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Die Gefährtin, die er verlor
Die Gefährtin, die er verlor
Author: C-Emmzy

Kapitel 1

Author: C-Emmzy
Iris’ Sicht

Meine Hände bebten, als ich fassungslos auf den Befund vor mir starrte.

„Wa– was? Wie kann das sein? Sagen Sie mir, dass das nicht stimmt!“, flehte ich den Heiler an. Er schüttelte nur traurig den Kopf.

„Es tut mir leid, Luna Iris. Aber es stimmt. Ihre Tochter leidet am Mondbann-Fluch“, sagte der Heiler behutsam.

In diesem Augenblick brach meine ganze Welt zusammen. Der Mondbann-Fluch war eine der seltensten und tödlichsten Krankheiten bei jungen Werwölfen. Ein Heilmittel gab es nicht.

Ich bekam kaum noch Luft.

Mein Blick fiel auf Evie, meine kleine, arglose Tochter, die auf der anderen Seite des Zimmers saß. Als sie merkte, dass ich sie ansah, schenkte sie mir ein strahlendes Lächeln. Es zog mir das Herz zusammen. Evie steckte so voller Leben. Wie konnte ihr so etwas zustoßen?

„Wie viel Zeit bleibt ihr noch?“, fragte ich und erwiderte ihr Lächeln, obwohl mir das Herz brach.

Der Heiler seufzte. „Einen Monat.“

Ich fuhr zu ihm herum. „Was? Einen Monat?! Das ist viel zu wenig!“, brach es aus mir heraus.

Der Heiler lächelte traurig. „Genug Zeit mit einem geliebten Menschen gibt es nie. Sie können nur dafür sorgen, dass ihre letzten Tage so glücklich wie möglich werden.“

Tränen stiegen mir in die Augen. Evie hatte hohes Fieber gehabt, was bei Werwölfen äußerst ungewöhnlich war. Deshalb hatte ich sie zur Untersuchung in die Rudelklinik gebracht.

„Was soll ich jetzt tun?“, stieß ich hervor und presste mir entsetzt die Hand auf den Mund. „Sie ist erst sieben! Ich kann sie nicht verlieren!“

Der Heiler schüttelte traurig den Kopf. „Es tut mir wirklich leid, Luna Iris. Ich wünschte, wir könnten noch etwas für sie tun.“

Meine Hände bebten, als ich den Befund von ihm entgegennahm. Mir zog sich die Brust zusammen, während die Wirklichkeit langsam zu mir durchdrang. Meine Evie hatte nicht mehr lange zu leben.

„Ich möchte Ihnen keine falschen Hoffnungen machen, Luna“, seufzte der Heiler, „aber vielleicht gibt es ein Heilmittel.“

Ich erstarrte. „Ein Heilmittel?“

Ein jäher Hoffnungsschimmer durchfuhr mich. Mir schlug das Herz bis zum Hals.

„Die Rudelklinik forscht derzeit an einem Heilmittel gegen den Mondbann-Fluch. In der Testphase gab es bislang kaum Erfolge, deshalb sind wir nicht besonders zuversichtlich. Aber wir machen weiter. Vielleicht finden wir noch etwas.“

Ich wollte mir keine Hoffnung machen, aber ich konnte nicht anders. Evie hatte vielleicht eine Chance. Wenn den Heilern ein Durchbruch gelang, konnte sie die Behandlung bekommen, die sie brauchte.

„Mama?“ Evies Stimme erklang plötzlich neben mir. „Ist alles gut? Was ist los? Werde ich wieder gesund?“

Ich wischte mir schnell die Augen und drehte mich mit einem falschen Lächeln zu meiner Tochter um. „Ach, mein Schatz, natürlich wirst du wieder gesund. Du musst nur viel schlafen und ordentlich essen“, sagte ich rasch, um sie zu beruhigen.

Ich biss mir auf die Lippe, um nicht zu weinen, und nahm die Unterlagen vom Heiler entgegen.

Auf dem Heimweg plapperte Evie aufgeregt von ihrem achten Geburtstag, der in einem Monat anstand. Ich musste mich mit aller Kraft zusammenreißen, nicht loszuweinen. Denn ohne Heilmittel blieb ihr genau dieser eine Monat.

Plötzlich wurde Evie still. Besorgt sah ich zu ihr hinüber.

„Mama?“, fragte Evie leise. „Kann Papa diesmal zu meinem Geburtstag kommen? Ich bin auch ganz brav, versprochen.“

Evie bat selten um etwas. Das war schon immer ihr einziger Wunsch gewesen: dass ihr Vater für sie da war. Aber Eric war nie da.

Eric Cross war der Alpha des Mondsichel-Rudels – und mein Gefährte.

Alpha Eric ließ seinen Hass auf mich an Evie aus. Sie litt furchtbar darunter und sehnte sich seit jeher nach der Zuneigung ihres Vaters.

Mir brach das Herz, und Tränen verschleierten mir den Blick. In diesem Augenblick schwor ich mir, alles zu tun, damit Evie diese Liebe bekam – wenigstens so lange, bis ich sicher wusste, dass sie nicht sterben musste.

Zu Hause legte ich Evie sofort schlafen und rief Eric an.

„Eric, wir müssen reden“, sagte ich leise.

Schon an seiner Stimme hörte ich, wie gereizt er war. „Was ist? Ich habe gerade viel zu tun.“

Ich schluckte den Schmerz hinunter. Seine Ungeduld war nichts Neues, aber sie tat trotzdem weh. „Bitte. Du musst mehr Zeit mit Evie verbringen.“ Meine Stimme zitterte.

Eric schnaubte genervt. „Iris, du weißt genau, dass ich keine Zeit für deine Spielchen habe. Zara braucht Hilfe mit ihrer Tochter Tiffany. Ich habe gerade genug um die Ohren.“

Als er Zara und ihre Tochter Tiffany erwähnte, zog sich mir alles zusammen. Zara war Erics erste Liebe. Sie war vor mehreren Jahren verschwunden und erst jetzt mit ihrer Tochter Tiffany zurückgekehrt.

Ich blieb hartnäckig. „Aber das hier ist wichtig, Eric.“ Es kostete mich alles, in diesem Moment nicht zusammenzubrechen.

Er stieß ein gereiztes Knurren aus. „Was kann so wichtig sein, dass du mich schon wieder damit –“

Ich fiel ihm ins Wort. „Evie ist schwer krank. Sie wird bald sterben.“

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