Short
Paket sicher zugestellt – Ehefrau zurückgelassen

Paket sicher zugestellt – Ehefrau zurückgelassen

By:  MyosotisCompleted
Language: Deutsch
goodnovel4goodnovel
10Chapters
607views
Read
Add to library

Share:  

Report
Overview
Catalog
SCAN CODE TO READ ON APP

04:00 Uhr morgens. Flughafen JFK International. Ich schaltete den Flugmodus aus, und mein Handy leuchtete auf. Die erste Benachrichtigung war eine Instagram-Story von meinem Ehemann, Donovan Valentino, Don der Valentino-Familie, gepostet um 3:30 Uhr: ein Foto von Seraphina Morettis Rücken, mit der Bildunterschrift: „50. Abholung abgeschlossen. Paket sicher zugestellt.“ Eine Stunde zuvor war mein Flug in katastrophale Klarluftturbulenz geraten und innerhalb von Sekunden um fast zweitausend Fuß gesackt. Ich umklammerte den Sicherheitsgurt, bis meine Fingerknöchel weiß wurden, während der zerknüllte Drohbrief der Rivalen wie eine Klinge an meinen Rippen lag. In diesen Sekunden des blinden Falls brannte sich ein einziger Gedanke durch die Panik: Wenn ich das überleben könnte – wenn Donovan mich in der Ankunftshalle erwarten könnte –, würde ich dann meine Versetzungsunterlagen nach Dubai zerreißen und hierbleiben. Aber es gab keine verpassten Anrufe. Keine Nachrichten. Er hatte zu sehr damit zu tun, Seraphina abzuholen. Er kannte meine Flugdaten. Es war ihm einfach egal. Vier Jahre Ehe. 50 Mal voll bewaffnete Personenschützer für Seraphina. Und für meine 112 Langstreckenflüge in denselben vier Jahren? Mehr gab es für mich nie als einen Fahrer in einem zivilen Wagen. Selbst in jener Nacht, in der Gambinos Leute mich von Manhattan aus verfolgte und ich sechs Stunden in der Toilette eines Restaurants eingeschlossen war. Er ging erst im Morgengrauen ran, nach dem zwölften Versuch. Meine Versetzung nach Dubai war bestätigt. Die unterschriebene Scheidungsvereinbarung steckte in meiner Tasche. Das war das letzte Mal, dass ich je zu ihm zurückkam.

View More

Chapter 1

Kapitel 1

„Guten Abend, Donna. Der Don ist vor etwa einer halben Stunde zurückgekommen.“

Der Pförtner nickte, als er meine Zugangskarte durch den Leser zog. Ich nickte zurück, ohne ein Wort zu sprechen.

Die Haustür öffnete sich, bevor ich die Klinke anfassen konnte. Donovan stand da.

„Du bist schon zurück“, sagte er, und in seiner Stimme lag Überraschung.

„Ja.“

„Wann bist du gelandet?“

„Um 3:40.“

Er zog die Augenbrauen hoch. „Ich dachte, du kommst erst morgen.“

Ich sah ihn ruhig und lange an. „Ich habe dir die Flugdaten geschickt.“

„Hast du?“ fragte er mit leichtem Stirnrunzeln. „Es war so viel los. Muss ich übersehen haben.“

„Was war denn so viel los?“

„Seras Vegas-Spielbuch wurde mit einer Geldstrafe belegt. Sie war ziemlich aufgebracht. Ich bin geblieben, um die Wogen zu glätten.“

Er nahm mein Handgepäck und stellte es an die Wand, dann drehte er sich wieder zum Wohnzimmer. „Ich hätte dich abgeholt, wenn ich es gewusst hätte.“

„Du warst damit beschäftigt, Seraphina abzuholen.“

„Das ist etwas anderes.“ Er nahm lässig einen Schluck Bourbon.

„Sera ist jung. Sie weiß nicht, wie sie mit dem Druck von Rivalen umgehen soll. Du hast Erfahrung, Vi. Du findest immer den Weg nach Hause.“

Ironisch.

Seraphina allein war ihm nicht sicher genug. Aber ich, die Donna der Valentino-Familie, ich war „in Ordnung“.

