch nicht zurück.Die Straße bog um den letzten Hügel, und die Haine kamen
Neun Tage waren nicht genug, um ein Wunder zu finden. Orrin, der Alchemist, sagte es selbst, als er im Kriegszimmer stand, mit Tinte an den Fingern und nichts Gutem in den Händen. „Das Gewölbe ist leer“, sagte er. Kael bewegte sich nicht. „Sag das noch einmal.“ „Leer, Majestät. Das Siegel, das Ihr gebrochen habt, hat uns das Letzte davon gegeben. Es ist kein Mondsilber mehr in den königlichen Vorräten.“ Orrin schluckte. „Und die Haine in Ashwood sind verdorben. Die Mondblumen sind bis in die Wurzel schwarz.“ Seraphine wurde blass neben dem Kartentisch. „Schwarz? Ich bin vor einer Woche durch diese Haine geritten.“ „Sie sind in dieser Woche gestorben, meine Lady.“ Ravenna behielt ein unbewegtes Gesicht. Das Leben ihres Bruders war in Zahlen auf diesem Tisch geschrieben, und in ihrem Stiefel lag ein Messingschlüssel, von dem sie niemandem erzählt hatte. Sie würde keines von beidem mit den Augen verraten. „Wie lange hält Elias’ zweite Dosis?“, fragte sie. Orrin zögerte.
Die letzte Seite des Tagebuchs war herausgerissen worden, und wer sie herausgerissen hatte, wusste genau, welche es sein musste. Ravenna saß am Rand ihres Bettes mit einer einzigen Kerze und las den Rest. Die achtzehnjährige Ravenna hatte in runden, nachlässigen Buchstaben geschrieben, und jeder Eintrag handelte von demselben Jungen. *Er brachte mich durch den Obstgarten nach Hause und tat so, als hätte er sich meinen Weg nicht eingeprägt. Ich tat so, als hätte ich es nicht bemerkt.* Sie blätterte schnell um. Dann noch eine Seite. Sie las, bis die Einträge drei Tage vor dem Blutmond aufhörten, und was übrig blieb, war ein zerfetzter Papierrest und vier verblasste Worte in ihrer eigenen Handschrift. *Der Mond ging früh auf und...* Sie drückte den Daumen auf die gerissene Kante. Das Papier war sauber. Jemand hatte es mit Sorgfalt entfernt. Vor ihrer Tür standen zwei von Kaels Wachen Wache, mit dem Befehl, niemanden hineinzulassen. Keiner von ihnen wusste, dass die eigentliche Tür
Kael weigerte sich, dem Mondregister zu antworten, und schloss es mit eigenen Händen.„Nicht hier“, sagte er.„Dann wo?“ Ravennas Stimme hallte von den Steinwänden wider. „Du hast keine Lügen versprochen.“„Ich habe nicht gelogen.“„Du hast auch nicht geantwortet.“Vesper glättete ihre silbernen Handschuhe. „Das Register hält Jahrhunderte von Aufzeichnungen, Kind. Namen werden aus hundert Gründen durchgestrichen. Tode. Streitigkeiten. Schreibfehler.“„Meiner war neben seiner Unterschrift durchgestrichen. Vor fünf Jahren. In der Nacht, in der er mich zurückgewiesen hat.“Niemand sprach.Kael sah auf das versiegelte Buch, dann auf sie. „Der Rat trifft sich um Mittag. Sie erwarten, ihre neue Luna zu sehen. Wirst du an meiner Seite stehen?“„Du lenkst ab.“„Ich bitte um das Eine, was dein Vertrag verlangt. Alles andere beantworte ich, wenn ich kann.“„Wenn du kannst.“ Sie atmete scharf aus. „Das ist kein Versprechen.“„Nein“, stimmte er leise zu. „Ist es nicht.“Sie hätte gehen sollen. Si
Ravenna las den Zettel vor der Morgendämmerung vierzigmal. Bei Sonnenaufgang kannte sie jeden Schwung der Tinte auswendig.*Wenn du den Alpha-König heiratest, wirst du den Eid vollenden, den er vor fünf Jahren begonnen hat.*Beim ersten Licht marschierte sie den Ostkorridor hinunter, an zwei gähnenden Wachen vorbei, und trat die Tür zu Kaels Arbeitszimmer ein.Er war bereits wach. Karten bedeckten seinen Schreibtisch. Seine linke Hand war in einen Streifen schwarzen Stoffs gewickelt.„In zivilisierten Häusern klopft man“, sagte er, ohne aufzublicken.„Das hier ist kein zivilisiertes Haus.“ Sie schlug den Zettel auf seinen Schreibtisch. „Jemand hat das letzte Nacht unter meine Tür geschoben. In einer Festung voll deiner Wachen.“Kael las ihn. Sein Daumen hörte auf, über das Papier zu streichen. Eine volle zehn Sekunden vergingen, bevor er sprach.Er erkannte die Handschrift nicht. Das erschreckte ihn. Wer auch immer das geschrieben hatte, kannte das eine Ding, von dem er geschworen hat
Elias’ Herz setzte für elf Sekunden aus. Ravenna zählte jede einzelne davon.Sie rannte die Länge des Ostflügels entlang, die Lunge brannte, schob zwei Heiler in der Tür beiseite und ließ sich am Bettrand nieder. Ihr Bruder lag blass und still auf den weißen Laken. Die schwarzen Linien hatten sich über sein Schlüsselbein geschoben und waren an der Basis seiner Kehle stehen geblieben.Genau dort, wo Kael gesagt hatte, dass sie hingehen würden.„Elias.“ Sie fasste sein Gesicht. „Sieh mich an. Atme. Bitte, atme.“Nichts.„Der Fluch kämpft gegen jeden Zauber, den wir versuchen“, sagte der Arzt mit angespannter Stimme. „Wir verlieren ihn. Nur das Elixier kann jetzt das Herz erreichen. Es nährt das eigene Feuer des Herzens.“„Dann tut etwas!“Stiefel hallten im Korridor. Kael stürmte durch die Tür, Hauptmann Doran an seiner Schulter und ein kleines silbernes Fläschchen in der Faust. Sein linker Ärmel war bis zu den Knöcheln heruntergezogen.Er erreichte das Bett nicht. Vier Ratsmitglieder i







