LOGINDie Prüfung der Luna Blackridge hatte sich verändert, seit Aria das Baby verloren hatte. Das Schloss, das einst voller Vorbereitungen für eine Feier gewesen war, war nun schmerzlich still. Das Kinderzimmer war unberührt geblieben. Winzige Kleidungsstücke lagen noch immer ordentlich gefaltet in den Schubladen. Die leere Wiege stand neben dem Fenster und erinnerte alle daran, was sie verloren hatten. Aria hatte ihr Zimmer kaum verlassen. Sie lebte, aber sie war schwach. Ihr Körper hatte während der Schwangerschaft und der Geburt stark gelitten. An manchen Morgen konnte sie sich kaum ohne Hilfe aufsetzen. Deucalion blieb bei ihr, wann immer er konnte. Eines Abends saß er neben ihrem Bett, während sie schlief. Seine Mutter stand in der Tür und beobachtete ihn. „Wir müssen reden“, sagte die Luna. Deucalion blickte auf. „Worüber?“ Sie trat langsam ein und schloss die Tür. „Über die Zukunft von Blackridge.“ Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich. „Nicht heute Abend. Und warum bist i
Lucius findet die Spur Lucius war seit einigen Tagen unterwegs. Er suchte nicht auf dieselbe Weise nach Malia, wie es die Wölfe von Blackridge getan hatten. Sie waren durch die verschiedenen Gebiete gezogen, hatten Fragen gestellt und Gerüchten nachgespürt. Lucius wusste, dass diese Methode Wochen verschwenden konnte. Er suchte auf eine andere Weise. Er kannte sich mit Wäldern aus. Er wusste, wie Wölfe zwischen Siedlungen unterwegs waren, wo Reisende Halt machten, welche Wege sie benutzten und wer wahrscheinlich etwas wissen könnte. Am wichtigsten war jedoch, dass er wusste, wie man mit Menschen sprach. In der ersten Siedlung schüttelte ein alter Wolf den Kopf. „Malia? Ich habe sie nicht gesehen.“ „Was ist mit einer Frau, die allein unterwegs war?“ „Viele Wölfe kommen hier vorbei.“ „Sie hätte sich so verhalten, als wollte sie nicht bemerkt werden.“ Der alte Wolf dachte einen Moment nach. „Nein. Ich erinnere mich an niemanden, auf den das zutrifft.“ Lucius bedankte sich bei
Der Fremde in der Hütte Ich schlief in dieser Nacht kaum. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich die 3 Kratzspuren an der Tür. Sie waren frisch. Jemand hatte sie kurz vor unserer Ankunft hinterlassen. Ich hielt Derek dicht bei mir, während Lydia und Mara schliefen. Ich lauschte auf jedes Geräusch außerhalb der Hütte. Ein brechender Ast. Raschelnde Blätter. Der Wind, der durch die Bäume strich. Bei jedem Geräusch griff ich nach dem Messer neben mir. Aber nichts geschah. Als der Morgen endlich anbrach, war ich immer noch wach. Lydia bemerkte es als Erste. „Du hast nicht geschlafen, oder?“ Ich schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich.“ Mara setzte sich auf. „Wegen der Kratzspuren?“ Ich nickte. „Kommt und seht sie euch noch einmal an.“ Wir gingen gemeinsam nach draußen. Die Kratzspuren waren immer noch da. Lydia führte ihre Finger daran entlang, ohne die Einschnitte zu berühren. „Diese stammen wirklich nicht von Redfang.“ „Ich weiß.“ Mara beugte sich näher. „Sie sind ti
Ein Rudel ohne Erben Drei Tage waren vergangen, seit Aria entbunden hatte. Endlich öffnete sie die Augen. Mehrere Sekunden lang starrte sie regungslos an die Decke. Ihr Körper fühlte sich schwer an, und selbst das Atmen schien schwierig zu sein. Dann kehrten die Erinnerungen zurück. Ihr Baby. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Wo ist mein Baby?“ Deucalion, der neben ihrem Bett saß, stand sofort auf. „Aria.“ „Wo ist es?“, fragte sie erneut. Deucalion wandte den Blick ab. Aria kannte die Antwort bereits. Sie hatte ihr lebloses Kind in den Armen gehalten, aber ein Teil von ihr hoffte immer noch, dass sie nur geträumt hatte. „Es ist von uns gegangen“, flüsterte er. Deucalion setzte sich neben sie und nahm ihre Hand. „Es tut mir leid.“ Aria zog ihre Hand zurück. „Ich möchte es sehen.“ „Aria …“ „Bitte.“ Ihre Stimme brach. „Es war mein Sohn.“ Deucalion hatte keine Antwort. Die Heilerin hatte sie gewarnt, dass Arias Körper noch immer schwach war. Sie brauchte Nahrung, M
Ein Neuanfang Jemand oder etwas lebte hier. Ich blieb regungslos stehen und hielt Derek ganz fest an mich gedrückt. Lydia kam näher zu mir. „Sollen wir gehen?“ „Ich weiß es nicht.“ Mara sah sich um. „Wir können nicht draußen bleiben. Bald wird es dunkel. Wir sind ungeschützt.“ Ich betrachtete die verlassenen Hütten. Nichts bewegte sich. „Sehen wir uns zuerst hier um.“ Wir bewegten uns vorsichtig durch das Lager. Zwischen den Bäumen standen heruntergekommene Holzhäuser. Einige Dächer waren eingestürzt, während andere mit Ranken bedeckt waren. Alte Werkzeuge lagen verstreut auf dem Boden, und ich entdeckte die Überreste einer steinernen Feuerstelle. „Hier haben tatsächlich einmal Wölfe gelebt“, murmelte Lydia. „Vor vielen Jahren“, antwortete ich. Mara deutete auf eine andere Hütte. „Seht mal.“ Ich folgte ihrem Finger mit den Augen. Kratzspuren bedeckten die Tür, aber sie waren alt. Es gab keine frischen Fußabdrücke in der Umgebung. Wir überprüften jede Hütte, die wir finden
Die JagdWir versteckten uns nicht mehr vor einer Gruppe, sondern vor einem ganzen Rudel.Die Heule kamen aus allen Richtungen. Ich blieb eine halbe Sekunde stehen und hielt Derek fester an meiner Brust.Lydia sah hinter uns. Mara atmete schwer neben ihr.„Sie haben das ganze Rudel gerufen“, sagte Lydia.Mein Magen fiel.Das Geräusch von Wölfen bewegte sich durch den Wald. Ein Heulen kam von hinter uns. Ein anderes antwortete von links. Dann kam eines von irgendwo vorne.„Sie umzingeln uns“, flüsterte Lydia.Ich sah auf Derek. Er war jetzt ruhig, sein kleiner Körper an mich gepresst. „Sie können ihn riechen, oder?“ fragte ich.Lydia nickte. „Sein Geruch führt sie direkt zu uns.“Ich schloss meine Arme fester um ihn. „Dann bewegen wir uns weiter.“Wir rannten erneut.Äste trafen mein Gesicht, während ich mich durch sie schob. Meine Beine brannten, und jeder Atemzug tat weh, aber ich verlangsamte nicht. Mara blieb nah, während Lydia sich umsah und versuchte herauszufinden, wo die Wölfe







