Die Füchsin und der Jäger

Die Füchsin und der Jäger

last updateZuletzt aktualisiert : 04.06.2026
Von:  Viv Rex Laufend
Sprache: Deutsch
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Zusammenfassung

Süße Romantik

Drama

Erste Person

Unabhängig

Unbesiegbar

Ryu Seojun führt zwei Leben. Tagsüber unterrichtet er Geschichte an einer Universität in Seoul. Nachts jagt er die Kreaturen, die durch die dunklen Straßen der Stadt streifen. Er trägt ein Schwert, das ihm sein Vater hinterlassen hat. Seit dem Tod seiner Eltern ist er allein. Die Trauer sitzt tief in seinen Knochen. Er glaubt nicht, dass Liebe etwas ist, das ihm zusteht. Gu Miho wandelt seit über dreihundert Jahren auf dieser Erde. Sie ist eine Gumiho, ein Fuchsgeist mit sieben Schweifen, uralt und mächtig und vollkommen allein. Sie hat einmal einen Menschen geliebt. Es endete in einem Schmerz, den sie noch immer trägt. Seitdem hält sie Abstand zu allen. Sie beobachtet die Stadt vom stillen Rand der Dinge und sagt sich, dass es genug ist. Dann begegnen sie sich. Nicht dramatisch. Ein Café. Eine späte Straße. Ein gewöhnlicher Moment, der hätte vorübergehen sollen wie all die anderen. Doch etwas in ihm erkennt etwas in ihr. Etwas in ihr weigert sich, wegzusehen. Er weiß nicht, was sie ist. Sie weiß nicht, ob sie ihm trauen kann. Doch sie finden immer wieder zueinander. Und langsam, ohne Erlaubnis, ohne Plan, beginnen zwei Menschen, die nicht mehr an Liebe glaubten, etwas zu fühlen, das sie nicht benennen und nicht aufhalten können. Aber die übernatürliche Welt hat Miho nicht vergessen. Eine Schuld aus ihrer Vergangenheit fordert ihren Preis. Und wenn sie eintrifft, muss Seojun entscheiden, was er bereit ist, für eine Frau zu riskieren, die nicht menschlich ist, und für eine Liebe, die unmöglich sein sollte.

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Kapitel 1

Kapitel 1: Die Frau im cremefarbenen Mantel

Ich stehe am Fenster und sehe der Stadt beim Atmen zu.

Seoul bei Nacht ist ein Lebewesen. Die Lichter sind sein Atem. Die Straßen sind Adern und die Autos das Blut das zu schnell hindurch fließt. Ich habe diese Stadt wachsen sehen vom Dorf zur Metropole. Dreihundert Jahre. Dreihundert Jahre und sie ist immer noch fremd und immer noch schön und immer noch nicht mein Zuhause.

Mein Zuhause ist ein kleines Haus in den Hügeln nördlich der Stadt. Es steht zwischen Bäumen die älter sind als die meisten Gebäude hier. Kein Mensch kommt dorthin. Kein Mensch weiß dass es existiert. So habe ich es eingerichtet. So muss es bleiben.

Ich lehne die Stirn an das kühle Glas.

Mein Atem hinterlässt einen Nebelfleck. Ich zeichne nichts hinein. Ich wische ihn nicht weg. Ich sehe ihm nur beim Verschwinden zu.

Es regnet. Der Regen macht die Lichter weicher. Er wäscht den Dreck nicht wirklich weg aber er macht ihn unsichtbar für eine Weile. Ich mag den Regen. Er gibt mir einen Grund still zu sein obwohl ich keinen Grund brauche. Ich bin immer still. Das ist das Problem.

Ich bin still seit zweihundert Jahren.

Nicht wirklich. Ich spreche mit Menschen. Ich kaufe Dinge. Ich lächele wenn es nötig ist. Aber innen ist es still. Da ist kein Echo mehr. Da ist nur das Warten auf etwas das ich nicht benennen kann.

Vielleicht ist das bei jedem so der so lange lebt. Vielleicht bin ich einfach müde.

Ich wende mich vom Fenster ab.

Das Haus um mich herum ist klein und sauber. Ein Raum. Eine Matte auf dem Boden. Ein Wasserkrug. Ein Spiegel den ich nicht benutze weil mein Gesicht sich in den letzten hundert Jahren nicht verändert hat und das ist nicht so tröstlich wie die Geschichten es klingen lassen. Ein Tisch. Eine Schublade mit Dingen die ich gesammelt habe. Ein Stein aus einem Fluss der jetzt eine Autobahn ist. Eine Münze die nichts mehr wert ist. Ein getrocknetes Blatt das ich nicht wegwerfen kann.

Ich ziehe meinen Mantel an. Cremefarben. Alt aber gut gehalten. Ich besitze nicht viel aber was ich besitze hält.

