FAZER LOGINFünf Jahre nachdem Zephryne vom mächtigen Alpha ihres Rudels öffentlich gedemütigt und zurückgewiesen wurde, kehrt sie mit einem bindenden Ehevertrag zurück, um ihren sterbenden Bruder zu retten. Sie zwingt ihren ehemaligen Gefährten zu einer Zweckehe, die ein dunkles Geheimnis hinter seinem damaligen Verrat ans Licht bringt.
Ver maisZephryne's Sicht
Ich stand auf der kalten Steinplattform, während meine Handflächen vor Nervosität schwitzten. Kaelen Draven blickte mit unverhohlener Verachtung in seinen eisigen Augen auf mich herab. Als er schließlich den Mund öffnete, fühlten sich seine Worte wie scharfe Glasscherben an, die direkt durch meine Brust schnitten.
„Ich, Kaelen Draven, verstoße dich, Zephryne Vaelis, als meine Gefährtin und Luna“, sagte er so laut, dass jedes einzelne Wort von allen gehört werden konnte, die sich im Innenhof versammelt hatten.
Mein ganzer Körper wurde taub, denn mein Leben lang hatte ich von genau diesem Augenblick geträumt. Ich hatte mir immer vorgestellt, wie der mächtigste Alpha unseres Rudels mich endlich ansehen und mich als sein Eigentum anerkennen würde. Doch anstatt mich in seine Arme zu ziehen, wie es in den Geschichten immer versprochen wurde, sah er mich an, als wäre ich nichts weiter als ein lästiges Insekt an seinem Schuh, das er einfach abstreifen wollte.
Der kalte Wind peitschte gegen mein dünnes Kleid und ließ mich von Kopf bis Fuß zittern, doch die Kälte in meinem Herzen schmerzte tausendmal mehr als die eisige Winterluft. Rund um die Plattform begannen die Rudelmitglieder zu tuscheln und mit grausamen Grinsen im Gesicht auf mich zu zeigen. Sie machten sich darüber lustig, wie jemand wie ich überhaupt glauben konnte, an der Seite des zukünftigen Anführers unseres Volkes stehen zu dürfen.
Ich versuchte, ruhig weiterzuatmen, doch meine Kehle fühlte sich eng und heiß an. Ich wusste, dass ich in Tränen ausbrechen würde, wenn ich auch nur eine weitere Sekunde dort blieb. Ich weigerte mich, ihnen die Genugtuung zu geben, mich weinen zu sehen, denn mein Stolz war das Einzige, was mir an diesem schrecklichen Ort noch geblieben war. Also hob ich das Kinn und zwang meine Beine, sich zu bewegen, obwohl sie sich so schwer wie Stein anfühlten.
Das grausame Gelächter des Rudels hallte in meinen Ohren wider, als ich mich umdrehte und in die eisige Nacht hinausging. Dabei schwor ich mir, niemals wieder zurückzukehren.
Von dem einzigen Zuhause fortzugehen, das ich je gekannt hatte, war das Schwerste, was ich jemals getan hatte, besonders als der Schnee immer dichter vom dunklen Himmel über uns herabzufallen begann. Mein kleiner Bruder Vaelen wartete in unserer kleinen Holzhütte am Waldrand auf mich. Allein bei dem Gedanken daran, ihm in die Augen sehen und erklären zu müssen, dass unsere gesamte Zukunft gerade in Luft aufgelöst worden war, zog sich meine Brust schmerzhaft zusammen.
Als ich endlich unsere Haustür erreichte, zitterten meine Finger so stark, dass ich drei Versuche brauchte, um den Eisenschlüssel in das rostige Schloss zu stecken. Im Inneren der Hütte war es dunkel und still. In der Luft lag der schwache Geruch der pflanzlichen Arzneimittel, die Vaelen jeden Tag brauchte, damit seine schwache Lunge weiterhin richtig arbeiten konnte.
„Zephryne, bist du das?“, rief Vaelen von seinem kleinen Bett neben dem Kamin. Seine Stimme klang rau und schwach, so wie immer, wenn seine Krankheit wieder schlimmer wurde.
Ich wischte mir mit dem Ärmel meiner Kleidung die feuchten Wangen ab, bevor ich den Raum betrat. Dabei setzte ich ein strahlendes Lächeln auf, damit er sich keine Sorgen darüber machte, was gerade auf dem Zeremonienplatz geschehen war.
