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Der VIP-Gefangene
Der VIP-Gefangene
Author: Yole Writes

Falsche Tür

Author: Yole Writes
last update publish date: 2026-06-21 19:51:53

Der wuchtige Bass der Musik lässt den Boden unter meinen hohen Absätzen erzittern. Ich umklammere die kühle Metallstange und drehe mich um, um in den überfüllten Raum zu blicken. Schweiß rinnt mir den Nacken hinunter, während ich mir ein gequältes Lächeln aufzwinge. Die Luft im Club riecht nach billigem Parfüm und verschüttetem Whiskey. Ich hasse diesen Ort. Ich hasse ihn. Das Geld, das ich mir heute Abend in die Stiefel gestopft habe, wird meine Miete für den nächsten Monat bezahlen. Nur noch eine Woche. Das sage ich mir jeden Abend. Noch eine Woche hier, und ich werde die Stadt weit hinter mir lassen.

Das letzte Lied verklingt. Die Deckenleuchten blinken in hellen Neonpink- und Blautönen. Ich steige von der kleinen Bühne und greife nach meinem Seidenmorgenmantel auf dem Samtstuhl. Ich wickle den weichen Stoff eng um meinen Körper. Die Männer in der ersten Reihe rufen meinen Künstlernamen über den Lärm hinweg. Ich ignoriere sie und gehe weiter in Richtung des hinteren Flurs. Meine Füße schmerzen bei jedem Schritt. Ich brauche ein Glas kaltes Wasser und einen ruhigen Moment für mich allein. Die Garderobe befindet sich am Ende des langen und dunklen Personalflurs des Privatclubs.

 Ich schiebe die schweren roten Vorhänge beiseite, die den Hauptraum von den Privaträumen trennen. Die Musik klingt hier hinten gedämpft. Die Luft fühlt sich kühler auf meiner heißen Haut an. Ich reibe mir mit dem Handrücken die müden Augen. Das grelle Bühnenlicht verschwommen meine Sicht. Ich erreiche das Ende des Flurs und greife nach dem Messinggriff der Holztür. Ich drehe den Knauf und drücke die Tür auf, ohne aufzusehen. Ich trete ein und erwarte, die Mädchen beim Plaudern an den Schminkspiegeln zu sehen. Stattdessen betrete ich einen lebenden Albtraum.

Der Raum ist still. Zu still. Ich blinzle mehrmals, um klarer zu sehen. Das ist nicht die Garderobe. Das ist die exklusive Suite für Elitegäste. Die Wände sind mit dunklem Leder und kostbaren Kunstwerken bedeckt. Ein Kristalllüster hängt von der Decke und taucht den Raum in goldenes Licht. Doch der Luxus verblasst, als ich auf den Boden blicke. Ein Mann liegt auf dem teuren Perserteppich. Er trägt einen eleganten Anzug, aber sein weißes Hemd ist mit dunkelrotem Blut getränkt, das sich auf dem gewebten Stoff sammelt.

Er rührt sich nicht. Mein Herz setzt einen Schlag aus. Mir stockt der Atem. Ich will schreien, doch kein Laut kommt über meine Lippen. Mein Blick wandert von der Leiche hinauf in die Mitte des großen Raumes. Dort steht ein anderer Mann. Groß und breit gebaut, mit breiten Schultern, die eine elegante schwarze Jacke ausfüllen. Eine Hand ruht in seiner Tasche. In der anderen hält er eine silberne Pistole mit einem langen Schalldämpfer. Ein dünner grauer Rauchfaden steigt von der Mündung der Waffe in seinem Griff auf.

Die Zeit steht still. Die Luft im Raum ist eisig schwer. Der Mann mit der Pistole wendet den Kopf zur Tür. Er sieht mich direkt an. Sein Gesicht ist hart und gutaussehend, aber völlig emotionslos. Hohe Wangenknochen umrahmen Augen, so schwarz wie die Nacht. Sein Kiefer ist angespannt. Ich erkenne ihn von den Gerüchten, die in den Spinden des Clubs kursieren. Mateo. Der skrupellose Unterboss des mächtigsten Verbrechersyndikats der Stadt. Der Mann, der mit nur einem Blick Angst und Schrecken verbreitet. Ich habe heute hier mit ansehen müssen, wie er ein Leben auslöschte, ohne mit der Wimper zu zucken.

Panik steigt in mir auf. Mein Instinkt schreit: Flucht! Ich will den dunklen Flur entlang zurückrennen und durch die Hintertür des Gebäudes verschwinden. Doch meine Beine fühlen sich an wie Stein. Ich bin wie angewurzelt. Der Samtmantel gleitet von meiner Schulter und gibt den Blick auf meine nackte Haut frei, die der Kälte des Raumes ausgesetzt ist. Mateo richtet die Waffe nicht auf mich. Er schreit nicht. Er neigt den Kopf zur Seite und mustert mich, als wäre ich ein interessantes Rätsel. Seine intensiven, dunklen Augen wandern über mein Gesicht und dann zu meinen nackten Füßen.

Die Stille zwischen uns scheint endlos. Meine Hand zittert am Türknauf aus Messing. Ich versuche, einen Schritt zurück in die Sicherheit des Flurs zu machen. Mein Schuh kratzt mit einem lauten Quietschen über den Holzboden. Das Geräusch durchbricht die Stille. Mateo senkt die silberne Pistole. Mit anmutiger Leichtigkeit steigt er über den leblosen Körper auf dem Teppich. Er kommt mit ruhigen, bedächtigen Schritten auf mich zu. Er bewegt sich wie ein tödliches Raubtier, das sich in der Wildnis an seine hilflose Beute heranschleicht. Ich versuche, laut zu sprechen.

Ich möchte um mein Leben flehen. Ich möchte schwören, nichts gesehen zu haben und für immer zu schweigen. Meine Stimme versagt. Mein Hals ist trocken und wie zugeschnürt. Mateo bleibt nur wenige Schritte von mir entfernt stehen. Aus der Nähe wirkt er viel größer. Seine breite Gestalt verdeckt das Licht des Kristalllüsters. Er riecht nach teurem Parfüm und Schießpulver. Eine gefährliche und berauschende Mischung. Er streckt die freie Hand aus. Ich zucke zusammen und presse die Augen zusammen. Ich bereite mich auf einen harten Schlag oder das kalte Metall seines tödlichen Gewehrlaufs vor.

Der Schlag bleibt aus. Ich spüre die warme Berührung seiner Knöchel an meiner Wange. Die Berührung ist sanft für einen Mann, der gerade einen Mord begangen hat. Überrascht reiße ich die Augen auf. Er fährt mit dem Daumen die Linie meines Kiefers nach. Sein dunkler Blick trifft meinen. Ich sehe eine verdrehte Neugier in seinen Augen. Er beugt sich ein paar Zentimeter vor. Sein Gesicht ist nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. Ich spüre die Hitze, die von seiner Brust ausgeht. Mein Herz hämmert wild gegen meine Rippen. Ich bin nun in seinem schweren, dunklen Schatten gefangen.

Er grinst und drückt die heiße Pistole an meine Taille.

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