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Kapitel 2

Autor: Serein M
Mein Daumen scrollte durch ihren Feed, immer schneller.

Hermès-Birkin-Taschen. Cartier-Panther-Broschen. Die Bildunterschrift: „Kil sagt, diese Wildkatze sieht mir im Bett genauso ähnlich.“

Ein maßgefertigtes Dior-Kleid auf einer Privatjacht.

Diese Marken wagte ich mir nicht einmal durch ein Schaufenster anzusehen. Sie postete sie wie billige Supermarktware.

Je weiter ich scrollte, desto heftiger zitterten meine Hände.

Bis ich bei einem bestimmten Foto anhielt.

Das Datum: der 24. Dezember des vergangenen Jahres. Mein Geburtstag.

Das Bild war beklemmend intim. Chloe lag träge auf makellosen weißen Hotellaken. Ein frischer, dunkler Knutschfleck zeichnete sich auf ihrem Hals ab. Eine kräftige Männerhand fuhr ihr über das Schlüsselbein.

Meine Pupillen verengten sich.

Am zweiten Gelenk des Zeigefingers war ein deutliches Muttermal zu erkennen.

Dieses Muttermal kannte ich. Diese Hand berührte mein Gesicht, wischte meinen Schweiß ab – und drang tief in mich ein.

Die Bildunterschrift: „Er vermisste mich zu sehr. Der Schnee lag zu hoch zum Fahren ... Schatz, lass mich nicht wieder so lange warten.“

In meinem Kopf explodierte es.

Letzter 24. Dezember. Der schlimmste Schneesturm des Jahres. Ganz Brooklyn versank im Schnee.

Killian rief mich an, die Erschöpfung hörbar in seiner Stimme. „Aria, die Straßen sind gesperrt. Der Schnee liegt zu hoch. Ich muss heute Nacht auf dem Boden in der Werkstatt schlafen.“

„Kein Problem“, sagte ich. „Halt dich warm.“

Allein mit einem angebrannten Törtchen saß ich da und pustete eine einzige Kerze aus. Ich wünschte mir nur eines: dass er im nächsten Jahr etwas mehr Ruhe fand.

Die ganze Nacht wartete ich auf ihn, auf dem eiskalten Sofa zusammengerollt, aus Angst, seine Nachricht zu verpassen.

Am nächsten Morgen öffnete er die Tür. Er zitterte am ganzen Leib.

Er beugte sich über mich und küsste mich wach. Seine Nase war eiskalt. „Tut mir leid, dass du warten musstest, Schatz.“

Mir brach das Herz bei seinem Anblick. Ich griff nach seinen eiskalten Händen und schob sie unter mein Hemd, presste sie an meine bloße Haut, um ihn zu wärmen.

„War es wirklich so kalt in der Werkstatt?“, fragte ich und strich ihm durchs Haar.

Er murmelte ein leises „Ja“ und begrub sein schuldbeladenes Gesicht in meinem Hals.

Jetzt verstand ich es endlich.

Die Kälte, die an ihm hing, kam nicht von einer Autowerkstatt. Sie kam von diesem unantastbaren Luxusanwesen.

Von den langen Nächten, in denen er mit dieser Frau Lügen gesponnen hatte.

Und ich?

Wie eine komplette Idiotin benutzte ich meinen eigenen Körper dazu, ausgerechnet den Mann zu wärmen, der die Unterwelt beherrschte. Den Mann, der auf seinem Thron saß und über mich urteilte.

Ich stürmte ins Badezimmer und würgte.

Mein Magen krampfte. Ich erbrach den kleinen Bissen von diesem weißen Trüffel-Croissant. Fünfhundert Dollar. Die Toilette hinunter.

Ich spülte. Meine Tränen fielen lautlos ins Wasser.

Mit zitternden Händen machte ich einen Screenshot von Chloes Standort-Tag.

Long Island. Die Gold Coast.

Ich hatte kein Auto. Ich nahm den LIRR-Zug, so weit er fuhr, und lief dann zwei Meilen durch den eisigen Schnee.

Der Wind schnitt mir wie Glas ins Gesicht. Meine Zehen wurden völlig taub, aber das Feuer in meiner Brust trieb mich vorwärts.

Als ich das Anwesen schließlich vor mir sah, wurden mir fast die Knie weich.

Es war kein Herrenhaus. Es war eine Festung.

Gotische Türme. Schmiedeeiserne Tore. Ein weitläufiges Privatanwesen, das von fast vier Meter hohen Mauern und stromführenden Drähten gesichert wurde.

Ich schluckte und schleppte meine erfrorenen Beine auf die Tore zu.

„Stehen bleiben!“

Ein harscher Ruf zerriss die Stille. Zwei massige Männer in schwarzen Anzügen stürmten aus dem Wachhaus.

Einer von ihnen griff an seinen Hosenbund. Mein Atem stockte. Es war eine echte Waffe.

„Wo zum Teufel kommt diese verrückte Schlampe her? Verschwinde!“

Der Wächter zog die Waffe halb aus dem Holster. Er richtete sie nicht auf mich, aber die Drohung war unmissverständlich.

Ich öffnete den Mund, aber kein Laut kam heraus.

Mein Mann.

Der Mann, der jeden Tag mit Motoröl beschmiert nach Hause kam. Der Mann, der mit mir um jeden Cent eines Zwanzig-Dollar-Scheins gefeilscht hatte.

Er war wirklich der skrupellose Mafia-Don, den alle fürchteten.

Ich redete mir ein, nur einen verrückten Witz belauscht zu haben.

Aber jetzt zerstörte der kalte Lauf dieser Waffe meine letzte Illusion vollständig.

„Bist du taub? Beweg dich, bevor ich dich als Bedrohung einstufe.“ Der Wächter stieß mich hart an der Schulter.

Ich taumelte zurück und fiel in den Schnee. Meine Finger waren zu erfroren, um mich aufzustützen.

Vergiss es, Aria, flüsterte eine Stimme in meinem Kopf. Geh. Du hast genug gesehen.

Gerade als ich mich mühsam aufrichtete, donnerte ein Motor die Auffahrt herauf.

Ein blutroter Aston Martin hielt zentimetergenau vor meinen Stiefeln an.

Die schwere Tür schwang auf. Zuerst trat ein langes Bein im schwarzen Stiletto heraus, dann folgte ein knöchellanger weißer Fuchspelzmantel.

Chloe.

Die Rubinkette glänzte auf ihrer blassen Haut. Sie zog die Sonnenbrille ab und blickte auf mich herab. Ein grausames, spottendes Lächeln breitete sich auf ihren roten Lippen aus.

„Na, na“, murmelte sie und tippte mit einem spitzen Nagel mein Kinn hoch. „Wenn das nicht Kils erbärmliche kleine Streunerin aus Brooklyn ist.“

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