Der Alpha, der meinen Namen begraben hat

Der Alpha, der meinen Namen begraben hat

last updateLast Updated : 2026-11-04
By:  Freya WildeUpdated just now
Language: Deutsch
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Vor fünf Jahren stand Alpha Kael Draven unter einem blutroten Mond und schwor, Ravenna Vale niemals geliebt zu haben. Es war die einzige Lüge, die er ihr je erzählt hatte, und sie brach ihnen beiden das Herz. Jetzt liegt Ravennas kleiner Bruder im Sterben. Nur das königliche Elixier kann den Fluch, der ihn verzehrt, verlangsamen. Um ihn zu retten, muss Ravenna zu dem Mann zurückkehren, den sie für immer vergessen wollte, und sich verpflichten, ein Jahr lang seine Luna zu sein. Hinter den Mauern seiner Festung entdeckt Ravenna einen Namen, der aus den königlichen Aufzeichnungen getilgt wurde, ein Mal, das unter der Haut ihres Ehemanns immer weiter um sich greift, und einen Schwur, der nie das war, was er zu sein schien. Kael ist durch ein Gelübde zum Schweigen verdammt, das ihn langsam umbringt. Ravenna hingegen ist entschlossen, sich nie wieder selbst zu verlieren. Die Wahrheit könnte sie befreien. Sie könnte sie aber auch beide vernichten.

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Chapter 1

Kapitel Eins: Die Frau, die er zurückgewiesen hat

„Drei Tage.“

Kael Draven blickte nicht von dem Bericht des Heilers auf. „Vielleicht weniger.“

Ravenna Vale stand mitten in der Thronsaale, den Schlamm bis zu den Knien und das Blut ihres Bruders unter den Nägeln getrocknet. Sie hatte die ganze viertägige Reise über eine Rede geübt. Jedes Wort war verschwunden.

„Sag das noch einmal“, flüsterte sie.

„Elias stirbt, Ravenna.“

Ihr Name. Nach fünf Jahren brachte es sie fast um, ihn in seinem Mund zu hören.

Kael hatte ihren Namen fünf Jahre lang im Dunkeln geübt und ihn nie einmal laut ausgesprochen. Er verstand jetzt, dass die Übung ein Fehler gewesen war. Nichts hätte ihn auf den Klang in dieser Halle vorbereiten können.

Sie hob das Kinn. „Ich weiß, dass er stirbt. Deshalb bin ich hier. Nicht wegen dir. Nicht wegen einer Entschuldigung. Wegen des Elixiers.“

„Des königlichen Elixiers.“ Kael legte den Bericht beiseite. „Weißt du, worum du bittest?“

„Ich weiß, dass es in deinem Gewölbe ist. Und ich weiß, dass du der König bist.“

„Der Rat hat die Kontrolle über das Gewölbe.“

„Dann zwing sie, es zu öffnen!“

„So einfach ist das nicht.“

„Bei dir ist es das nie.“

Kael erhob sich vom Thron und ging langsam die Stufen hinab. Ravenna hasste es, dass ihr Körper sich trotzdem an ihn erinnerte. Zeder und Rauch. Der Duft, den sie einst Zuhause genannt hatte.

„Halt“, sagte sie.

Er blieb einen Armeslänge entfernt stehen.

„Elias liegt in einer Kutsche an deinem Tor“, sagte sie, und ihre Stimme zitterte jetzt. „Schwarze Linien kriechen seinen Arm hinauf. Er wacht nicht auf. Die Heiler in meinem Dorf haben so etwas noch nie gesehen. Eine sterbende Frau in der Nachbarstadt hat mir gesagt, nur das königliche Elixier könne es verlangsamen. Also bin ich an den einen Ort auf der Erde gekommen, den ich geschworen hatte, nie wieder zu sehen.“

„Ich weiß.“

„Du weißt nichts über mich.“

„Ravenna…“

„Das hast du dafür gesorgt.“ Sie trat näher, statt zurückzuweichen. „Unter einem Blutmond. Vor deinem ganzen Rudel. Erinnerst du dich, was du zu mir gesagt hast?“

Sein Kiefer spannte sich an. „Ich erinnere mich.“

„Dann sag es noch einmal.“

Die Halle wurde still. Hauptmann Doran, der an der Tür stand, bewegte sich nicht.

