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Kapitel 2

Author: Waldgrün
Fast alle meine Social-Media-Konten wurden überrannt. Die Internetnutzer empörten sich alle für die Heldin Mira Weber.

Mein Jugendfreund Tim Vogel schickte mir eine Nachricht im WhatsApp:

[Lina Schnee, glaub bloß nicht, ich wüsste nicht Bescheid. Du willst mich mit so schmutzigen Mitteln doch nur zwingen, Mira zu verlassen und mit dir zusammen zu sein.]

[Hah, dieser ganze Aufwand doch nur, weil du mich sehen willst. Gut, du hast es geschafft. Freitagnachmittag, am alten Ort!]

Ich antwortete nicht, blockierte ihn und schaltete den Handybildschirm aus.

Die Live-Kommentare wogten auf:

[Ich will hier nichts schönreden, aber die Bosheit der Nebenfigur kommt auch nicht völlig grundlos. Eine stolze kleine Prinzessin aus reichem Haus, und über Nacht ignorieren Eltern, Geliebter und Freunde sie alle wie verzaubert und kümmern sich um ein anderes Mädchen. An ihrer Stelle würde ich auch durchdrehen.]

[Die Nebenfigur ist schön und reich. Warum verliert sie überall gegen diese naive Heldin, die nicht mal Word und Excel auseinanderhalten kann? Dieser verdammte Roman hat echt keine Logik ... ]

[Wäre ich der Autor, bekäme die durchgeknallte Heldin eine Ohrfeige, der irre Held zwei, und die böse Nebenfigur und der Yandere-Nebenheld würden für immer zusammen eingesperrt und bis zum Hass lieben. Ohne acht Babys kämen sie nicht aus dem Keller. Wie klingt das?]

„...“

Nicht besonders.

Nachdem ich mich beruhigt hatte, wollte ich schlafen gehen und zog gerade meine Unterwäsche aus.

Da wurde plötzlich die Schlafzimmertür geöffnet.

Felix Bergs Blick glitt von oben nach unten und blieb irgendwo hängen.

Ich griff hastig nach dem Bademantel und warf ihn mir über.

„Tut mir leid, du hattest nicht abgeschlossen.“

Felix Berg sah mich mit brennendem Blick an. Sein Adamsapfel glitt auf und ab, und die schwarzen Schuppen an seinem Körper schimmerten undeutlich hervor.

Wenn ein Incubus erregt war, zeigte sich seine wahre Gestalt unwillkürlich ...

Das Wort „raus“ lag mir schon auf der Zunge.

Da sah ich die Live-Kommentare:

[Ich kann mir schon denken, dass die Nebenfigur bestimmt mit diesem hochmütig angeekelten Gesicht „raus“ sagen wird. Eigentlich eine Schönheit, aber warum muss sie sich nur so in den Tod stürzen? Genau so wird die Liebe des Nebenhelden aufgerieben.]

[Lina Schnee, sei doch ein bisschen sanfter zu deinem Mann. Wenn du deinem Mann jetzt eine knallst, wird dein Mund später im Keller schwer leiden. Aufgerissene Mundwinkel tun wirklich weh.]

Dank der Erinnerung durch die Live-Kommentare wechselte ich abrupt den Ton, schenkte Felix Berg ein leichtes Lächeln und sagte:

„Schon gut, Ehe--“

Felix Berg, der sich gerade aus dem Zimmer zurückziehen wollte, hielt inne. Seine Augen wurden tiefdunkel, und er wartete auf meine nächsten Worte.

Tss, alles nur, weil die Live-Kommentare eben die ganze Zeit „Ehemann“ gerufen hatten.

Da war ich selbst auf Abwege geraten ...

[Ich sterbe vor Ungeduld, dieser verdammte Mund soll endlich reden. Ein einziges „Ehemann“, und er gibt dir sein Leben. Was ist die Heldin dagegen schon?]

[Könnt ihr bitte aufhören, den Nebenhelden so billig zu machen? Drei Jahre kalte Behandlung, der Nebenheld empfindet für die Nebenfigur bestimmt mehr Hass als Liebe. Außerdem, habt ihr vergessen, dass der Nebenheld die Nebenfigur zu Tode eingesperrt hat, um die Heldin zu schützen?]

Die Live-Kommentare spalteten sich in zwei Lager und begannen zu streiten.

Ich zog die Brauen hoch. Auch ich wollte überprüfen, wie wahr diese Informationen waren, und lockte ihn entlang der Situation von eben:

„Felix Berg, ist meine Figur gut?“

„Durchschnittlich.“

Der Mann senkte gleichmütig den Blick, sodass man seine Miene nicht lesen konnte.

[Verdammter Angeber. Mit so einem harten Mund bekommt man keine Frau. Kein Wunder, dass die Nebenfigur nach all den Ehejahren immer noch den Helden liebt. Junge, ein bisschen hast du es verdient.]

[Bin ich zu heftig aufgewacht, oder findet die Nebenfigur den Nebenhelden heute irgendwie nicht mehr widerlich? Werden wir Shipper des bösen Ehepaars etwa plötzlich wieder gut gefüttert???]

Ich gab nicht auf, machte einen Schritt nach vorn und neckte ihn:

„Du hast doch gar nicht hingesehen. Woher weißt du dann, dass sie durchschnittlich ist?“

„Das muss ich nicht sehen.“

Felix Bergs Antwort war kühl, doch seine Fingerspitzen krümmten sich unwillkürlich zusammen. Seine Knöchel färbten sich zartrosa, und er hätte die Hosennaht beinahe zerkratzt.

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