LOGINAIDENDie Konferenz hatte kaum begonnen, als ich schon anfing, meine Entscheidung zu bereuen, hingegangen zu sein. Nichts schien einen Sinn zu ergeben.Meine Gedanken wanderten immer wieder zurück zu dem, was Luigi gesagt hatte – zu Avery. Meine Anwesenheit war wichtig, also konnte ich sie nicht verpassen.Die Aufmerksamkeit aller war auf die Präsentation auf der großen Leinwand gerichtet. Finanzberichte, Prognosen und eine Reihe von Dokumenten erschienen eines nach dem anderen.Ich hörte nur mit halbem Ohr zu, beantwortete Fragen, wenn nötig, und unterzeichnete Entscheidungen, die schon vor Wochen hätten getroffen werden sollen.Dann, endlich, war es Zeit für meine Rede. Ich hatte sie in den wenigen Minuten der Autofahrt zum Büro entworfen.Plötzlich wechselte das Bild. Eine Datei erschien auf dem Bildschirm.Zuerst dachte ich mir nichts dabei, bis die Führungskräfte anfingen, Blicke auszutauschen und zu flüstern.Ich wandte meinen Blick langsam zurück zum Bildschirm. Da waren Daten,
AIDEN„Findet ihn", befahl ich und knöpfte mein Jackett zu. „Wenn Luigi das nächste Mal sein Gesicht zeigt, will ich, dass er zu mir gebracht wird."Stephan nickte. „Und wenn er sich widersetzt?"„Dann erinnerst du ihn daran, dass ich ihn lebend verlangt habe." Ich warf ihm einen warnenden Blick zu. „Tu ihm nicht weh, Stephan. Ich will Antworten, kein weiteres verdammtes Problem."„Ja, Don."Ich wandte mich dem Fenster zu, mein Kiefer verkrampfte sich.Luigi Giovanni.Der Name hatte sich in meinem Kopf gedreht, seit Avery ihn erwähnt hatte. Giovanni, die Familie, die ich zu vernichten geschworen hatte.Ich hatte versucht, meine Reaktion auf den Namen zu verbergen. Giovanni hin oder her – ich – ich liebte sie.Avery hatte mich gebeten, sie die Dinge selbst herausfinden zu lassen, und ich hatte ihr mein Wort gegeben. Ich hatte vor, es zu halten.Das bedeutete nicht, dass ich nicht nach Antworten suchen konnte. Wenn Luigi Antworten hatte, wollte ich sie aus seinem eigenen Mund hören.Und
AVERYIch stand am Fenster und starrte in den Garten, ohne ihn wirklich wahrzunehmen. Meine Gedanken waren ein einziges Chaos, und egal, wie sehr ich mich anstrengte, ich konnte mir keinen Reim auf das machen, was Luigi mir gesagt hatte.Mein Cousin.Selbst in meinem Kopf klangen diese Worte absurd. Doch das Foto, das er mir gezeigt hatte, blitzte immer wieder vor meinen Augen auf. Die Frau darauf sah mir so ähnlich, dass ich es nicht als bloßen Zufall abtun konnte.Was, wenn er die Wahrheit sagte?Was, wenn die Menschen, von denen ich mein ganzes Leben lang geglaubt hatte, sie seien meine Familie, in Wirklichkeit gar nicht meine Familie waren?Die Mafia hatte nun mal eine Art, Leben zu zerstören—besonders wenn meine angeblich so lange verschollene Familie ebenfalls in die Mafia verwickelt war.Wie würde das Leben meines Babys aussehen?Meine Hand glitt wie von selbst zu meinem Bauch.Würde sein Leben genauso schrecklich enden wie das seines Vaters oder meins?Ich schluckte schwer und
AIDEN„Rosa?“, fragte ich und lehnte mich auf meinem Stuhl zurück.„Möglicherweise“, sagte er und musterte mich einen Augenblick lang.So sehr ich wusste, dass alles möglich war—jeder hatte seinen Preis—wollte ich glauben, dass Rosa keinen hatte. Stephan legte ein Tablet vor mich hin.„Das sind ein paar Fotos von Rosa und—„Ich hob die Hand, um ihn zu stoppen. Ich zermarterte mir das Hirn nach Ausreden, warum sie sich mit unserem Feind einlassen sollte, und schob das Tablet zurück zu Stephan.„Da ist noch etwas.“Ich zog eine Braue hoch und fragte mich, was er noch hinzufügen wollte.„Da war jemand mit Avery im Garten“, murmelte er.„Wer?“„Wir wissen es nicht genau.“„Lass mich das richtig verstehen“, seufzte ich und drückte eine Hand an meine Stirn. „Du willst mir also erzählen, dass sich jemand durch meine Sicherheitsvorkehrungen geschlichen hat und meiner Frau ganz nahegekommen ist, während ihr alle zugesehen habt?“Er schüttelte den Kopf.„Nein, Don. Ich habe es erst vor ein paar
