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Kapitel 2

Author: Lola Ben
last update publish date: 2026-07-06 03:31:55

BAILEY

„Du hattest deine Chance“, fuhr Hannah fort.

Und ich sah hilflos zu, wie sie ihren glänzenden Körper an Gales Brust presste.

Dann verkündete sie: „Er gehört jetzt mir.“

„Eure?“ Mir wurde schwindelig, und ich suchte nach etwas, das ich nach ihnen werfen konnte. „Ihr seid ja völlig verrückt!“

„Da es nur eine von uns geben kann“, fuhr sie mit wahnsinnigen Stöhnlauten fort. „Dann, ach … werde ich diese eine sein. Gale liebt mich, Bailey. Ohh! Ich … verdammt! Ich liebe ihn auch.“

„So ein Quatsch!“ Der kleine Ball, den ich geworfen habe, hat sie kaum gestreift. „Das ist doch Mist!“

Mein Herz raste und flehte mein Gehirn an, etwas zu unternehmen. Zum Beispiel Gales Penis zu brechen oder ihm den Schädel einzuschlagen!

Aber wie um alles in der Welt hat Gale überhaupt von Hannah erfahren?

Und mein Wolf… Warum ist sie nicht wütend?! Ich brauche ihre Kraft, um jeden verdammten Menschen in diesem Raum zu vernichten!

„Ihr Mistkerle“, stöhnte ich, mein Körper vor Angst fast zusammengekrümmt, weil ich die Kraft meines Wolfes nicht mehr spürte. „Nach … nach allem, was ich … für euch getan habe?“ Schwach richtete ich mich auf. „Wie konntet ihr mir das antun?“

„Und was ist das?“, fragte Gale. Er zog sich von meiner Schwester zurück, stieg vom Bett und kam auf mich zu. „Nein, sag schon. Was genau hast du für uns getan?“

"ICH…"

„Nichts dergleichen, Bailey“, spuckte er hervor, als er die Distanz zwischen uns überbrückte und meine Seele mit dem Geruch seines triefenden Verrats erfüllte. „Du hast mich jahrelang hier zurückgelassen, um diesem blöden Abschluss hinterherzujagen.“

„Ihr habt mich unterstützt! Und sagt mir nicht, ich hätte nichts getan. Ich bin mitverantwortlich dafür, dass unser Rudel so erfolgreich ist –“

„Du hast deine Pflichten als meine Luna einfach vernachlässigt.“

Der stechende Blick in seinen Augen genügte, um mir die Wahrheit zu sagen.

„Was könnte wichtiger sein, als meine Luna zu sein, Bailey?“

Er hasst mich.

„Dieses Stück Papier?“

Seit wann? Das weiß ich nicht. Aber ganz sicher hasst mich Gale.

„Dein dummer Traum, unser verfluchtes Rudel zu verändern, war eine reine Illusion, Bailey. Dass du das nicht erkannt hast, ist dein Verbrechen. Aber dass du meine Bedürfnisse ignorierst, ist ein noch größeres Verbrechen!“

Aus tiefstem Herzen schrie ich: „Du hast gesagt, es wäre okay für dich zu warten! Du hast gesagt, es wäre in Ordnung! Ich habe das alles für uns getan, für unser Rudel. Für…“

Als ich mit verschwommenen Augen zu meiner Schwester blinzelte, die ausgestreckt auf dem Bett lag und uns beobachtete, als wären wir ein Theaterstück, hatten mich die Tränen, die ich nicht vergießen wollte, nun still mit unaufhörlichen Schauern erfüllt.

„Damit Hannah frei sein kann“, vollendete ich leise vor mich hin.

Gale kicherte. „Wo ist denn nun diese verdammte Lösung, nach der du schon die ganze Zeit suchst? Du hast die letzten vier Jahre damit verbracht, nach diesem verdammten Heilmittel zu suchen, also zeig mir endlich, wo es ist!“

"Sturm!"

Er drückte mir einen Finger gegen den Kopf. „Du bist nichts als egoistisch. Und das ist meine Art, dich zu bestrafen.“

Der Zorn, der tief in meiner Seele geschwelt hatte, brach schließlich hervor. „Du hast kein Recht, mich zu bestrafen. Nur …“

„Ist dir überhaupt bewusst, dass dein Wolf dich verlassen hat?“

„Wa-“ Ich wäre beinahe wieder zu Boden gefallen. „Was?“

„Natürlich nicht“, kicherte er und ließ meinem Gehirn keine Zeit, seine absurden Worte zu verarbeiten. „So selbstbezogen bist du.“

„Galie-boo, ich kann nicht mehr warten“, schmollte Hannah.

