Der geheime Gefährte Des Henkers

Der geheime Gefährte Des Henkers

last updateDernière mise à jour : 2026-10-23
Par:  PretaMis à jour à l'instant
Langue: Deutsch
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Wegen des Mordes an einem Alpha unschuldig angeklagt, steht die abtrünnige Spurenleserin Phyna vor der sofortigen Hinrichtung. Um zu überleben, löst sie eine uralte Prüfung aus, die sie an Alexander kettet, den gefürchtetsten Lycan-Henker des Kontinents. In dem Moment, in dem das Silber ihre Handgelenke bindet, explodiert der verbotene Funke der Schicksalsgefährten. Entdeckt der Rat ihre Verbindung, wird sie verbrennen und er fallen. Gemeinsam müssen sie tödliche Prüfungen überleben und dabei ihre brennende Anziehung verbergen.

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Chapitre 1

Kapitel .1

Der Geruch von frischem Blut war das Erste, was mir in die Nase stieg.

Das Zweite war kaltes Eisen, das hart gegen meinen Nacken gedrückt wurde.

„Beweg dich nicht, Abtrünnige“, bellte eine raue Stimme in die Dunkelheit. „Wenn du auch nur einen einzigen Atemzug machst, trenne ich dir den Kopf von den Schultern.“

Meine Augen rissen weit auf. Mein Schädel pochte, als hätte jemand einen schweren Stein dagegen geschmettert. Ich versuchte, mich aufzustemmen, aber meine Hände waren gefesselt. Dicke Silberseile gruben sich tief in meine Handgelenke und brannten sich geradewegs durch meine Haut. Der scharfe, sengende Schmerz ließ meine innere Wölfin im Hinterkopf aufwimmern.

Ich blickte auf den Steinboden unter mir.

Direkt vor meinem Gesicht lag ein junger Mann. Seine Augen standen weit offen, leer, und starrten an die Decke, ohne jedes Leben darin. Eine dunkle, zähe Lache roter Flüssigkeit breitete sich nach außen aus und sog sich in meine Lederstiefel.

Es war Prinz Daniel. Der Erstgeborene des Alpha-Königs.

Und mitten in seiner Brust, tief zwischen die Rippen gerammt, steckte mein silberner Jagddolch.

Mein Magen stürzte in einen bodenlosen Abgrund.

„Ich war es nicht“, flüsterte ich, meine Stimme rau und trocken wie Sand. „Hört mir zu! Ich habe ihn nicht angerührt!“

„Erzähl das dem Rat, Mörderin“, höhnte der Wächter. Er packte die Silberseile um meine Arme und riss mich mit brutaler Gewalt hoch.

Die Welt drehte sich heftig um mich. Ich erinnerte mich daran, vor wenigen Stunden einen verwundeten Elch nahe der Rudelgrenzen verfolgt zu haben. Jemand hatte mich aus den dunklen Bäumen hinter mir niedergeschlagen. Dann nichts mehr. Reine Finsternis. Und nun befand ich mich im königlichen Palast und kniete über der Leiche des zukünftigen Königs.

Man hatte mir etwas angehängt. Und im Königreich Eisenklaue war die Strafe für den Mord an königlichem Blut kein Prozess. Es war der Tod vor Sonnenaufgang.

Zwei Wächter schleiften mich durch die eiskalten Steinkorridore der königlichen Festung. Meine Füße schleiften nutzlos über den Boden, während Blut von meinen verbrannten Handgelenken tropfte. Als die schweren Eisentüren aufflogen, ließ mich der blendende Schein der Fackeln zusammenzucken.

Die Große Gerichtshalle war gefüllt mit Hunderten fauchender Wölfe.

Hoch oben auf der Marmorbühne saß Ratsherr Kingsley. Er trug prunkvolle purpurrote Roben mit goldener Wolfsstickerei. Neben ihm saß seine Tochter Natalia, gekleidet in silberne Seide. Ihre kalten blauen Augen hefteten sich auf mich, und ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem winzigen, grausamen Grinsen.

„Bringt die dreckige Abtrünnige nach vorn“, befahl Kingsley. Seine tiefe Stimme dröhnte durch den stillen Raum.

Die Wächter warfen mich auf den eiskalten Stein. Meine Knie schlugen hart auf dem Boden auf.

„Phyna, die Grenzabtrünnige“, sagte Kingsley, erhob sich und richtete anklagend einen Finger auf mich. „Du hast dich an unseren Toren vorbeigeschlichen. Du bist in die königlichen Gemächer eingedrungen. Und du hast unseren Prinzen mit deiner eigenen Klinge kaltblütig abgeschlachtet.“

„Das ist eine Lüge!“, rief ich und hob das Kinn, trotz des brennenden Schmerzes in meinen Armen. „Seht euch meinen Dolch an! Jeder hätte ihn mir vom Gürtel stehlen können, als man mich an der Grenze niedergeschlagen hat! Warum sollte ich den Prinzen töten? Ich kenne ihn nicht einmal!“

„Dein Dolch steckt in seinem Herzen. Das ist alles an Beweis, was dieses Rudel braucht“, sagte Kingsley glatt und winkte mit der Hand in Richtung der Menge. Murmeln reinen Hasses breitete sich unter den Kriegern aus. „Nach dem obersten Gesetz des Rates von Eisenklaue wird dein Kopf rollen, bevor der Mond heute Nacht seinen Höhepunkt erreicht.“

Die Menge brüllte blutrünstig ihre Zustimmung.

