FAZER LOGINDer unterirdische Kanal schien bei Jamess Worten zu erstarren.„Zwanzigtausend Söldner?“, echote ich, und die Kälte sank mir bis ins Mark. „Die Bestien von Deadwood hassen das Eiserne-Klaue-Rudel. Wenn Kingsley ihnen die Stadttore öffnet, werden sie nicht bloß durch die Straßen patrouillieren. Sie werden jede einfache Familie in der Unterstadt abschlachten.“„Die einfachen Leute sind ihm gleichgültig“, sagte James und wischte sich Blut und graue Asche vom Kiefer. „Kingsley geht es nur um totale Kontrolle. Er hat den Ratsältesten erzählt, dass Sympathisanten der Streuner in unseren eigenen Reihen uns geholfen hätten, das Labyrinth niederzubrennen. Er behauptet, die Grenzbestien seien hier, um bis zu Natalias Krönung heute Nacht für Ordnung zu sorgen.“Alexander stand da wie eine aus kaltem Granit gemeißelte Statue. Sein Griff um meine Hand war fest und ruhig und verankerte mich gegen die steigende Flut der Angst.„Wer sind die Männer hinter dir, James?“, fragte Alexander, seine Stimme
Die Luft im feuchten Kanal wurde so schwer, dass ich kaum noch atmen konnte.Das goldene Licht, das zwischen unseren Brustkörben verblasste, hinterließ eine schwache, schimmernde Wärme, die nicht weichen wollte. An Alexanders entblößtem Handgelenk war die gezackte Brandwunde des silbernen Fesselrings verschwunden. An ihrer Stelle prangte nun ein kunstvolles, leuchtendes Wolfswappen, für immer in seine Haut geätzt.Ein Zwilling der uralten königlichen Schnitzereien.Alexander hob langsam den Arm und ließ seine breiten, schwieligen Finger über die leuchtenden Linien gleiten. Zum ersten Mal, seit ich ihn in der Großen Halle erblickt hatte, zerbrach seine undurchdringliche Maske vollständig. Seine Augen waren weit aufgerissen und wirbelten in rohem Silber und flüssigem Gold, während er das Mal anstarrte, als blicke er einem Geist ins Gesicht.„Das ist unmöglich“, flüsterte Alexander, seine Stimme bebte vor hohlem Schock. „Mein Vater war ein Grenzwächter. Meine Mutter starb an einer Krankh
Die Bestien stürzten sich auf uns wie eine Lawine aus Zähnen und schwarzem Fell.Alexander zögerte nicht. Er schwang sein schweres Großschwert in einem weiten, grausamen Bogen und streckte zwei der Monster mitten im Sprung nieder. Schwarzes Blut spritzte über die feuchten Steinwände.„Bleib dicht hinter mir!“, brüllte er, seine Stimme schnitt durch das Knurren und das spritzende Wasser.„Ich kann nicht!“, schrie ich zurück.Eine Bestie mit glühend roten Augen verbiss sich in die schwere Kette zwischen uns. Der Ruck riss meinen Arm gewaltsam nach vorn und zerrte mich auf ein Paar triefender Reißzähne zu.Ich geriet nicht in Panik. Ich ließ mich tief ins trübe Wasser fallen, drehte meinen Körper und stieß meinen eisernen Dolch direkt in die linke Augenhöhle der Bestie.Die Kreatur kreischte und schlug wild mit ihrem massigen Kopf. Die Wucht ihres Todeskrampfes riss mir den Dolch aus der Hand und schleuderte mich quer über den überfluteten Boden.Die silberne Kette spannte sich mit einem
Das Horn des Ersten Mondes schmetterte durch den Morgennebel und klang wie ein sterbendes Tier.Die unteren Ebenen unter der Obsidianfestung rochen nach nasser Fäulnis, uraltem Moos und abgestandenem Eisen. Wasser tropfte stetig von der rissigen Steindecke und platschte in die flachen Pfützen, die den Boden bedeckten.Ein gewaltiges Eisengatter hob sich mit dem Kreischen rostiger Ketten in die Decke und enthüllte den gähnenden schwarzen Schlund des Versunkenen Labyrinths.Über unseren Köpfen, hoch oben auf den steinernen Balkonen hinter verstärkten Eisengittern, schrien Hunderte von Rudelwölfen und schleuderten Beleidigungen auf uns herab.„Reißt ihr die Kehle heraus!“„Zerfetzt die Abtrünnige!“In der königlichen Loge hoch über den Arenatoren saß Ratsherr Kingsley, umgeben von seiner persönlichen Leibwache. Er trug schweren Pelz über den Schultern und nippte warmen Wein aus einem silbernen Kelch. Direkt neben ihm sah Natalia mit einem kalten, triumphierenden Grinsen zu. Ihre Augen he
Das schwere Holz der Tür ächzte, als erneut Fäuste dagegen hämmerten.„Alexander! Öffne diese Tür auf Befehl des Hohen Rates!“James zögerte nicht. Er riss das zerrissene Pergament aus Alexanders Hand, stopfte es in seine Innentasche und sprang rückwärts auf das offene Steinfenster zu.„Lass nicht zu, dass sie das Mal finden, Alex“, flüsterte James scharf. Dann glitt er in den eisigen Nebel draußen und verschwand, ohne den geringsten Laut zu machen.Alexander bewegte sich mit furchterregender Geschwindigkeit.Mit einem harten Ruck an der silbernen Kette zog er mich über den Steinboden in die dunkle Ecke seiner Kammer. Er drückte mich auf die schwere Holzbank hinunter und stellte sich direkt vor mich, sodass sein massiger, gepanzerter Körper das Licht vollständig von meinem Gesicht abschirmte.„Halt den Kopf unten“, befahl er in einem leisen, gefährlichen Murmeln. „Halte deinen Geruch verborgen. Sag ein einziges Wort, und ich schneide dir die Zunge eigenhändig heraus.“Bevor ich ihm et
Die Stille in der großen Halle war so dicht, dass ich das brennende Holz in den Eisenfackeln knistern hören konnte.Alexander ragte über mir auf. Seine Brust hob und senkte sich in schweren, lautlosen Atemzügen. Seine eisgrauen Augen glühten noch immer in diesem scharfen, gefährlichen silbernen Licht und starrten mir direkt ins Gesicht. Der Duft von Kiefernholz und Winterregen, der von seiner Haut ausging, war berauschend und füllte meine Lungen, bis sich mein Kopf drehte.Gefährte.Meine Wölfin brüllte das Wort in meinem Schädel, kratzte an meinen Rippen, verzweifelt darauf aus, ihn zu erreichen.Ich biss mir auf die Innenseite meiner Wange, bis sich der metallische Geschmack von Blut in meinem Mund ausbreitete. Ich nutzte den scharfen Schmerz, um meine Wölfin niederzuzwingen. Wenn irgendjemand in diesem Raum bemerkte, dass sich mein Geruch veränderte, wenn irgendjemand sah, wie Alexanders Augen aufblitzten, war alles vorbei. Das uralte Rudelgesetz war brutal: Jeder Krieger, der eine