„Einen Moment, meine Liebe.“ Seine Augen blitzten auf und fixierten mich mit noch mehr Hass. „Hör zu, Bailey. Du weißt, was es bedeutet, Zwillinge in diesem Rudel zu haben. Du hast also zwei Möglichkeiten: Entweder du nimmst den Platz deiner Schwester in dieser schmutzigen Finsternis ein, oder du riskierst, von meiner Klinge getötet zu werden.“ Noch immer genüsslich an meinem Kampf zwischen Tränen und Wut, senkte er die Stimme: „Für welche du dich auch entscheidest, wisse, dass ich dich niemals verstoßen werde.“

Er grinste höhnisch über mein Wimmern, das zu keiner richtigen Antwort fähig war. „Jetzt, wo du zurück bist, wirst du spüren, wie ich deine Schwester jede Nacht ficke. Ich will sehen, wie du das ohne deinen Wolf überstehst.“

Er wandte sich ab. Nur halbwegs. Dann vollendete er seine Worte: „Du wertlose Schlampe.“

Ihn mit meiner Schwester zu erwischen, war schon schlimm genug. Seine Beleidigungen zu hören und zu spüren, verschlimmerte die Wunde nur noch. Und… seine Behauptung, unsere Verbindung nicht zu zerstören, hat mich zutiefst verletzt.

Als ich Gale nackt davongehen sah, schrie mein Verstand mir zu, mich abzuwenden. Aber ich konnte mich nicht bewegen, nicht einmal, als das Kichern meiner Schwester meinen Schmerz linderte.

Zum Glück antwortete das Universum Sekunden später auf mein stummes Flehen, als mich zwei raue Hände von hinten packten.

Erbarmungslos zogen sie mir ein Tuch über den Kopf und zerrten mich hinaus.

Ich hätte vor Protest schreien können.

Doch in den Mauern meines Geistes wurde ich in eine noch schlimmere Hölle hineingezogen, wo sich immer wieder das Bild meines Kumpels abspielte, der meinen Zwillingsbruder mit so viel Leidenschaft vögelte.

Und noch schlimmer, Gales Frage nach meinem Wolf hallte in dieser Hölle wider, und langsam begann ich die Wahrheit zu begreifen.

„Alana!“ Mit keuchenden Atemzügen schrie ich nach meinem Wolf.

Doch sie antwortete nicht, egal wie laut ich rief. Wo einst ihr Lebenslicht gewirkt hatte, war es leer, so dunkel, als wäre sie schon länger fort, als ich befürchtet hatte.

Wenn mich die Männer nicht festgehalten hätten, wäre ich vor Trauer zu Boden gesunken.

„Alana!“, krächzte ich zwischen meinen heißen Tränen. „Wo bist du?!“ Wie in einen Topf mit Fieber geworfen, zitterte ich am ganzen Körper. Und die Leere in meinem Herzen wurde immer größer. „Alana, bitte … Komm zurück!“

„Halt die Klappe!“, befahl eine mürrische Stimme, die mir klar machte, dass wir uns nun in einem unbekannten Gebiet befanden.

Durch den Sack, der mir die Augen verbunden hatte, konnte ich nur Dunkelheit erkennen.

„Wo sind wir?“, fragte ich mit einer Stimme, deren Härte aus unzähligen qualvollen Schmerzen entstanden war.

„Ich sagte: Halt die Klappe.“

„Nein!“ Ich drehte den Kopf in Richtung des Mannes zu meiner Rechten. „Halt den Mund! Ich bin die zukünftige Königin, wie kannst du es wagen, mich so zu behandeln?“

„Du bist ein Betrüger, der schon vor Jahren hätte sterben sollen. Also halt den Mund, bevor ich dich in den Tod schicke!“

Ich kicherte daraufhin. Gleichzeitig stiegen mir die Tränen in die Augen.

„Sie hat den Verstand verloren“, murmelte einer der Männer.

„Setz sie einfach hier ab.“

Ein stechender Schmerz, der einen kaum hörbaren Schrei auslöste, durchfuhr mich, als sie mich gegen etwas Hartes schleuderten. Und während ich ein Stöhnen unterdrückte und mich an meinem Gesäß festklammerte, erschütterte ein metallischer Knall den Raum, gefolgt vom Klicken eines Vorhängeschlosses.

„Ihr sperrt mich ein?“ Ein noch größerer Sturm der Angst überkam mich. „Nein! Wartet!“, rief ich, als sich ihre Schritte bewegten. „Sagt Gale, dass ich dieses Rudel für immer verlasse. Ich werde keinem Menschen davon erzählen! Ich werde…“

Ohne dass es mir gesagt werden musste, war klar, dass ich jetzt vor mich hin schrie.

Wütend riss ich mir das Tuch vom Kopf. Und ich schrie auf, als ich sah, dass mich nichts als tiefe Dunkelheit umgab.

„Gale!“, schrie ich und sank zu Boden. „Wie konntest du nur, du verdammter Bastard?! Oh…“ Ich stöhnte so heftig, dass meine Seele knurrte. „Oh… Ich bring dich um!“, zischte meine Stimme voller Rache. „Ich bring dich dafür um! Du kommst nicht an mir vorbei! Niemals! Du… Argh!“

Meine Worte verwandelten sich in ein langes Zusammenzucken, und mein Körper zitterte noch heftiger, so sehr, dass ich auf diesem sich schmutzig anfühlenden Boden liegen blieb und weiter weinte, weil ich spürte, wie mir alles im Leben entglitt.

Ich konnte es einfach spüren… Dass ich jetzt ein lebender Leichnam war.

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