„Tötet sie!“, rief Natalia leise und tat so, als wische sie eine falsche Träne von ihrer blassen Wange. „Sie hat uns meinen lieben Cousin Daniel genommen! Zeigt diesem dreckigen Biest keine Gnade!“

Ich spürte den schweren Stiefel eines Vollstreckers auf meinem Rücken, der meinen Kopf zum kalten Boden zwang. Der Tod kam in wenigen Sekunden. Niemand hörte mir zu. Niemand kümmerte sich um die Wahrheit. Kingsley wollte einen Sündenbock, und er hatte mich gewählt.

Es sei denn.

Eine Erinnerung blitzte in meinem Geist auf. Ein altes, vergessenes Gesetz, das meine verstorbene Großmutter mir als kleinem Kind am Feuer zugeflüstert hatte. Ein gefährliches, verbotenes Gesetz, das seit über hundert Jahren in diesen Ländern nicht mehr ausgesprochen worden war.

Ich grub meine Fingernägel in den Steinboden und kämpfte gegen das Gewicht des Wächters an. Ich holte tief und brennend Luft und schrie aus vollem Hals:

„Ich rufe den Ritus des Angeketteten Biests an!“

Die gesamte Halle verstummte.

Das Fauchen hörte auf. Das Murmeln brach augenblicklich ab. Selbst die grimmigen Wächter, die mich festhielten, erstarrten.

Kingsleys selbstsicheres Lächeln verschwand. Das Blut wich aus seinem Gesicht.

„Was hast du gesagt?“, verlangte er zu wissen, seine Stimme zitterte vor plötzlichem Zorn.

„Ich bin eine angeklagte Abtrünnige auf königlichem Land“, sagte ich klar und sah ihm direkt in die Augen. „Nach dem uralten Erlass des Ersten Mondes habe ich das Recht, drei öffentliche Prüfungen zu überleben, bevor eure Klingen meine Kehle berühren! Und nach demselben Gesetz kann ich diese Prüfungen nicht allein bestehen. Ich muss Handgelenk an Handgelenk an den obersten Killer des Königreichs gekettet werden!“

Flüstern brach wie ein Lauffeuer durch die Menge.

„Das kann sie nicht tun!“, keuchte Natalia, sprang vor Entsetzen von ihrem Sitz auf. „Vater, sie ist eine dreckige Abtrünnige! Schneidet ihr sofort die Kehle durch!“

„Sie hat den Ersten Mond angerufen“, sagte ein alter Ältester in der ersten Reihe, seine Stimme bebte. „Wenn wir ihr Blut ohne den Ritus vergießen, fällt der uralte Fluch auf das gesamte Rudel. Wir müssen das Angekettete Biest gewähren.“

Kingsley umklammerte seinen goldenen Siegelring so fest, dass seine Knöchel weiß wurden. Seine Augen brannten vor reiner Wut.

„Gut“, spuckte Kingsley zwischen den Zähnen hervor. „Du willst das Angekettete Biest, Abtrünnige? Du sollst es haben. Aber niemand hat je drei Tage überlebt, gebunden an die Waffe der Krone. Du hast soeben einen weitaus qualvolleren Weg zu sterben gewählt.“

Kingsley wandte sich dem schattigen Torbogen am anderen Ende der Halle zu.

„Bringt den Henker herein!“, brüllte er.

Eine schwere Kälte fegte durch den Raum und ließ die Fackelflammen flackern und dunkler werden. Schwere, langsame Schritte hallten über den Steinboden. Dumpf. Dumpf. Dumpf.

Jeder einzelne Krieger in der Halle trat zurück und schuf in absolutem Entsetzen eine breite Gasse.

Ein massiger Mann trat aus den Schatten.

Er war breitschultrig und gefährlich groß und trug eine schwere schwarze Rüstung, der der schwache Geruch von Rauch und getrocknetem Blut anhaftete. Eine lange, gezackte weiße Narbe zog sich über seine scharfe Kieferlinie. Sein kurzes rabenschwarzes Haar war zerzaust, und seine eisgrauen Augen waren so kalt wie eine gefrorene Winternacht. Auf seinem Rücken hing ein gewaltiges silbernes Henkersschwert.

Alexander.

Die persönliche Waffe des Königs. Das Monster, das nie eine Schlacht verloren und nie einer einzigen Seele Gnade gezeigt hatte.

Er blieb zwei Schritte von der Stelle entfernt stehen, an der ich kniete. Er sah nicht zu Kingsley. Er sah nicht zur wütenden Menge.

Er blickte direkt auf mich herab.

Seine kalten grauen Augen verhakten sich in meinen, und plötzlich wich die Luft aus meinen Lungen.

Ein plötzlicher Stromschlag jagte durch meine Adern. Es war wie ein Blitz, der direkt durch meine Brust fuhr. Die Wölfin in mir, die sich vor den Silberseilen versteckt und gezittert hatte, richtete sich plötzlich hoch auf und heulte mit einer Intensität, die meine ganze Seele erschütterte.

Ein dunkler, berauschender Duft nach Kiefernholz und Winterregen überflutete mich und löschte den Geruch von Blut im Raum vollständig aus.

Alexanders Körper versteifte sich sichtbar.

Seine Hände, in dicken Kampfhandschuhen, ballten sich an seinen Seiten zu festen Fäusten. Seine kalten grauen Augen blitzten in ein helles, gefährliches Silber auf. Seine Brust hob und senkte sich in einem scharfen, abgehackten Atemzug, während sein Kiefer sich so fest anspannte, dass die Muskeln hervortraten.

Auch er spürte es.

Der verbotene Sog. Das heilige, uralte Feuer.

Der skrupelloseste Killer des Königreichs, der Mann, der auserwählt worden war, mich in die Schlachtbank zu führen, war mein Schicksalsgefährte.

Und wenn irgendjemand in diesem Raum es herausfand, würden wir beide bei lebendigem Leib verbrennen.

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