LOGIN04:00 Uhr morgens. Flughafen JFK International. Ich schaltete den Flugmodus aus, und mein Handy leuchtete auf. Die erste Benachrichtigung war eine Instagram-Story von meinem Ehemann, Donovan Valentino, Don der Valentino-Familie, gepostet um 3:30 Uhr: ein Foto von Seraphina Morettis Rücken, mit der Bildunterschrift: „50. Abholung abgeschlossen. Paket sicher zugestellt.“ Eine Stunde zuvor war mein Flug in katastrophale Klarluftturbulenz geraten und innerhalb von Sekunden um fast zweitausend Fuß gesackt. Ich umklammerte den Sicherheitsgurt, bis meine Fingerknöchel weiß wurden, während der zerknüllte Drohbrief der Rivalen wie eine Klinge an meinen Rippen lag. In diesen Sekunden des blinden Falls brannte sich ein einziger Gedanke durch die Panik: Wenn ich das überleben könnte – wenn Donovan mich in der Ankunftshalle erwarten könnte –, würde ich dann meine Versetzungsunterlagen nach Dubai zerreißen und hierbleiben. Aber es gab keine verpassten Anrufe. Keine Nachrichten. Er hatte zu sehr damit zu tun, Seraphina abzuholen. Er kannte meine Flugdaten. Es war ihm einfach egal. Vier Jahre Ehe. 50 Mal voll bewaffnete Personenschützer für Seraphina. Und für meine 112 Langstreckenflüge in denselben vier Jahren? Mehr gab es für mich nie als einen Fahrer in einem zivilen Wagen. Selbst in jener Nacht, in der Gambinos Leute mich von Manhattan aus verfolgte und ich sechs Stunden in der Toilette eines Restaurants eingeschlossen war. Er ging erst im Morgengrauen ran, nach dem zwölften Versuch. Meine Versetzung nach Dubai war bestätigt. Die unterschriebene Scheidungsvereinbarung steckte in meiner Tasche. Das war das letzte Mal, dass ich je zu ihm zurückkam.
View MoreSelbst nach mehreren Tagen Bettruhe hatte mich der letzte Flug in lähmenden Schmerzen zurückgelassen.Da traf ich die endgültige Entscheidung, den Job aufzugeben, den ich zehn Jahre lang geliebt hatte.„Viola! Ein Paket für dich, aus New York!“, sagten meine Kollegen.Ich öffnete das Paket.Das Erste, was obenauf lag, waren die Scheidungspapiere.Auf der letzten Seite war seine Unterschrift in der unteren rechten Ecke hingekritzelt; die Tinte war dick aufgetragen.Unter dem Umschlag war der Rest der Schachtel mit Dingen gefüllt.Unser Hochzeitsfoto – sorgsam verwahrt.Ein Zettel steckte im Rahmen:„Du kannst es behalten. Wegwerfen, verbrennen, was auch immer du willst. Aber egal was passiert, das war der beste Tag meines Lebens.“Ich holte die Scheidungspapiere heraus, rief meinen Anwalt an und sandte sie ab, um den letzten Schritt zu vollziehen.Vier Jahre Ehe. Vorbei.Mein Handy klingelte. Es war Luna.„Viola“, sagte sie mit leiser, besorgter Stimme.„Hast du die Scheidung mit Donova
„Er hat wirklich eine Woche lang dort gesessen?“Ich kehrte nach einer Woche aufeinanderfolgender internationaler Flüge zur Crew-Basis in Dubai zurück.Meine Kollegin stand in meiner Bürotür, mit großen, weit geöffneten Augen.„Das Sicherheitspersonal sagte, dass er fast eine Woche lang jeden Tag in der Lobby saß, von der Öffnung bis zur Schließzeit.“Aber heute war er weg.Mittags legte meine Kollegin einen dicken Umschlag auf meinen Schreibtisch.Die oberste Seite war eine handgeschriebene Notiz, seine Handschrift war gedrängt und zittrig.„Ich habe das in den letzten zwei Tagen zusammengestellt. Du musst es sehen.“Darunter lagen mehrere ausgedruckte Seiten.Eine von Hand gezeichnete Tabelle mit dem Titel: Violas Flugprotokoll.Jeder einzelne meiner 112 Flüge. Datum, Flugnummer, Abflugzeit, Ankunftszeit, alles aus den Flugunterlagen, die er sich von der Fluggesellschaft beschafft hatte.Und in der letzten Spalte – bei jedem einzelnen Flug – vermerkte er, was er in jener Zeit getan h
„Entschuldigung, ist Frau Viola Valentino heute im Dienst?“Ich hörte seine Stimme durch die Glasfront der Crew-Lounge, und mir gefror das Blut in den Adern.Donovan. Er hatte mich gefunden.Ich hatte ihm gesagt, er dürfe nie hierherkommen. Er war trotzdem gekommen.Er sah schrecklich aus.Dünner, als hätte er eine Woche lang nicht geschlafen, Stoppeln bedeckten sein Kinn, dunkle Ringe unter den Augen.In einer Hand hielt er eine zerknüllte Papiertüte umklammert.Meine Kollegin warf mir einen Blick zu, und ich schüttelte nur kurz den Kopf.„Frau Valentino ist heute nicht im Dienst.“„Nicht im Dienst?“ Seine Stimme war heiser.„Wissen Sie, wann sie wieder im Dienst sein wird?“„Das kann ich leider nicht sagen. Möchten Sie etwas für sie hinterlassen?“Er stand lange da, schweigend.Dann zog er etwas aus der Tüte.„Geben Sie ihr einfach … das hier. Bitte.“Er ging.Meine Kollegin brachte es eine Minute später herüber.Ein maßgefertigtes Massagekissen aus Memory-Schaum.Schlicht, weich, ge
„Donna, geht es dir gut? Donovan ist ein Wrack. Ich mache mir große Sorgen um ihn.“Vier Tage war ich nun in Dubai, als eine Nachricht von Seraphina eintraf.Natürlich machte sie sich Sorgen um ihn.Das Einzige, was sie kümmerte, war, dass ihr kostbarer Don zusammenbrach – und dass es sie selbst beeinträchtigte.Ich tippte zurück, mein Ton war kühl.„Mir geht es gut. Danke für die Nachfrage.“Sie antwortete sofort.„Donna, gibt es da ein Missverständnis zwischen euch beiden? Er hat mich diese Woche von keinem einzigen Flug abgeholt. Er nimmt kaum noch meine Anrufe an.“Ach so. Da war es.Das Problem war nicht, dass unsere Ehe vorbei war.Es war nicht, dass ich gegangen war, dass Donovan ein Wrack war.Es war, dass er aufgehört hatte, alles stehen und liegen zu lassen, um sich um sie zu kümmern.„Er war in letzter Zeit etwas beschäftigt“, antwortete ich.„Donna, ich weiß, ich sollte das nicht sagen“, schickte sie einen langen Absatz, „er kümmert sich so sehr um dich. Er ist nur zu weich





