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kapitel 2

last update Date de publication: 2026-08-14 17:12:25

Ich blieb einige Sekunden regungslos sitzen und umklammerte meine Handtasche fest. Durch das Fenster sah ich die Lichter der Stadt, die noch immer funkelten, doch mein Blick ging einfach hindurch, ohne sie wirklich wahrzunehmen.

Der Taxifahrer drehte sich zu mir um.

— Miss... wir sind angekommen.

Ich zuckte leicht zusammen, als wäre ich gerade aus einem langen Albtraum erwacht.

— Danke...

Ich bezahlte die Fahrt und stieg aus.

Die kühle Nachtluft streifte mein Gesicht, doch sie konnte den Schmerz, der meine Brust zusammendrückte, nicht lindern.

Ich öffnete die Tür zu meiner Wohnung.

Kaum war ich eingetreten, ließ ich meine Handtasche im Flur zu Boden fallen.

Meine Beine trugen mich nicht mehr.

Langsam glitt ich an der Wand hinunter, bis ich auf dem Boden saß.

Und dann brach ich zusammen.

Die Schluchzer, die ich die ganze Nacht unterdrückt hatte, brachen endlich hervor.

Ich weinte hemmungslos.

Ich weinte um die drei Jahre Liebe, die ich gerade verloren hatte.

Ich weinte um den Mann, dem ich mein Herz geschenkt hatte.

Und ich weinte um die Frau, die ich für meine beste Freundin gehalten hatte.

Ich wusste nicht mehr, wer von den beiden mich mehr verletzt hatte.

Plötzlich wurde die Stille der Wohnung vom Vibrieren meines Handys durchbrochen.

Ich blickte auf das Display.

Emma Collins.

Ich hatte keine Kraft, den Anruf anzunehmen.

Das Telefon hörte auf zu klingeln.

Doch sofort begann es erneut.

Noch einmal.

Und noch einmal.

Beim vierten Versuch nahm ich schließlich mit zitternder Hand ab.

— Marie? Wo bist du? – fragte Emma mit besorgter Stimme.

Ich öffnete den Mund, doch kein Ton kam heraus.

— Marie... antworte mir. Was ist passiert?

In diesem Moment brachen alle Mauern zusammen, die ich verzweifelt aufrechterhalten hatte.

Ich brach in Tränen aus.

Emma schwieg einige Sekunden.

Ich konnte nur ihren Atem am anderen Ende der Leitung hören.

Dann sprach sie mit fester, aber unendlich sanfter Stimme.

— Bleib, wo du bist. Ich komme sofort.

Sie legte auf, ohne eine Antwort abzuwarten.

---

Weniger als eine halbe Stunde später klopfte jemand an meine Tür.

Ich hatte nicht einmal Zeit aufzustehen, da betrat Emma bereits die Wohnung.

Als sie mich an der Wand sitzen sah, mit geröteten Augen und tränenüberströmtem Gesicht, veränderte sich ihr Ausdruck schlagartig.

Sie verstand sofort, dass etwas Schlimmes passiert war.

Ohne weitere Fragen zu stellen, kniete sie sich vor mich.

— War es Julien?

Ich nickte langsam.

Meine Kehle war so zugeschnürt, dass ich kaum sprechen konnte.

— Er... hat mich betrogen...

Emma erstarrte.

— Was?

Ich senkte den Blick.

— Mit Vanessa...

Ihre Augen weiteten sich.

— Vanessa Moore?

Ich antwortete mit einem leichten Nicken.

Emma schlug sich erschrocken die Hand vor den Mund.

— Dieses Mädchen... Ich kann nicht glauben, dass sie dir so etwas antun konnte.

Ich antwortete nicht.

Ich hatte keine Kraft mehr.

Sanft zog sie mich in ihre Arme.

Ich wehrte mich nicht.

Ihre Umarmung schenkte mir ein wenig Trost.

Mehrere Minuten lang sagte sie kein Wort und ließ mich einfach an ihrer Schulter weinen, ohne zu versuchen, mich aufzuhalten.

Als meine Schluchzer schließlich langsam nachließen, stand sie auf, ging in die Küche und kam mit einem Glas Wasser zurück.

— Trink etwas.

Mit zitternden Händen nahm ich das Glas und trank einige Schlucke.

Emma setzte sich wieder neben mich.

— Du wirst das überstehen, Marie.

Ich lächelte traurig.

— Es fühlt sich an, als wäre mein ganzes Leben gerade zusammengebrochen.

Sie schüttelte sanft den Kopf.

— Nein.

Sie legte ihre Hand auf meine und verschränkte ihre Finger mit meinen.

— Was zusammengebrochen ist, war die Lüge, in der du gelebt hast. Du bist immer noch hier. Und dein Leben endet nicht mit Julien.

Ihre Worte wärmten mein Herz ein wenig.

Zum ersten Mal seit dieser schrecklichen Nacht konnte ich wieder etwas ruhiger atmen.

Emma schwieg einen Moment, bevor sie erneut sprach.

Man merkte ihr an, dass sie zögerte.

— Eigentlich... wollte ich mit dir über etwas sprechen.

Ich hob den Kopf.

— Worüber?

— Ein Unternehmen sucht eine persönliche Assistentin. Es ist eine sehr gute Stelle mit einem ausgezeichneten Gehalt.

Ich schüttelte sofort den Kopf.

— Emma... Ich kann im Moment nicht einmal klar denken. Wie soll ich da zu einem Vorstellungsgespräch gehen?

Sie unterbrach mich mit einem aufmunternden Lächeln.

— Du hast nichts zu verlieren.

Sie öffnete ihre Handtasche, holte eine elegante Visitenkarte heraus und legte sie in meine Hand.

Ich blickte hinunter.

Terry Group.

Sofort zog sich meine Brust schmerzhaft zusammen.

Ich wollte ihr die Karte beinahe zurückgeben.

— Nein... das ist unmöglich.

Emma runzelte die Stirn.

— Warum?

Ich sah ihr in die Augen.

— Ich will mit dieser Familie nichts mehr zu tun haben.

Sie seufzte leise, bevor sie ruhig antwortete.

— Hör mir gut zu. Du darfst Julien nicht erlauben, weiterhin über deine Zukunft zu bestimmen. Dieser Job ist nicht für ihn. Er ist eine Chance für dich.

Ich schwieg.

Sie hatte recht.

Wenn ich das Angebot nur deshalb ablehnte, weil Julien diesen Nachnamen trug, hätte er noch immer Macht über mein Leben.

Und ich weigerte mich, ihm diesen Sieg zu schenken.

Ich holte tief Luft.

Dann sah ich die Visitenkarte erneut an.

Dieses Mal steckte ich sie ein.

— Wann ist das Vorstellungsgespräch?

Emmas Gesicht hellte sich sofort auf.

— Morgen früh. Um neun Uhr.

Ich hob überrascht den Kopf.

— Morgen?

Sie nickte lächelnd.

— Ja. Und ich weiß, dass du das schaffen wirst.

Ich stieß einen langen Seufzer aus.

Offenbar hatte das Schicksal nicht vor, mir eine Pause zu gönnen.

Ich hatte keine Ahnung, was mich hinter den Türen der Terry Group erwartete.

Ich war noch weit davon entfernt zu ahnen, dass diese scheinbar einfache Entscheidung mein Leben für immer verändern würde.

Denn am nächsten Tag würde ich einem Mann begegnen, der ebenso mächtig wie geheimnisvoll war.

Clark Terry.

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