„Sieh mich an“, sagte Ravenna, „und sag mir, dass du mich nie geliebt hast. Dann weiß ich wenigstens, woran ich bin, und ich kann das Leben meines Bruders in die Hände eines Mannes legen, der es zweimal sagen kann.“

Kael hielt ihren Blick lange fest.

„Ich habe dich nie geliebt.“

Seine Hand schoss hervor und umklammerte die nächste Säule. Er ließ nicht los, bis sein Arm aufhörte zu zittern.

Ravenna sah es und weigerte sich, sich zu fragen, warum.

Sie hatte fünf Jahre damit verbracht, sich selbst beizubringen, in Kael Dravens Schmerz keinen Sinn zu suchen.

Kael hingegen spürte, wie die dunklen Male unter seinem Ärmel zu brennen begannen, in dem Moment, als die Lüge seinen Mund verließ. Er konnte den Fluch ertragen. Er konnte nicht ertragen, dass sie erfuhr, warum er begonnen hatte.

„Gut“, sagte sie, und ihre Stimme klang jetzt fest. „Jetzt wissen wir beide Bescheid. Also hier ist, was ich will. Das Elixier. Eine Dosis, heute.“

„Und was gibst du mir dafür?“

„Alles.“ Sie trat vor. „Ich werde deine Böden schrubben. Ich werde in deinen Gruben kämpfen. Ich werde zehn Jahre in deinen Küchen arbeiten. Nenn es.“

„Alles?“

„Alles, was meinen Bruder nicht berührt.“

Kael ließ die Säule los und legte die Hand hinter den Rücken. „Doran. Lass den Arzt den Jungen hereinbringen.“

„Mein Herr…“

„Jetzt.“

Der Hauptmann verneigte sich und rannte aus der Halle.

„Ich gehe mit ihm“, sagte Ravenna und wandte sich zur Tür.

„Nein.“

Sie wirbelte herum. „Entschuldigung?“

„Die Heiler können nicht arbeiten, wenn du über sie hinwegschreist.“

„Er ist mein Bruder!“

„Und er wird in den besten Händen dieses Königreichs sein. Bleib.“

Sie wollte ihn ohrfeigen. Sie wollte schreien. Stattdessen blieb sie, weil Elias sie brauchte.

„Er wird innerhalb von Minuten im östlichen Krankenflügel sein“, sagte Kael leise. „Die Heiler werden ihn stabilisieren. Es wird nicht halten. Dieser Fluch ist eine Uhr, Ravenna. Es interessiert ihn nicht, wer wen liebt.“

„Dann gib mir das Elixier, bevor sie abläuft.“

„Ich kann nicht. Noch nicht.“

„Du hast gesagt, du bist der König!“

„Und Könige müssen einem Rat antworten, der mich lieber scheitern sehen würde.“ Seine Stimme wurde leiser. „Ich brauche Zeit, um das möglich zu machen. Zeit, die dein Bruder vielleicht nicht hat. Die schwarzen Linien sind inzwischen an seinem Schlüsselbein und klettern zu seiner Kehle. Wenn sie sie vor Sonnenuntergang morgen erreichen…“

Er hielt inne.

Ravenna wurde vollkommen still.

„Woher weißt du das?“

Kael sagte nichts.

„Ich habe dir nie gesagt, wie weit es sich ausgebreitet hat.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch. „Ich habe von seinem Arm gesprochen. Nur von seinem Arm. Ich habe kein Wort über sein Schlüsselbein gesagt.“

„Heiler reden. Der Bericht…“

„Der Bericht liegt auf diesem Tisch, und darin steht nichts davon. Ich habe gesehen, wie du ihn gelesen hast.“ Sie machte einen Schritt auf ihn zu, dann noch einen. „Du wusstest bereits, wie dieser Fluch sich bewegt. Du weißt genau, wohin er als Nächstes geht.“

Kael öffnete den Mund. Schloss ihn wieder.

„Ravenna“, sagte er schließlich. „Bitte.“

„Bitte was?“ Ihre Augen brannten, und sie weigerte sich, die Tränen fallen zu lassen. „Was versteckst du vor mir?“

Die Wahrheit stieg in Kaels Kehle hoch, und der Eid schnürte sie ab, bevor er auch nur ein einziges Wort formen konnte. In seinem ganzen Leben hatte er sich noch nie so sehr gewünscht, dass man ihm glaubte.

Er zog seinen linken Ärmel über das Handgelenk, aber nicht, bevor Ravenna einen dünnen dunklen Schatten am Bündchen sah.

Er antwortete nicht.

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