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KAPITEL 3: Ich rette mich selbst

Author: Stephanie A.O
last update publish date: 2026-09-18 02:18:30

Irgendetwas roch seltsam, sobald Alura ihre Wohnungstür öffnete.

Es roch nach Zigarre. Teurer, dicker, erstickender Zigarre.

Sie stieß die Tür leise auf und ihr Magen sank sofort.

Percy Miller saß auf ihrer Couch als wäre sie ein Thron. Seine Beine waren weit gespreizt, seine teure Anzugjacke stand offen, und zwischen seinen Fingern hielt er eine dicke Zigarre. Rauch kräuselte sich um seinen Kahlkopf wie ein schmutziger Heiligenschein.

In der Ecke stand ihr Vater mit gesenktem Kopf wie ein Diener, der auf Befehle wartete.

„Da ist sie ja." Percy grinste. „Meine wunderschöne Braut."

Alura erstarrte im Türrahmen.

Percys Augen krochen langsam über ihren Körper. Begannen bei ihrem nassen Haar, glitten hinunter zu ihrer durchnässten Jacke, verweilten auf ihrer Brust, ihren Hüften und ihren Beinen.

„Selbst klatschnass bist du noch umwerfend," nickte er zufrieden. „Ich bin ein Glückspilz."

Alura wurde übel vor Ekel. „Verlassen Sie mein Haus. Sofort."

Percy lachte. Es klang wie ein höhnisches Lachen. „Ihr Haus? Alura, diese Wohnung gehört der Bank. Und die Bank gehört mir. Also ist das technisch gesehen MEIN Haus. Ich lasse euch nur bis zur Hochzeit hier wohnen."

Er stand auf und richtete seine Anzugjacke. Goldringe blitzten an seinen dicken Fingern auf. Er machte einen Schritt auf sie zu.

Alura trat zurück.

„Sei nicht schüchtern," sagte Percy. Sein Lächeln zeigte seine gelben Zähne. „Wir werden bald Mann und Frau sein. Wir sollten uns aneinander gewöhnen, weißt du."

„Ich werde Sie nicht heiraten."

„Doch, das wirst du." Er trat noch einen Schritt näher. „Dein Vater hat den Vertrag unterschrieben. Er ist rechtlich bindend, und in dreißig Tagen wirst du Mrs. Miller sein. Ich habe bereits alle Vorkehrungen getroffen."

Er zog sein Handy heraus und hielt es hoch. Es war ein Foto von einem Hochzeitskleid auf einer Schneiderpuppe. Ein weißes Spitzenkleid, fast durchsichtig, mit einem übermäßig tiefen Ausschnitt und einem Schlitz, der bis zur Hüfte reichte.

Alunas Magen drehte sich vor Ekel.

„Es ist wunderschön, nicht wahr?" Percys Stimme wurde tiefer. „Ich habe es selbst ausgesucht. Ich wollte etwas, das mir vor der Hochzeitsnacht einen guten Vorgeschmack auf das Kommende gibt."

„Sie sind widerlich."

Er schnaubte verächtlich und trat näher, viel zu nah, sodass Alura ihn jetzt riechen konnte. Tabak und ein Gemisch aus teurem Parfüm. „Ich habe fünf Jahre auf dich gewartet, Alura. Ich habe zugesehen, wie du dich von einem hübschen Collegemädchen zu einer umwerfenden Frau entwickelt hast. Weißt du, wie geduldig ich war?"

„Ich war neunzehn!" Alunas Stimme zitterte. „Du hast das schon geplant, seit ich neunzehn war?"

„Planen ist ein starkes Wort." Percy streckte die Hand aus. Alura wich zurück, aber er war schnell genug, ihre Wange zu berühren. „Sagen wir, ich habe... gehofft. Dein Vater kam immer wieder zurück, lieh sich immer mehr. Ich wusste, dass er am Ende nichts mehr anzubieten haben würde außer dir."

Sie schlug seine Hand weg.