„Ja, ich bin es, Vaelen“, antwortete ich leise und ging zu ihm, um die dicke Wolldecke fester um seine schmalen Schultern zu ziehen. Er blinzelte mich mit seinen großen, müden Augen an. „Wie fühlst du dich heute Abend? Hast du deine Medizin genommen, während ich weg war?“
„Ich habe sie genommen, aber meine Brust fühlt sich immer noch so an, als würde ein großer, schwerer Fels darauf liegen“, flüsterte er. Er hustete ein wenig, bevor er nach meiner Hand griff und sie fest umschloss. „Ist es passiert? Hat Alpha Kaelen dich als seine Gefährtin angenommen?“
Als ich seinen Namen hörte, drehte sich mir der Magen um. Ich schluckte schwer und schüttelte langsam den Kopf, während ich versuchte, meine Stimme nicht zittern zu lassen.
„Nein, er hat mich nicht angenommen, Vaelen“, antwortete ich ehrlich, denn ich konnte meinen kleinen Bruder niemals bei etwas so Wichtigem anlügen. „Er hat mich vor dem gesamten Rudel zurückgewiesen, und wir dürfen nicht länger im Rudelhaus bleiben.“
Vaelens Augen weiteten sich vor Schock und Wut. Er versuchte, sich im Bett aufzurichten, doch sein schwacher Körper machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Mit einem leisen Stöhnen sank er wieder gegen die Kissen zurück.
„Dieses schreckliche Monster!“, murmelte Vaelen wütend, während seine Fäuste unter der Decke zitterten. „Wie konnte er dir das antun, nachdem du so viel Gutes für alle in diesem Rudel getan hast? Wir müssen diesen Ort sofort verlassen, Zephryne. Wir können keine weitere Minute hierbleiben, wenn die Menschen uns wie Dreck behandeln.“
„Ich weiß, Vaelen. Ich habe unsere kleine Tasche bereits gepackt, bevor ich zur Zeremonie gegangen bin, weil ich ein ungutes Gefühl hatte“, erklärte ich ihm und deutete auf die Ledertasche, die neben der Holztür stand. „Wir werden unsere Sachen zusammenpacken und morgen früh, noch vor Sonnenaufgang, in die menschlichen Tieflande aufbrechen.“
„Werden wir dort sicher sein?“, fragte er und wirkte ein wenig ängstlich, während er durch das kleine, mit Frost überzogene Fenster auf den dunklen Wald hinausblickte.
„Wir werden dort sicher sein, denn niemand kennt uns dort. Wir können ein völlig neues Leben beginnen, an einem Ort, an dem es niemanden interessiert, aus welcher Alpha-Blutlinie jemand stammt oder welche Regeln ein Rudel aufstellt“, sagte ich und versuchte, viel mutiger zu klingen, als ich mich tief in meinem Inneren tatsächlich fühlte.
Den Rest der Nacht verbrachten wir schweigend neben dem langsam erlöschenden Feuer. Wir beobachteten, wie die orangefarbenen Flammen allmählich zu grauer Asche wurden, während der Wind laut gegen die Holzwände unserer kleinen Hütte heulte. Ich dachte immer wieder an Kaelens kalte, goldene Augen und daran, mit wie viel Hass er mich angesehen hatte. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, hörte ich noch immer das laute Gelächter der Rudelmitglieder in meinen Ohren widerhallen.
Als das erste blasse Morgenlicht schließlich zwischen den Bäumen hindurchschimmerte, traten wir hinaus in den kalten Schnee und machten uns auf den langen Weg fort von den Bergen. Ein letztes Mal blickte ich zurück zu den hohen Steintürmen des Shadowridge-Rudels, die weit entfernt in der Ferne zu sehen waren.
Dann gab ich mir selbst ein feierliches Versprechen: Ich würde stark genug werden, damit niemand mir jemals wieder so wehtun konnte.
