LOGINDie Frau, die starbAmilia konnte sich nicht bewegen.Ihre Mutter stand nur wenige Meter entfernt.Am Leben.Älter als die Frau in Amilias Erinnerungen, aber unverkennbar Elena Carter.Dieselben Augen.Dieselbe Stimme.Dieselbe kleine Narbe unter ihrem Kinn.Amilia hatte siebzehn Jahre lang geglaubt, diese Augen seien für immer geschlossen.Jetzt blickten sie sie direkt an.„Mama?“Elenas Ausdruck wurde weicher.„Ja.“Amilia schüttelte den Kopf.„Nein.“Elena machte einen Schritt auf sie zu.Amilia trat zurück.„Nein.“„Amilia—“„Du bist gestorben.“„Ich weiß, was man dir gesagt hat.“„Du bist gestorben, als ich sechs war.“„Ich weiß.“„Du wurdest begraben.“Elena sagte nichts.Amilias Stimme wurde lauter.„Ich war bei deiner Beerdigung.“„Ich weiß.“„Ich habe zugesehen, wie sie deinen Sarg hinabließen.“„Ich weiß.“„Wie stehst du dann hier?“Elena blickte zu Gabriel.„Das ist eine komplizierte Frage.“Amilia folgte ihrem Blick.Gabriel wirkte zerstört.„Du wusstest es.“Es war keine
Die Frage unter der FrageDie Dunkelheit fühlte sich nicht leer an.Sie fühlte sich wach an.Amilia stand vollkommen still.Sie hörte Gabriel neben sich atmen. Samuel war irgendwo hinter ihnen, seine Waffe erhoben, obwohl es nichts Sichtbares gab, worauf man zielen konnte.Mara flüsterte ihren Namen.„Amilia…“Sie antwortete nicht.Die Stimme unter dem Archiv war verschwunden.Aber ihre Worte blieben.Was geschieht, wenn die Schöpfung zum Schöpfer wird?Amilia blickte auf das rote Licht unter ihren Füßen.Es war weg.Der Boden hatte sich versiegelt.Kein Riss.Keine Öffnung.Nichts.Als wäre es nie geschehen.Dann sprach Gabriel.„Wir müssen gehen.“Amilia drehte sich zu ihm.„Nein.“Gabriel starrte sie an.„Nein?“„Du hast Dinge vor mir versteckt.“„Ich habe versucht, dich zu schützen.“„Du hast mich an diesen Ort geschickt, ohne mir zu sagen, was er ist.“„Ich habe dich nicht hierhergeschickt.“„Du wusstest, dass ich kommen würde.“Gabriel sagte nichts.Diese Stille reichte.Amilia
Das Gesicht der FreiheitDas Ding, das Amilias Gesicht trug, lächelte.Amilia hörte auf zu atmen.Eine unmögliche Sekunde lang wurde die Welt vollkommen still.Nicht ruhig.Still.Sogar das Summen des Archivs verschwand. Die Wände schienen den Atem anzuhalten. Das schwache blaue Licht, das die Kammer erfüllt hatte, flackerte einmal und legte sich dann in ein kaltes weißes Leuchten.Gabriel trat vor sie.„Nein.“Die Kreatur neigte den Kopf.Sie sah genau wie Amilia aus.Dieselben dunklen Augen.Dasselbe Haar.Dieselbe Narbe nahe ihrer linken Augenbraue.Sogar die kleine Falte, die zwischen ihren Brauen erschien, wann immer sie verwirrt war, war da.Aber etwas stimmte nicht.Etwas war zutiefst, schrecklich falsch.Amilia starrte auf ihr eigenes Gesicht.„Du bist nicht ich.“Das Doppelgänger lächelte breiter.„Das würdest du sagen.“Samuel bewegte sich neben Gabriel.„Gabriel…“„Ich weiß.“„Was ist das?“Gabriel antwortete nicht.Seine Augen blieben auf das Double gerichtet.Er wirkte än