Percys Lächeln wurde breiter. „Feurig. Das gefällt mir. Mach dir keine Sorgen, ich werde in unserer Hochzeitsnacht sanft sein. Bis Ende der ersten Woche wirst du um meine Aufmerksamkeit betteln."

Alura würgte sofort. Sie schubste ihn zur Seite und rannte in ihr Schlafzimmer.

Sein Lachen hallte hinter ihr nach. „Du kannst nicht vor mir weglaufen, Alura! Du gehörst mir jetzt! MIR!"

Sie warf ihre Schlafzimmertür zu und drehte den Riegel mit zitternden Händen. Ihr Herz hämmerte so stark, dass sie dachte, es könnte durch ihre Rippen brechen.

Draußen schrie Percy jetzt ihren Vater an.

„Du musst deine Tochter besser im Griff haben, Robert. Ich mag keine Respektlosigkeit."

„Es tut mir leid, Mr. Miller." Die Stimme ihres Vaters klang erbärmlich und kriecherisch. „Sie hat nur Angst. Sie wird sich beruhigen."

„Das will ich hoffen. Ich bin kein geduldiger Mann mehr. Ich habe lange genug gewartet."

Seine Schritte näherten sich ihrer Tür.

Alura trat sofort zurück.

Der Türknauf rasselte zweimal.

„Alura." Percys Stimme war direkt draußen, sie klang süßlich und dennoch vergiftet. „Bring mich nicht dazu, diese Tür einzutreten. Komm raus und verabschiede dich anständig."

„Lass sie in Ruhe!" Ihr Vater meldete sich endlich zu Wort. „Du hast bekommen, wofür du gekommen bist. Der Vertrag ist unterschrieben, jetzt geh. Bitte."

Plötzlich entstand eine Pause. Dann ein Dumpfes, dann ein Schmerzensgeräusch.

Alura presste ihr Ohr an die Tür. Ihr Vater hustete und rang nach Luft.

„Wage es nicht, mir zu sagen, was ich zu tun habe," sagte Percy kalt. „Denk daran, wem du gehörst."

Weitere Schritte, dann öffnete sich die Wohnungstür.

„Dreißig Tage, Robert. Sorge dafür, dass sie bereit ist. Hübsches Kleid, schönes Make-up und ein breites Lächeln. Ich will eine perfekte Hochzeit. Verstanden?"

„Ja, Mr. Miller. Ich verstehe." Robert stöhnte vor Schmerz.

„Gut. Und sag deiner Tochter, dass ich sie finden werde, wenn sie versucht zu fliehen. Ich habe überall Leute. Sie kann sich nicht vor mir verstecken."

Die Tür fiel krachend ins Schloss.

Alura wartete eine Weile und zählte ihre Herzschläge. Eine Minute, zwei, drei.

Schließlich entriegelte sie ihre Tür und trat heraus.

Ihr Vater saß auf dem Boden und hielt sich die Rippen. Ein frischer Bluterguss zierte seine Wange.

„Papa..."

„Komm nicht her." Er schaute sie nicht an. „Bitte nicht."

„Aber er hat dich geschlagen." sagte sie besorgt.

Ihr Vater lachte bitter. „Ich habe meine Tochter an ein Monster verkauft. Ich denke, ich verdiene Schlimmeres als eine Ohrfeige."

Alura wollte ihn trösten. Aber als sie ihn jetzt so ansah, wie erbärmlich und gebrochen er aussah, spürte sie nichts. Nur Kälte und Leere.

Sie biss sich auf die Lippen und wandte sich wieder ihrem Zimmer zu.

„Wohin gehst du?" fragte ihr Vater.

„Ins Bett."

„Alura, wir müssen darüber reden. Über die Hochzeit. Mr. Miller hat Erwartungen."

„Das ist mir egal."

„Aber es muss dir nicht egal sein! Wenn du ihn bloßstellst, lässt er es uns beide büßen! Bitte, arbeite einfach mit. Trag das Kleid. Lächle. Sag das Ja-Wort. Es ist schnell vorbei."