AIDEN„Es gibt Wichtigeres im Leben als Rache, Hass und Gewalt.“ In der Tat. Kleine Dinge, wie neben Avery zu liegen und zu wissen, dass sie sich wirklich etwas aus mir macht—dass sie mich liebt, machen es sogar noch besser. Vielleicht entwickelte ich mich langsam zu jener Version eines Mannes, die ich früher für schwach gehalten hätte. Dennoch erwuchs aus dieser Schwäche ein erneuerter Durst nach Rache—nach Schutz.Erinnerungen an den friedlichen Ausflug, der in einer Katastrophe geendet hatte, blitzten in meinem Kopf auf. Ich schüttelte sie ab, stand vorsichtig aus dem Bett auf und genoss den Anblick von Averys wunderschönem Gesicht. Ihre langen Wimpern ruhten sanft auf ihren Wangen. Ein sanftes Lächeln erschien auf ihren vollendeten Lippen, schwand jedoch rasch wieder und wich einer leicht gerunzelten Stirn.„Ich liebe dich“, flüsterte sie mit hauchender Stimme.„Avery?“, rief ich leise.Sie rührte sich nicht; ihre Augen zuckten nicht einmal. Sie schlief. Ich fragte mich, wovon sie
AVERYS PERSPEKTIVEDer Raum war hell erleuchtet und festlich geschmückt, wie für eine feierliche Zeremonie himmlischer Wesen. Ich lächelte und blickte auf zu meinem gutaussehenden Bräutigam, der ganz in Weiß gekleidet war—seltsam, ich hatte ihn noch nie in einer so hellen Farbe gesehen. Sein makellos geschnittenes Gesicht wirkte noch attraktiver als sonst und strahlte eine unendliche Wärme aus.Der Priester stellte die entscheidenden Fragen. Aiden lächelte noch ein wenig breiter. „Ja, ich will.“ Während er mir den kühlen, goldenen Ring über den Ringfinger streifte, murmelte er leise: „Ich liebe dich, Avery.“Mein Herz machte vor lauter Freude einen gewaltigen Sprung.Doch plötzlich verdunkelte sich Aidens Miene.„Avery!“, schrie er laut.Seine Stimme klang unendlich weit entfernt, obwohl er mir doch eigentlich so nahe war. Auf einmal begann alles um uns herum in sich zusammenzufallen. Die gesamte Dekoration—einfach alles! Aiden schien sich langsam vor meinen Augen in Luft aufzulösen
AVERYS POV„Wie ist Ihr Chef eigentlich so?“, fragte ich in den Raum hinein, ohne jemanden Bestimmtes anzusehen.Die Fahrt zum Haus meines frischgebackenen Ehemanns war still und voller Sorgen. Er saß nicht mit mir im selben Auto, was mich fragen ließ, was er wohl zu verbergen hatte. Ich wusste abs
AVERYS POV Ein Lächeln vorzutäuschen und so zu tun, als sei nichts passiert, war alles andere als leicht, aber es war die klügste Entscheidung. Ich durfte Aiden auf keinen Fall zeigen, wie tief seine Worte mich gestern Nacht verletzt hatten. Ich hatte jetzt Pläne und Ziele, die ich erreichen musst
AIDENS POVIch wachte mit einem mörderischen Kater auf. Ich war direkt an der hauseigenen Bar eingeschlafen, und als der Nebel in meinem Kopf langsam verflog, kamen die Erinnerungen an die letzte Nacht mit voller Wucht zurück. *Avery...* Ich konnte ihr herzzerreißendes Schluchzen immer noch hö
AIDENS POVMeine unschuldige Braut hat nicht die geringste Ahnung, was ich heute Nacht mit ihr vorhabe. Ich werde sie fürs Erste in Ruhe lassen. Ein wenig Zeit mit dem Kartell zu verbringen, kann nicht schaden; es ist ein hervorragender Zeitvertreib.„Chef, Sie haben doch gerade erst geheirate