Zephrynes SichtDie schweren Eichentüren von Kaelens privatem Arbeitszimmer knarrten, als ich sie öffnete. Dahinter bot sich mir ein Raum, der von wilden Krallen völlig verwüstet worden war. Beim Anblick des Chaos, das überall auf dem Boden verstreut lag, stockte mir für einen kurzen Moment der Atem.Massive Bücherregale aus dunklem Holz waren von den Steinwänden gerissen worden, sodass Hunderte alter, in Leder gebundener Bücher in unordentlichen Haufen auf dem Boden lagen, vermischt mit zerrissenen Seiten und zerbrochenen Buchrücken. Schwere Mahagonistühle waren in winzige Holzsplitter zertrümmert worden. Tiefe, grausame Kratzspuren zogen sich über den polierten Steinboden und die dunklen Holzvertäfelungen. Es sah aus, als hätte ein wütendes, gefangenes Biest mitten in der Nacht alles in seiner Reichweite zerfetzt.Ältester Malakor blieb einige Schritte vor der zerstörten Tür stehen und weigerte sich, den verfluchten Raum zu betreten. Er hatte viel zu große Angst vor dem Monster, da
Zephrynes SichtDer Große Saal zu betreten fühlte sich an, als würde ich direkt in meinen schlimmsten Albtraum zurückkehren. Doch ich hielt den Kopf hoch und die Schultern gerade, während ich durch die schweren Eichentüren trat, die sich zu dem prächtigen Raum mit seinen steinernen Wänden öffneten.Die riesigen brennenden Holzscheite im zentralen Kamin sorgten für angenehme Wärme, und sofort stiegen mir der Duft von Kiefern, gebratenem Fleisch und nassem Wolfsfell in die Nase.Vor fünf Jahren war ich über genau dieselben grauen Steinplatten gegangen, während mir heiße Tränen über das Gesicht liefen und Hunderte von Rudelmitgliedern mit den Fingern auf mich zeigten und über meine plötzliche Demütigung lachten. Heute verstummte derselbe Raum in nervöser Stille, sobald meine Stiefel auf dem harten Boden widerhallten.Jeder einzelne Kopf drehte sich in meine Richtung. Die jungen Wachen, die entlang der hohen Steinsäulen standen, ebenso wie die wohlhabenden Rudelältesten, die an den schwer
Zephrynes SichtAls ich die Grenze des Shadowridge-Rudels erneut überschritt, begann meine Haut zu prickeln, weil alte Erinnerungen in mir wach wurden, die ich so verzweifelt zu vergessen versucht hatte. Jeder einzelne Schritt auf dem verschneiten Feldweg fühlte sich an, als würde ich direkt in eine Geistergeschichte zurückkehren, die ich in den vergangenen fünf Jahren aus meinem Gedächtnis zu löschen versucht hatte.Die hohen Kiefern ragten wie schweigsame, riesige Wächter über mir auf. Ihre dunkelgrünen Äste waren schwer mit frischem, weißem Schnee beladen, der unter meinen schweren Lederstiefeln bei jedem Schritt leise knirschte, während ich auf die Haupttore zuging. Die Luft hier oben im Gebirge war viel kälter und schärfer als unten in den Tieflanden.Sie biss in meine Wangen und ließ meinen Atem in kleinen weißen Wölkchen aufsteigen, während ich meinen dunklen Wollumhang enger um meine Schultern zog.Vor fünf Jahren hatte ich diesen Ort als weinender, gedemütigter Teenager verla
Zephrynes SichtFünf lange Jahre waren vergangen, seit wir in die Tieflande gezogen waren. Während dieser Zeit hustete mein jüngerer Bruder Vaelen immer wieder dunkles Blut in seine Bettlaken, und jeden Morgen wachte ich mit einem schweren Gefühl in der Brust auf, während ich zusehen musste, wie er von Tag zu Tag schwächer wurde.Wir hatten uns ein kleines, ruhiges Leben in einer winzigen Holzhütte am Rand einer verschlafenen Menschenstadt aufgebaut. Niemand dort wusste etwas über Werwölfe oder das grausame Rudel, das uns wie wertlosen Müll verstoßen hatte.All die Jahre arbeitete ich als örtliche Apothekerin. Ich mischte Kräuter und kochte Wurzeln aus, um einfache Heilmittel für die menschlichen Dorfbewohner herzustellen, die mit schlimmen Erkältungen, aufgeschürften Knien oder schmerzenden Muskeln zu mir kamen.Sie hielten mich für ein freundliches, stilles Mädchen, das ein Talent für Medizin besaß, und mir war das nur recht. Unsere wahre Identität geheim zu halten, war der einzige

















