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KAPITEL 4

Author: Tee
last update Petsa ng paglalathala: 2026-06-17 22:48:10

Auroras Sicht

Tage vergingen, doch das Gespräch, das ich belauscht hatte, ließ mich nicht los. Egal wie oft ich mir einredete, ich würde zu viel nachdenken, das beunruhigende Gefühl in meiner Brust wurde nur stärker.

Das Schlimmste war, dass das Leben im Herrenhaus weiterging, als wäre nichts geschehen.

Damien ging immer noch vor Sonnenaufgang.

Die Wachen folgten mir weiterhin auf Schritt und Tritt, und alle in dieser Familie schienen sich viel mehr für meine Schwangerschaft als für mich selbst zu interessieren.

Am deutlichsten fiel es mir beim Abendessen auf.

„Hat der Arzt ihre Ernährung umgestellt?“, fragte Vincent Moretti eines Abends, während er sein Steak schnitt. Mir wäre beinahe die Gabel aus der Hand gerutscht, denn er hatte mir seit der Hochzeit keine einzige persönliche Frage gestellt, und plötzlich wollte er detaillierte Informationen über meine Schwangerschaft.

„Der Arzt ist mit dem Verlauf zufrieden“, antwortete Damien.

Vincent nickte nachdenklich. „Gut.“

Das war’s.

Nicht, wie es mir geht, nicht, ob ich gesund bin. Als ob nur das Baby zählte.

Ich senkte den Blick auf meinen Teller und versuchte, das unangenehme Gefühl zu ignorieren, das unter meiner Haut kroch.

Es passierte immer wieder, denn jedes Abendessen, jedes Familientreffen und fast jedes Gespräch drehten sich letztendlich um das Baby, den zukünftigen Erben.

Die Worte fielen so oft, dass ich sie schließlich auch dann bemerkte, wenn niemand es beabsichtigte.

Dann begannen die Treffen.

Anfangs schenkte ich ihnen keine große Beachtung, denn einflussreiche Familien besprachen ständig geschäftliche Angelegenheiten. Doch nach dem dritten Treffen hinter verschlossenen Türen innerhalb einer Woche nagte die Neugier an mir.

Besonders, als mir klar wurde, dass immer dieselben Leute teilnahmen.

Bei jedem Treffen waren Damien, Vincent, seine Großmutter und mehrere Familienanwälte anwesend, während alle anderen strikt ausgeschlossen blieben.

Eines Nachmittags ging ich an der Bibliothek vorbei, als ich Stimmen von drinnen hörte.

Die Tür war nicht ganz geschlossen. Ich hätte einfach weitergehen sollen, sagte ich und verlangsamte meinen Schritt.

„…der rechtmäßige Erbe.“

Mein Puls raste.

Eine zweite Stimme antwortete. „Wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, wird alles kompliziert.“

Ich rückte leise etwas näher, um mehr zu hören, doch die Dielen unter meinen Füßen knarrten. Das Gespräch verstummte abrupt.

Mir stockte der Atem.

Eine Sekunde später öffnete sich die Bibliothekstür, und Damien trat in den Flur. Einen schrecklichen Moment lang starrten wir uns einfach nur an.

„Was machst du hier?“, fragte er, und obwohl seine Stimme ruhig blieb, gab mir die Art, wie sich seine Augen zusammenkniffen, das Gefühl, ertappt worden zu sein.

Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Ich … ich habe nach einem Buch gesucht.“

Sein Blick ruhte einige Sekunden auf mir, dann fragte er: „Hast du eins gefunden?“

„Nein.“

Ein Mundwinkel zuckte leicht, bevor er einen Schritt zurücktrat. Der Moment war vorbei.

An diesem Abend suchte ich online nach allem, was ich über die Familie Moretti finden konnte.

Die meisten Informationen waren nutzlos, nichts weiter als alte Artikel, Geschäftsabschlüsse und Wohltätigkeitsveranstaltungen. Dann stieß ich auf einen juristischen Artikel über Erbrecht.

Der Ausdruck tauchte dreimal im selben Absatz auf.

*Legitimer Erbe.*

Wieder dieselben Worte. Dieselben Worte, die ich in der Bibliothek aufgeschnappt hatte. Dieselben Worte, von denen alle wie besessen schienen.

Irgendetwas war im Gange, ich wusste nur nicht was.

Drei Tage später kam Vivienne.