Alura blieb in ihrem Türrahmen stehen. „Es wird nicht vorbei sein, Papa. Es wird der Anfang davon sein, dass er mich für den Rest meines Lebens besitzt."

„Es ist nicht so schlimm. Er ist reich. Er wird für dich sorgen."

„Er wird mich vergewaltigen."

„Sag das nicht!"

„Warum nicht? Es ist wahr. Eine Ehe macht es nicht einvernehmlich, wenn ich es nicht will."

Das Gesicht ihres Vaters zerfiel. „Aber was für eine Wahl haben wir?"

Alura sah ihn an, seine Blutergüsse, die Scham, die Schwäche, die sich seit fünfzehn Jahren in ihm festgesetzt hatte.

„Gute Nacht, Papa."

Sie schloss ihre Tür, verriegelte sie und lehnte sich dagegen, bis ihre Beine aufhörten zu zittern.

Dann zog sie Oma Mabels Karte heraus.

Die Visitenkarte war vom Regen noch leicht feucht.

Sie setzte sich auf ihr Bett und starrte auf ihr Handy.

Achtundvierzig Stunden, hatte Oma Mabel gesagt. Aber Alura brauchte keine achtundvierzig Stunden, sie brauchte nur fünf Minuten. In dem Moment, als Percy ihr Gesicht berührt hatte, hatte sie ihre Entscheidung bereits getroffen.

Alles war besser als das.

Sogar eine lieblose Ehe mit einem Fremden namens Lou.

Sie wählte die Nummer mit zitternden Fingern.

„Ich habe mich schon gefragt, wann du anrufen würdest, Lily." Oma Mabels Stimme kam fast sofort aus dem Lautsprecher.

Sie klang überrascht. Als hätte sie neben dem Telefon gesessen und gewartet.

Alura atmete aus. „Ich mache es."

„Du bist sicher?"

„Ja, ich werde ihn heiraten. Ich kann nur..." Ihre Stimme brach. „Ich kann Percy Miller nicht heiraten. Ich kann nicht. Bitte."

Am anderen Ende herrschte Stille.

„Du bist sehr mutig, Lily," sagte Oma Mabel schließlich.

„Ich bin nicht mutig, ich bin verzweifelt." bestand Alura.

„Es braucht auch Mut, um verzweifelt zu sein, Kind. Wie auch immer, kannst du mich morgen früh treffen? Um acht Uhr am Tempel. Bring deinen Ausweis und deine Familienurkunde mit."

„Können Sie so schnell alles arrangieren?" fragte Alura überrascht.

„Wenn man Geld und Verbindungen hat, Kind, geht alles schnell. Ich bringe das Bargeld für die Schulden deines Vaters mit. Vier Millionen Dollar. Außerdem den Ehevertrag und Ringe."

Alunas Kopf drehte sich. „Ringe?"

„Eine Ehe braucht Ringe, auch eine unechte. Mach dir keine Sorgen, sie sind schlicht, nicht zu auffällig. Aber es ist echtes Gold. Mein Enkel besteht auch bei Geschäftsangelegenheiten auf Qualität."

Alura atmete aus. „Das passiert wirklich gerade."

„Nur wenn du es willst."

„Ich will es." Ihre Worte kamen fest heraus. „Ich bin um acht Uhr dort, Oma Mabel."

„Hmm. Schlaf gut, meine liebe Lily." sagte Oma Mabel sanft.

Sie legten auf.

Alura saß im Dunkeln mit ihrem Handy in den Händen.

Morgen. Um acht Uhr würde sie einen Fremden namens Lou heiraten, nur um von Percy Miller frei zu sein. Es war vielleicht eine weitere falsche Entscheidung, aber wenigstens durfte sie selbst entscheiden.

..............

Im Morgengrauen des nächsten Tages hinterließ sie einen Zettel auf dem Küchentisch.

*„Ich rette mich selbst, da du es nicht tust. Such nicht nach mir."*

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