Zeit ins Geschehen einzutreten.

Nicht um etwas zu tun. Ich tue selten etwas. Ich sehe nur zu. Das ist meine Angewohnheit. Meine kleine Sucht. Ich gehe in die Stadt und beobachte Menschen. Wie sie essen. Wie sie streiten. Wie sie lachen und dabei den Kopf in den Nacken legen als ob das Glück sie für einen Moment schwerelos macht. Ich verstehe das Lachen nicht aber ich erinnere mich an das Gefühl. Von früher. Von vor dem Schmerz.

Ich trete aus der Tür.

Der Regen ist weich auf meinem Gesicht. Ich könnte mich trocken halten wenn ich wollte. Ein kleiner Trick. Eine Bewegung der Energie die die Tropfen von meiner Haut fern hält. Aber ich will den Regen spüren. Er erinnert mich daran dass ich noch hier bin.

Der Weg in die Stadt führt einen Hügel hinab und dann durch schmale Straßen die noch nicht von den Touristen gefunden wurden. Alte Häuser. Alte Bäume. Alte Luft. Ich gehe langsam. Ich habe Zeit. Das ist das Einzige was ich wirklich habe.

Irgendwann erreiche ich die Hauptstraßen.

Lichter. Lärm. Menschen die zu schnell gehen. Ich tauche unter in den Strom. Niemand sieht mich zweimal an. Das ist das Gute an großen Städten. Sie machen unsichtbar. Ich bin eine Frau in einem cremefarbenen Mantel die vielleicht Mitte zwanzig ist und vielleicht hübsch und vielleicht traurig. Nichts davon ist ungewöhnlich genug um aufzufallen.

Ich gehe an einem kleinen Café vorbei. Es hat noch geöffnet obwohl es spät ist. Zwei Studenten sitzen am Fenster. Sie reden über eine Prüfung. Ihre Stimmen sind jung und voller Sorge um Dinge die in einem Jahr keine Rolle mehr spielen werden. Ich beneide sie. Sorge um kleine Dinge ist ein Luxus den ich vergessen habe.

Ein Mann kommt um die Ecke.

Ich sehe ihn bevor er mich sieht.

Er ist groß und trägt einen dunklen Mantel. Sein Gesicht ist scharf geschnitten. Seine Augen sind dunkel und wach. Er geht mit der ruhigen Kontrolle eines Menschen der gelernt hat sich immer zu beobachten. Er trägt etwas Langes auf dem Rücken. Ein Schwert. Die Menschen um ihn herum sehen es nicht. Sie sehen einen Rucksack oder eine Tasche. Aber ich sehe was es wirklich ist.

Ich spüre was es wirklich ist.

Das Schwert ist alt. Älter als er. Es ist gesegnet oder verflucht je nachdem wie man so etwas betrachtet. Es trägt den Geruch von Blut und Eisen und etwas das tiefer liegt. Etwas das brennt.

Er geht an mir vorbei.

Seine Schulter berührt meine.

Es ist nichts. Ein Zentimeter Stoff gegen Stoff. Aber etwas in mir zieht sich zusammen und dann auseinander und dann wieder zusammen. Mein Herz schlägt schneller. Mein Herz das seit Jahrhunderten im gleichen ruhigen Takt schlägt ohne sich je zu beeilen. Es schlägt schneller.

Ich bleibe nicht stehen. Er bleibt nicht stehen.

Aber drei Schritte später drehe ich mich um.

Er geht weiter. Sein Rücken ist gerade und seine Schritte sind gleichmäßig und er dreht sich nicht um.

Ich stehe im Regen und sehe ihm nach bis er verschwindet.

Ich kenne ihn nicht. Ich habe ihn nie gesehen. Aber etwas in mir erkennt ihn. Etwas Altes das lange geschlafen hat bewegt sich und öffnet die Augen.

Ich gehe weiter. Durch den Regen. Durch die Stadt. Ich sage mir dass es nichts war. Ein Zufall. Ein kurzer elektrischer Moment in den ich zu viel hineinlese.

Aber meine Hände zittern.

Zum ersten Mal seit langer Zeit zittern meine Hände und ich weiß nicht warum.

Ich gehe zurück in die Hügel bevor die Sonne aufgeht. Der Regen hat aufgehört. Die Stadt liegt still unter einem Himmel der langsam grau wird. Ich stehe an meinem Fenster und sehe zu wie sie erwacht.

Mein Herz schlägt immer noch zu schnell.

Es macht mir Angst. Nicht weil es gefährlich ist. Sondern weil es Hoffnung sein könnte. Und Hoffnung ist das Gefährlichste was einem Wesen wie mir begegnen kann.

Ich lege mich nicht hin. Ich schlafe nicht. Ich warte nur auf die nächste Nacht und auf den nächsten Gang in die Stadt und auf etwas das ich nicht benennen will.

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