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Kapitel 5

Author: Shim
last update publish date: 2026-06-05 21:14:26

KAPITEL 5

Alberts Perspektive

„Essen Sie die Suppe, Eure Hoheit, sonst muss ich Lord Knight berichten, dass Sie seine Gastfreundschaft ablehnen.“

Die junge Magd stand am Bettrand, ihre Hände zitterten, als sie mir ein Silbertablett hinhielt. Ich hob den Blick nicht von meinem Schoß und ließ meinen Gesichtsausdruck völlig ausdruckslos. Ich hatte den ganzen Tag damit verbracht, mich als gehorsame, gebrochene Gefangene auszugeben, und mir das Anwesen rein aus dem Gedächtnis eingeprägt, wann immer sie mir Wasser oder frische Bettwäsche brachten.

„Stellen Sie es auf den Tisch“, murmelte ich mit leiser, fast zerbrechlicher Stimme.

„Bitte ruhen Sie sich aus“, flüsterte sie nervös, stellte das Tablett ab, huschte hinaus und schloss die schwere Tür hinter sich ab.

Sobald der Riegel einrastete, verschwand meine Schwäche. Ich aß jeden einzelnen Löffel der reichhaltigen Brühe, um wieder zu Kräften zu kommen, ließ meine Muskeln ruhen und wartete geduldig darauf, dass die Sonne vollständig hinter dem Horizont versank. Als die Nacht endlich hereinbrach, rollte ich die dicken Decken zu einem langen Zylinder zusammen und schob sie unter die Laken, damit das Bett von der Tür aus betrachtet perfekt belegt aussah. Ich zog meine Lederschuhe aus, band sie fest um meine Taille und schlüpfte durch das offene Fenster hinaus auf den schmalen Steinbalkon.

Der Sprung hinunter auf die Gartenmauer war viel härter, als ich erwartet hatte.

Meine nackten Füße trafen mit einem dumpfen Schlag auf die Oberseite der gemauerten Begrenzungsmauer, und ein scharfer, glühender Schmerz schoss mir direkt den linken Knöchel hinauf, als ich das Gleichgewicht verlor. Ich rutschte aus, meine Seite schürfte heftig über das raue Mauerwerk, bevor ich in die dichten Büsche darunter stürzte. Ich gab keinen einzigen Laut von mir. Ich lag drei qualvolle Sekunden lang regungslos im Dreck und wartete darauf, ob die Wachen Alarm schlagen würden.

Nichts als Stille drang an meine Ohren.

Ich rappelte mich auf und ignorierte den pochenden Schmerz in meinem Knöchel. Der Schmerz war nebensächlich gegenüber der Freiheit. Ich bewegte mich wie ein Geist durch die Schatten des Vorgartens, entlastete meinen verletzten Fuß, bis ich schließlich die Begrenzungslinie durchbrach und in die dichte, dunkle Baumreihe eintauchte.

Ich war frei. Diese Erkenntnis ließ meine Brust anschwellen, doch bevor ich einen weiteren großen Schritt machen konnte, tauchte ein riesiger Schatten direkt aus der Dunkelheit auf.

Der Schlag kam schnell, präzise und völlig geräuschlos.

Ein schwerer Stiefel schlug direkt in meinen verletzten Knöchel, sodass mein Knie sofort nachgab. Ich hatte kaum Zeit, meinen Oberkörper zu drehen, um mich zu verteidigen, bevor sich eine behandschuhte Hand fest um meinen Hals schlang und meinen Rücken flach gegen eine massive Eiche drückte.

„Willst du irgendwohin, kleiner Vogel?“, flüsterte eine raue Stimme in mein Ohr.

Noch bevor ich auch nur einen Schlag ausführen konnte, traf ein schwerer, stumpfer Gegenstand mit voller Wucht meine Kieferpartie. Die Welt drehte sich unkontrolliert, und eine dichte, schwere Dunkelheit hüllte mich vollständig ein.

Als ich endlich wieder zu Bewusstsein kam, war das Erste, was ich wahrnahm, das kalte, beißende Gefühl von Eisen.

Ich blinzelte schnell, das Pochen in meinem Kopf ließ meine Sicht verschwimmen. Ich versuchte, meine Arme zu heben, um das getrocknete Blut von meinem Mund zu wischen, aber meine Arme wollten sich nicht bewegen. Ich blickte nach oben. Meine Handgelenke waren fest an das schwere Mahagoni-Kopfteil des Bettes gefesselt, meine Arme über den Kopf gestreckt. Das weiße Seidenhemd, das ich trug, war durch den Kampf noch weiter aufgerissen und legte den raschen, schweren Auf- und Abgang meiner nackten Brust frei.

„Du hast eine hervorragende Lauftechnik“, schnurrte eine tiefe Stimme aus dem Schatten.

Kendall stand vor der schweren Eichentür, seine Haltung entspannt, seine dunklen Augen beobachteten mich beim Aufwachen mit einem unlesbaren Ausdruck. Er ging langsam auf das Bett zu, und durch seine Anwesenheit wirkte das gesamte Schlafzimmer augenblicklich erdrückend klein.

„Lass mich los“, knurrte ich und riss heftig an den Eisenketten. Das Metall schnitt in meine verletzte Haut, aber das war mir egal. Ich starrte ihn wütend an, mein Blut kochte vor purem, ungefiltertem Hass. „Lass mich sofort los, du Feigling!“

Kendall antwortete nicht sofort. Er trat näher und blieb direkt neben der Matratze stehen. Er beugte sich über meinen Körper, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von meinem entfernt, und fuhr mit einem einzigen, warmen Finger über die scharfe Linie meines Kiefers, wo mich der Wachmann geschlagen hatte. Die Wärme seiner Haut sandte einen plötzlichen, unerwünschten Schauer direkt meinen Rücken hinunter.

„Du bist ein furchtbarer Zuhörer, Albert“, flüsterte Kendall, seine Stimme sanft, tief und schwer von einem seltsamen, dunklen Versprechen. Sein Blick fiel auf meine Lippen, bevor er wieder aufschaute, um meinem erstarrten Blick zu begegnen. „Ich habe dir gesagt, was passieren würde, wenn du mich provozieren würdest.“

„Ich werde dich töten“, spie ich hervor, die Zähne entblößt, meine Stimme vor Wut zitternd, während mein Herz vor seiner bloßen Nähe heftig gegen meine Rippen hämmerte. „Sobald ich mich aus diesen Ketten befreie, schneide ich dir die Kehle durch.“

Die sexuelle Spannung zwischen uns war so angespannt, dass sie sich wie ein physischer Draht anfühlte, dick von gegenseitigem Hass und einer gefährlichen, erstickenden Hitze, die meine Haut erröten ließ. Wir starrten uns an wie zwei Raubtiere, die darauf warteten, sich gegenseitig zu zerreißen, doch keiner von uns konnte den Blick abwenden.

Kendall lächelte schwach, sein Daumen drückte fest gegen meine Unterlippe und fuhr über den kleinen Schnitt dort, bis ich zubiss und versuchte, seine Haut zu erwischen. Er zog seine Hand langsam zurück, seine Augen dunkel und vollkommen zufrieden mit dem gefährlichen Spiel, das er spielte.

Er richtete sich auf und blickte mit absoluter Autorität auf meine gefesselte, keuchende Gestalt herab.

„Ich habe dich gewarnt, nicht wegzulaufen.“

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