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Kapitel 2

last update publish date: 2026-07-12 22:49:20

Amelias POV

Ich konnte nichts mehr hören.

Die Scheidungsvereinbarung zitterte in meinen Händen.

Ich starrte Damian an, als wäre er plötzlich ein Fremder geworden.

Vielleicht war er das schon immer gewesen.

Vielleicht hatte ich mich einfach drei Jahre lang geweigert, die Wahrheit zu sehen.

„Ich will die Scheidung.“

Seine Worte hallten immer wieder in meinem Kopf nach.

Ich schluckte schwer.

Der Kloß in meinem Hals tat weh.

„Warum?“, fragte ich.

Meine Stimme klang schwach.

Ich brauchte eine Antwort.

Ich hatte eine verdient.

Drei Jahre mussten doch wenigstens eine Erklärung wert sein.

Damians Gesichtsausdruck blieb unverändert.

„Ich denke nicht, dass diese Ehe weitergeführt werden sollte“, sagte er.

„Soll das eine Antwort sein?“, fragte ich.

Ich sah ihm direkt in die Augen.

„Warum?“, fragte ich erneut.

Diesmal klang meine Stimme fester.

Sein Blick traf meinen.

Keiner von uns wich zurück.

„Wir haben nie zusammengepasst“, sagte er.

Diese Worte trafen mich wie ein weiterer Schlag.

Zusammengepasst.

War das alles?

Drei Jahre, reduziert auf ein einziges Wort?

Ich starrte ihn ungläubig an.

„Das ist alles?“

Sein Kiefer spannte sich leicht an.

„Welche Antwort suchst du?“, fragte er.

Ich spürte, wie sich Tränen in meinen Augen sammelten.

In diesem Moment wollte ich nicht vor ihm weinen.

Ich wollte ihm keine Schwäche zeigen.

Vor allem nicht, wenn ihn mein Schmerz nie zu berühren schien.

„Ich suche nach der Wahrheit“, sagte ich.

„Das ist die Wahrheit“, erwiderte er.

„Nein.“

Meine Stimme brach.

„Nein, das ist sie nicht.“

Frustration blitzte in seinem Gesicht auf.

„Amelia...“

„Nicht.“

Ich hob die Hand.

Diese Geste überraschte uns beide.

Ich unterbrach ihn kaum jemals.

Ich widersprach ihm nie.

Aber heute Abend war alles anders.

Heute Abend zerbrach etwas in mir.

„Du schuldest mir mehr als das!“

Seine Augen verengten sich.

„Schulde ich dir das?“, fragte er.

„Ja. Das tust du!“

„Ach wirklich?“, sagte er.

Diese Frage tat weh.

Gott...

Sie tat furchtbar weh.

Ich starrte ihn an.

Ich konnte nicht glauben, dass der Mann vor mir derselbe war, den ich jahrelang geliebt hatte.

„Ich war deine Ehefrau“, sagte ich.

„Du bist es noch. Vorerst...“, erwiderte er.

„Warum fühlt es sich dann so an, als wäre ich während unserer gesamten Ehe allein gewesen?“, fragte ich.

Schweigen legte sich zwischen uns.

Ich spürte, wie sich meine Brust zusammenzog.

„Du hast mich nie geliebt, oder?“, fragte ich erneut.

Seine Augen flackerten kurz auf.

Etwas veränderte sich.

Er wirkte unbehaglich.

Diese Erkenntnis ließ mich bitter lächeln.

Denn sein Schweigen war die Antwort.

Ich senkte den Blick auf die Scheidungspapiere.

Seine Unterschrift starrte mich an.

Er war nicht gekommen, um über die Scheidung zu sprechen.

Er war gekommen, um mich darüber zu informieren.

Meine Meinung hatte nie gezählt.

So wie immer.

„Wann hast du diese Entscheidung getroffen?“, fragte ich.

Seine Antwort kam sofort.

„Vor einiger Zeit.“

Ich schloss die Augen.

Irgendwie machte das alles nur noch schlimmer.

Während ich unser Jubiläumsessen plante...

Während ich darauf wartete, dass er nach Hause kam...

Während ich hoffte, dass sich alles zum Besseren wenden würde...

...hatte er bereits beschlossen, unsere Ehe zu beenden.

Mit dieser Erkenntnis brannte die Demütigung in mir.

„Hattest du jemals vor, es mir zu sagen?“, fragte ich.

„Das tue ich doch gerade“, sagte er.

„Nein.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Nein, Damian.“

Sein Gesicht verdüsterte sich.

„Was meinst du damit?“

„Es mir zu sagen hätte bedeutet, mit mir zu reden.“

Ich hob die Scheidungsvereinbarung hoch.

„Das hier ist kein Gespräch.“

Die Papiere zitterten.

„Das hier ist eine Entscheidung.“

Ich wandte den Blick ab, bevor die Tränen fallen konnten.