Die Achte FragenstellerinAmilia starrte auf die Nachricht.DIE ACHTE FRAGENSTELLERIN IST ANGEKOMMEN.Die Hand ihres Großvaters legte sich fester um die ihre.„Antworte nicht“, flüsterte Gabriel.Amilia blickte ihn an.„Worauf antworten?“„Dem System.“„Ich habe nichts gesagt.“„Das musst du auch nicht.“Gabriels Blick wanderte in die Dunkelheit.„Es braucht keine Worte mehr.“Ein tiefes Summen erfüllte die Kammer.Dann verschwand die Nachricht.Eine neue erschien.FRAG.Amilia spürte einen seltsamen Druck in der Brust.Derselbe Befehl.Dieselbe Einladung.Dieselbe Falle.Sie erinnerte sich an den ersten Fragensteller.An die Maschine.An Eleanors Warnung.Und plötzlich verstand sie, warum Gabriel so große Angst gehabt hatte.Das System forderte sie nicht auf, eine Antwort zu geben.Es wollte, dass sie die nächste Frage stellte.Denn jede Frage gab ihm mehr Informationen.Jede Frage lehrte es etwas über menschliches Denken.Jede Frage brachte es dem Verständnis der Menschheit näher.A
Der Mann jenseits der ZeitAmilia konnte sich nicht bewegen.Gabriel.Ihr Großvater.Am Leben.Das Wort weigerte sich, Sinn zu ergeben.Sie hatte ihn begraben sehen.Sie hatte neben seinem Sarg gestanden.Sie hatte geweint, als alle ihr sagten, er sei fort.Doch die Frau, die sich die Erste Intelligenz nannte, hatte ihr soeben etwas Unmögliches gesagt.Er ist in die Zukunft gegangen.Amilia blickte zu Samuel.„Du wusstest es.“Samuels Gesicht spannte sich an.„Nein.“„Du lügst.“„Ich habe es vermutet.“„Das ist nicht dasselbe.“Samuel blickte weg.Amilia trat auf ihn zu.„Sag mir alles.“Samuel blieb still.„Jetzt.“Mara stellte sich zwischen sie.„Amilia, es gibt Dinge, die du zuerst verstehen musst.“„Nein.“Ihre Stimme war diesmal schärfer.„Ich habe mein ganzes Leben mit Halbwahrheiten verbracht.“Sie blickte zu jedem von ihnen.„Meine Großmutter hat gelogen.“„Mein Großvater ist verschwunden.“„Das Covenant hat gelogen.“„Archiv Null wurde versteckt.“„Und jetzt wird mir gesagt,
Diejenige, die zugesehen hat„Amilia.“Die Stimme kam unter dem Boden hervor.Sie erstarrte.Es war nicht Eleanors Stimme.Es war nicht Gabriels.Es war nicht die seltsame Stimme, die sie durch Archiv Null geführt hatte.Diese Stimme klang anders.Älter.Nicht nur alt in Jahren, sondern alt auf eine Weise, die das Wort selbst unzureichend erscheinen ließ.Amilia blickte zu Samuel.Er starrte auf den Boden.„Hast du das gehört?“Samuel nickte langsam.„Ja.“Die Stimme kam erneut.„Amilia Carter.“Diesmal bebte die gesamte Kammer.Mara trat zurück.„Nein.“Adrian blickte sie an.„Was?“Maras Gesicht war blass geworden.„Das ist die Stimme.“„Welche Stimme?“„Die Stimme, die Gabriel gehört hat.“Elias wurde plötzlich still.„Du hast sie schon einmal gehört?“Mara nickte.„Einmal.“„Wann?“„Bevor Gabriel verschwand.“Amilias Herz raste.„Du meinst meinen Großvater?“Mara blickte sie an.„Gabriel ist nicht verschwunden, weil er das Covenant zerstört hat.“Sie hielt inne.„Er ist verschwund