„War der Flug gut?“, fragte er beiläufig.

Das Flugzeug war beinahe am Himmel auseinandergebrochen. Ich hatte keine Kraft mehr, ihm davon zu erzählen.

„Gut.“

Ich ging ins Hauptbad und erstarrte.

Auf der Marmorablage lag eine Tube maßgeschneiderte Foundation. Daneben war eine kleine, mattschwarze Pistole.

„Donovan“, sagte ich. „Wem gehört das hier?“

„Sera. Hat sie letzte Woche hiergelassen, als sie kurz vorbeikam, um ein paar Papiere zu unterschreiben.“

„Kommt sie oft vorbei?“

„Nur für die Arbeit.“ Er lehnte am Türrahmen. „Wenn du weg bist, kommt sie vorbei, um alles in Ordnung zu halten. Sie erledigt die kleinen Familiensachen, die so anfallen.“

Sie war also hier. In unserem Haus. An fast jedem Tag, an dem ich nicht da war.

„Ich habe dem Sicherheitsdienst gesagt, sie soll überall Zugang haben. Wenn du nicht hier bist, muss jemand reinkommen können, falls was schiefläuft.“

Er hatte seiner rechten Hand das ganze Haus überlassen. Ohne mich, die Donna, auch nur zu fragen.

„Du hast nicht daran gedacht, mir das zu sagen?“

„Ach komm, Viola. Sera arbeitet für die Familie.“

Toll.

Sein Zweithandy leuchtete auf dem Tisch auf. Er griff schnell danach.

„Sera will, dass ich sie morgen zum Arzt begleite. Sie hat Angst vor Spritzen.“

„Okay.“

„Stört es dich nicht?“

„Warum sollte mich das stören?“

Er lächelte, sichtlich erleichtert.

„Ich wusste, dass du das verstehst. Sera sagt immer, wie cool du bist. Du machst nie ein Theater.“

Nicht, weil ich es nicht wollte. Sondern weil es niemals von Bedeutung war.

Er würde mich eifersüchtig nennen. Er würde sagen, Sera sei seine rechte Hand. Er würde sagen, ich verstehe die Last des Don-Seins nicht.

Am Ende war ich jedes Mal diejenige, die falschlag.

„Donovan“, sagte ich leise. „Unter welchem Namen hast du Seraphina in deinem Handy gespeichert?“

Er blinzelte. „Sera. Warum?“

„Und unter welchem Namen stehe ich bei dir?“

Er drehte sein Handy um und warf einen Blick auf das Display. „Viola Valentino.“

Ein Kosename für sie. Mein voller Name für mich, wie ein weiterer Kontakt in seiner Kontaktliste.

„Ein Problem?“, fragte er und runzelte die Stirn, als ob ich kleinlich wäre.

„Nein.“

„Geh schlafen. Du siehst müde aus.“

Dann ging er, um Familiengeschäfte zu regeln.

„Ach ja“, rief er aus dem Flur.

„Fass die Tasche auf der Küchenablage nicht an. Es ist ein maßgefertigtes Massagekissen für Sera. Sie fliegt nächste Woche quer durchs Land für Casinogeschäft. Das Familienwappen ist draufgestickt.“

Letzten Winter hatte ich ihn gebeten, für meine langen Heimflüge ein Massagekissen zu bestellen.

Er hatte es am Tisch abgelehnt. „Eine schwache Bitte“, sagte er. „Nicht wert, die Ressourcen der Familie zu verschwenden.“

Ich hatte mir stattdessen selbst eins gekauft.

Meine Hand glitt in mein Handgepäck und zog die unterschriebenen Scheidungspapiere heraus.

Mein Handy leuchtete auf. Eine WhatsApp von Marshall, Leiter der Langstreckenabteilung.

„Vi, Visa und Tickets für Dubai am Montag sind gebucht. Bereit?“

Ich starrte auf die geschlossene Schlafzimmertür, dann tippte ich zurück, mein Daumen presste fest auf dem Display.

Alles bereit.

Expand
Next Chapter
Download

Latest chapter

More Chapters
No Comments
10 Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status