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Kapitel 4

Author: Bagel
Dante war ein Mann, der nach Regeln lebte. Doch für Scarlett brach er sie im „Monat ohne Bindung“ immer wieder.

In der Nacht dieser Feier kam er nicht mehr ins Apartment zurück.

Ich saß vor dem bodentiefen Fenster mit Blick auf Manhattan, und auf eine seltsame Weise war es friedlich.

Die Zeit schien langsamer zu laufen, während ich ganz systematisch jede Spur von uns aus dem Penthouse entfernte.

Ich rief den Rechtsberater der Familie über seine verschlüsselte Leitung an. Innerhalb von achtundvierzig Stunden leitete ich die Liquidation all unserer gemeinsamen Vermögenswerte ein.

Am fünften Tag rief Dante an. Im Hintergrund heulte der Motor eines Sportwagens.

Außer Atem fragte er mich, wo ich die Browning mit dem elfenbeinfarbenen Griff hingelegt hatte, in die das Wappen der Familie Corinni eingraviert war.

In genau diesem Moment warf ich ein gerahmtes Foto von uns ins Kaminfeuer.

Mit kalter, distanzierter Stimme sagte ich ihm, wo sie lag.

Am zehnten Tag schickte er einen Mann vorbei, um ein paar maßgeschneiderte Anzüge abzuholen.

Ich ging in das Musikzimmer, in dem die limitierten Vinylplatten standen, die einmal unseren gemeinsamen Geschmack festgehalten hatten.

Ich zerbrach jede einzelne über meinem Knie.

Am zwanzigsten Tag ließ er mir aus der Ferne Rosen schicken, um mir zum Geburtstag zu gratulieren.

Währenddessen stand ich dabei, wie das Auktionshaus unser Paar maßgefertigter Klaviere abtransportieren ließ.

Diese musikalischen Legenden aus Wien.

Man erzählte sich, ein berühmter Komponist und seine Frau hätten ihr ganzes Leben lang gemeinsam auf ihnen vierhändig gespielt und dabei unzählige bewegende Werke erschaffen.

Am dreißigsten Tag ließ ich das Kinderzimmer abbauen, das ich zwei Monate lang heimlich vorbereitet hatte.

Die weiche Wiege. Das teure Spielzeug zum Beruhigen. Sogar die warm getönte Tapete wurde restlos von den Wänden gekratzt.

Gerade als der letzte Wagen die Tiefgarage verließ, piepte das Tastenfeld an der Tür.

Dante war zurück.

Er trug ein schwarzes Hemd, das am Kragen leicht offenstand. An ihm hing noch immer ein Hauch von Parfüm.

Ein Duft, den ich verabscheute.

Mit einem Lächeln breitete er die Arme aus. Ganz offensichtlich war er überzeugt, dass ich ihm sowieso nie widerstehen konnte.

„Aurora, der Monat ist vorbei. Ich bin zurück. Danke, dass du auf mich gewartet hast.“

Ich stürzte mich nicht wie sonst in seine Arme. Nicht schmollend. Nicht weinend.

Er lachte erneut.

„So glücklich, dass dir die Worte fehlen, Aurora?“

„Hast du mich so sehr vermisst?“

Ich dachte kurz nach und antwortete dann:

„Nein.“

Ich war nicht glücklich.

Und ich hatte ihn nicht vermisst.

Das Lächeln auf seinen Lippen geriet ins Wanken. Gereizt zupfte er an seinen Manschettenknöpfen und ging ins Innere des Apartments.

„Warum fühlt es sich hier so leer an?“

Sein scharfer Blick glitt durch den Flur, bis er auf den gerade erst leergeräumten Raum fiel.

Ein Anflug von Neugier trat in sein Gesicht, und er ging schnell darauf zu.

„Hast du dich endlich entschieden, das Zimmer aufzuschließen? Du hast es immer abgeschlossen gehalten und gesagt, es sei ein Geheimnis.“ Er lachte kurz, sein Ton war leicht und spöttisch. „Was denn? Hast du dort drin ein ganzes Zimmer mit Aktbildern von mir gemalt?“

Ich konnte den dumpfen Schmerz in meinem Herzen nicht verdrängen.

Es war mein Geheimnis gewesen.

Ein verborgenes Heiligtum für eine Liebe, die längst tot war.

Jetzt war meine Liebe verschwunden.

Und mir war nichts geblieben.

Er stieß die Tür auf, und sein Lächeln erstarrte.

„Hä? Warum ist es leer?“

Weil du zu spät gekommen bist.

Gerade als er mich fragen wollte, was ich heute Abend essen wolle, klingelte sein Telefon.

Das Geräusch hallte durch das nun fast hohle Apartment.

Und ich hörte die Stimme am anderen Ende ganz deutlich, trotz des Rauschens.

Schwach. Weinend.

„Dante! Hilf mir! Diese Schweine aus Brooklyn haben mich am Hafen eingekesselt ... Sie haben Waffen!“

Dantes Gesicht veränderte sich schlagartig. Sichtbare Panik durchzuckte ihn.

Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn nur an.

Ich wartete auf seine Entscheidung.

Er zögerte nicht einmal.

Er drehte sich einfach um und ging direkt zur Tür.

Als seine Hand schon auf der Klinke lag, blickte er noch einmal zu mir zurück. Sein Ton war beiläufig und zugleich anmaßend.

„Aurora, hier geht es um Leben und Tod. Gib mir noch einen Tag. Der Juli hat einunddreißig Tage, also verstößt das nicht gegen die Regeln.“

Ich fand das auf eine düstere Weise fast ironisch.

Seine Regeln hatten sonst verlangt, dass er jede einzelne Sekunde dieser dreißig Tage ausschöpfte. Doch jetzt versuchte er ihretwegen verzweifelt, sich noch einen einzigen Tag zurückzuholen.

„Aurora, du musst auf mich warten! Du musst noch einen Tag warten!“

Es ging nicht wirklich darum, dass ein Leben in Gefahr war.

Mit dem Informationsnetz der Familie Corinni konnten ein paar Soldaten die Sache regeln. Es gab keinen Grund, warum er persönlich dorthin fahren musste.

Es gab nur eine Antwort.

Er wollte gehen.

Für sie kämpfte er sogar um diesen einen einzigen Tag.

Ich sah ihm nach, und ein leises, hohles Lachen entwich meinen Lippen.

„Leb wohl.“

In dem Moment, in dem die Tür hinter ihm zufiel, war ich direkt hinter ihm.

Mit dem Koffer in der Hand.

Ich würde keinen weiteren Tag mehr warten.

Nicht einmal mehr eine einzige Sekunde.

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