Sobald sie das Herrenhaus betrat, veränderte sich die Atmosphäre schlagartig. Ich mochte sie auf Anhieb noch weniger, als ich es ohnehin schon tat, denn die Bediensteten lächelten, die Verwandten begrüßten sie herzlich, und niemand behandelte sie wie eine Fremde – anders als ich.

Später am Nachmittag fand ich sie im Garten, oder vielleicht fand sie mich. Wie dem auch sei, sie setzte sich mir ungefragt gegenüber und warf einen Blick auf das Buch in meinen Händen.

„Du wirkst abwesend.“

Ich schlug das Buch zu. „Du scheinst interessiert zu sein.“

Ihre Lippen zuckten leicht. „Vielleicht bin ich es ja.“

Irgendetwas an ihrer Selbstsicherheit machte mich nervös.

„Ich habe gehört, du hast Fragen gestellt.“

Mein Griff um das Buch verstärkte sich. „Worüber?“

Sie lachte leise. „Wenn du fragen musst, bist du schon im Rückstand.“

Ich starrte sie an und versuchte zu verstehen, was sie im Schilde führte.

Vivienne erwiderte meinen Blick, völlig entspannt und gelassen, dann beugte sie sich vor. „Du solltest dich vorbereiten.“

Ein seltsames Gefühl breitete sich in mir aus. „Worauf?“

Ihr Lächeln blieb unverändert. „Auf die Realität.“

Ich runzelte die Stirn. „Was soll das heißen?“

Zum ersten Mal blitzte etwas Scharfes in ihren Augen auf. „Du bist nur ein vorübergehender Ersatz.“

Die Worte trafen mich hart, vielleicht weil sie so überzeugt geklungen hatte. Vielleicht, weil ein Teil von mir Angst hatte, dass sie nicht log.

Ich richtete mich langsam auf. „Ein Ersatz für wen?“

Ihr Lächeln wurde breiter. „Du weißt es immer noch nicht.“

Der selbstsichere Unterton in ihrer Stimme ließ mir den Magen umdrehen. „Was denn?“

Vivienne stand auf, strich ihr Kleid glatt und sah mich an. „Das Baby hat die Zeitlinie verändert.“

Mein Puls setzte aus. „Welche Zeitlinie?“

Doch sie war schon weg.

In dieser Nacht schlief ich kaum, denn Worte wie rechtmäßiger Erbe, Bedingungen, vorübergehender Stellvertreter und Zeitlinie kreisten ständig in meinem Kopf. Obwohl mir noch nichts davon einleuchtete, wurde ich das Gefühl nicht los, dass alles zusammenhing.

Zwei Tage später bot sich die Gelegenheit, Antworten zu finden.

Die meisten Familienmitglieder waren zu einer anderen Besprechung aufgebrochen, und es herrschte eine ungewöhnliche Stille im Herrenhaus.

Ich suchte keinen Ärger, zumindest redete ich mir das ein, und stand schließlich vor Vincents Arbeitszimmer.

Die Tür war unverschlossen. Nach einem kurzen Blick den Flur entlang trat ich ein.

Das Zimmer war leer, doch der Schreibtisch war mit Akten bedeckt. Trotz der Warnsignale in meinem Kopf ging ich näher heran, obwohl ich mir geschworen hatte, nur einen kurzen Blick hineinzuwerfen.

Das erste Dokument wirkte harmlos, bis mich eine Formulierung am Ende stutzig machte. Als ich die Seite umblätterte und dieselben Worte wiederfand, dann erneut in einem anderen Dokument, beschleunigte sich mein Puls, denn zwei Wörter tauchten immer wieder vor mir auf: *rechtmäßiger Erbe*.

Jedes Dokument schien mit Erbschaft, Nachfolge und rechtmäßigen Erben zusammenzuhängen, und je mehr Seiten ich umblätterte, desto deutlicher wurde mir, dass sich alles um das Baby drehte.

Ein leises Klicken lenkte meine Aufmerksamkeit von den Papieren ab. Langsam wandte ich mich dem Bücherregal zu.

Irgendetwas stimmte nicht.

Ein Regal stand etwas weiter hinten als die anderen. Ich ging quer durch den Raum, drückte gegen die Kante, und das Regal gab nach.

Ein verstecktes Fach. Darin lag eine einzelne Akte. Meine Hände fühlten sich seltsam kalt an, als ich sie herauszog und den Einband öffnete.

Einen Moment lang starrte ich nur, dann erstarrte mir das Blut in den Adern, denn auf der ersten Seite klebte mein altes Foto, und darunter standen in sauberen schwarzen Buchstaben vier Worte:

Vorgeschlagene Braut: Aurora Quinn.

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