Das Letzte, was ich wollte, war sein Mitleid.

Falls er überhaupt zu so etwas fähig war.

Plötzlich vibrierte mein Handy.

Das Geräusch ließ uns beide zusammenzucken.

Ich blickte auf den Bildschirm.

Lily.

Ich lehnte den Anruf sofort ab.

Ich konnte jetzt nicht mit ihr sprechen.

Nicht, während meine ganze Welt zusammenbrach.

Leider kannte Lily mich viel zu gut.

Eine Sekunde später erschien eine weitere Nachricht.

Lily: Ist er nach Hause gekommen?

Lily: Amelia?

Lily: Warum antwortest du nicht?

Ich sperrte hastig den Bildschirm.

Damian bemerkte es.

„Deine Freundin?“

Nach drei Jahren Ehe erinnerte er sich endlich daran, dass ich eine beste Freundin hatte.

„Ja“, sagte ich.

Das Gespräch verstummte erneut.

Die Villa fühlte sich erdrückend an.

Es war, als würden die Wände immer näher rücken.

Jede Erinnerung schmerzte.

Ich sah Damian erneut an.

Sein attraktives Gesicht.

Seine kalten Augen.

Sein makelloses Erscheinungsbild.

Der Mann, den unzählige Frauen bewunderten.

Der Mann, den ich jahrelang geliebt hatte.

Plötzlich kam mir ein Gedanke.

Ein Gedanke, den ich so lange verdrängt hatte.

Ein Gedanke, den ich nicht glauben wollte.

Doch jetzt...

...konnte ich ihn nicht länger ignorieren.

„Gibt es jemand anderen?“, fragte ich.

Die Frage verließ einfach meinen Mund.

Damian erstarrte.

Seine Reaktion dauerte weniger als eine Sekunde.

„Amelia, unterschreib einfach dieses verdammte Dokument.“

Meine Finger umklammerten die Papiere fester.

„Gibt es jemand anderen?“

Diesmal zitterte meine Stimme.

Die Antwort bedeutete mir mehr als alles andere.

In meinem Kopf flehte ich.

Bitte... sag einfach Nein.

Damian atmete langsam aus.

Sein Blick wich meinem aus.

Endlich liefen mir die Tränen über die Wangen.

Langsam nickte ich.

Plötzlich ergab alles einen Sinn.

Die Distanz.

Die Gleichgültigkeit.

Die Scheidung.

„Wer ist sie?“, fragte ich.

„Irgendeine perfekte kleine Prinzessin, oder?“, sagte ich bitter.

Sein Gesicht wurde unleserlich.

„Das ist irrelevant“, sagte er.

Ein scharfes Lachen entfuhr mir.

„Irrelevant? Wirklich?“

„Die Frau, für die du mich verlässt, ist irrelevant?“

Sein Schweigen sagte alles.

Ich machte einen Schritt zurück.

Als könnte mich der Abstand irgendwie beschützen.

Ich hatte Jahre damit verbracht zu glauben, dass Geduld ihn irgendwann dazu bringen würde, mich zu lieben.

Wie töricht.

Wie unglaublich töricht.

Damian beobachtete mich aufmerksam.

Vielleicht erwartete er einen weiteren Gefühlsausbruch.

Ein weiteres Flehen.

Einen weiteren Versuch, unsere Ehe zu retten.

Stattdessen fragte ich:

„Liebst du sie?“

Die Frage hing schwer zwischen uns.

Damian zögerte.

Eine lange Pause folgte.

Dann klingelte sein Handy.

Das Geräusch durchschnitt die angespannte Stille.

Damian blickte auf den Bildschirm.

Und plötzlich veränderte sich alles.

Sein ganzer Gesichtsausdruck wurde weicher.

Die Veränderung war nur ganz leicht.

Die meisten Menschen hätten sie nicht bemerkt.

Ich jedoch schon.

Denn ich hatte drei Jahre damit verbracht, jeden einzelnen Ausdruck dieses Mannes zu studieren.

Und den Ausdruck, den er jetzt zeigte...

...hatte ich noch nie mir gegenüber gesehen.

Mein Herz sank langsam in sich zusammen.

Damian nahm den Anruf an.

„Hallo.“

Auch seine Stimme hatte sich verändert.

Dieser Unterschied zerstörte mich beinahe.

Ich stand regungslos da und hörte zu.

Dann hörte ich das Lachen einer Frau am anderen Ende der Leitung.

Damian hob den Blick.

Unsere Augen trafen sich.

Die Frau am Telefon sprach erneut.

Und Damian lächelte.

Genau auf dieses Lächeln hatte ich jahrelang gewartet.

Ein Lächeln, das er mir nicht ein einziges Mal geschenkt hatte.

Und in diesem Moment wurde mir klar...

...dass ich ihren Namen bereits kannte.

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