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Kapitel 2: Der Jäger der nicht schlief

Author: Viv Rex
last update Petsa ng paglalathala: 2026-05-08 03:52:51

Ich kann nicht schlafen.

Das ist nichts Neues. Ich schlafe selten. Zwei oder drei Stunden wenn ich Glück habe. Vier wenn der Körper stärker ist als der Kopf. Heute Nacht ist der Kopf stärker.

Ich sitze auf dem Boden meiner Wohnung und reinige das Schwert.

Es braucht keine Reinigung. Ich habe es heute Nacht nicht benutzt. Kein Blut. Kein Schmutz. Aber ich reinige es trotzdem. Die Bewegung ist alt und beruhigend. Mein Vater hat es mir beigebracht. Das Öl auf das Tuch. Das Tuch über die Klinge. Langsam. Gleichmäßig. Respektvoll. Ein Schwert das man nicht pflegt wird stumpf. Ein Schwert das stumpf wird rettet dich nicht wenn du es brauchst.

Seine Worte. Nicht meine.

Mein Vater war ein ruhiger Mann. Er sprach wenig aber was er sagte blieb. Ich war zwölf als er starb. Zwölf Jahre sind nicht genug um einen Vater zu kennen. Aber genug um ihn zu vermissen für den Rest des Lebens.

Die Klinge glänzt im schwachen Licht der Straßenlaterne die durch das Fenster fällt. Sie hat einen Namen. Cheonjang. Mein Großvater gab ihr den Namen. Mein Vater trug sie. Jetzt trage ich sie. Drei Generationen von Jägern. Drei Generationen von Männern die gegen Dinge kämpfen die normale Menschen nicht sehen können.

Ich frage mich manchmal ob mein Großvater auch nicht schlafen konnte.

Ich frage mich ob mein Vater vor dem Spiegel stand und sich fragte ob er so enden würde wie sein Vater. Tot. Früh. Mit einem Schwert in der Hand und Dingen die er nicht zu Ende gebracht hat.

Ich lege das Tuch beiseite und betrachte die Klinge.

Sie ist alt aber sie ist nicht schwach. Das Metall hält mehr als Eisen halten sollte. Mein Vater sagte immer dass das Schwert lebt. Dass es atmet. Dass es die Dunkelheit erkennt bevor wir sie sehen. Ich glaubte ihm nicht. Dann trug ich es zum ersten Mal und spürte es warm werden an meinem Rücken als etwas Böses in der Nähe war.

Jetzt glaube ich ihm.

Ich stehe auf und lege das Schwert auf seinen Ständer. Dann gehe ich zum Fenster und sehe hinaus.

Seoul bei Nacht ist nie wirklich dunkel. Es gibt immer Licht. Immer Bewegung. Immer das leise Summen von zehn Millionen Leben die aneinander vorbei gleiten ohne sich je wirklich zu berühren. Ich mag die Stadt bei Nacht mehr als bei Tag. Bei Tag ist sie laut und fordernd und voller Studenten die nichts über Geschichte wissen wollen. Bei Nacht ist sie ehrlich. Sie zeigt was sie ist ohne sich zu schminken.

Ich denke an die Frau.

Ich will nicht an sie denken. Aber ich denke an sie.

Sie kam um die Ecke an der kleinen Apotheke in Mapo. Ich sah sie eine Sekunde bevor wir uns begegneten. Cremefarbener Mantel. Langes dunkles Haar das nass war vom Regen. Sie ging langsam. Nicht wie jemand der es eilig hat. Nicht wie jemand der verloren ist. Sie ging wie jemand der die Stadt beobachtet. Wie jemand der nicht wirklich dazugehört.

Ich kenne dieses Gehen. Ich gehe genauso.

Unsere Schultern berührten sich. Es war nichts. Zwei Fremde auf einer schmalen Straße. Aber Cheonjang wurde warm. Nicht kalt wie bei Gefahr. Nicht heiß wie bei Blut. Warm. Als ob die Klinge etwas erkannte das ich nicht erkennen konnte.

Ich blieb nicht stehen. Ich drehte mich nicht um.

Aber ich wollte.

Das ist das Seltsame. Ich wollte mich umdrehen. Ich wollte sie ansehen. Ich wollte wissen wer sie ist und warum meine Hand immer noch kribbelt an der Stelle wo sie meinen Arm streifte.

Ich tat es nicht. Ich ging weiter. Nach Hause. In meine leere Wohnung mit den kahlen Wänden und den drei Notizbüchern auf dem Regal und dem Schwert das warm wurde wegen einer Frau die ich nicht kenne.

Vielleicht bilde ich es mir ein.

Vielleicht war es nichts.

Aber ich nehme mein Handy und öffne die Notizen. Ich tippe langsam. Die Worte sind einfach.

Frau. Cremefarbener Mantel. Mapo Bezirk. Cheonjang reagierte.

Dann darunter.

Warum.

Ich starre das Wort an. Es ist ein gutes Wort. Es ist das Wort das mich seit siebzehn Jahren antreibt. Warum starben meine Eltern. Warum konnte ich sie nicht retten. Warum jage ich immer noch Dinge die nicht sterben wollen. Warum bin ich immer noch am Leben wenn sie es nicht sind.

Warum wurde das Schwert warm als eine Fremde an mir vorbei ging.

Ich schließe die Notizen und lege das Handy weg.

Morgen unterrichte ich. Koreanische Geschichte. Die Studenten werden müde sein und auf ihre Uhren schauen und darauf warten dass die Stunde zu Ende geht. Ich werde sprechen und sie werden zuhören ohne wirklich zuzuhören. Das ist in Ordnung. Ich unterrichte nicht weil ich es liebe. Ich unterrichte weil ich ein Leben brauche das normal aussieht. Ein echtes Leben. Eines das niemand hinterfragt.

Nach dem Unterricht komme ich nach Hause. Ich esse etwas. Ich bereite die Jagd vor. Und dann gehe ich wieder hinaus in die Nacht und suche nach Dingen die nicht gefunden werden wollen.

Das ist mein Leben.

Das ist alles was ich habe.

Ich stehe noch einen Moment am Fenster. Der Regen hat aufgehört. Die Stadt glitzert nass unter den Lichtern. Ich denke an den cremefarbenen Mantel. An die Art wie sie ging. An die Wärme des Schwerts.

Dann lege ich mich hin und schließe die Augen und warte auf den Schlaf der nicht kommt.

machen oder passt der Rhythmus so?

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