MasukAIDENIch lehne an der Wand und beobachte, wie Marcel vor mir auf und ab geht. Wir sind in einem schwach beleuchteten Raum, der Geruch von Rauch liegt dick in der Luft.Ich ziehe lange an meiner Zigarette und spüre das vertraute Brennen in den Lungen. „Wann bist du aus Italien zurückgekommen?“ frage ich.„Vor zwei Tagen“, antwortet er.Ich war mit meinen Freunden im Hauptbereich der Party, als ich Marcel entdeckt habe. Ich erinnere mich, dass ich dachte, es sei der richtige Zeitpunkt, ihm von meiner Entscheidung zu erzählen, aus dem Drogengeschäft auszusteigen. Marcel ist still, seit ich ihm die News gebracht habe – ich frage mich, was ihm durch den Kopf geht.„Aiden“, ruft er und reißt mich aus den Gedanken. „Bist du dir damit wirklich sicher? Du willst einfach von allem weglaufen?“Ich atme langsam aus und beobachte, wie der Rauch zur Decke hochkringelt. „Ja, ich bin mir sicher“, sage ich.Ich weiß, dass diese News ihn schockiert haben. Ich hätte nie gedacht, dass ich den Punkt erre
OLIVIASarah kneift die Augen zu und öffnet sie dann langsam wieder. „Ich weiß, dass ich keine gute Schwester für dich war. Ich habe dich nie so behandelt, wie eine ältere Schwester es sollte“, gibt sie zu.Meine Augen weiten sich. Wo kommt das her? Verarscht sie mich wieder? „Warum sagst du das alles?“ frage ich. „Das ist nicht wie du. Dir war immer egal, wie du mich behandelst – ob es mir gefällt oder nicht.“Sarah holt tief Luft. „Du lässt mich mich noch schlechter fühlen, als ich mich schon fühle. Ich weiß, dass ich schrecklich war. Tief drinnen wusste ich, dass es falsch war, aber ich konnte einfach nicht aufhören.“ Sie fährt fort: „Als sich unsere Eltern scheiden ließen, habe ich mich komplett verloren. Ich wusste nicht, wie ich mit dem Schmerz umgehen sollte – geschweige denn, für dich da zu sein. Also habe ich angefangen, mit meinen Freunden abzuhängen, und ich habe dich im Stich gelassen. Das weiß ich auch.“„Ich war auch verloren“, sage ich, die Lippen zittern. „Wir hä
~ ZWEI WOCHEN SPÄTER ~OLIVIAVerrückt.Das ist das einzige Wort, das mir in den Sinn kommt, während ich mitten im überfüllten Raum stehe und der Lärm und das Chaos um mich herum lauter werden.Meine Augen streifen den Raum. Rauch erfüllt die Luft von unzähligen Zigaretten. Die Musik dröhnt. Flaschen liegen verstreut auf dem Boden. Leute reiben sich aneinander, betrunken und rücksichtslos. Wenn sie nicht rauchen oder knutschen, sind sie definitiv betrunken. Manche machen alles drei gleichzeitig. Ich war schon auf ein paar Partys, aber keine war so wild wie diese. Das ist Wahnsinn. Was soll ich das nennen? Aidens Welt?Und wo zum Teufel ist Aiden? Er ist immer noch nicht vom Auto zurück. Aiden und ich sind vor ein paar Minuten auf der Party angekommen, und er musste sein Handy holen, das er im Auto vergessen hatte, während ich hiergeblieben bin und auf ihn gewartet habe. Ich bereue diese Entscheidung jetzt. Ich hätte ihm einfach zurück zum Auto folgen sollen.Aiden hat mich zu dies
AIDENDer warme Wind streicht über mich und schickt Schauer über die Haut, als ich den See erreiche. Der See ist unser Lieblingsplatz – immer ruhig am Nachmittag, mit einem abgelegenen Spot, den wir uns als unseren eigenen beansprucht haben. Wir waren schon unzählige Male hier, bevor Sarah beschlossen hat, ihn unseren besonderen Ort zu nennen. Es ist zur Routine geworden, zwei- oder dreimal die Woche hierherzukommen. Aber jetzt bin ich mir nicht sicher, wie lange das noch so weitergeht. Ich habe eine Freundin, und sie ist Sarahs Schwester. Wie viel komplizierter kann es noch werden?Ich erblicke Sarah, den Rücken zu mir gewandt. Der Plan ist, die Dinge mit ihr zu klären. Egal was – ich sollte nicht zu viel mit ihr streiten oder sie an meine Nerven gehen lassen. Ich gehe näher und setze mich neben sie. Sarah bläst den Rauch der Zigarette aus, die sie hält, und reicht sie mir. Ich ziehe daran, atme tief ein und blase den Rauch aus.„Also, du wirst jetzt meine Schwester heiraten, huh
OLIVIAIch steige aus dem Auto und gehe zu Aidens Türschwelle. Ich hole tief Luft und klingle. Nach einem Moment Warten ohne Antwort will ich erneut drücken. Doch bevor ich das tun kann, schwingt die Tür auf, und mein braunäugiger Junge steht vor mir.„Hazel“, sagt Aiden und öffnet die Tür weiter, um mich hereinzulassen.„Hey“, murmele ich.„Du bist wunderschön“, flüstert Aiden und zieht mich in eine Umarmung, die Hand streichelt sanft mein Haar.„Wunderschön?“ platzt es aus mir heraus. „Versuch nicht, mir zu schmeicheln, nur um mich besser zu fühlen – ich bin sicher, ich sehe gerade aus wie ein Chaos.“„Du siehst gestresst aus, aber so schön wie immer. Du siehst nie aus wie ein Chaos, und das wirst du auch nie.“„Aiden –“„Du siehst dich nicht so, wie ich dich sehe“, murmelt er, der Atem kitzelt mein Ohr.Ich schließe die Augen und lege den Kopf auf seine Brust. Wenn ich nicht so gestresst wäre, würde ich ihn küssen wollen, als hinge meine ganze Welt davon ab. Er ist so süß.Wir höre
OLIVIAMeine Augen öffnen sich, und ich werde vom warmen Morgenlicht begrüßt, das in mein Zimmer sickert. Ich hole langsam Luft und genieße den ruhigen Moment. Ich setze mich aufs Bett, greife nach meinem Handy auf dem Nachttisch und reibe mir den Schlaf aus den Augen.„Oh shit“, platzt es aus mir heraus, als ich die Menge an Benachrichtigungen auf meinem Handy sehe. Ich spüre ein Flattern in der Brust. Die Anrufe und Nachrichten sind von einer Person: Aiden. Ich erinnere mich, dass ich gestern Abend den Nicht-stören-Modus eingeschaltet und mich direkt ins Bett gelegt habe, weil ich versucht habe, vor einer Menge Emotionen zu fliehen, die ich empfunden habe.Ich will die Nachrichten jetzt nicht checken. Ich will nicht. Ich will nichts, was meine Stimmung ruiniert – ich will meinen friedlichen Morgen bewahren. Ich will keinen scheißigen Tag haben. Ich weiß nicht warum, aber die Neugier siegt. Ich öffne die Nachrichten von ihm. Ich schaue über den Bildschirm, die Augen scannen die N







