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Kapitel 2

Author: Shim
last update publish date: 2026-06-05 21:11:48

KAPITEL 2

Alberts Perspektive

„Meine Damen und Herren, sehen Sie sich nur den Schatz an, den wir heute Abend entdeckt haben!“

Die Stimme des Auktionators dröhnte durch den riesigen Saal, verstärkt durch ein goldenes Megafon. Er stand auf der Hauptbühne, trug einen dunklen Samtanzug und schwenkte seinen Spazierstock mit einstudierter Gleichgültigkeit in Richtung meiner Glasvitrine.

„Dies ist Objekt Nummer zweiundvierzig, ein besonderer Ersatzgegenstand, der erst vor wenigen Stunden aus den südlichen Ländereien geborgen wurde“, fuhr er fort, während er auf der Bühne auf und ab ging. „Ein seltener Fund für unsere verehrten Gäste, die wahre Qualität zu schätzen wissen.“

Ich zuckte nicht mit der Wimper. Ich zwang mich, kerzengerade auf meinen Knien zu sitzen, meine Hände fest an den kalten Eisenring am Boden gekettet. Das grelle Licht von hundert Kristallkronleuchtern fiel auf mich herab und ließ den Schweiß auf meiner Haut glitzern. Das weiße, maßgeschneiderte Hemd, in das man mich gezwängt hatte, war bis zur Mitte meiner Brust aufgeknöpft und entblößte meine Schultern und meinen Oberkörper vollständig vor der riesigen Menschenmenge.

„Moment, seht ihn euch an!“, rief eine Frau aus der ersten Reihe und beugte sich über das Samtgeländer. „Er ist kein Mädchen!“

„Ist das ein männlicher Nachkomme?“, rief ein wohlhabender Lord in einem goldverzierten Mantel und stand von seinem Platz auf, um besser sehen zu können. „Er hat den Körperbau eines Soldaten!“

Der gesamte Saal geriet in Aufruhr. Die höfliche klassische Musik verschwand unter einer Welle aus lauten Stimmen, Keuchen und dem hektischen Klicken der Bieterschilder. Hunderte von Augenpaaren waren durch die transparente Glaswand auf mich gerichtet. Ich konnte von meinem Käfig aus alles sehen. Ich erkannte Hunger, Neugier, Schock und Entzücken gleichermaßen in ihren wohlhabenden Gesichtern. Sie sahen keinen Menschen an; sie sahen ein seltenes Tier an.

„Ruhe bitte!“, rief der Auktionator, ein gieriges Grinsen zierte sein Gesicht, als er mit seinem Stock auf die hölzerne Bühne klopfte. „Ja, Ihre Augen täuschen Sie nicht. Er ist ein erstklassiges männliches Exemplar. Ungezähmt, gesund und außergewöhnlich gebaut. Das Gebot beginnt bei zehn Millionen Goldstücken!“

„Zwölf Millionen!“, rief ein Mann in der hinteren Reihe und hob die Hand.

„Fünfzehn Millionen!“, schrie ein wohlhabender Kaufmann von der rechten Seite des Saals.

„Zwanzig Millionen!“, rief sofort eine Frau in dunkler Seide.

Die Gebote stiegen schnell. Es ging schneller als bei jeder Auktion, von der ich während meiner Jahre im Versteck jemals gehört hatte. Mir drehte sich der Magen um, aber ich hielt mein Gesicht völlig ausdruckslos. Meine Neuartigkeit hatte mich zu reiner Unterhaltung gemacht. Sie behandelten meinen Körper wie ein seltenes Gemälde und warfen ein Vermögen in die Luft, nur um ein Stück der zerbrochenen königlichen Blutlinie zu besitzen, ohne es überhaupt zu wissen.

Ich blickte durch das Glas, meine Augen suchten die vorderen Reihen ab, wo die mächtigsten Raubtiere saßen. Da fiel mein Blick auf einen bestimmten Bieter.

Es war ein älterer Adliger, der in einem massiven Samtsessel saß und einen teuren Pelzmantel trug. Seine Finger waren mit schweren Diamantringen bedeckt, und ein kaltes, verzerrtes Lächeln lag unerschütterlich auf seinem Gesicht. Ich erkannte ihn sofort. Es war Lord Radcliff, ein Mann, dessen Ruf absoluter Grausamkeit in ganz Valovrik mit entsetzten Flüstern besprochen wurde. Sklaven, die auf sein Anwesen geschickt wurden, kehrten niemals lebend zurück.

„Fünfzig Millionen“, rief Radcliff, seine Stimme scharf und selbstbewusst, während er seinen silbernen Spazierstock hob.

Für einen kurzen Moment wurde es still im Raum, bevor eine andere Stimme konterte. „Fünfundfünfzig Millionen!“

„Siebzig Millionen“, sagte Radcliff augenblicklich, wobei sich sein Lächeln ausweitete, während er durch das Glas direkt auf meine Brust starrte.

„Fünfundsiebzig Millionen!“, schrie der Kaufmann zu seiner Rechten, die Stirn schweißbedeckt.

„Einhundert Millionen“, verkündete Radcliff mit sanfter, tiefer Stimme.

Es wurde still im ganzen Saal. Das hektische Flüstern verstummte gänzlich. Niemand wagte es, diese Summe zu überbieten, und niemand wollte sich mit einem so gefährlichen Mann wie Radcliff anlegen.

Der Auktionator sah ekstatisch aus, seine Hände zitterten vor Aufregung. „Einhundert Millionen Goldstücke von Lord Radcliff! Zum ersten!“

Ich starrte durch das Glas in Radcliffs kalte Augen, und mein Herzschlag stockte plötzlich. Mir war genau klar, welche Zukunft hinter den Türen dieses Mannes auf mich wartete. Es würde ein langsamer, qualvoller Tod in Ketten sein. Zum ersten Mal seit Jahren schoss mir ein gefährlicher Gedanke durch den Kopf. Ich überlegte, meinen Namen laut auszusprechen. Ich überlegte, dem ganzen Saal zuzurufen, dass ich der rechtmäßige König von Valovrik sei. Wenn ich das täte, müssten die königlichen Wachen mich in den Palast bringen, anstatt Radcliff zu erlauben, mich in seine Folterkammern zu verschleppen. Es war ein enormes Risiko, aber es war besser, als von einem Monster gebrochen zu werden.

Ich schluckte schwer, mein Kiefer spannte sich an, als ich mich darauf vorbereitete, meine Lippen zu öffnen. Ich öffnete den Mund, bereit, der Menge meine wahre Identität zuzurufen. Ich hätte es fast getan.

„Zweites Mal!“, rief der Auktionator und hob seinen hölzernen Hammer hoch in die Luft.

Bevor der Hammer auf den Holztisch fallen konnte, durchbrach eine ruhige, tiefe Stimme die drückende Stille der Halle.

„Fünfhundert Millionen.“

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